Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1878-11-13 · No. 46. (13.11.1878) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 46. (13.11.1878)
Date
1878-11-13
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-6488234-8755661--1149-4854575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

liefert worden. Eine Darstellung ״der Psychologie des I grossen wissenschaftlichen! Werth, während sie ja sonst Via *rl Am innk Am Tnlmn^^ a 11 ao/tk Kndel > a!« Irnnn /IflMn ■in naali^ *1111• 1*1 Ani XT<11<<1<1 *»an '1 <*aian f/tn Han 1/ annao <ln■ <■1/1 su ordnen, und zeigt genügende Selbstständigkeit im Heranziehen und yäuffassen der erforderlichen Belegstellen. Belesenheit und Originalität sind nicht zu verkennen. Freilichlässt dieser erste Versuch bei allein Lob, das er unstreitig verdient, noch Mancherlei zu wünschen übrig, namentlich was die wissenschaftliche Durchdringung und Verarbeitung des Stoffes betrifft Der Autor bemüht sich nicht genug, in den Mittelpunkt der talmudischen Psychologie einzudringen, den Grundgedanken der rabbinischen Anschauung, welche begtändig das eschatologische Moment im Auge.behält, zu ermittein, um von da^und aus ihm heraus die Lehteh und Ansichten über die Seele zu entwickeln und herzuleiten, sondern es wird das Schema eines psychologischen Compendiums zu Grunde gelegt mit seinen begrifflichen Hepositorien und Schubfächern, welche-letztere mit den talmudischen Sentenzen ausgefüllt werden. Das Schubfach mit der Etiquette ״Substantialität“ wird aufgezo- ' gen (8. 12), und hier Alles hineingeworfen, was der Talmud über die Präexistenz und Postexistenz der 8eele sagt Lehrt aber derselbe Talmud nicht auch, dass die Seele verbrennen kann, während der Körper heil nnd unversehrt bleibt, wie bei den Söhnen Ahron's und den Truppen Sanherib’s? (Sabbath 113b. Rosch haschanah 17a) Wie weit verträgt sich denn ״dies mit der philosophischen Fassung des Substanzbegriffes? Für das Schubfach ,der Unteilbarkeit“ und . _der Immaterialität“ liefert der Talmud keine positiven Behauptungen Hier muss die Erklärung etwa atishelfeg, es sei undenkbar, dass der Talmud das Gegeniheil gelehrt haben könne. Wohl wahr! aber von solcher Negative bis zur specalativen Fixirung dieses Problems ist ein weiter Weg; sehen wir davon ab, wie stety es mit der נשמה יתרה, welche in Ausdruck und Bild dicht eben zu Gunsten der seelischen Untheilbarkeit spricht? (Bezah 16a). Bei der ״Einfachheit‘1 ist der Verfasser genö:higt, auf das Nebengebiet des Midrasch zu repurrufen, obwohl er ״bei dieser Arbeit nur den babylp- Bischen Talmud berücksichtigt hat (S. 10). Es ist nun überaus misslich, sich bei dem ,,Versuch einer Psychologie des Talmud“ nur auf das babylonische Schriftwerk beschränken zu wollen. Die Ausbeute, weiche dieses letztere hierfür gewährt, ist geradezu bedürfig und ׳ verschwindet dem Material gegenüber, welche! aus dem t Körper des Gesammtmidrascb und des jerusalemitischen Talmud gewonnen werden kann Es sollen natürlich - die Stellen und Angaben des babylonischen Talmud ihrem Werth und ihrer Zahl nach nicht geschmälert and herabgesetzt werden, sie sind aber nicht mehr, als ein Theilstück des Ganzen, ein Stein in dem p6ychologischen Mosaikbild, das uns von den Rabbinen über- (ישחנה ר׳ אמי ור׳ אפי חר »מר ישחנה (עין יעקב: יסיחנה מדעתו וחד אמר ישיחנה לאחרים. ,Der Bibelvers: ״Die Sorge im Menschenherzen drückt es nieder“, erhält -nämlich die doppelte Auslegung, diss die Sorge sowohl die Gedanken des Menschen vom bestimmten Ziele abschweifen lässt, als ihn auch Anderen unterwürfig macht.