Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1878-05-01 · No. 18. (1.5.1878) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 18. (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5367336-6488234-8755624--1007-4854459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

72 — beralismus sehr mit Unrecht als P&aacee gegen Kulturkampf gepriesenen Simultanschulen wird fast jede) Gemeinde unseres engeren Vaterlandes sich־' vor die Kothwendigkeit gestellt sehen, die religiöse Erziehung ihrer Jugend auf Grund der veränderten Sachlage heg zu organtsiren. ן; Lehrziel »mH Lehrplan müssen entsprechend de* Stufe, welche die neben der ReligionsseAule bestehende Lehranstalt einnimmt, eine mehr oder minder grosse Modiüeation erfahren Die Vertheilung des Lehrstoffe* auf die öffentliche und auf die Religionsschule muss ־ völlig neu geregelt werden. Eine beacbtenswerthe Vor- Arbeit zur Lösung dieser Fragen bietet die vorliegende Broschüre, welche sich die Aufgabe gestellt hat, die Schwierigkeiten zn untersuchen und zu würdigen, di* sieb der Aufstellung des Stundenplanes und der Durch(■ föhrung des Lehrplanes für den jüdischen, Religionsunr terricht entgegenstellen. Verf. hat dabei mit Recht di* iti,seiner Gemeinde obwaltenden Verhältnisse zum Muster genommen, da die Organisation der Religions->chuleh an mittelgrosaen Städten kaum irgendwo wesentlich* unterschiede aufweist, und die Beziehungen der Ger maindeschulen zu den neben denselben vorhandenen höheren Lehranstalten ohne alle Frage überall diese!- ben sind“ (8. 1V). In trefflicher Kürze zeigt er zuerst <^e für den Fernerstehenden unglaublichen, dem Schul!־ manne aber._ nur zu bekannten Schwierigkeiten, mit welchen die Religionsschule zu Beginn jedes Semester* immer wieder zu kämpfen hat Wie selbstverständlich darfder Religionsunterricht mit obligatorischem'Schul• unterricht nicht collidiren. Wie sind, aber heutzutage dm Kinder in der sogenannten schulfreien Zeit noch an*6erdem belastet? Und dann: die verschiedene Unterrichtsseit in den öffentlichen Schulen! An manchen wird Vor* und Nachmittags, an andern nur Vormittags unterrichtet, Endpch das Schülermaterial, das in die Jtaligtonsschule kommt Tertianer und Sextaner, Gymnasiasten und ElementarschUler u. 8. w. müssen in einer Klasse zur selben Zeit unterrichtet werden. In Oe 1s müssen, um tür 33 Schüler und 33 Schülerinnen in 3 Knaben- und 4 Mädchenklassen einen Unterricht von 2* Stunden wöchentlich zu Stande zu bringen, nicht weniger als 22 Lectionspläne verschiedener Klassen mehrerer öffentlicher Schulen berücksichtigt werde*. I» grossen Städten und Gemeinden grenzen diese Schwi*- rigkeiten an’s Fabelhafte. Hier ein Beispiel. Die R*- Anstalt־II der Breslauer Synagogen-Gemeinde unterrichtet etwa 360 Schüler und Schülerinnen in der Entlassung« -Klasse (E-K), 5 Knaben- (K) und 4 Mäaeben- (M) Klassen. Es besuchten die Schüler der E.-K. 4 versch. Schulen mit 5 verschiedenen Plänen » יי יי 5 יי מ יו יי 9 יי יי . יי K1V17 ” ” ” 7׳;; :11 ■: : , Die Schülerinnen der M. L besuchten 7 versch. Schulen mit 8 versch. PL 5r". : ז ,1 יי ’י יי * 21 יי מ יי• ־-10 יי £ י1 וו 30 ■יל יי יי 3^ יי Bei dieser Aufstellung ist Tum- und anderer Unterricht, der in der ״schulfreien“ Zeit ertheilt war, noch nicht einmal in Anschlag gebracht. Der zweite Theil der Broschüre will den Weg zur V*r8täadigung über das Lehrziel der Religionsschule aübahnen und beleuchtet mit anmuthender Wärme die Anforderungen, die das Leben und die Familie an die Religionsschule zu steilen, und die Gegenleistungen, welche die Schule von der Familie zu erwarten ber! tigt ist. Besonders lobenswerth sind die treffenden