Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 5. (29.1.1878)
- Date
- 1878-01-29
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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— 20 — Zeitaag ftjglich nicht übergangen werden. Nicht gerade deshalb, d׳eil Kaiser Josef II. unserem Herzen so nahe steht, der liann, der ein zweiter Koresch sein befreiendes Wort 'auch für Israel ergehen liess, als ▼ieluiehr einem anderen Momente za Liebe. Dieses für die Jagead und das Volk geschriebene Buch hat nämlich ei- :1• aen Juden zum Verfasser, den um die jttd.-österr. Ge- £, schichte wohlverdienten Religionslehrer Dr. Wolf, und '1es ist kein niedrig anzuschlagender Fortschritt, dass der e Herausgeber dieser Bibliothek der Professor und Reichs- 1 rathaabgedrdnete Dr. Al. Ritter ▼. Egger, der Lehrer l( des Kronprinzen Rudolf in der Geschichtswissenschaft (!!), die Lebensbeschreibung Kaiser Josefs — ein so heikles Thema —׳ einem Jeden anvertraute. Nun! man weiss, dass für die Jagend zu schreiben, für die ״das Beste eben gut genug ist‘', keine kleine Sache sei. Hr. Wolf miber wusste sowohl den richtigen Ton anzuschlagen, der dem kindlichen Fassungsvermögen entspricht, als •ach ein knappes, aber anschauliches Bild vom Lebensgange Joaefs und den in seine Regierungszeit fallenden Sktggnisaen zu geben, ahne bei aller geschichtlichen Treue nach irgend einer Seite hin verletzend zu werf, dea. Um so wirksamer werden die warmen Worte V;• •ein, die er den Aufklärung«- and Bildangs-Bestrebun- C Joeefg widmet und ganz besonders die Darstellung Verhältnisse der Juden in Oesterreich (S. 78—81), deren Erniedrigung durch das Toleranzpatent vom J. 1783 ein Ende nahm. Solche Schriften, vom Volke und in der Jugend beherzigt, verbreiten das Licht der ,Aufklärung und liebevoller Duldung und sifid wahrhaft geeignet, den echten Fortschritt, dessen Ziel die Versöhaung der fjegens&tze in Staat und Gesellschaft bildet, Zn befördern. Hr; Wolf, der au einer quellenmässigen Geschichte! der Regierung Josefs arbeitet und erst jüngst eine wertvolle Monographie über die General-Semi- Barien u. K. Josef in Räumers Histor. Taschenbuch geliefert, hat eine Jagendschrift geliefert, die zum Kiddqsch haschem gereichen kann, —m—m. Es geht uns gleichzeitig von der Verlagsbuchhandlang Hugo Kästner (Berlin) ein Convolut Jagendschriften von dem als Jagendschriftsteller rühmlichst bekannten Ferdinand Schmidt zu, unter welchen ■ich ebenfalls: ,Kaiser Josef II. Ein Lebensbild“ befindet.* Schmidt’s Anählungstalent braucht von uns nicht erst hervorgehoben za werden. Emst Moritz Arndt sag( von ihm: ״Er hat den Ton getroffen, wie man mit and zu Kindem sprechen und ihnen von guten and grossen Men- ן. , sehen and Dingen erzählen 8011, dass es hafte.“ Wir >!׳ haben dies in seinem ״Moses Mendelssohn“ bestätigt geftmdea (vgL Ltrtrbl. 1874 Nr. 16), und vertheilen das bilhge Büchlein mit besonderer Vorliebe als Schulprämie. Auch sein ,Kaiser Joseph II.“ ist ein solches für Schä- .lerbibliotheken zu empfehlendes Büchlein. Der Verf. verfehlt darin nicht, stets auch Kaiser Josephs Verdienste um die Verbesserung der Stellung seiner jüd. Untertbanen in gebührender Weise hervorzuheben. Es gilt auch von Wolfs Bearbeitung, was Ad. Stahr von den Sciunidt’schen Biographien grosser Männer gesagt, ״dass in ihnen der substantielle Goldgehalt der Geschichte grosser Thalen der Jugend zugänglich gemacht sei.“. Redaction. Notizen. Der dentsehe Verein zur Erforschung Palästina’«. Dieser bei der Philologen-Versammlung za Tübingen in dir Section der Orientalisten in Anregung gebrachte Verein hat bei der Jängetai Vertan»mlang za Wiesbaden durch Annahme der vorgelegten Statuten am 97.. September seine feste Constitnirang erhal- . tsa. Das Executireomitd dea Vereins besteht aas den Herren Dr. Zlwiawmann, Gymnasial-Keetar in Besel, Dr. A. Soein, Profesaor faTäbUgm and Dr. E Fantiseh. Professor in Basel. Den Coat¬ VreaaHroitkehe miseionsverlag der Zeitschrift des Vereins, für deren Wissenschaft-?f■ liehen Theil bereits schätzbare Beitrüge vorliegen, sowie die Pfth- J'■ rang des Rechnungswesens hat die Buchhandlung von K. Büdeker in Leipzig mit dankenswerther Liberalität übernommen. Diese A ►יד*• יי * - — * *־*י.. Zeitschrift wird in vierteljährigen Heften erscheinen and gliedern des Vereins, für welche ein Jahresbeitrag von ze den »Ml gliedern des Vereins, für welche ein Jahresbeitrag von zehn Hark' festgestellt ist, gratis geliefert werden. Das erste Heft wird l einen Nekrolog über den grossen Palästinafahrer Dr. T Tobler