Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 30. (24.7.1878)
- Date
- 1878-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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«lakrg. VII Jüdische Literaturblatt Zur Beleuchtung aller Juden• thttJD and Jaden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf den Gebiete der Philosophie. Geaehiehte,Ethnographle,The• ologie,Orientalia, Exegese, Ho• miletlk, Liturgik, Pädagogik. Helrausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. ~t> <־• 34. Juli Bücher der einschlägige■ U• tentar, welche der Red. de■ ״Jiid. Litera tnrbl»tt“1■ Ma gdehnrg (oder der ״Israelit. Wechenachr.“ ln Stettim) nge■ aaadt werden, linden ln diesem Blatte eingeh, Besprechung. Das ״Jitdigelie IilterMturblatt“ erscheint wöchentlich; Preis bei allen Postanstalten und Buch handlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift־‘ in Magdeburg mit direetef frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (di e vierteljährlich bei aller Postanstalten UBd Bachhandlimgen 9 Mark 90 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische j Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 20 Pf für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 19 Mark ]berechnet. Oie Expedition der ,.Israelitische! Woche!schritt.“ Inhalts j Wissenschaftliche Aufsätze: Der Darwinismus ih der Agada Von Dr. B. Placzek.— Einige Bemerkungen zu!Hausrath'8 Neutestamentliche Zeitgeschichte. (Forts.) — Zum אפיקומן Literaturbericht: Recensionen:!מענה! מאת א׳ב׳ן י׳ל׳ך — Friedländer, Tileret Jisrael. 1 Bibliographisches. Der Darwinismus in der Agada. (Forts.) Von-Dr. B. Placzek. Bei der unvergleichlich hohen Achtung der Talmudweisen vor Wissen und Erkenntniss überhaupt1) ist es auch leicht begreiflich, dass man Gelehrten, nliochten sie sogar Apostaten, Häretiker sein, gewisse Rücksicht und Würdigung nicht versagte. Aus dem! Verhflllnisse des vielgerühmten R. Meir zu seinen! Lfehrer Elisa h. Abnja, dem incarnirten Geiste der Verneinung im Talmud, ist jene Behauptung klar ersichtlich. I Obgleich Elisa b. Ab. (Acher) das jüdische Religionsgesetz öffentlich verhöhnte, die Frommen verfolgte, die Tatynudjünger vom Studium hinweg zum Handwerk trieb,] Gott und Jenseits leugnete, begegnete ihm dennochj sein ehemaliger Schüler, ungeachtet dieser das verehrte Ijlaupt einer Schule war, mit aller Ehrfurcht. Mitten imjVortrage unterbricht sich R. Meir, als seine Jüngerj ihm Zurufen: Rabbi, draussei reitet dein Lehrer vorüber. Obschon Acher öffentliches AergerniSs eben durclj das Reiten an einem Sabbath giebt, eilt R. Meir au^ ihn zu, um wissenschaftliche Discussion mit ihm zu hhlten Meir besucht ihn in der Krankheit, fangt seinen letzten Seufzer auf, sühnt sein Grab, erlöst ihn aus der ijlölle. -Und komm’ ich einst in’8 Jenseits, sagt er, suchte ich erst meinen Lehrer Acher auf, dann meinen V^ter.“ *Den Kern geniesse ich, die Schale werfe ich 'reg“, ist ein geflügeltes Wort R. Meirs. Als Rabbi Jehuda Hanassi den Töchtern Achers Almosen verweigern svollte, sprach das Volk za ihm : ,״Denke nicht an seine Handlungen, denke an sein Wissen.“ Und Rabbi ert.teilte den Befehl, Achers Töchter za versorgen. ״Sollte der ') ״Wem Wissen mangelt, sagen sie, fehlt Alles; wer be.itzt, hat Alles.“ Nedarim 41a. ״Der Unwissende fürchtet Sünde, der Ungebildeie kann Dicht fromm sein“. Abot 2, 5. Weise ist besser als der Prophet“. Bab b. 12a. ״Der g Heide ist dem Hohenpriester gleich zu achten“. B. kam Ab. sar. 3a. Wissen keine ״Der ^lehrte 38a. t Gelehrte, so lautet eine milde Lebensregel, auch auf . Abwege gerathen, sein Wissen muss man dennoch ach- ן ten.“ (Chag. 15b, Jer. Chag. 4d, 5a.) Man zeihe darum nicht die Talmudweisen der Zwiespältigkeit und spreche nicht von einer ״Zwei-Seelen- Theorie,“ weil sie bei eigener Werkheiligkeit und strenger Ritualität der freien Forschung huldigten; man halte es ebensowenig für barock, frommen Agadisten Darwinsche Ansichten zu imputieren. Es wurde •ja auch versucht, den gläubigen Deisten Herder als einen Vorläufer der Evolutions- und Selectionslehre hinzustellen.*) Seihst J. R. Mayer, der das epochemachende Gesetz von der Erhaltung der Kraft gefunden, der Wärme und. Bewegung unter ein gemeinsames Gesetz gebracht und dasaus die Ewigkeit der Kraft hergeleitet, hat es selber in dem Vortrage, den er in einer Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Innsbruck am )8. Sept. 1869 gehalten, ausgesprochen: ״Ist man einmal zu der Einsicht gelangt, dass es nicht blos materielle Objecte, dass• es auch Kräft^gibt im engeren Sinne der neuern Wissenschaft, ebenso unzerstörlich wie die Stoffe des Chemikers, so hat man zur Anerkennung und Annahme geistiger Existenzen nur noch Einen folgerichtigen Schritt zu thun.“. *Das Gehirn ist nur «las Werkzeug, es ist nicht der Geist / *) Grundideen derselben glaubt man zu erkennen jn Sätzen wie: ״dass der in sich selbst überall allgenngsamen Natur das Staubkorn so werth ist, als ein unvermessliches Ganzes, und dass die Erde durch vielerlei Revolutionen hindurohgegangen ist, ehe sie das wurde, was Sie jetzt ist.“ Öder wenn er vom Fortpflanzungswerke sagt: ״Kaum ist die Zeit der Begattung vorüber, verliert der Hirsch sein Geweih, die Vögel ihren Gesang und viel von ihrer Schönheit, die Fische ihren Wohlgeschmack, die Pflanzen ihre beste Farbe. Dem Schmetterlinge entfallen die Flügel * Yom hebenskampfe heisst es: ״Alles ist efn Streit gegen einander, weil alles selbst bedrängt ist; es mnss sich seiner Haut wehren und fiir sein Leben sorgen. Warum that d je (Natur dies? Warumj drängte sie so die Geschöpfe aufeinander? Weil sie im kleinsten Raum die grösste und vielfachste Anzahl Bchaffen wollte, wo 4130 auch Eines das Andere überwältigt und nur das Gleichgewicht der Kräfte Friede wird in der Schöpfung.“ Vgl. Herder, Ideed zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit III. 176, IV. S|34. Auf Grund solcher Aussprdche will man in ihm einen jener *Pioniere der Naturwissenschaft :sehen, die fast bis zu den letzten Resultate» der neuesten Forschung gelangt sind!1