Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 23. (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755630--1032-4854479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
eene und die Ecke des Feldes dem Armen zu lassen, der es 0h0£ Erröthen sich *□eignen kann (cfr. Tosefta Fes a. öifra zu Emor). Könnte Herr T. von der voreingenommenen zur vorurtheils 10 8 en Forschung sich wenden, er würde dadurch sorgfältiger und genauer im Durchsehen und Durchdenken der Quellen werden. Dann würde er mehr erreichen, als mit dieser Arbeit, in welcher er, unseres Dafürhaltens, Wasser mit Netzen geschöpft hat. Koechmin. Dr. Adolf Lewin. Lewy, Dr. lieber einige Fragmente aus der Mischna des Abba Saul. Berlin 1876. (Fortsetzung.) 8. 2 Anm. 8 behauptet der Verf., dass die Boraita's, die den Werth eines Supplements der Mischna erhielten, auch תוספות genannt wurden, nach i. Pea 2, 6, wo es heisst: p האגדות ולא p אין למרץ הלכות וכי לא התלמד p התוספות אלא. Sehen wir aber die Stelle etwas weiter vorher bd, so heisst es: Da R. Jehuda $anasi alle Mischnajot in seine Mischna aufgenommen hat, sollte man lieber aus Talmud lernen, später aber lieber aus Mischna. Es können also dort unter תוספות nicht Zusätze zur Mischna gemeint sein, denn sonst würde hiebt gesagt sein, man soll aus Talmud lernen, sondern ans Mischna; vielmehr muss von der Zeit vor R. Jehuda die Rede sein, Wo man von der Mischna schlechtweg und mithin auch nicht von jenen Zusätzen nicht hat sprechen können. Erst nach Rabbi trat das Wort מקרא unmittelbar vor משנה, während es früher vor תלמןך kam. 8. 5 A, 5 wird behauptet, dass Tosefta auch für Boraita gesagt wurde und dazu auf Chullin 141 b. und Beza 29 a. verwiesen. In der ersten Stelle haben wir nur gefunden, dass R. Chia und R. Hoschaja die Boraita geordnet und Andere manches unrichtig m. ihren Namen gesagt haben. Aus Beza 29 a. geht nur hervor, dass Samuel eine Tosefta geordnet, aber sie scheint nieht gäng und gäbe gewesen zu sein, denn sonst hätte Rasehi nicht die dortige Aufklärung gegeben. ן 8. 8 Anm. 10.. In Taanit 6 b. wird eine Mischna ätirt mit den Worten: ער מתי נהנין ושורפץ בתכן ובקש של שביעית■ Der V. meint nun, dass hier ein Fehler vorhanden, da in Schebiit 9, 7 eine Mischna gleichen In1■ balts nicht mit: ער מתי beginnt, sondern mit מאימתי nnd 8011 auch die M. dahin corrigirt werden Das ist aber nieht möglich, denn damit will R. Nachmann b. Jizchak bestimmen, was נ&ושות heisst, nämlich bis zu welcher Zeit diese auf dem Felde sind, damit dann die Armen auflesen können. Er sagt, sie sind auf dem Felde: עד לבער פירות שביעית und dazu beruft er sich auf die genannte Mischna; er will demnach eine terminus ad quem, nicht a quo angeben. Es muss demnach das Citat in der Beraita mit עד מתי richtig, sein nnd kann das Corruptel nur in der M. liegen, wenn nicht gar eine andere Mischna als die Schebiit«-9, 7 gemeint ist. 8. 10 Anm. 13. Der V. thut den Tossafot in Menachot 83 b. ד״ה כל הקרבנות Unrecht, wenn er meint, dass das dortige Citat aus Bechorot 21 sich darauf bezieht, ob unter קרבנות auch מנחות zu verstehen; sie wollen vielmehr nur sagen, dass בכור ומעשר •nicht von חחן לארץ gebracht wurden, und dazu dient das Citat aus Bechorot — Jbid. Es handelt sich um die Mischna Berachot 6, 1. על פירות הארץ וכי ועל הירקות אומר בורא פרי האדמה ר׳ יהודה אומר בורא מיני דשאים die beanstandet wird, weil nach der Tosefia R. Jehuda selbst sagt, dass man über ירקות den Segensspruch בורא פרי האדמה spricht. Es werden nur 2 Lesarten vorgeschlagen, entweder ר, יהודה אומר על ירקות הוא אומר בפר,-א ךעל VerantwoUlieber Redaeteur Dr. Rahm er in Magdeburg. Druck von הדשאים במד״ש Oder dass schon die Chachamim von דשאים sprechen und zwar soll es heissen: ועל הדשאים הוא אומר בפה״א ר׳ יהודה אומר על הדשאים הוא אומר במד״ש• Beide Lesarten können aber nicht richtig sein, die erste nicht, da demnach die Chachamim gar nicht von ירקות sprechen und wem entgegnet R Jehuda? Die zweite nicht, denn die Chachamim erwähnen nur Gattungen 1) Baumfrüchte (Obst), 2) Früchte, die aus der Erde gegraben werden (wie Kartoffeln, Rüben u. dgl.), 3) Grünzeug, was auf der Erde wächst und nur von oben