Ausftihrungen des Verfassers über den verschiedenen Maassstab, den die Eltern an die öffentliche und an die Religionsschule anlegen. Jede schlechte Censur der öffentliehen Schule war mit schweren Censuren an den Kindem heimgesucht. Natürlich! ״Wenn die Eltern von den ersten Stunden des Unterrichts ihre Theilnahme an den Fortschritten des Kindes gleichmässig fortsetzen, dann erlischt auch dessen Eifer nicht, und so wird der Fleiss, wenn er nicht ein angeborner ist, ein anerzogener“ (S. 30 f.) Aber ״kann man einem Kinde zürnen, wenn es eine Schule nachlässig behandelt, über welche es nie ein Wort der Anerkennung hört, trotzdem sie täglich, am Sabbath wie an Werktagen, so vielen und verschiedenartigen MüHen sich zu unterziehen hat?“ Bei den Raumverhältnissen dieses Blattes müssen wir es uns versagen, Weiteres aus der grossen Fülle der anregenden Bemerkungen und Belehrungen des Verf.'s (z. B. über das Wahre und Falsche an der Redensart: ״es wird heute kein Hebräisch mehr gelernt“) hervorzuheben. Möge das auch äusserlich gut ausgestattete Büchlein Leser und Freunde in den Kreisen der Lehrer und namentlich der Eltern finden. Breslau. Dr. Braun. Rosenstock, Dr. M., Director der Samsonschule zu Wolfenbüttel, Die Völkerwanderung und ihre Folgen für die Juden Europa's, insbesondere Deutschlands. (Jahresbericht der Samsonschule.) Hannover 1878. Seiner Arbeit und dem Publikum hat der geehrte Verfasser eine Unbill dadurch zugefügt, dass er sein Opus an unrichtiger Stelle hat abdrucken lassen. . In einer weitverbreiteten Monatsschrift wäre der rechte Ort für diese treffliche Monographie gewesen, die wir ohne Bedenken Schleiden״ *־Bedeutung der Juden“ zur Seite stellen. Wir sind in Verlegenheit, welche Einzelheiten wir zur Begründung unseres Urtheils mittheilen sollen, ob die treffliche Durchführung und kritische Beglaubigang des Grundgedankens: Nicht die Germanen haben eine instinctive nationale Stammesabneigung gegen die Juden, sondern die katholische Kirche hat den Judenhass künstlich gezüchtet, oder die geistvolle Darlegung der socialen Verhältnisse der Juden in den verschiedensteu Zeiten und Ländern bis auf die Jelztzeit, oder das den gewiegten Historiker kennzeichnende Belauschen des historischen Werdens. Recensiren heisst hier Re- Veriren, und ein treues Referat wäre ein Wiederabdruck der ganzen Monographie. Dass durch einen solchen dieselbe dem grossem Publikum zugänglich gemacht werde, ist der Wunsch, den diese Zeilen dem geehrten Verfasser als Dank eines vollbefriedigten Lesers aussprechen wollen.*) Koschmin. D r. L e w i n. Der Redacüon sind folgende Schriften zugegangen: Kohut, Dr. A-, Plenui Aruch, targumtalmudico-midrasch verb1»le et reale Lexicon. Heß 1. Wien 1878. Zuckerrnandel, Dr. M S., Tosefta etc. Lief 8. Pasewalk 1878, Deutschländer, Dr. N., Der Talmudunterricht in der Religionsschule. (Im Jahresbericht der Religionsschule der Adass Jissroel. 1878 W 01 f, G., Die kaiserliche Landesschule iu Wien unter Maxim!' lian II. Wien 1873. — — Kurzgefasste Religions- und Sittenlehre fiir die israelitische Jugend. 2. vermehrte u. verbesserte Auflage. Wien, AL fred Hölder. *) Vielleicht findet obiger Wunsch beim Ausschuss des deutsch• Israel. Gememdebondes die verdiente Berücksichtigung. (Red.) GA: Nr. 32. - ,8 '428 u. 1868.״ *^|che^lie>8chule_v0n_der_Fan1ilie jsu erwarten beretfoz. 14 lies TPn■ Z- 26 hinter 1863 hinzuzufügen: 428־ 8״ u. 1868.״ V*—*warotEr*KUctcur Pr. Rahm er inJUgdeWg. Druck ▼oa C, 8charnke in Barby. Verlag von Robert friesem Leipzig S. 64b. Z. 3 v. ob. fehlt hinter Z. 26 hinter 1863 hinzuzufügen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.