bringen. Unter den fünfzehn Mitgliedern des weiteren Comitd't finden neben Professoren and Geistlichen die Namen Geh. Legations■ rath Baron v. Alten (früherConsal in Jerusalem), Freiherr v. Münch■ hausen, kaiserlich deutscher Consul in Jerusalem, Feldmarschall Graf v. Moltke u. A. — Das Comitd des ״Palästina Exploration Fand" wird als erstes Resultat seiner Bestrebungen einen populären Bericht über die Aufnahme von Palästina ans der Feder des Lieutenant Conder herausgeben. Die Methode der Aufnahme, die Erlebnisse and Abenteuer der Expeditionsmitglieder and ihre : Entdeckungen von allgemeinem Interesse werden darin behandelt werden, ferner die eingeborene Bevölkerung nach Sitten, Sprache, Religion and ihrer wahrscheinlichen Abstammung, die Untersaehungen über die Ausdehnungen des alten Jerusalem u. t. w. Ein Capitell behandelt Damatcaa, den Hermon and Baalbek, ein anderee die. Identifieationen alter Namen mit denen heutiger Ortsehaften, das letzte: die Fruchtbarkeit des Landes und die Aussichten, dasselbe za colonitiren. Jüdischer Chauvinismus. Das neue Blatt ״Der Nealgkeitsbote* in Pest scheint, besonders in seinen Illustrationen, eiMn gewissen Chauvinismus za pflegen, den wir nicht loben kläMn. Wir meinen nicht jene heftige Kampflast gegen die Rasse«, W mit das Blatt nar mit seinen Landsleuten sympathisirt, soMSm eine ganz aparte Art jüdisch-kriegerischer Nachrichten um Bilder von kaum noch fragwürdiger Natur. So tritt uns gleich als Prontispis der ersten Nummer entgegen das Bild de# Salon» Miaraehi Oberrabiners, Kriegehaaptmanns and Oberexerciersneiater der sehn Stimme! Es ist dies Bild sogar augenscheinlich Original-Holzschnitt, während die übrigen begreiflicherweise CUehds sind. Et ist ein jugendliches jüdisches Gesicht mit Peiee, gewaltiger Fellmütie und einer Art von Militairpaletot mit den tseherkessiachea Patronenbüchsen auf der Brast. Vor ihm ein Tischchen, welches freilich an Paris oder Wien und keineswegs an die ״Berge der Pinstemiss* erinnert — mit Büchern. Wir sehen also den Rabbiner sogleich als Militirchef. Eine andere Nummer bringt •ns ein Bild ans dem türkischen Parlament; nach der beigefügten Erklärung aber sind es Joden, welche in der Synagoge versammelt sind, und die der Oberrabiner eben auffordert, Blut and Leben für die Rettnng des Vaterlandes einsasetzen. Die Scenerie, die Haltung der Personen (einige rauchen) erinnert freilich dansant nicht an eine Svnagoge. Dass die Leute bedeckten Hauptes sind, nnd dass die Gesichter allenfalls auch Jaden angehören könnt«, ist freilich natürlich. Die No. 5 vom 11. Januar aber bringt gar schon ein Bild, welches ans als Erstürmung der Stadt Sophia vorgeführt wird (Sophia ist, ja wohl am sechsten, besetst and garnicht erstürmt) Wir sehen hier einen Sturmangriff nnd einen Fahnenträger, welcher eben tödtlich verwandet zasammenbrioht Die beigegebenene Erklärung weis« ganz genau, dass dieser Taofeie ״ein Jnde, Pole von Geburt, der schon in mancher Schlacht sich als Held bewiesen hat,* ist Wieder eine andere Nom mar weiss, dass der Adjutant Victog Emanuels, Vigdor, ein Preesbarger Jnde sei. Man könnte derartige Dinge harmlos nennen, wenn sie nicht wiederum unter Umständen verderblich wirken, nnd wirkliches Verdienst in das Gebiet der Fabel and Jüdischer Anmassnng* verweisen lassen könnten. Dahin gehört ja auch die sinnlose Fabel von den fünfündfünfeig Offldren von Waterloo and von dem Jom-Kippurgottesdienst der 1147 vor Mets, der ebenfalls abconterfeit and in Prosa and Reimen besangen worden ist! Gelegentlich aach hierzu die Bemerkung, dass ein Babbi Jomtof Trier in der Illinois Staatszeitung ״beweist*, dass die alten Jaden schon das Telephon kannten-, es sei dies nämlich das Bath kol 1 Bei der Redaetion sind folgende Nchriften eingegangen; S. Köln, Die Stsurken. , . Herzberg-Fränkel, Polnische Jaden. ■ Dr. F. Cohn, Israelitische Religionsschulen. S. Thein, Dpa Prinzip des planetariscbetf Einflusses nach der Anschauung des Talmuds. L. Wolff, Die Festtage Israels. S. Berlin, Leitfaden für den Unterricht in der Bibelkunde and biblischen Geschichte. Dr. P. Nenstadt, Worte der-Trauer an der Bahre seiner Gattin. Dr. J. Ho lländer, Das Jadengemetzel in Bulgarien, Rede. J. Schwanthaler, Oppenheim’sBilder aas demaltjüd.Familienleben, poetisch dargestellt. S. D. Lnzsatto’s hebr. Dichtungen. (Erster Bogen.) Dr. Znckermann, Das Mathematische im Talmud. (Jahretberieht des jüd -theol. Seminars pro 1818). $ A 1 1 7׳ א¬!!,. Ar- M. Rah «er. Draek von C. Seharnke in Barby.' Verlag von Robert Friese in Leipzig. j