Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 27. (3.6.1878)
- Date
- 1878-06-03
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 108 — c ' — nach dem Hrn. Verfasser — die Tendenz dies«? durch die Fülle der Lebensweisheit so anziehenden und durch die schrecklich düsteren Reflexionen zugleich mit Granen erfüllenden Buches? Welches ist der Grundged&nke, von dem alle seine Theile, wo sie Anger oder loser aneinander gefügt, beherrscht werden? Weisheit und wissenschaftliche Erkenntniss sind die Güter, die allein würdig des menschlichen Geistes und ■ daher die einzigen, deren Besitz zu erstreben ' ist. sie allein sind unter allen Erden2:fitem erhaben über Wandel, Wechsel und Vergänglichkeit, sie allein gewähren Genüsse, welche die Zeitlichkeit überdauern, durch sie _allein findet der Unzufriedene Befriedigung am Erdendasein, und Glückseligkeit im Himmelreich. Erkennt- -aiss und Wissenschaft sind darum die höchsten Güter. Was ausserhalb ihrer Grenzen liegt, All das ist eitel und Thorbeit, gewährt Verdruss aber keinen bleibenden Genuss, führt, bis auf das zur Lebenserhaltung Unentbehrliche, dem wahren Lebensziel nicht zu, ist vielmehr im hartnäckigen Widerstreit mit jenen höhern Mächten, deren Leitung" sich der Mensch infolge seiner Be- Stimmung anverirauen soll, ln diesem Gedank^ngange entrollt sich — nach Hm. Werber die Seele des Buches Koheleth, und dessen Tendenz ist die Verherrlichung der Forschung Und des Wissens oder die Verherrlichung des Idealismus gegenüber dem praktischen Materialismus Gleich die ersten Verse führen in den Mittel- und Knotenpunkt des Ganzen ein. J*o bildet V. 3 eine Antithese zu V. 2, jener besagt nämlich: Wie gross ist der Vorzug des Menschen durch sein Mühen um die Weisheit! In den V. 4, 5, 6, 7 sind sogar die Hauptwissensgebiete 1n concreter Form aufgefürt. V. 4 -befasst sich mit der Erkenntniss der Kräfte des menscnliehen Geistes, die nach ewigen unabänderlichen Gesetzen ihre Wirksamkeit bekunden, V. 5 bezieht sich auf Astronomie, Mathematik u. s. w., V. j6, 7 umfasst Naturforschung und Metaphysik. V. 17, 18 sagt Koheleth: Ich versuchte, um Weisheit und Erkenntniss zu verdueil, mit dem Eitlen und Thörichten, obwohl ich wusste, ,dass diese Vereinigung ein Wahngebilde ist, denn je mehr Weisheit um so grösser der Kummer Über d«s Trügerische der weltlichen Dinge, und wer Erkenntniss mehrt, mehrt um so grössere Pein, wenn er dem eitlen menschlichen Treiben sich anschliesst. C; 2 beginnt mit diesem schon im Voraus als unverträglich erkannten Dualismus den Rundgäng durch das *bunte Gewirre des Lebens, dessen Ergebnisse zu der unumstösslichen Gewissheit führen: Weisheit und Erkenntniss sind das summum bonum, danach strebe der Mensch mit den ihm von Gott verliehenen Kräften. Nicht bhne Scharfsinn und Geschick sucht Herr Werber im Einzelnen den Zusammenhang darzuthun, das Einzelne dem Ganzen dienstbar zu machen, :die mitunter unfügsamen Glieder in den Rahmen seiner Auffassung einzupassen. Auf Detailanführungen können wir nach der voranstehenden Probe. verzichten, es ist überall dasselbe Streben und 'derselbe f־teist. Die Exegese des Herrn Werber — ihre Richtung und Methode — kann sich hoher und bedeutungsvoller Abstammung rühmen, sie ist eine Tochter der Schule der Religionsphilosophen. Damit ist die Kritik gegeben und zugleich da9 Verhältniss dieses Commentars zur objectiven Exegese angedeutet In den Kreisen, in welchen die philosopbische Exegese noch sorgsame Pflege findet, wo sie unter den Besten in Israel warme Verehrer und För- ,derer zählt, wird der Koheleth-Commentar ’des Herrn Werber reichliche Anerkennung finden, ja diese ist ihm bereits geworden, denn die zweite uns vorliegende Ausgäbe konnte nur auf Empfehlung der ersten erfolgen. Sn. Bibliographisch es. Inhalts verzeichniss des im Jahre 1876 auf der hiesigen Gr. Hofbibliothek aufgefundenen hebräischen Codex manusCriptus (T ספד כתב) ■ (No. 13 der orientalischen Handschriften). Die Blätter haben Quartformat, jede Seite 2 Spalten. (Fortsetzung von No. 24.) 5 19) דברי Sp. 9 18) מדרש ויסעד Sp. 17)' מדרש ויושע 14 20) מעשה מעשיר היושב Sp. הימים ממשה רבינו 14 Sp.1 21) זהו אלפא ביתא דק סירא Sp.