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Das jüdische Literaturblatt · 1878-10-23 · No. 43. (23.10.1878) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 43. (23.10.1878)
Date
1878-10-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben Zar Beleuchtung aller Jadentham and Jaden betreffenden literarisch.Erscheinungen an( dem Gebiete dier Philosophie, Gesehlchte,Ethnographle,Theologte,Orientalin, Exegese, Horalletlk, Litarglk, Pädagogik. Rabbiner Dr. Moritz Rahiuer. Magdcburtf, 83. Ootolse*• 1878. Bücher uer einschlägigen LIteratnrj welche der Redaction sagesanat werden, Anden in diesem Blatte eingeh-Beepreehang. B*1 Einsendung ron 2 Recensl* nsexemplaren erfolgt auch elnsnaligeGratlsinaertion• Das ״Jttdtaiclie I>lteratarblmttu erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis jttei allen BaoMnUMÜngeB (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit directer frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Bach- Handlungen 9 Mark SO PC kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserat« werden mit 20 PC filr die dretgespaltene Petitzeile, buchh&ndlerische Beilagen mit 19!Mark berechnet. Die Expedition der ״Israelitische! Wochenschrift“ Inhalt! j W iss en schaftlich e A ufshtze: Der Mosaismus im Gegensatz zum Aegyplerlhum Von M. Mannheimer in Darmstadt — Achiman, Scheschai u d Talmai. Von Dr. Stier, Landrabbiner in Steinamanger. — Einiges über die Stellung der Tosefta. Von Dr J. S. Bloch in Brüx. j Literaturbericht: Recensionen: Wolff, L., Prediger, Die Festtage Jsraels. Levi, L-, Leitfaden für den isr. Rdligionsunterrieht. Sti assburger, B., Lehrer, Memorir- und Gesangbuch. Der Mosaismus im Gegensatz zum Aegypterthum in religiöser und politisch-socialer Beziehung, von M. Mannheimer, emirit Rabbinatsverweser in Darmstadt , (Fortsetzung.) I Die Gottesverehrung der Aegypter bestand in einen( Kriechen uud Sichkrümmen vor den höhern Mächte!(, deren Gunst man erlangen wollte. Die mos ai sc he hingegen pflegtez war auch das Gefühl der Abhängigkeit aber auch der selbstbewus sten freien Erhebung zu Gott. Denn iin Mosaismus vernichtet die Idee Gottes den Menschen nicht, sondern stel 't ihn hoch. Gott spiegelt sich im menschlichen Geiste ab, dieser ist sein Ebenbild. Hier erscheint der Mensc i nicht als ein blos ohnmächtiges Geschöpf, über den eine höhere Macht gebietet,; sondern als ein durch die ihm anerschaffenen Vorzüge Gott näher gerücktes Wesen (Ps. 8, 6.) Und so unendlich erhaben auch Gott ist, und sosehr der Mensch seine Abhängigkeit von ihm empfindet, so soll doch seine Hingabe an ihn von freiester Art sein. Nichts beweist dieses so prägnant, als der Umstand, dass der Pentateuch Gott mit Israel einen Bund schliessen und dasselbe mit freier W(ahl in diesen Bund eintrelen lässt. Die ägyptische G0ttesverehruhg warein dunkeles Suchen nach einer Verbindung mit dien dunklen Naturmächten, die mosaische hingegen ein klares. Erkennen dessen, was Gott von seinen Verehrern fordert, was sie zu thun haben, um in Gemeinschaft mit ihm zu bleiben, und, wenn diese gestört ist, die Störung aufzuheben. Und da dem Mosaismus sein Gott ein heiliger Gesetzgeber war, trug seine Gottesverehrung einen sittlichen Charakter; sie ward die Pflegerin sittlicher Ideen und Thaten. — Erst der Mosaismus erkannte die Busse in ihrer wahren Bedeutung als Umkehr, Ver- 6öhnung, Reinigung und Wiederherstellung. | Dem Heidenthume blieb dies unbekannt. Gottesverehrung im engeren Sjinne. (Opfer, Gebet.) Man hat schon öfters die Frage aufgeworfen, warum Moses das Opfer als Form der äusseren Gottes- Verehrung und nicht das Gebiet eingesetzt habe, und diese Frage verschiedentlich beantwortet. Maimonides sagt in seinem Moreh Nebuchim (Th. III. S. 32.), der Opferkultus sei deswegen für das israelitische Volk angeordnet worden, weil es sich damals nicht von seiner gewohnten Anschauungsweise!: man könne sich der Gottheit nur durch Opfer nahen, hätte abbringen lassen. Das Opferwesen wäre demnach ein blosses Zugestftnd« niss an die menschliehe Schwäche, eine Accomodation an die durch altes Herkommen geheiligten Neigungen gewesen, ohne welche Moses das höher stehende Gebet und Gebetsformeln anstatt der O jfer würde eingeführt ha!ben*.) So musste sich’s Mai moiides denken, dem bei all seinem Rationalismus auf religiösem Gebiete der Begriff der Entwickelung fehlte. Hirn waren Lehre und Gesetz des Pentateuchs etwas Fertiges, Vollendetes, daher nicht der Entwickelung ünd Fortbildung fähig noch bedürftig. Dem ist aber nicht also. Der Mösaismus legte allerdings einen unvergänglichen Grund wahrer Religion : doch sollte sich diese erst im Laufe vieler Jahrhunderte entwickeln, fortbil! Würde nun dieser zwar fes dete Grund sofort in einem mhstergiltigen stehenden n und vollenden, aber doch unvollenisdrucke gelangt sein, und Fortbildung erk- Gebete für die Gemeinde zum so hätte dies seine Entwickelunk schwert, wenn nicht gar abgeschnitten. So aber blieb das Gebet dem Herzensgründe!eines jeden Einzelnen' überlassen, und die Wunderkrafti eines solchen wahren Gebets regte sich im Laufe der Geschichte immer freier und mächtiger, bis sie in den Psalmen die herrlichsten Blüthen und Früchte hervortrieb. Es war also der Entwickelung des Mosaismus förderlich, dass beim alten Israel keine stehenden GebeEsformeln eingeführt waren, wenn es auch nicht an heiligen We rten, Sprüchen und Gebetsanklängen fehlte, and dass anstatt derselben der Opfercultus beibehalten Und geregelt worden ist. ' DasOpfer. Dem früheren Alterthum war ebenso die tiefe und schwere Scheu vor allem. Göttlichen eigentümlich wie die Gewalt, mit welcher die Empfindungen der Gottesfurcht in entsprechende Thatzeichen überzugehen strebten. Das blosse Wort, an die Gottheit gerichtet, genügte ihnen nicht, sondern erst die Hingabe eines eigenen gelieblen Gutes an dieselbe. Die Menschheit war noch zu jung und ihre Gefühle zu lebhaft und stark, und so glaubte sie, nicht durch das Gebet, sondern stärker durch das Opfer auf die Gottheit wirken zu müssen. — Der Begriff des Opfers aber konnte bei verschiedenen Völkern und auf verschiedenen Stufen ihrer Cultur unmöglich identisch bleiben. Das Moment der Entsagung auf ein dem Einzelnen, nach dessen menschlichen Empfindungen und Trieben, teueres und angenehmes *) Die Widerlegung dieser Ansicht durch 18. Arama in nü . hster Jfr.

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