Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 43. (23.10.1878)
- Date
- 1878-10-23
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Stelle Berachoth 21 um deswillen merkwürdig und gravirend, weil die Tosefla, die in Frage kommt, citirt ist, blos ohne jenen wichtigen Theil, der die ganze Controverse überflüssig gemacht hätte — wenn er damals schon vorhanden gewesen wäre. (Schl, f.) Literaturbericht " kctniMn. Das beginnende Wintersemester mahnt uns׳ daran, mehrere während der letzten Monate der Red. zugetangene Schulbücher, zu deren Besprechung es bislang in dies. Bl. an Raum gebrach, nunmehr die Revue passiren zu lassen.- 1) _WoIlf, L., Prediger der isr. Gemeinde zu Saarlouis, ,*סועדי י. Die Festtage Israels. Für isr. Schulen methodisch־ behandelt. Im Selbstverläge des Verfassers (in Commission bei Franz Stein in Saarlouis) 1878. Kl. 8*. 45 S. I Dass der Verf. alle Bräuche beim Seder sehr ausführlieh bespricht, finden wir ganz in der Ordnung, nur die arithmetische Erklärung (Notaricon) von כרפס durch 'D 600,000 פרך, hätte er füglich fortlassen können. S 24 wäre bei der Aufführung verschiedener Namen und Bedeutungen des Rosch haschono-Festes der Vollständigkeit wegen auch an היום הרת עולם zu erinnern gewesen, ebenso S. 26 Anmeik. 1 auch an die Beziehung des Widderhornes zur Akeda. Bei ש״ע S. 35 fehlt der Hinweis auf Maschiw horuach, unter Purim die Erklärung von פורים קטן, unter den ־besonderen Sabbathen ש' שירה. Bei Erklärung von פ' שקלים wäre auf die durch den halben Schekel zum Ausdruck kommende Idee der Gleichheit viel eher hinzuweisen, als auf die agadische Beziehung zu den 10,000 Silbertalenten Haman’s. Bei ש' שובה fehlt die Bemerkung, dass der Name vom Anfangsworte der Haphtara herrührt. — Statt Sanhedrin ist richtiger Synhedrin zu schreiben. Möge der Herr Verf. daraus, dass wir bei seinem Büchlein etwas länger verweilten, entnehmen, wie sehr uns daran liegt, dasselbe in neuer Auflage so vollständig als möglich zu erblicken. Ein solches Handbüchlein wird jeder jüd. Lehrer längst gewünscht haben, denn die Kenntniss der Feiertage ist dem jüd; Schüler auf allen Stufen durchaus, nothwendig, und man kann nicht früh genug damit beginnen; es ist das unstreitig der wichtigste, praktischste und dankbarste Theil des ganzen ReHgions- Unterrichts. Der Verf. behandelt ihn mit vollster Sachkenntniss und Gründlichkeit, 1 dabei in leichtfasslicher Weise. Wenn wir im Folgenden auf einige Punkte, die wir anders gefasst haben würden, hinweisen, so soll damit durchaus dem Werthe des Büchleins kein Abbruch geschehen, sie seien,vielmehr dem Vert zur Erwägung resp. zur Berücksichtigung bei einer ' neuen Auflage empfohlen. Ob das Kapitel über die Zeitrechnung, das der Verf. an den Schluss gestellt, nicht besser za Anfang gleichsam als Einleitung zum Ganzen am ־ Platze gewesen wäre, darüber liesse ach vielleicht streiten, weil die kalendarischen Berechnungen für* jüDgerc Schüler etwas zu schwierig sind, allein die .ganze Eintheilung der Fest- und Fasttage an der Hand und 'nach der Reihenfolge der Monate scheint uns nicht sonderlich zweckentsprechend, weil der Schüler so die Feiertage nicht nach ihrem Werthe und ihrer Abstufung kennen lernt, sondern nach der Zufälligkeit ihres Stattfindens in diesem oder jenem Monate; auch wird die Reihenfolge der verschiedenen Fest tage bald hier bald da durch einen