“ — Dies ist, wie leicht nachzuweisen, entschieden falsch; der Bibelvcrs wird vielmehr von beiden Rabbinen so gefasst, dass der Eine betreffs der Sorge empfiehlt, ״sie sich aus demSinhezu schlagen“, während der Andere empfiehlt, ״sie Anderen mitzutheilen“. Von solchen Mängeln abgesehen welche der ״sichtende Kritiker“ eine Klasse von Lesern, die der Verfasser sich ebenso wie andere wünscht (S. 6), nicht ganz verschweigen kann, wird das Schriftchen Jedem, der es in die Hand nimmt, angenehme und anregende Belehrung bieten, und wir wünschen, dass es recht Viele zur Hand nehmen mögen Ausstattung und Druck sind vortrefflich. Im Interesse der Sache hatte der Verfasser, da er ja Manche, die über talmudische Stoffe geschrieben haben, namhaft macht, auch Diejenigen nicht ganz übergehen sollen, welche für eine talmudische Psychologie nennenswerte Vorarbeitengeliefert haben; .ich erwähnd beispielsweise Gideon Brecher: ״Die Unsterblichkeitslehre des israelitischen Volkes“ und Formstecher: ״Zur talmudischen Eschatalogie“ (Geiger, Wissen8ch. Zeitschr. B. IV). p. Rosenstock, Dr. M., Die Völkerwanderung und ihre Folgen für die Juden Europa’s und insbesondere Deutschlands. (Jahresbericht der Samsonschule zu Wolfenbüttel.) Hannover. Rudolf März. 1878. An Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte hat es in den letzten Jahren wahrhaftig nicht, gemangelt, and doch können wir die vorliegende vortreffliche Schrift als eine sehr wünschenswen he Leistung begrü88en, weil sie nicht sowohl von dem Sireben dietirt ist, etwas Neues zu entdecken, als von dem in die Geschichte unseres Volkes Pragmatik zu bringen An Details-Darstellung von Episoden aus der Geschichte der Juden im Mittelalter haben wir (Jeberflnss, und die verschiedensten jüdischen und nichtjüdischen Zeitschriften fördern alltäglich neues Material an den Tag. Aber der Gedankeagang-, welcher der Geschichte eines Volkes vom wahren Historiker nicht abgesprochen werden darf, die Logik in den Leiden, die uns durch mehr als tausend Jahren namentlich in Europa von Land zu Land verfolgten, ist noch wenig aus dem ganzen Geschichtskörper herauspräparirt worden. Die Schleiden' sehen Arbeiten haben namentlich in dieser Hinsicht babylonischen Talmud“ ausschliesslich kann darum nicht anders, als hinken. Dabei wird keine Rechenschaft darüber gegeben, wie weit überhaupt von einer. Psychologie des , Talmud die Rede sein kann und nacht vielmehr von derjenigen der einzelnenRabbinea. Sehr klar und geschickt ist übrigens die Lehre von den psyphisehen Vorgängen und Erscheinungen behandelt, welche die grösste and beste Partie des Schriftchens au8ma!cfit. Indess gibt es auch hier allerlei richtig zu stellep. Vor Allem stört die Absicht, die mehr als nöthig dui־chschimmert, talmudische Sätze um jeden Preis rationell zn begründen, wie z. B. 8. 29 ״Das Fasten ist 80 j gut für einen beängstigenden Traum, wie das Feuer Iflir nur wenig Neues, wenigstens für den Kenner der jüd. Geschieh!«, an den Tag förderten. Auch Herr Rosenstock hat in der vorliegenden Arbeit, obzwar er durchgehends aus den Originalquellen schöpft und an mancher Stelle bescheiden unter guter alter Münze vollgültiges <eigenes Gepräge bietet, sich ein Hauptverdienst dadurch erworben, dass er in Kürze in einen tausendjährigen Raum der jüdischen Geschichte die Beleuchtung von Ursache und Folge bringt. Je kürzer und knapper eine solche an die Arbeit des Anatomen erinnernde Präparation des vorliegenden Stoffes ist, desto klarer wird das Geäder und die Musculatur des behandelten Körpers' vor unseren Augen liegen. Werg,“ welcher rabbinische Ausspruch auf Rechnung Die Arbeit bringt auch in manches sonst nicht ganz der damals herrschenden Zeitanschauung von dem klare Verhältnis, z. B. das der Jud׳-n zu den Städten, Traatne zu setzen ist. Hin und wieder trifft auch!die Ständen und Kaisern Licht und verdient nicht nur ge- Üegtuihg und Auslegung einer talmudischen Stelle nicht lesen, sondern auch studirt zu werden. 54 heisst es über Sotah 42b ד|אנ)ד בלב איש •' Zürich, Ende Oktober 1878. Kisch. "YmSCUtiMMr ftedMtaar Dr. Rah in er inTugS^^Wwirroß H. Horbach in B&rby. Verlag von Robert Friese ln LeipngT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.