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Das jüdische Literaturblatt · 1878-07-10 · No. 28. (10.7.1878) · p. Seite 112

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 28. (10.7.1878)
Date
1878-07-10
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 Wenn aber Joaephus mit den LXX die Michal eine Ziegenleber in das Bett legen lässt, am David za retten, 80 ist diese Aenderung von כביר העזים in בבד ה in apologetischer Tendenz begründet. Man wollte nätnlieh auf David die Sünde nicht kommen lassen, dass ein Götzenbild in seinem Hause gewesen. Während daher die LXX in Gen. 31,19 und 34 תרפים mit •13mla übersetzen, geben sie es hier mit «votäsia wieder, ein absichtlich gewählter, verhüllender Ausdruck, und Josephus erwähnt hier die תרפים gar nicht Bei Labans Terafim verfehlt Josephus nicht, apologetisch beizqfügen, Rahel habe sie nieht aus Abgötterei mitgenommen, wie denn Jalkut und Midr Rabboth Rahel dabei in go-tesfürchtiger Absicht bandeln lassen. Zwei Aenderung«® anderer Tendenz sind zu 1. *Sam. 14,21 und das. 17,8 In erster Stelle 6etzea die LXX עבדים statt עברים in unserem Texte. Es beleidigte das Nationalgefühl, dass Israeliten, (Hebräer) mit den Philistern, wenn auch gezwungen, gegen ihre Landsleute kämpfte 1, wenn auch dabei erzählt wird, sie seien za den Israeliten übergegangen; man las daher lieber mit geringer Aenderung 005» ׳X0•. 0׳ . . .!U'7 Xtov \Lkbyjhuy; x. z X. ,Die den Philistern Unterworfenen, die im Lager der Philister waren'*; es war wenigstens damit die ausdrückliche Erwähnung vermieden, dass Israeliten gegen Israeliren kämpfen sollten. In der anderen Stelle wollte man auch aus dem Munde' des Goliath, des 'Feindes, nicht ״Knechte* Sauls genannt werden; das verletzte das nationale Fre:hejtsgefühl 1 die LXX ändern daher, — oder es lag ihnen vielmehr schon die Aenderung vor —, עבדים in עברים um: ״ihr seid Hebräer des Sarul.* Aehnliche iradentiöse Aenderungen sind in den Büchern Samuels noch vielfach äufz|1 finden. Dr. Fürst, Rabbiner in Mainz Literaturbericht Hoffmann, Dr., D. Abhandlungen über die pentateuchischen Gesetze, erstes Heft, Berlin, Verlag von M.!Mesner. (8—92 S) Bekanntlich läst zuweilen die Harmonie, die Congruenz zwischen dem-Text wort des Pentateuchs und der rabbinischen Auslegung wie Handhabung gewisser Vorschriften Manches zu wünschen übrig, die Tradition und die von ihr festgestellte Praxis deckt sich mi t dem stricten Wortlaut der Torah nicht immer so ganz und durchaus-, dass nicht der letztere auch einer abweichenden• Deutung zugänglich wäre, oder dass die traditionelle Auffassung nur in sehr verschwommenen Umrissen sich darin wiederspiegelt, so dass der Rahmen des pentateuchischen Textausdruckes öfters für die rabbinische Satzung bald zu weit und bald, zu eng erschtiint. Jeder besonnene Exeget wird natürlich der , Tradition einen massgebenden Einfluss für das Verj ständniss dunkler oder vieldeutiger Stellen einräumen, wenn nicht gerade *Zusammenhang oder Wortbedeutung oder Thatsachen von unbestreitbarer Sicberheit ein unverkennbares .Veto einlegen. Jedoch hierbei will sich dieses Buch oder vielmehr diese Ioje an einander gereihten Aufsätze nicht beruhigen, sondern sie gehen darauf, aus, jede Disharmonie zwischen Schriftwort und Tratition hinweg zu interpretiren und nachzuweiseii, dass das r.chtig verstandene, nach allen seinen Beziehungen gewürdigte Schriftwort die rabbi• nische Anschauung als den einzig möglichen und exe-, geiisch haltbaren Sinn und Inhalt ergiebt, so dass in den Rahmen des mosaischen Textausdruekes einzig und allein; die traditionelle Auffassung sich fest und sicher eiqfägte. Gegen 8 pentateuchiche Vorschriften, wie Omer, Heimkehr vom Pessachfest, Opfer des Wochenfestes q. dgl. kommen in solcher Weise zur ״Verhandr 1 lung. Der Verfasser mag sich nicht