abgeschnitten wird. Worauf es zwischen den Chachamim und R. Jehuda ankömmt, scheint der V. ganz Ubersehen zu haben. R. Jehuda nimmt nur Anstoss an dem Ausdruck פרי der Chachamim, er will beim Segensspruch nicht den Gattungsnamen פרי, sondern מיני, er will nicht sagen, wer Früchte hervorbringt, sondern wer ihre Arten unterscheidet, der jede Fruchtart zu einem be- . sonderen Gebrauch bestimmt hat und einer jeden einen besonderen Geschmack gegeben hat. (Schluss folgt.) Notiz. Die alte ־Klage ▼on der crassen Ignoranz christlicher Scribenten in Allem, was jüdische Literatur anlangt, findet einen kräftigen Ausdruck in einem kurzen Artikel (Pest. Lloyd v. 10. Mai), der schon deshalb, weil er aus Zunz' Feder geflossen und der solcher ״holden Ignoranz* Ueberwiesene kein Anderer als Karl Blind in England ist, in dies. Bl. wiedergegeben zu werdea verdient. Er lautet: ״Wie armselig die Kenntniss der jüdischen Literatur heute noch hei deutschen Gelehrten ist, bezeugt ein sonst lehrreicher A a fsatz ־״über das Khazaren-Reich“ in der Sonntags Beilage der Berliner ״Vossischen Zeitung* vom Monat März 1878. Dass dessen Verfasser keine hebräische Schrift, kein von einem Juden geschriebenes Buch benutzt, ja nicht einmal kennt, versteht sich; er schreibt durchweg Ben-Elieser, Bea-Jitzschak anstatt: ben Isaac, da ״ben“ bekanntlich Sohn bedeutet. Nun suchen seine Leser einen Namen unter B, der einem andern Anfangsbuchstaben angehört. Was von den Karnern gesagt wird, sie seien bekehrte Khazaren, ist za lächerlich, nm sich dabei aufzuhalten: offenbar kennt der Verfasser nicht einmal die 1862 11. s. f. erschienenen drei Bände von Fürst über die Karäer. Allein die Krone der Unwissenheit gebührt dem folgenden Satze : ״Ein Rabi Jehudah, ein hebräischer Levit, verfasste noch um 1140 eine Lohschrift auf einen Khazaren-Fürsten.“ Wer in dem Verfasser dieser prächtigen Notiz einen Russen erkennt, irrt sich nicht: sie findet sich buchstäblich in dem Geschichtswerke des im Jahre 1826 gestorbenen Geschichtsschreibers Koramsim, wie man sich.aus Zedner's Auswähl (1840) S. 28 überzeugen kann. Demnach schildert man im Jahre 1878 in England jüdische Autoren des Mittelalters mit denselben Ausdrücken nnd in gleicher Ignoranz nnd Missachtung wie vor hundert Jahren in M09kau. Ueber das Reich der Khazaren haben Buxtorf, Wolf, Asulai, Jost (Geschichte, B. 6) und Zedner lehrreiche Abhandlungen: ein Theil von Zedner’s Anmerkungen zu dem Schreiben an den Khazaren-Fürsten ist englisch in Bres91au'8 Hebr review (London 1860), Vol. I, S. 85 —89. Die Auszüge aus Ihn Zaukal und Massudi ste hen in Revue orientale B. 3 f 1844) S. 259—266; Mehrere» hat auch Phil Luzzatto in der Notice über Jussuf Hasdai ihn Schaprut (Paris 1852) S. 12-15 ״Ein hebräischer Levit“ 6011te in einem Museum ausgestopft gezeigt werden. Aber wer ist denn ״ein Rabbi Jehudah“? Es ist der berühmte Gegner der Philosophie, der grosse Dichter Jehuda Halevi, von welchem schon vor achtzig Jahren de Rossi (Dizion. vol. 1 p. 1411 schreibt: Fu gran (ilosofo grammatico e poeta e Versato in ogni genere di scienza, dessen Cosri, ursprünglich arabisch, in vier Sprachen übersetzt,-von mehreren Antoren erläutert und in neun Ausgaben vorhanden ist, dessen Zionide Moses Mendelssohn übersetzte und dessen religiöse und andere Gedichte, iin Original oder in Uebersetzungen, mitgetheiltf haben: Luzzatto, Sachs (Orient 1840 Lit. Bl. 22 S. 345; die religiöse Poesie 1843 S. 83 bis 106), Dukes, Krafft (Orient 1840 Lit. Bl. 40 S. 636 u. f., Landshuth, Geiger, Zunz, Kämpf (Nichtandalusische Poesie 1858 S. 241 bis 289), über dessen literarische Bedeutung Steinschneider, Zunz, Grätz (Geschichte Th. 6 Kap. 6), David Cassel, Kaufmann geschrieben, dessen poetische Gebete in allen Synagogen der Erde ertönen. Also nicht allein der unsterbliche Jehuda Halevi auch die seit einem Jahrhundert ihn verherrlichenden Sterblichen sind dem gelehrten deutschen Christen terra incognita ' Und man verwundert sich noch, dass kein gelehrter Jude Professor der jüdischen Literatur, Mitglied einer Akademie ist?“ Dr. L. Zunz, C. Scharnke in Barby. Verlag von Robert Frjese in Leipzig•