Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 27. (3.6.1878)
- Date
- 1878-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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UTe. 27. l|'Jl-',Ui!l'ü4l1..1Wg;j!|l|,IU ipf 11.1 |w,1! iffiigp Das( . ,| I •Inhrg Jüdische Litera (- ן Herausgegeben r ץ Zur Beleachtnng aller Joden« Bächer der einschlägigen j Lithnm and Jaden betreffenden ׳־ teratar, welche der Red. de■ literarisch. Erscheinungen aaf Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. ״lad. Literatorblatt“ im H p gdem Gebiete der Philosophie. deburg (oder der Jsr^lit Geschichte,Ethnographie,The- ---- Wochenschr.“ in Stettin) s^ge־ ologte.Orlentalia, Exegese, Hosandt werden, finden injdiebe» mlletlk, Liturgik, Pädagogik. Magdeburg■, 3. .Txili 1878. Blatte eingeh. Besprechung. J Das ״Jüdische IAteratarblatt“ erschein( wöchentlich; Preis bei allen *Post&nstalten und (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; b(i der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei aller Postanstaltei handlungen 2 Mark 90 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatl“ gratis, — Inserate werden mit 20 Pf. ftir|di spaltene Petitzeile, buclihändlerische Beilagen mit 12 Mark berechnet. Die Expedition der ,.Israelitischst Wochen: Ölungen . direeter Bushs dreigeif! Inhalt! Wissenschaftliche Aufsatze: Der Darwinismus) in der Agada. Von Dr. B. Placzek. Auch eine Ansicht Uber das Buch Esther. Literaturbericht: Recensiönen: Baer, Abr., ב?1!ל תפלה• Der praktische Vorbeter. — זמגלת קהלת hebräischer Cojnmentar. Bibliographisches.! Der Darwinismus in der Agada.! Von Dr. B. Placzek. j Die älteste Kunst stand bekanntlich im Dienste der Religion. Architectur, •Plastik, Malerei und )Poesie , in ili- An ihr Gestallire erwandten sich, wie die Blumenkelche der Sonne rer ersten Entfaltung der Gottesverehrung zu. entzündete die Kunst ihre Begeisterung, ihren tungsdrang. Der religiösen Idee widmete sie i sten herrlichsten Gebilde. Das gilt als unbez^eifelte Thatsache. Aber auf Neuheit dürfte das Apeijcu Anspruch haben, dass die Wissenschaft und noch dazu die realste und exacteste, die Naturwissenschaft, der Religion Ursprung und fortwir kend(n Ansporn zu weiterer Entwickelung verdanke. Das mosaisch-talmudische Religionsgesetz bedingt eben die umfassendste Empirie und setzt die einge^endste5 serupulöseste Untersuchung, die gewissenhaftest^ Beobachtung der Natur und ihrer gesummten Dinge lind Erscheinungen als Haupterforderniss voraus. j Was in der rituellen Praxis als Haarspalterei, Pedanterie, Spitzfindigkeit hämisch glossirt werde(1 mag, als naturwissenschaftliche Untersuchung aufgefask, wird es zum höchsten Vorzüge der Akribie, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. Auf das Pflichtgebot der Religion hin den'forschenden Blick zum Himmel erheben und aufmerksam den Lauf der Gestirne verfolgen, um darnach Jahreseintheilung und Feste zu bestimmen, das! machten auch die andern Völker in den ältesten |Zeiten. Dass man es aber als 6trenge religiöse Pflicht betrachtete, den Blick auf jedes Thier, das winzigste! Insekt nicht ausgenommen, zu richten, auf seine innere Beschafifenheit, äussere Lebensweise, Entwicklungsphasen, Krankheitserscheinungen, Abnormitäten und auf sein Verhältniss zu andern Lebewesen, all das zu ergründen und zu wissen, ob man dieses oder jenes Thier geniessen, züchten oder wie man es sonst behandelt( dürfe; dass man es als unabweislicbe religiöse Obliegenheit bktt. . . 1. --- nach ansah, den Boden, das Erdreich Resten und deren Provenienz zu untersuch! man darauf baute, jede Gewebefaser der Stoffe zu prüfen, bevor man sie Verwendete, die unjerscheidenden Merkmale der Pflanzen zu erkennen! animalischen bevor genau darnach in Feld und Gart|en zu cultiviren;! um der um sie Glaubenslehre willen die Lehre vom gesunden ui.d kran- Zeit ken Menschen auf Grund sorgfältiger für jenfe staunlich vorgeschrittener anatomischer Unt^r!uchung aufzubauen:: Das hat nur der Mosaismus aujfzhweiseh und zu bewiirken vermocht. Mag oberflächliche Wissenschaftlichkeit, dije es nicht der Mühe werth hält, die allerdings für sie piit kaum übersteiglichem Zaun umgrenzte Talmudliteratur nach Quellen zu exploriren, die Bedeutung derselben für die Geschichte aller Wissenschaft mit verächtlichem Nasenrümpfen abthmf^und das Bestreben, den Nachweis für die Reichhaltigkeit des Talmud an Aufschlüssen über die mannigfachste kaum geahnte menschliche Geistes^! ■ Hj ־ ‘ ׳■ thätigkeit zu liefern, als einen Ausfluss der viel belach- ־ ten jüdischen Manie verspotten, jeder Berühmtheit eine jüdische Abkunft zu viadiciren: das gleichgültige Ach■ selzucken jenes Gelehrtendünkels wird sich ae1:n doch in ein' ernstes Kopfschütteln mindestens der VJerwun derung umwandeln, wenn ihm die Resultate dei Natnrn ederge- -,Mforschung, Wie sip im Talmud und Mjdrasch legt sind, greifbar nahe gerückt werden. Mit Widerstreben vyird man den Agadist^n immerhin zugestehjen, dass sie sich mit den schwierig 3n Pro-)■ blemen der Biologie so erfolgreich und •mit _ lichem Geschiick beschäftigt, •um eine an Divinaiticn greh-f? *״®j zende Vorahnung der Evolutionstheorien, wie fie vor :•*? eminentesten Geistern unserer Zeit erst erfasst und dar-: gestellt wurden, schon vQr vielen Jahrhunderten zu gewinnen. Man scherze also die erbrachten Belege hierfür] , nicht etwa mit der Anspielung auf einen drollig 3n Studentenstreich hinweg: Euch ergeht es mit^dei Nachweisen aus dem Talmud wie jenem Professor <!er Paläontologie, dem seine Hörer in die Erdschicht* n und Partien, wo er Nachgrabungen auf Petrefacte! aistellte, die seltsamsten und eigens hierzu gemeisseljte!; Stein-1; figürchen hineinpracticirten. Der Professor, ül er die glücklichen Funde hoch erfreut, hielt sie für 1גץ fe Zeu* MM■