תמיד אצל עניים 5 Sp. 22) היאך נולד בן כירא והיאך למד האלפא ביתא 21 (ועוד Sp. 23) כ״ב שאילות שאל נבובדנצר לבן סירא 4) 24)•עשרה נסים עתיד ד,קבה Sp. נוספות פה י״ז שאילות 4 י 25) שרשים מרבינו Sp. לעשות קודם ביאת המשיח 17 26) הלכות ריעות Sp. (אלעזר בעל הרומח (יוד שרשים 16 27) אתחיל לכתוב חיי Sp. (מרבינו אלעזר (י״א פרקים 4 29) מעשה Sp. 18 28) מעשה תחיית המתים Sp. עולם (Fortsetzung folgt.) — 3 Sp. מלך המשיח Um einen hier aufgeflihrten Midrasch oder eine Hagada kurzweg und dennoch hinlänglich zu charakterisiren, glaube ich am besten zu thun, wenn ich die darauf Bezug habenden Worte Zunzens in seinem klassischen Werke (Gottesdienstliche Vorträge), wenn solche vorhanden sind, hier wiedergebe Denn, wie Meister in der Forschung so in der Darstellung sagt er in der Regel mit wenigen Worten mehr als Andere mit vielen. Ad 17. Zunz (a a. O. Seite 282) ״Vajoseha, handschriftlich und gedruckt vorhanden, gehört zu den jimgern Hagada's, vielleicht den 11 und 12 Säculums. Die alte Sage von Armilus hat in diesem Büchlein erst die besondere Ausbildung erhalten. Die Hagada hat den Abschnitt ויושע (Ex. 14) zum Thema — Ad 18. Zunz (a. a. 0. S. 145) ״Der Midrasch Vajisu, dessen Jalkut und Nachmanides erwähnen, ist eine Art von poetischer Bearbeitung der Textgeschichte, die, gleich dem Büchlein des Arieteas, der Sage von Abraham, dem Midrasch Esfa u. a. m., mit I Bewusstsein einen hagadischen Stroff umfasst, hauptsächlich viel- . leicht, um eine angenehme Lesung, eine Erholung vom ernsten Studium zu bereiten. In diesem Midrach ist der Krieg von Jakobs Söhnen gegen die Kanatiter und Esau behandelt.“ — Ad 19 (ibid.) : Der Chronik des Moses gedenken R. Nathan und einige andere Autoren; ihr Verfasser hat sich einen fliessenden hebräischen Vortrag gewählt, in welchem oft blos die Bibelverse aneinandergereiht sind und selbst der biblische Styl nachgeahmt wird. Dies allein thut eine Epoche kund, in welcher die Schätze der Hagada zu schriftstellerischer Thätigkeit verwendet wurden.“ Ad 20, 21 u. 22 Diese drei Nummern sind in den bisherigen : Editionen unter den Titel אלפא ביתא לב( סירא zusammenge j fasst worden. So auch in der Edition Steinschneider, Berlin 1858. Zunz (a. a. 0 S. 105) ״Wir besitzen noch ein Büchlein, Ben Sira’s | Alfabeth oder Ben Sira's Buch genannt, dessen zunächst R Nathan | gedenkt-, welches weit jünger als jene aramäische Bearbeitung (nämi lieh des zar ethischen Hagada gehörenden Buches des Josua Sirach) sein mass. Neben einigen Fabeln finden sich in demselben noch einige Spuren au9 dem echten Siracli.“ — Herr Dr. Steinschneider hat, um, wenn auch nur annähernd,, zum ursprüglichen Texte zu gelangen, an der ihm vorliegenden Venetianischen Ausgabe von 1514 viele Berichtigungen und Verbesserungen vorgenommen, theils nach eigenem Ermessen, theils durch Vergleichung mit einem in der Leydener Bibliothek 9ich befindenden Manuscript, bei welcher ilim Herr stud. theol Löw aus Hartug behülflich war Sollte wieder eine Auflage unternommen werden, so könnte gar Manches mit Benutzung des hies. Cod man. verbessert werden. Hier ein Beispiel von vielen. Auf f. 18b, Zeile 6 hat Herr Dr. st. emendirt: בנגד שלהבת של נחלת• In ed• Ven. stand כנגד מבשר גחלת• Beides giebt keinen rechten Sinn. Im hies. Cod. man. hingegen heisst es: כבנך מבעד גחלת owie ein Kleid um glühende Kohlen herum“, wa9 einen guten Sinn giebt. Ausser den 22 Fragen sind hier noch 17 hinzugeftlgt, die dem Pseudo-Ben Sira von Nebuchadnezar zur Beantwortung vorgelegt wurden. — Schliesslich noch eine Bemerkung über מלחם העוח• Die jüdische Sage wollte auch ihren unsterblichen Vogel, ihren Phönix, haben, der sich alle tausend Jahre veijüngt, und da gab sie ihm den׳ Namen ימלחם gebildet aus ״ מלחSalz“ als Bild der Dauerhaftigkeit und Unvergänglichkeit. Die Varianten: מלחם in Man. Leyden oder מלתש la der von Dr. Jellinek (B. H. VI 8. XII) angeführten Rapuport'schen Handschrift sind abzuweisen. ___Mannheimer. D4C־ Sendungen an die Redaction wolle man bis zum 29. ä. M. adressiren; an Dr. Rahm er, Marlenbad (postlagernd). roctlieher gadartamr Gr. Rahmer in Magdeburg. Druck, von C. 8charnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.