Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 32. (7.8.1878)
- Date
- 1878-08-07
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. — 128 Gegentheil ihren eigenen neueren babylonischen Sitten and Anschauungen, Principien und Cultusgewohnheiien entsprechend, verfasst und als die alte Mischna.Juda Hanassi's in Circulation gebracht haben. Als später der jerusalemische Talmud mit der echten jerusa'emischen MiSchna — d. h. der Toeeita — nach Babylon gelangt, und dort der grelle Widerspruch zwischen der echten und gefälschten Halacha allgemein aufgefallen war, entfernte man ans dem jerusalemischen Tulmud die Tösefta und setzte an deren Stelle-die babylonische jMischna. j AI an sieht, eine radicalere Anschauung als diese Von dem echt konservativ gesinnten Z. aufgestellt, liesse sich wohl kaum erdenken. Die babylonische Mischna, darauf unser ganzes ceremonielles und cultnrelles Leben sich gründet und stützt, ist nach ihr das Produkt!einer einzigen grossen Fälschung, und der Umstand, dass mehrere Halacha’s in unserm Mischnacodex nachweislich amoräischen Ursprungs, scheint ihr eine wichtige Stütze zu verleihen. Man erinnert sich dabei imwillkürlich an die ״moabitischen Alterthümer* des berüchtigten Sch&pira, welche auf Grund von Gutachten bedeutender Fachmänner und Forscher, von hohen gelehrten Körperschaften der preussischen Regierung zum Ankauf empfohlen worden. (Forts, folgt.); Literaturbericht |. leeensisnen. \ ־1י Fellchenfeld, Dr. W., Systematisches. Lehrbuch . der israelitischen Religion für die reifere Schuljugend. ' 2. Auflage. 156^ 8. Posen. Bei Merzbach, 1878. Von den Tagen Mose Alendelssohn’s an ist das Gebiet der systematischen Religionslehre ein Lieblingszweig der pädagogischen Literatur in jüdischen Schulkreisen geblieben, fast jedes Jahr bringt mehr oder minder umfassende Erscheinungen auf diesem Gebiete; dass nur wenige von ihnen aber den vielfachen Anforderungen, die die Zeit in wissenschaftlicher, pädagogischer und ästhetischer Hinsicht stellt, gebührend Rechnung tragea, braucht für den Kundigen wol kaum gesagt zu werden. Um so dankenswerther ist es, dass Herr Rabb. Dr. Feilchenfeld sich entschlossen, sein bereits günstig aufgenommenes Lehrbuch der israel. Religion in zweiter Auflage erscheinen zu lassen, die demselben voraussichtlich zu den alten einen Eireis von neuen Freunden erwerben wird. Soll der W erth dieses Buches richtig gewürdigt werden, so wird man es füglich auf die Be- Stimmung anseben müssen, die es selbst an der Stirne mitbringt. Verf aber äussert sieh hierüber in den ersten Sätzen der Vorrede wie folgt: ,Es (sciLdas Lehrbuch) 8011 und kann keinen elementaren Religionsun erricht ersetzen, vielmehr wird, damit es mit vollem ,Nutzen gebraucht werden könne, vorausgesetzt, dass die Knaben aus dem Urtexte, Mädchen aus einer guten Uebersetzung der heil. Schrift, selbstverständlich auch durch Er- Ziehung und Gewöhnung vorher bereits einen Schatz von relig. Empfindungen, Gedanken *und Lehren in sich aufgenommen haben nnd gleichzeitig aufnehmen. Das systematische Lehrbuch 8011 eigentlich Nichts als Ordnung und Klarheit in die jugendlichen Seelen beibringen .und 80 in diesen das anderweitig Erlernte befestigen.