Fasttag unterbrochen und dasGesammtbild dadurch verwischt. Wir beobachten beim Unterricht folgendeEintheilung:1.Hauptfeiertage,a)ימים נוראים, b) שלרש רגלים» ILHalbfeiertage; III.Fasttage; IV. Sonstige geschichtliche Gedenktage; V. Besonders ausgezeichnete Sabbathe. Als Repetition lassen wir dann von den Sehülem eine Aufstellung der Fest- und Fasttage u. 8. w. nach den Monaten schriftlich machen. Einem Leitfaden muss unstreitig die erstgenannte Eintheilung zu Grunde gelegt werden Dies im Allgemeinen; im Einzelnen fanden wir Folgendes za bemerken. 8. 3 ist ״Kiddnsch“ nicht mit ״Danksagung“, sondem mit ״Heilignag, Weihe* wiederzugeben, — In der Antwort auf die Frage 4 muss es statt Festtage wohl ״Ruhetage? heissen, denn in erster Reihe hat ja das vierte׳ der Zehngebote den Sabbath im Auge, und dann erst können die übrigen Feiertage darunter subsumiert werden. Zu S. 9, dass die Mazza auch eine Mahnuhg sein soll, lässt sich nicht begründen zurjMäss Rnätirö Rascher können wir über die beiden folgenden Büchlein hinweggehen: 2) Levi, L., Religionslehrer und Prediger zuHechingen, Leitfaden für den isr. Religionsunterricht in den Unterklassen. Zugleich als Wiederholung für den Confirmanden-Unterricht Hechingen 1878. Selbstverlag, v, 3) fjtrassburger, B., Lehrer in Buttenhausen, Memorir- und Gesangbuch für isr. Schulen. Stuttgart 1878. Commissionsverlag von Levy & Müller. Obwohl wir keine besondern Freunde dieses ganzen Genre's von Religions-Leitfaden- und Spruchbüchlein- Literatur sind, so sind die vorliegenden ihrer kurzen Fassung wegen Solchen, die davon Gebrauch machen wollen, zu empfehlen Beide Büchlein haben in erster Reihe Württemberg'sche Schüler im Auge, das erstere ist nach Dr. Mayer.s Confirmandenbuch, das andere nach dem Stuttgarter Gebet- und Württembergischen Spruch- und Gesangbuch bearbeitet, jenes gibt sämmtliehe Bibelverse auch hebräisch, dieses nur zum Theij. In beiden Büchlein haben wir gefunden, dass die Bibelverse nicht wörtlich eenau übersetzt sind. Warum 5. B. M. 6,5 nicht: mit deinem ganzen־Herzen, mit deiner ganzen Seele u. s. w. Heisst ובכל מאודך nun<i mit allen Kräften“? Ob's in Mayer’s Confirmandenbuch auch so übersetzt ist, wissen wir nicht. Warum umschreibt Herr L לא תשא שמע עןןא »dein Ohr höre nicht auf die Worte des Verleumders“? Ist denn die Kürze des Originals nicht viel schöner? Das erinnert uns an jenen Lehrer, der das herrliche Schöpfungswort durch einen Zusatz zu verschönen glaubte: Gott sprach, es werde Licht, da wurde es gleich Licht! Ganz sinnentstellend ist bei LeviS. 12 übersetzt: ״Denn an diesem Tage wird män euch versöhnen, euch zu reinigen von all eueren Sünden vor dem Herrn, auf dass ihr rein werdet.“ S. 7 ist von den Spr. 3,13—18 ein ganzer Vers unübersetzt geblieben. Der' Verf. schreibt stets Scbebuoth (״Eide“) st. Schabuoth (״Wochenfest“). Das Memorir- und Gesangbuch anlangend, das einen sehr reichen Stoff wohlgeordnet zusammenfasst, hat es uns gewundert, dass Hr. Strassburger so viele Citate aus den Apokryphen (Sirach, Tobith u. A.) wählt, und zwar für Gedanken, die viel schöner und markiger in den eigentlichen bibl. Büchern des A. T. und in den Spr. d. Väter ausgedrückt sind. Die Anführung von Beispielen würde uns hier zu weit führen. (Forts, f) Beüactur Dr. Kahmcr inMagdeburg. Brack voa H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Fri e»« in Leipzig.