Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 48. (27.11.1878)
- Date
- 1878-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. VII Io. 48. j ' Das Jahrg. VII Jüdische Literaturblatt. Zar Beleuchtung aller Jadeo• thom nnd Juden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschlchte,Ethnojrraphle,The־ oloffie.OrienUll«, Exegese, Ho* mlletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz (fälliger. Magdeburg, 37• rv"ovembir 1H78. Da. ,,<■ Qdlftdie Llteralarblatl“ erscheint wöchentlich in eintm halben Bogax׳, Preis bei allen BuchhandlnnpHI (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Isrlelitisotien Wochenschrift* in Magdeburgmit direeter '"י'•7" ־־‘•1,1־■—A-a M"״'־ » v.״״.״״״״״ a״־ w״.u—(die vierteljährlich ■be'r allen Postan9talten nnd Bush- — Inserate werden mit 20 Pf. für die drei ge-; Xrankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten den ״Israelitischen Wochenschrift handlangen 3 Mark 50 Pf. kostet) erhalten das!jüdische Literatnrblati* g r a t i 1' spaltene Petitzeile, buchhändlerisclie Beilagen mit 13 Mark berechnet. Bücher der einschlägige« LIteratar, welche der Bedaetioa »gesandt werden, •«de* ln diesem Blatte eingeh.Benpreehnng. Bel Einsendnng ns S Beeenslonnexemplarea'erlUst ‘ auch einmallgeGratlslnnertk»«■ . Dis Expedition der ״Israelitische 1 WochaaschrifL“ Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Der Mosaismns lm Gegensatz zum Aegyptertlmm Von M. Mannheimer in Darmstadt. — Literarische Notizen. Von Dr. L. Levysoha in Ötockholm. 81—88. Literaturbericht: Recensionen: Kohn-Zedek, מוסר השכל יכיל 3' דרושים (כר'• — Schulbücher: Berlin, S., Leitfaden für den Unterricht in der Bibelkunde ete. — larium zum Gebetbuch etc. — Notizen. Der Mosaismns und das Aegypfcerthum in religiöser und politisch-socialer Beziehung, von M. Mannheimer, emirit. Rabbinatsverweser in D&rmstadt. (Schluss.) Oer oben behaupteten Gleichheit und Ebenbürtigkeit der Glieder der Volksgemeinde scheint zwar die Entstehung eines abgesonderten Priesterstandes zu widersprechen. Denn allerdings nimmt er eine bevorzugte Stellung in der Gemeinde ein, da. ihm allein die Pflege und Hut des Heiligthums (S/iftshiltte, Tempel) übertragen war, während alle Nichtpriester von demselben fern bleiben mussten. Allein es fragt sich, ob Moses schon von vorn herein ein abgeschlossenes Priesterthum hatte schaffen wollen, ob es nicht erst aus den Wirren der Zeit hervorgegangen wäre, wie z B. bei Anbetung des goldenen Kalbes, wo der Stamm L e v i sich in treuer Anhänglichkeit an den M09aismus mit der Tliat bewährte. Erst dann, als das Volk der Anforderung der Heiligkeit, die das Walten Gottes in ihm verlangte, nieht entsprach, wurde ein Stand geschaffen, der die Kluft zwischen dem heiligen Gotte und dem unheiligen Volke ausfüllte und die Gemeinschaft zwischen beiden, wenn sie gestört, wieder herstellte. Und wenn wir auch der Behauptung mancher Bibelforscher, die priesterliche Abgeschlossen heit des Stammes Levi oder der Ahroniden sei nicht derart gewesen, dass sie nicht hätte durchbrochen werden können, wie dies die Beispiele Samuels, Davids, Salomons zeigten, und dass die strengere Anschauungsweise vom Priesterthum erst bei den späteren Königen Juda’s(2. Chr. 26,15—21.) sich gehend gemacht hätte! nicht beistiinmen, so müssen wir doch anerkennen, dass diesem