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Das jüdische Literaturblatt · 1878-05-29 · No. 22. (29.5.1878) · p. Seite 88

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 22. (29.5.1878)
Date
1878-05-29
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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%ץ hemusftlhlt, wie R. Elieser es als unmöglich ansieht, dass def ausgewählte Bock und der bestimmte Bote er- ׳• kranken, und es als unnütz erachtet, darüber Bestimmungen zu treffen, wie zu verordnen, dass dem Hinabgestürzten, der dabei nicht za Tode gekommen, der Todesatoss gegeben werde? (״So mö״en all deine Feinde, Ewiger, zugrunde gehen“, das ist sein Aus- _! druck, wo er nach Herrn T. über den von ihm rerehrten Christus gesprochen haben soll!!) (Schluss f.) ״ Lewy, Dr. Ueber einige Fragmente aüs der Mischna des Abba Saul. Berlin 1876. ft t. ■ *' i 1 r In ,der genannten Schrift tritt uns zum ersten Male Herr Dr. Lewy mit einer Arbeit aul talmudischem Gebiete entgegen. Das Talmudstudium hat in Deutschland, namentlich seit dem Beginn der Neuzeit sich über - Zurücksetzung zu beklagen. Wenn auch der Natur der Sache gemäss durch den Eintritt in die moderne Cultur das Talmudtsudium unter den Juden nothwendiger Weise zurücktreten musste, 80 hätte es doch bei dem Einen oder Andern mehr Pflege finden sollen. Geleg entlieh mag es auch erwähnt sein, dass es doch nicht Zufall ist, dass die modernen grossen Kenner d es Talmuds, w» Rappaport und Fr&pkel, Oesterreicher waren. Einst hatte man vor den Talmudgelehrten in Deutschland besondere Achtung gehabt. Man hielt sie für scharfqkraig and klar. Die deutschen Lamdonim waren immer ausgezeichnet durch das klare, geordnete Wissen, sie drangen immer auf den Peschat, sie waren nicht Oberflächlich, zeichneten sich vielleicht weniger durch das viele Wissen als durch das ruhige Wissen aus. Leider hat es in der letzten Zeit in Deutschland speciell von denpn, die mit klassischer Bildung ausgerüstet an das ־"Talmudstudium gingen, nicht sobald Einer zu einer hervonragenden öffentlichen Bedeutung gebracht. Es mag ja wsfyr sein, dass vielleicht Viele vorhanden sind, die hei gründlicher Kenntoiss des’ klassischen Alterthums׳ Und der mbdernen Forschung auch den Geist des Talmuds ganz und vollends erfasst haben, nur ist dies darch Arbeiten wie von Rappaport und Frankel uns nicht kund geworden. Um so erfreulicherrist es, in Herrn Dr. Lewy einen solchen Mann zu finden, der auf deutschem Boden gross gezogen, mit moderner Forsphung vertraut, den Talmud recht gründlich kennt und wissenschaftlich zu behandeln versteht. Die Arbeit ist mit zersetzender Kritik geschrieben, es werden Stellen im Bahli naeh Jeruschalmi und To-, sefta gestrichen und corrigirt ohne Mitleid und Erbarmen. Man merkt es dem Verf. an, wie schwer es fijm wurde, die alte, überkommene Lehrmethode oder vielmehr Lernmethode aufzugeben. So manches grosse To§safiat wird mit einer ״anderen Lesart“ beseitigt und für unnö- _ tbig erklärt. Hr. Dr. L. verfährt schonungslos in seiner Arbed, aber man lässt es sich doch gefallen, denn es wird Alles wissenschaftlich begründet und mit Beweisen belegt, wenn wir auch, wie später gezeigt werden wird, nicht mit Allem übereinstimmen können. Es mögen sich daran namentlich jüngere Autoren ein Beispiel nehmen. Manche, wenn sie gefunden hoben oder glauben gefanden zu haben, dass Beth-Schammai etwas nicht gesagt, was ihnen eine Boraita in den Mund legt, schlagen gleich Lärm, und thun als ob sie den Talmud aus den Fugen gehoben hätten. Herr Dr. Lewy weist viel solche Stelleh nach, aber dabei spricht er doch von allen talmudischen Autoren mit einer solchen Scheu, dass man die innere religiöse Wärme daran erkennt, die ihn für das talmudische Judenthum durchglüht. Doch wir wollen zur Arbeit selbst übergehen und hervorheben, was ihr Verf. in derselben bietet. Das «toatliche. Thema: d|e Mischna des Abba Saul beginnt feranlwonlieher l)r. Kahm er in Magdeburg.!)ruck von erst 8. 