“ _ Darin liegt die Bestimmung, zugleich auch eine Grenze׳ für den Gebrauch dieses Religionsbuches. Wer, wie es leider da und dort immer noch vorkommt, danach auf die noch völlig unbeschriebene Tafel eines Kinderherzens die Lehren und Satzungen israel. Religion einiragen wollte, würde damit, so zu sagen, nur 'jV*88er^meinhohle^^a88^8chÖ£fen, Eis ist ein Buch für die bereits anderweitig in die Quellen der Religion ehigefqhrte Jugend; dieser aber verspricht es all den Nutzen, den eine durch Schärfe der Begriffsbestimmung und Klarheit der Darstellung sich anszeichnende Zu- ׳sammenfassung des auf früheren Slufen angeeigneten religiösen Wissens gewähren kann. Eine gewiss willkommene, der Stufe des höheren Religionsunterrichts durchaus angemessene Zugabe ist es, wenn Verf. im ersten Abschnitte über den nächstliegenden Kreis israel. Glaubens- und Pflichtenlehre hinaus auch eine. Begründüng der sogenannten natürlichen Religion versucht und die für sittliche und religiöse Erkenntniss wichtigsten Grundbegriffe erläutert. Mit gutem Grunde auch sind hier die zur Erhärtung der propädeutischen Lehren dienenden Beispiele aus dem Bereiche der alltäglichen Erscheinungen gewählt; die Jugend kennt eben nur diese aus eigener Anschauung, und nur was ihr geläufig, ist für sie auch beweiskräftig Im Weiteren ist in der Darstellung der Glaubens- und Pllichtenlehre Israel's, bei welcher Verf. Vollständigkeit des Materials mit pädagogischem־ Takt in der Anordnung vereinigt, manches Capitel zu tiefeingehender Betrachtung erwei- ■tert worden, m. vgl. was Verf. über die Wechselbe- Ziehungen von Gottesfurcht, Nächsten- und Selbstliebe S. 61 bemerkt, dagegen ist S. 11 der Begriff des ,religiösen Gefühles*, wie es scheint, nicht nach seinem ganzen Umfange näher bestimmt worden. Verf. wird zugestehen müssen, dass bei tiefer angelegten Persönlichkeiten zu dem Gefühle der Abhängigkeit noch etwas Höheres sich gesellt, das ihrem religiösen Empfinden besondere Weihe verleiht; das ist jenes tiefinnerliche Sehnen der Menschenbrust nach Vereinigung mit dem Urquell alles Seelenlebens, ein Zug, an den nicht undeutlich auch die Psalmendichtung, wie V. 27, 4, anstreift. In der Begründung der pentateuchisclien ReligionsVorschriften hat der geehrte Autor sich die äusserste Zurückhaltung auferlegt, um nicht, wie er selbst Vorr S VII zu seiner Rechtfertigung hinzu fügt, durch Aufstellung subjectiver Vermuthungen religionsgeffihrliehen Irrthümern Vorschub zu leisten. Trägt aber Verf. kein Bedenken, Grund und Zweck der göttlichen Gebote da anzugeben, wo ihn die h. Sch. selbst unzweifelhaft angegeben, so nimmt es doch füglich Wunder, dass er S. 92 das Verbot des Blutgenusses ohne Begründung gelassen. Sollte nicht in der von ihm auch angeführten ausführlichen Bestimmung hierüber 3 B. M. 17, 10—14, der Grund zu erblicken sein? Mit besonders feinem Takte sind die Schriftstellen ausgewählt worden, auf die Verf. fast bei jedem Schritte seiner Arbeit verweist. Hier ist der Selbstthätigkeit der Lernenden noch ein ziemlich weites Feld eröffnet, und werden sie hoffentlich daraus mit der Befestigung der betreffenden Lehren und Gesetze auch die Anregung einpfangen, denselben noch weiter nachzudenken. Wird auch bei Selbstdenkenden in Betreff der einen und anderen Schriftstelle eine abweichende Auffassung sich geltend machen müssen, so wird doch im Grossen und Ganzen d e Wirkung der hier getroffenen Auswahl von Citaten dieselbe bleiben. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Genuss an diesem Buche für Lehrende und Lernende wesentlich erhöht wird durch ein bei aller Einfachheit doch edle und schwunghafte, die Wärme der Begeisterung mit logischer Schärfe vereinigende Sprache, die durchweg die Darstellung auszeichnet Breslau T Zuendnncen an «Ile Kedaetton werden wieder hierher — nach Magdeburg — erbeten• _> Hahmer. DC Vieler Hr. liegt ein Pr«»peet■» de■ Kab» ■eben MKdehenpen»lanat■ In Brüstel beiuStwortBehw Bedeetenr Dr. Ke hm er in Magdeburg. Drnck von C. 8efa»rnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig. ■ L zig.