Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 13. (27.3.1878)
- Date
- 1878-03-27
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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a den krankhaften'Abnormitäten gezählt, weil gewöhnlieh unter dem Schopfe eine Perforation oder eine Spalte im Schädel sich findet. Darwin erwähnt darüber: ״Zwischen einer Federkrone und dem unvollständig ossifhnrten Zustande des Schädels besteht 'ein$ offenbare und merkwürdige Correlation. Dies gilt nicht blos für bemühe alle mit Federkronen versehenen Hühner, sondem jauch für Federbusch-Enten und, wie mir Dr. Günther luittheilt, auch für Federbusch-Gänse in Deutschland.“ (Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustände dpr Domesdcation I, 341; II, 44.) Da die Ha- —lachisten diese Form für rituell bedenklich oder morbil halten, 80 schönen sie eine Ahnung von der darwinistischen Hypothese der Compensation gehabt zu haben, dass nämlich die Verkümmerung eines Organes die stärkere Entwicklung eines anderen Körpertheiles oder auch umgekehrt zur Folge habe. Josef Albo (z. A. d. 15f Jh.) hat diese Idee schon klar ausgesprochen: ״Die!gehörnten Thiere, die sich vom Gras des Feldes »nhrftii, haben, weil der Stoff, aus dem Zähne hätten gebildet werden sollen, aufgebraucht wurde für die Hörner, und die Natur damit kein Auslangen fand, um auch in der obern/Kinnlade Zähne entstehen zu lassen, von der Natur zum Ersatz für das mangelhafte anfängliche Zerkauen der Speise die Fähigkeit des Wiederkauens erhalten.“ Ikkarim 4, 11. Freilich ist hier besonders in dem ersten Satze Ursache und Wirkung verwechselt; überraschend bleibt aber dennoch die Analogie mit der 'Darstellung Darwin’s: ״Compensation desVfachsthums — dieses Gesetz wurde in Seiner Anwendung auf natürliche Arten von Göthe und Geoffrey St. Hilaire ziemlich zu derselben Zeit aufgestellt. Es sagt aus, dtum wenn viel organische Substanz zum Anbau ׳ irgend eines Theiles verwandt wird, anderen Theilen die Nahrung entzogen wird, und sie damit reducirt werden.“ (Das yariiren der Thiere und Pflanzen II, 451) ״Die Zähne werden^durch das noch nicht ganz aufgeklärte Princip der Correlation und der Oekonomie des Wachsthums[ verkleinert; denn wir sehen überall, dass Theile, welche nicht länger mehr von Nutzen sind, an Grösse reduciirt werden.“ ״Der Fall ist beinahe parallel mit dem vieler männlicher Wiederkäuer, bei welchen die Eckzähne zu blossen Rudimenten reducirt werden oder ganz verschwunden sind, und zwar; allem Anscheine nach in Folge der! Entwickelung der Hörner.“ (Die Abstammung des Menschen II, 285.) ״Bei Wiederkäuern steht die! Entwickelung von Hörnern allgemein im umgekehrten j Verhältniss zu den selbst nur mässig entwickelten Eck- I zähnen“, j.. . ״Hörner sind offenbar für ihre Besitzer ▼on grosser Bedeutung, denn ihre Entwickelung verconsumirt viel organische Substanz.“ (Daselbst 226.) Die Talmudweisen untersuchten^ auch die Dauer ■des Verdauungsprocesses bei den Thieren und gelangten zu dem Resultate: bei dem Hunde bleiben Speise- ^reste 8 Tage im Magen, bei Vögeln und Fichen nur *o lange, als sie in’s Feuer fallend, darin verbrennen. •Sabbat 165b, Obalot 11b. Die unendliche Bubtilität der Membrane und Gefässe [ bei den Thieren war ihnen gleichfalls nicht fremd. Daran gemahnt die wenn auch hyperbolische Angabe: ״Das Schwein — nach einer andern Leseart — die Mücke hat 600,000 Membrane im Magen.“ Bechorot 57b. Hiezu mag verglichen werden die Mittheilung Bucklands,' Bridgevater Treatise p. 411, dass ein Crinoide zuweilen aus nicht weniger als 150,000 Schalenstücken besteht, welche alle vollständig symmetrisch in strahlenförmigen Linien angeordnet sind. Sie hatten auch eine weitgehende Vorstellung von der Anzahl gewisser Thierspecies. Sie geben beispielsweise die Zahl der rituell untersagten Fische auf 700, der Heuschrecken auf 800, der habichtartigen Raubvögel auf 1ÖO an. Chulin 63b. (Forts, f.) Nachschrift zam Artikel IV in No. 11. Es gereicht mir zu nicht geringer Genugthuung, bevor ich diesen Artikel beschliesse, eine hochinteressante und eben so bedeutsame Mittheilung — bedeutsam für die Halachakritik im Ganzen, wie für einige im Artikel IV von mir entwickelten, scheinbar höchst gewagten Anschauungen mit Bezug auf Echtheit und Glaub- Würdigkeit mancher Referate über halachische Streitigkeiten alter Tanaiten — den Lesern im Namen des Herrn Dr. Jellinek in Wien, dessen immense Belesenheit in den entlegensten Fächern Staunenswerth ist, vorlegen zu können. In dem erwähnten Artikel versuchte ich den Nachweis zu führen, dass der Bericht der Boraitha Sabbat 21b von der angeblichen Controverse zwischen den Hilleliten und Schamaiten Uber das Chanukalicht unecht und blos der falschen Vermuthung der' späteren Amoräer sein Entstehen verdankt, welche die Verschiedenheit der Observanz sich nicht anders zu erklären wussten. Der Tragweite dieser Aeusserung war ich mir wohl bewusst. Ich fügte hinzu: ״Es ist nicht das einzige Beispiel, wo Abweichungen in der Observanz, für welche man keine Erklärung wusste, auf Schuldifferenzen zwischen ב״ש und ב״ה zurückgeführt werden.“ So sehr diese Anschaunng das Gepräge des Modernen an sich trägt, als Resultat einer rücksichtslosen, streng kritischen Prüfung, um so überraschter war ich und erfreutmit der mir brieflich gemachten Mitiheilung des verehrten Herrn Dr. Jellinek, wonach diese Wahrnehmung auch unsern Alten nicht entgangen, und dass schon sie die Glaubwürdigkeit solcher und ähnlicher Referate nicht blos anzweifeln, sondern absolut verneinen. Von Bezalel Aschkenasi, dem berühmten Verfasser des שטה מקובצת citirt Aigasi im 101 404 נום' הלכותgende Bemerkung: ... מובסת הברייתא לפעמים דברים אע״ם שהתנא ההוא לא אמר אותן הדברים .... Im כללי שמואל des Ibn Sid (oder Serillo, oder Sedillo, der Name schwankt) findet sich folgende Stelle: הטעם שנמצאו ברייתות משובשות ♦ י וכותבק בשם התנא ההוא שכך אמר ועל האמת־התנא ההיא לא אמר כך מעולם ♦ ♦ Ist für den Kritiker nichts befriedigender, als die Wahrnehmung, dass seine scheinbar gewagtesten Behauptungen von den gründlichsten und ältesten Talmudkennern ihm vorgeahnt wurden, 80 ist es andererseits erstaunlich, solch rädicale Anschauungen bei den Alten anzutreffen, allerdings blos bei solchen, deren methodischer Sinn von den pilpulistischen Verirrungen am meisten ferngeblieben. Mit begreiflicher Spannung sehen wir dem, von