Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 9. (27.2.1878)
- Date
- 1878-02-27
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 k&bäischen Reminiacenzen herrscht Den Grund für diese auffällige Erscheinung will J. hauptsächlich in der Furcht vor Rom oder in der Rücksichtnahme auf die römischen Machthaber finden, deren Argwohn durch Makkabäer-Geschichten nicht gereizt werden sollte. Ganz abgesehen, dass derartige Rücksichten nur für bestimmte, knrze Zeiträume und auch da nur auf der Oberfläche 1 wirken konnten, so reicht ein solcher Grund nicht aus, am die Konsequenz genügend zu erklären, mit welcher die Makkabäer-Kämpfe sekreürt werden und das ״geschichtUcbe Kolorit der Chanukatage verwischt wird.'׳‘ Vielmehr scheint dies die in diesen Blättern von Dr J. 8. Bloch bei der kritischen Untersuchung des Estherbuches durchgeführte Ansicht zu bestätigen; dass die Abneigungen und Antipathien, welche zwischen den Makkabäern und den älteren Pharisäern bestanden, sich immer mehr verschärft hätten und auf die späteren rabbinischen Bcbulen übergegangen seien. Hiergegen kommt die von J. aus Halachoth Gedoloth, Hilchoth Soferim für seine Hypothese angeführte Notiz kaum in Betracht... l(ach dieser ״wäre von den Aeltesten der Schulen Schammai's und HUlel’s eine Megiliat bet Chaschmonai verfasst und später der Oeffentlichkeit entzogen worden.“ י"■ יעד שיעמוד כק לאורים ותופים® die Notiz schiiesst, wird dabei von J. nich’t berücksichtigt und ועד עכשיו לא עלך■ לךןךץך; besagt nicht so sehr, dass sie der Oeffentlichkeit später entzogen, als vielmehr, dass sie biiber der Oeffentlichkeit nicht übergeben worden, oder dass sie von selbst nicht auf die Nachwelt gekommen sind. Möglich, dass zu den genealogischen Registern, deren Vernichtung öfters beklagt wird, auch ״Hasmonäer-Rollen“ gehört haben und dass daher die Aeltesten der rabbinischen Schulen sich veranlasst fühlten, von Neuem, so gut es anging, Aufzeichnungen zu machen, aber mit der Bestimmung, sie erst dann» der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, עד שיעמוד וכר. Möglich auch, dass die Megiliat Chaschmonai in der ersten Revolutionszeit gleichzeitig mit der Megillath Taanith auf Veranlassung des Herodes Agrippa II., da er wenigstens von weiblicher Linie als Erbe der Hasmonäischen Glorie gelten konnte, verfasst worden sei. Es ist genugsam bekannt, dass Agrippa II. in dem Kevolutionskrieg eine zweideutige Rolle gespielt und durch Justus ben Pistos die Fühlung mit den Patrioten behalten hatt£. Als er später diese Verbindungen desaroairte, ist die Megiliat bet Chaschmonai in Verstoss gekommen und in Vergessenheit gerathen. Von all dem jedoch weiss der vorliegende Chan.-Midrasch Nichts, er -erzählt nur in schlichter Weise, wie die Juden, von den Griechen nach und nach mit vier grausamen Edikten hoimgesucht worden, von denen das vierte die Schändang der jüdischen Bräute verordnete. Die schöne Hanna, die 'Tochter des Matithjaha, welche ein Opfer dieses schmachvollen Ediktes werden sollte, verstand es bei einer Mahlzeit in keuschem Zorn ihre Brüder zum Widerstand zu entflammen und zur Empörung gegen die Griechen zu treiben. Scharfsinnig deduzirt J., dass die Recension unseres Midr. die älteste ist, weil sie ausführlich erzählt, was die 1. Recension (B. ha-M. 1,133) kurz zusammenfasst und weil sie an Bibelverse anlehnt. Vielleicht datirt der Midrasch aus der Zeit, welche Rabbah Ketuboth 3, b im Auge hat, indem man das Vorbild des glorreichen Makkabäerkampfes dazu benutzen wollte, um einen thätlichen Widerstand gegen die empörende Verordnung jener, gewiss nicht griechischen Zeit, hervorzurufen. Ebenfalls uiakkabäisch ist No. IL, die aramäische Megiliat Antiochos, welche von dem gelehrten Herausg. ״als ein jüngeres liturgisches