damit begnügen, J seine Meinung ruhig nebeu die andere hinzustellen und die Wahrheit allein, wie ein altes Sprüchwort will, für sich Zeugniss ablegen zu lassen, es steckt eben ein streitlustiger, kampfbereiter Geist in ihm. Sollte ihn!Vielleicht dieser Geist zu treiben begonnen haben, in das Land der exegetischen Philister (tberau1re;en! Womit aber nicht gesagt sein soll, dass wir einen literarischen odet^exegetischen Simson vor uns haben, sondern nur, dass das ganze Buch lauter Polemik ist. Wer eine abweichende Meinung geäussert hat, wird herangezogen. Raschi wie Knobel, Ibn Esra wie Hitzig, Luzz tto und Herzfeld, Boöthusäer und Karäer. der Verfasser richtet ordentlich ein Blutbad unter ihnen an, sie alle werden mit grösserem oder geringerem Respecc abgethan und fSst aut' jeder Seite schwimmt einer von j ihnen in dem Blut seiner übel zugerichteten Beweise j entkräftet umher. Dabei führt der Autor seine Klinge nicht einmal mit irgend welcher Eleganz oder auch nur mit der erforderlichen Präcision Sind doch die Aufschlüsse, die über diese Gegenstände überhaupt noch gegeben werden können, nicht so neu oder so gar fremd, als dass der Verfasser nicht in erster Reihe die Pflicht gehabt hätte, durch den Reiz oder die Uebersichtlictokeit der Darstellung oder durch neue Gesichtspunkte dem alten und bekannten Stoff eine imeressante Seite abzugewinnen, statt durch Breite und Weitschweifigkeit der Geduld des Lesers eine schwere Probe zuzumuthen. Hin und wieder, wenu auch allerdings sehr selten, taucht sogar ein seltsames Wortungeheuer auf, wie ,,Antitraditionarier“, ,,Dienstarbeit“. Um auf die Sache selbst einzugelien, betrachten ■ wir den I. Artikel Unstreitig der beste unter den 8 Aufsätzen, behandelt er das ,,Oineropfer und Wochenfest“ und bemüht sich die allgemein im Sinne der Tradition acceptirte Auffassung von Lev. 23, 11. und 15, namentlich des ממחרת השבת durch den Pentateuch allein und reiu von ihm heraus zu begründen, aus ihm gleichsam die Probe für die Richtigkeit der traditioneben Auffassung zu liefern Was zu diesem Zweck herbeigebracht wird, ist jedoch zumeist Widerlegung gegnerischer Ansichten, die positive Beweisführung gipfeit in dem Nachweis, dass שבת auch ״Feiertag" bedeuten kann Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin, diese Bedeutung für שבת zu gewinnen und etyinologisch zu erhärten, sond׳rt1 beruht darauf, dass das Wort gewöhnlich und fast durchgängs den Saobathtag bedeute׳. Welche zwingende Gründe liegen nun vor, von dieser geläufigen Bedeutung abzugehen und an ihre Stelle die ungewöhnliche, zweifelhafte zu setzen? Warum erhält im letzteren Fall der erste Tag de! Festes vor dem letzten den Vorzug? Hierfür sind wir ganz und gar Ruf die Tradition angewiesen, aus der Torah für sich allein lässt sich keine .-icliere Entscheidüng treffen Von der letzteren erfahren wir nur, dass von מחרת השבת ab 50 Tage gezählt werden sollen und nach Verlauf 7 voller Wochen eiu Opfer dargebracht wird und Festtag ist.; das ״Wann?“ lässt s!ch annähernd' bestimmen durch die biblische Reihenfolge, welche diese Vorschriften zwischen das Passah- und Neujahrsfe-t einordnet und mit dem Beginn der Ernte in Beziehung bringt. Alles, w.!s darüber hinausgehf, selbst die enge Verbindung zwischen Omer und Passah ist aus dem Pentateuch gar nicht oder so schwach ersichtlich, dass wir immer wieder aut die Traditionen hingewiesen werden. Soll durchaus von dieser aus irgend welchem Grunde abstrahirt werden, so kann ebenso gut unter ממחרת השבת der unmittelbar auf das Passuh folgende Sabbatli oder der Tag nach Ablauf des ganzen Passahfestes verstanden werden. (Schluss folgt.) "T«n5rwoytBrt«r itxinclw Dr. Hahrncr in Magdeburg. Brack voa C. Scharnke in Barby. Vertag von Robert Friese in Leipzig

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