19, oder, wenn wir streng sein wollen, mit 8. 25, denn von 8. 19—25 ist nur ■ Biographisches über Saul zusammengetragen. Da die ganze Arbeit nur 30 Seiten umfasst, so hat sich der Verf. zu lange bei der Einleitung aufgehalten. Der Titel hätte umfassender lauten sollen: Ueber die Zusammensetzung des Mischna od. dgl. Doch, das ist Nebensache. Die Hauptsache ist, der Verf. bietet viel Neues, man möchte sägen, fast auf jeder Seite. Er zeigt eine seltene Belesenheit und Vertrautheit mit dem ganzen halachischen Stoff; es werden Uber Dinge,!die man in der Jugend als halachische Wahrheiten hingenommeo, die kühnsten Hypothesen aufgestellt und manche Mischna erscheint auch wirklich in einem ganz andern Lichte, nachdem sie auf ihre Quelle geprüft und richtig gestellt ist. So z. B. scheint der Verf. S. 18 ganz Recht zu haben, dass die erste Mischna in Beza aus Edujot genommen u. ohne Rücksicht auf die folgenden Mischnajot dem Tractat vofangesteilt wurde, denn wie käme sonst die Halacha:ב׳יש אומרים שאור בכזית וחמד בככותבת וכר hierher? Der nur in Edujot am Platze ist, weil sie zu den Halachot gehöret, wobei B. Sch. erschwert und B. H. erleichtert. Nach dem Verf. wollte man die 3 Fälle nicht auseinanderreissen, wie sie in Edujot sich fanden und stellte sie dem Tract. Beza voran, obwohl der mittlere Fall zu Pessachim und nicht zu Beza gehörte. Es entstanden dadurch Widersprüche mit den folgenden Mischnajot, die die Boraita zu lösen sich abmüht. Wir wollen nunmehr das hervorheben, worin wir mit dem Hrn. Verf. nicht übereinstimmen können. (Forts, folgt.) Notiz. Giftiges Fleisch. Die Zeitschrift des Thierschutz- Vereins für Gr. Hessen No. 4 hat an ihrer Spitze einen Aufsatz: ״Giftiges Fleisch“, welcher namentlich auch für die jüdischen Speiseverbote von Interesse ist. Es heisst darin, dass das Fleisch solcher Thiere, welche vor der Schlachtung geängstigt, gehetzt oder gemartert worden sind, giftig und dessen Genuss ungesund sei. Nach mikroskopischen Untersuchungen sei das Blut soleher Thiere nicht normal und ähnlich zersetzt, wie in Folge der Rinderpest; nach ärztlichen Beobachtungen auch vielfach die Ursache von Krankheits- und Todesfällen. Man habe dies bei durch Parforce-Jagden gehetzten Thieren gefunden, also bei solchen Thieren, welche in Schlingen gefangen und durch lange Zappelungen darin geängstigt und gequält wurden, auch bei Fischen, welche, aus dem Wasser gezogen, nicht sofort getödtet, sondern langsam verendet sind, ferner bei Kälbern, welche durch Hunde zur Schlachtbank gehetzt wurden, wie bei allen Thieren, welche Behufs Tödtung nicht schnell abgeschlachtet, sondern langsam gemartert werden. Wir haben hier wieder eine neue Bereicherung der Gründe für die Berechtigung unserer jüdischen Speisevorschriften, deren die Neuzeit ja schon mehrere aufgedeckt hat. Wir erkennen hier, dass der Umkreis der Begriffe von ,גכלד und טרפה nicht so eng nach Maassgabe der stricten Wortbedeutung gezogen werden dürfe, sondern dass die rabbinische Erweiteruag ihre Berechtigung hat. Nicht blos unsere Vorschriften über die innere Untersuchung des Schlachtviehs (בדיקה), — deren Resultate übrigens von der gewöhnlichen ״Fleischschau“ bei weitem nicht erreicht werden, — haben hiernach ihre Berechtigung, sondern auch diejenigen über unsre jüdische Schachtweise (שחיטה), welche, um Beängstigung und Marterung zu verhüten und eine schnelle Tödtung herbeizuführen, hiernach nicht blos einen humanen, sondern auch sanitären Zweck haben. Berichtigung. In vor. Nr. 8. Ö3a ist Z. 26 v. o. das Wörtchen ,nicht* hinzuzufügen __. C. äcb&rn ke in B&rby. Verlag von Robert Frjieae in Leipzig• i

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