Produkt, bestimmt an ChMuka^borgeleseo^u^jverden^Jbezmchnet^wird^^JDaS■ ■ Vwmntwotmjher Redartour Ur. Jt. Kahmer. Prack von C. t Buch-Esther und die Zusätze zu demselben waren ihre Muster. Von den meisten, bisher gedruckten Ausgaben derselben unterscheidet sich diese Recension, dass sie V. 47—55 die sonst fehlende Erzählung von der 8chönen Hasmonäertochter enthält, deren edle Entrüstung über das ihr bevorstehende Schicksal den Anstoss zur Erhebung giebt. Würde es sich nicht empfehlen, die Grätz’sche Korrektur von כגרים zu acceptiren und statt dessen בנכים Bakchides zu schreiben? ebenso S. 5 בבית דנון nach IL Maccab. 6, 7 in ״ בבית דנוזםDer Tempel des Dionysios“ zu ändern? (Schluss folgt.) Barnabae epistula. Integram graece iterum edidit, veterem interpretationem latinam, commentarium criticum et adnotationes addidit A. Hilgenfeld. Lipsiae, T. O. Weigel. Es war vOrauszuseheD, dass die trefflichen, ebenso interessanten als gediegenen ״religionsgeschichtlichen Studien‘4 M. Güdemann’s auf die einschlägige Lite: ratur einen bedeutenden Einfluss gewinnen und ausüben werden. Darum ist die Thatsache, dass Gelehrte von der hervorragenden Bedeutung Hilgenfeld’s in Sachen spezifisch neutestamentlicher oder patristischer Kritik mit Arbeiten wie die Güdemann'sche zu rechnen genöthigt worden, sie auf Schritt und Tritt heranzuziehen, um bei ihnen Rath und Aufklärung zu suchen und häufig auch zu finden, doch unstreitig bedeutsam genug, um in einem jüdischen Blatte erwähnt zu werden. Das ist auch der Grund, dass wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die angezeigte neue Ausgabe des BarnabaS-Briefes von Hilg., bei welcher dem trefflichen Gelehrten die Benutzung eines hierosolymischen im Jahre 1056 geschriebenen gediegenen und interessanten Codex zu Gebote stand, lenken wollen. Beim Studium dieser Aufgabe und der kritischen Adnotationen Hilgenfeld’s, der die von G. eröffnete Fundgrube neuer Gesichtspunkte gebührend würdigt, empfanden wir eine gewisse Genugthuung, gleiche ehrenvoll für beide Gelehrte. G. hat glänzend dargethan, dass in kritischen Fragen auch der neutest, und patristichen Literatur die jüd. Wissenschaft und ihre bedeutenden Vertreter ein Recht mitzusprechen haben; dass die Verkümmerung dieses Rechtes, ein absichtliches Nichtbeachten und Beiseitlassen jedenfalls der betreffenden Literatur nicht zum Vortheil gereicht. Hat andrerseits die neue Edition das Verdienst einer bedeutenden Förderung des patristischen Studiums, sind die knappen Adnotationes ein sprechender Beweis, mit welch unermüdeter Sorgsamkeit und kritischem Scharfblick der gelehrte Erklärer seines Amtes gewartet hat, so ist jener andere Umstand ein zu rühmendes Zeugniss ächt wissenschaftlicher Vorurtheilslosigkeit. Es wäre überhaupt an der Zeit, dass endlich einmal ein regerer Verkehr, eine grössere geistige Verbindung zwischen jüdischen und christlichen Forschern auf religionsgeschichtlichem Gebiete Platz greife; statt der kalten Absonderung, eine gegenseitige Förderung und Unterstützung. Hass der gelehrte Herausgeber das reiche Material der kritischen und exegetischen Hilfsmittel mit der grossten Umsicht und Feinheit zu verwerthen verstanden, braucht nicht erst betont zu werden. Hiernach soll die Schrift unter Nerva von einem Heidpnchristen verfasst worden sein. In einigen Punkten weichen die Ansichten des Referenten von denen des gelehrten Verf.'s bedeutend ab, und er hofft coch Gelegenheit zu finden, seine abweichenden Anschauungen, in welchen er hier und da mit Lipsius zusammentrifft, ausführlicher auseinanderzusetzen und zu motiviren. ch. Berichtigung: In vor. Nr. S. 32 8t. chronischer 1. ahro n isc he r. S. 31 a Z. 4, 1. Aufhellung dieses. __ harnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.