Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 23. (5.6.1878)
- Date
- 1878-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Zar Beleachtang aller Jadenthnm and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiet« der Philosophie. Geschi cht«, Ethnograph le.Theologle,Orientalia, Exegese, Homiletlk, Liturgik, Pädagogik. mU Herausgegebeu von Rabbiner Dr. Moritz Rahiuer. Magdeburg, 5. .Tun! 1878. Bücher der einschlägige■ Literatnr, welche der Ked. des ״Jtd. LiteratarMatf ln 11 a gdebarg (oder der ״Israelit. Wochensehrin Stettin) sagesandt werden, laden in diesem Blatte «Ingeh. Besprechung. Das ״Jftdlselte IAteratarblatt“ erscheint wöchentlich; Preis bei allen P08tan9talten und Buchhandlungen (in Lei psig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift* in Magdeburg mit direeter frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift* (die vierteljährlich bei aller Postanstalten und Bachhandlungen 9 Mark 80 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt* gratis. — Ismrato Werden mit 30 Pt für dis dreigespalten« Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 19 Mark berechnet. Oie Expedition <Jer,״israelitischen Wochenschrift“ ״ ° Inhnlti ן Wissenschaftliche Aufsätze: Der Darwinismus in der Agada. Von Dr. B. Piaczek. Einige talmadische Termini, kritisch beleuchtet von Dr. Bloch. Literatnrbericht: Recensionen: Töttermann, R Eliezer ben Hyrcanos sive de vi qua doctrina Christiana primis seculis illustris3imos quosdam Judaeorum attraxit. (Forts.) — Lewy, Dr., Heber einige Fragmente aus der Mischna des Abba Saul. Notiz. Der Darwinismus in der Agadf. Von Dr. B. Piaczek. SL (Fortsetzung aus No. 17.) 1 Jenen Passus aus dem Liebesfrühling der! Thiere: ״Das Reh oder der Gemsbock sucht die Dammhirschkuh auf und zieht die Verbindung mit ihr der Vereinigung mit seinesgleichen vor und zwar aus sexueller Accomodation“1) — hat ebenfalls halachistische Bedeutung und mag darum auf zuverlässiger Beobachtung beruhen. Die Talmudisten haben hiebei einen schärferen Blick bekundet und die seltsande Zuchtwähl auf einen natürlichen Grund zurüekgefünrt. von dem nicht einmal die Darwinisten eine Ahnung haben; wie aus folgenden Stellen ersichtlich ist: ״W84 in diesen verschiedenen Fällen (wo nämlich Individten einer Race oder Species unerklärliche Verbindungen mit denen einer andern fremdartigen eingehen) den Zauber gebildet haben mag ausser dem Reize der Neuheit, können wir nicht einmal vermuthen. (Darwin, die Abstammung des Menschen II. 100.) ״Es (st wahrscheinlich, dass die Weibchen von besondern Männchen angelockt oder gereizt werden, welche gewissei Charaktere in einem höheren Grade besitzen als andere Männchen; was aber diese Charaktere sind, könnet) wir seiten oder niemals mit Sicherheit entdecken.“ (lj>as. 440.) Dass verschiedene Gattungen unter einander nicht fertil seien, wird (Bechorot 7a) als Gesetz aufgestellt. Was die unbewusste und d ie methodische Zuchtwahl betrifft, mag hier eine Talmudstelle erwähnt werden, um die genauen Beobachtungen der alten Thierzüchter in’s rechte Licht zu setzen, Sei es auch nur als Beweis dafür, dass ihnen die Correlation der Farbe mit constitutionellen Eigtjnthümlichkeiten bekannt war. ״Ein schwarzes (lind eignet sich besonders zum Zuge5), ein rothes ode(• braunes אילא איידי דרחמה צר לא מזדקר,א (לאילתא) ואזיל (י " " ■כתו יהמירתא י) Nach Rasrhi bedeutet da ״ משכאHaut“, und so wird cs auch allgemein angenommen; ebenso in den Targulnim. Mir 81-heint es jedoch hier richtiger ״Zug“ oder ״Ziehen‘‘ zi bedeuten. Dos entspricht auch ganz wohl der talmudischen Disctssion über diesen Gegenstand Für unsere Beweisführung ist es ziemlich irrelevant, ob man übersetzt: ״das dunkle Rind wird gezii ■litet seiner Haut wegen“ oder ״zum Ziehen“. Immerhin ist die Bauchung der liefert das beste Fleisch1), ein weisses eignet sich vorzugsweise zum Pflügen.“ (Nasir 31b.) ״Ein weisses Rind ist werthvoller als ein schwarzes.“ (Das.) Solche Mittheilungen gewinnen an Bedeutung, wenn wir damit nachfolgende Aussprüche Darwins Ober die protective Eigenschaft und den Zusammenhang der, Farbe mit gewissen orgaüischen Beschaffenheiten der Thiere vergleichen: ״Mehrere angeführte Fälle beweisen, dass bei Thieren und Pflanzen Verschiedenheiten in der Färbung mit constitutioneller Verschiedenheit in Correlation stehen, wie sich durch grössere oder geringere Immunität vor gewissen Krankheiten, gegen die Angriffe parasitischer Thiere, gegen das Verbranntwerden von der Sonne und gegen die Wirkung gewisser Gifte zeigt.“ (Darwin, das Variiren der Thiere II. 444.) ״Beim Rind haben Youatt und Erdt Fälle von schweren Hautkrankheiten mitgetheiit, welche jeden einzelnen ׳ Punkt affletirten, dev ein weisses Haar_trug, aber über andere Stellen des Körpers völlig hlnwegging, Aehnliche Fälle sind hei Pferden beobachtet worden.“ ״Wir sehen hieraus, dass die Theile der Hau% welche weisses Haar tragen, nicht nur in einer merkwürdigen Art von denen abweichen, welche Haare irgend einer andern Färbung tragen, sondern dass ausserdem eine grosse constitutionelle Verschiedenheit in Correlation mit der Farbe des Haares stehen muss; denn in den oben angefühsten Fällen verursachten Pflanzen- , gifte Fieber, Geschwulst des Kopfes, obenso wie noch andere Symptome, und selbst den Tod, indess nur bei allen weissen oder, weissgefleekten Thieren.“ (Das. 445, 446.) Eine gleiche Behauptung stellte schon R. Chisda auf: ״Weissej Flecken an einem dunkeln Rinde sind als eine Krankheit anzusehen.“ Nasir 31b Aus dem Umstande, dass jährlich viele Thiere geschlachtet werden müssen ünd sich daher der Besitzer zu entscheiden hat, Welche getödtet und welche zur Nachzucht erhalten werden sollen, folgert Darwin Acte der unbewussten und systematischen Zuchtwahl. (Das. I. 116, II, 286.) ״In manchen Gegenden von England werden seit jeher weisse Rinder höher geschätzt als schwarze oder dunkle.“ (Das. I. 106, 107.) Durch die angeführte Rangirung der Rinder nach der Farbe in. entsprechenden Arten der Verwendung beweist jener talinudische Bericht, dass unsere Alten eine ־ weitergehende Correlation der Farbe mit constitutionellen Eigen- Farbe zu organischen Beschaffenheiten daraus ersichtlich. — Darwin (Entstehung der Arten, S. 3, Abst. des Menschen I, 21-1, 218) bringt auch die Farbe der Haare mit der Beschaffenheit der Haut . in Correlation J) Die Namaquas in Südafrika setzen einen besonderen Stolz darin, Rinder von hellrother Farbe zu besitzen, die sie nie als Lastthiere gebrauchen. Andersson, Travels in South Africa 318. .3