Priesterthume die erhabene Wahrheit entgegenstand, das ganze Volk sei ein priesterlichesReich ujid ein heiliges Volk. Der Unterschied der Heideawelt zwischen den Bevorzugten, die den Göttern näher stünd in, denen die Götter zugänglich wären, die deren Rath vernähmen, und den Laien, die von der 2 ugänglichkeit der Götter ausgeschlossen wären, konnte hie ־ folglich nicht aafkommen. — Hei den Mysterien der ägyptischen Priesterschaft gab es eine esoterische Lehre, in die nur die Priester eingeweiht wurden, und ein j exoterische, womit man die Laien bekannt maöhte. Die Priester *ik» .1. ■ nnd Gesetze — V ocabuwaren die Vermittler und Ausleger des Götterwillen■,, die Gesetzg eber, ln Israel gab es keine abgeschlossene 1 Priesierwe'isheit, keine priesterliche Geheimlebre. Gott, j seine Lehte und sein Gesetz waren allen Israeliten.] gleich' zugänglich. Und nicht die Priester, sondern dier Propheten waren die Verkünder des göttlichen Worte». - Und ungeachtet auf manchen Gebieten derGesetzgebuDg Religiöses und Bürgerliches mit 1 einander vermischt 1 waren, blie נ dennöch das Priesterthum darauf beschränkt, 1 die Heiligl eit und Reinheit der Gemeinde aufrecht ztr erhalten u ld letztere vßr Gott zu vertreten. Nicht einmal das Geschäft des Richtens lag ursprünglich in den ' Händen dar Priester, es war nicht ihr Vorrecht. Und 6elbst der!Hohepriester, der im Besitze der Urim und , Tumim wqtr, konnte keine Gesetze geben, sondern nur >־ in zweifelhaften Fällen Recht sprechen, den Ausgang{'׳ einer Unternehmung vorher verkündigen etc. So ver- * mochte sk h im Mosäismus keine die bürgerlichen Vethältnisse l eherrschende und die geistige Freiheit unterdrückende priesterliche Hierarchie j herausbilden. Erst l ei Aufrichtung des zweiten Tempels erlangte das Pries ierthum eine grössere Bedeutung. An der Spitze de! nach Judäa zurückgekehrten Exulanten stan-. den Serul abel, ein Abkömmling Davids, und Jesua, der Hohepries er, ein Ahroaide. Den von Jeremias (Jer. 23,5; 33,15) vei kündeten aus Davids Dynastie hervorgehende» . Spross (5!emach), der Recht im: Lande üben .werde, k hatte der! Prophet Chaggai, der däs Volk zum Aufbau( ermuntert^, auf Serubabel bezogen. Allein nicht lange] 1 nachher trat Serubahel vom öffentlichen Scbauplatae zurück. Mag sein, dass er ■gerade durch seine könig-׳ liehe Abstammung den Argwohn der persischen Oberherreu erregte. Jesua blieb nun allein auf dem Platze.׳ Der um diese Zeit auftretende Prophet Zacharias setzte; ihm eine goldene Krone aufs Haupt. Er hat in ihm, dem Hohenpriester, den Zemach, ä. L den Spross •und. den künftigen mit Gerechtigkeit herrschenden König, erblickt. Das Judenthum lief nun Gefahr,■ Priesterthum und Köfiigthum in einer Person vereinigt zu sehen. Doch hierzu kam es nicht. Vorerst blieb Judäa unter der Herrschaft persischer Statthalter, mithin fehlte es dem HoHenpriester an eigentlicher politischer Macht. Und als Ekra und Nehemia nach Jerusalem zurückgekehrt waten, um Nation und Religion zu regenerirea,, hat namentlich Ersterer, solche Institutionen geschaffen, die eineijn priesterlieh-hierarchisclien Gelüste für immer einen Damm entgegengestellt haben.*) Dies waren die ,',grosse Versanunlung“׳ (Keneieth ha-gedolah), au» r» *) Als{ die Israeliten später mit den Römern in Berührung knmen und an dem Pontifex maximus ein Beispiel ausserordenllMtor I