Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 11. (13.3.1878)
- Date
- 1878-03-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 11. Jüdische Literatur Das Jahrg. TU Zar Beleuchtung aller Juden* tham und Juden betreffenden literarisch. Erseheinungen anf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie/1 ologie,Orientalia, Exegese, miletlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. י_[ _ .... r Magdeburu, l£t. Mär*. 1878. Bacher der einschlägigen Literatur, welche der Eed. des nJüd. LiteratarMntt“ ia M . gd e b a r g (oder der ״Israelit. Wochenschr.“ tn Stettin) znge• sandt werden, Anden in diesem Blatte eingeh. Besprechung. Das ״Jüdische Literaturblatt“ erschein|t wöchentlich; ,Preis bei allen Postanstalten and Buchhandlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bjei der Expedition der ״(israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit directer frankirter Zusendung - 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich, bei aller Postanstalten and Bachbandlungen 2 Mark 50 Pf. kostet) erhalten das ״Jadisiihe Literatarblatt“ gra tis. — Insernte werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 12 Majrk berechnet. Die Expedition der ״Israelitische 1 Wochenschrift“ Inhaiti Wissenschaftliche Aulsätze; Der Darwinismub in der Agada. Von Dr. B. Placzek. Nachträge zur Kritik des Buches Esther. Von Dr. J. S. Bloch. Handschriftliches aus Petersburg. Von Dr. A. Harkavy. משיח בך יוסף■ v°n Dr. m. Duschak. Literaturbericht.• Recensionea: Dr. J. Hamburger, Real-En■ cyclopädie für Bibel und Talmud. Schriften. Notiz. — Nene Bücher. — Prämier, Spanisch-jüdische Zeit- Der Darwinismus in der Agadä. Von Dr. B. Placzek. Bedeutenderes Interesse bietet der innere Conflict zwischen anthropocentrischer Auffassung und der Z11erkennung einer selbs'zweckliclien Kxistenz auct für die Thiere, wie ihn die Agada sogar von Rabbi Jehuda Hanassi berichtet: ״Rabbi ward mit langjährigen Leiden, die keine Prüfung aus Liebe waren, wegen eines Kalbes bestraft. Als ein solches einmal zur Schlachtbank geführt ward, lief es bin zu Rabbi, versteckte den Kopf unter den Zipfel von dessen Gewände urd wimjinerte kläglich zu ihm empor, als ob es sagen wollte: rette mich. Doch Rabbi sprach: Gehe und lasse dich schlachten; denn dazu wurdest du geschaffen.“ Darob, hiess es, litt Rabbi Jahre lang. Befrei(, wurde er von den Leiden bei einem ähnlichen AnlasstJ. Seine Magd fand nämlich im Hause ein Wieselnest und wollte die Jungen vernichten. Rabbi jedoch verwies es ihr mit dem Ausrufe: Seine Barmherzigkeit über alle seine Geschöpfe. Psalm 145, 9. (Baba Meziali 85,a. Eine andere Version derselben Erzählung Ber. Rah 3!j.) Klärt man diese ethische Erzählung auf ibcen biologischen Inhalt ab, so gewinnt man als Ilesullat, dass die damalige öffentliche Meinung (אמרי) die teleologische Anschauung (לכך נוצרת) als sündhaft und strafbar vernrtheilte und dafür die freiere der selbstzwecklichen Existenz, der Achtung des Thierlebens, zur Geltung erhob. Die Weisen der Agadah hatten ein gar scharfes Auge für die Lebensäusserungen der Thiere; sie waren feine Beobachter der Organe und Functionen des Thierleibes und nicht minder der T11 i e r s e e 1 e. Beiderlei Betrachtungen brachten sie mit den Menschen in Vergleichung. Hier die Belege dafür: ״Ein Weiser wollte die Trächtigkeitsdauer der Schlange kennen. Da ergr ,ff er ein j ßchlangenpaar, während sieden Coitus übten, sperrte sie [ 1 in ein FAss und fütterte sie,; bis die Jungen zur Welt ka- ' men.1) Dieser Fall trat nach sieben Jahren ein.“ (Ber.; Rab. 20. Vgl. Bechorot 8b.) Da haben wir es nicht mit zufälliger Empirie, sondern mit einer zweckbewassten, ausdauernden, wissenschaftlichen Untersuchung zu thun, die sich nicht auf die domesticirten Thiere beschränkte und darum auch nicht als von materiellem. Nutzen allein bestimmt anjzusehen ist. Und wenn"auch die Bezeichnung jenes Forsöhers-sls ״Philosoph“ auf einen Griechen schliessen lassen ]könnte, so braucht man, um davon abzukomnien, nur die Variante in Bechoroth 8b zu lesen: ״Ddr römische־Kaiser (wahrscheinlich Traj&n״ der, als ein Förderer der Wissenschaft bekannt, mit Tacitus und dem jüngeren Pljinius befreundet war) Fragte einst den Rabbi Josua b. Chamanja: Die Schlange, wie lange braucht sie um zugiebären?“ Dieser entgegnete ״sie gebärt alle sieben Jahre.“ Darauf jener: ״wie stimmt das mit der Ansicht der Alten von Athen, (verlnulhlici Aristoteliker), welche Schlangen künstlich paar- 1 ten und fanden, dass sie schon nach drei Jahren gebären?“ ״Die Schlangen können sich ja vier Jahre zu- I vor gepaart und also dochj erst nach sieben Jahren gejungt haben.“ ״Wäre deih so, meint der Kaiser, wie mochte! sie sich begatten? (Trächtige Thiere verschmähen das Männchen. -|— Raschi.) ״Die Schlangen gleichen hierin den Menschen“, erwiderte Rabbi Josua.*) ״Aber jene Athener sind sp gelehrt und weise!“ ״Wir sind we ser als sie“, sagt, der Rabbi. — Es besteht also zwischen der griechischen ׳und agadistischen Annahme über die Fertilität der Schlange eine\I)ifferenz: w&hrend jei.e drei Jahre angiejbt, stützt die^ejlie Annahme von 7 Jahren auch auf efine arithmetische Auslegung von Bibelversen — und kann mithin der Philosoph, den Ber, Rab. 20 anführt, nicht mit den atheniensischen Weisen (מבי דבי אתונא) identisch sein. Merkwürdig bleibt sonst nojch die Stelle in Bechorot 8a, die von der Brunst, •) Wahrscheinlich Ottern, welche lebendige Junge zur Welt bringen, während andere Schlangen zumeist Eier legen. נ) Von der Libidioosität der Schlange sagt Darwin: ״Trotzdem männliche Schlangen so trüg zu sein scheinen, sind sie doch verliebt. Denn man hat schon fiele am ein Weibchen heramkrie- ' M '1 chen sehen, ja selbst um mung II, 26.( ein todtes Weibchen.“ ■LaMI (Die Abstam-