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Das jüdische Literaturblatt · 1877-12-05 · N° 49. (5.12.1877) · p. Seite 196

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 49. (5.12.1877)
Date
1877-12-05
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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schazar sein, welche dieser dem mächtigem Achaschverosch zur Frau gegeben habe. (Forts, folgt.) Zberner, vr. Coßmann. Johann Hyrkan. Ein Beitrag zur Geschichte Judäa's im 2. vorchristlichen Jahrhundert. Wernigerode. Paul Jüttnec. 1877. 8°. 61 S. 28 Noten. Aaerwakd, vr. A. Josephus in Galliläa, sein Brrhältniß zu den Parteien, insbesondere zu Justus von Tiberias und Agrippa II. Breslau 1877. Wilh. Köbner. 63 S. Seit die jüdische Wissenschaft in der Reihe ihrer Schwestem einen hervorragenden Platz, wie er ihr ihrer Bedeutung nach zukommt, einnimmt, sind auch hier Monographien und besonders historische Detailstudien nichts Seltenes, die die größeren Arbeiten der bahnbrechenden Eapacitäten unserer Zeit «4 Glück berichtigen halfen. Ein besonders erfreuliches Zeiche« für die ״Zukunft der jüdischen Wissenschaft ist es, wenn junge Kräfte sich solchen Arbeiten unterziehen und sie zum Gegenstände von Dissertationsschriften und Aufsätzen in periobischen Blättern machen^ umfaßt nun gar eine solche Arbeit, wie die vorliegende, ein bestimmt eingegrenztes Gebiet, das d*t hervorragende Epoche jüdischer Geschichte, so wird kein Kenner der jüdischen Literatur mit seinem Lobe-zurückhalten, cho er emsige Fortschritte mst generellem historischem Blicke reinigt ficht. Es braucht nach dem Vorangeschicklen kaum .««U gesagt zu «erden, daß die oben ausgesührten Schriften, welch« die erwähnten Vorzüge in sich schließen, eine wahre Bereichemng der jüdisch-wissenschaftlichen Literatur genannt zu werden verdienen. Die Werner'sche Schrift behandelt einen hochinteressanten Stoff; die Wiedergeburt des jüdischen Rei cheS unter den Makkabäersürsten ist ein so wichtiger Punkt der jüdischen Geschichte, daß dem Buche schon dadurch die höchste Aufmerksamkeit von Seilen aller gekillten Juden und Aller, die sich für die Geschichte dieser culturhistorisch so dehaltenden Nation interessiren, gesichert wird. Der Verf. giebt «us zuerst mit richtigem Takte den nothwendigen Ueberdlick Hber die Aeitlage vor dem Regierungsantritte Hyrkan's, er setzt das Brrhältniß Judäa's zum Syrerreiche klar und bestimmt auseinander, läßt uns einen genauen Einblick in den Charakter dieses Heidenstammes thun, wobei die Erzie.mug Hyrkan's in deutlichen Zügen von dem Rahmen der allgemeineu Ereignisse sich abhedt Wir verlieren den Helden nicht eine« Augenblick aus den Augen, obwohl das Buch irichl sowohl eine Biographie Hyrkan's, als vielmehr eine Geschichte seines Jahrhunderts ist, des Kampfes, den ,;udäa um «eine Selbstständdigteit geführt; genau können wir die Entwicklung dieses vortreffllichen Fürsten verfolgen, seine Vorzüge bewundern, die der Verfasser immer in's rechte Licht zu setz n weiß, ohne daß ihm dadurch der Vorwurf der Phraseologie gemacht werde« kann; denn nirgends versäumt er es, auf das Gewissen׳ Hasteste Quellen und Bearbeitungen zu nennen, aus denen er geschöpft.hat, er verlangt nicht vom Leser blinden Glauden, es ist einem Jeden möglich, in den reichhaltigen No:en das Urtheil des Berf.'s zu prüfen; darin scheint uns der Vers, beinahe zu weit gegangen zu sein, indem er Sachen behau delt, die'in den Rahmen seines Werkes, streng genommen, nicht gehören oder längst gelöste. Probleme der Wissenschaft find, so über die Entstehung der Tosefta (Note 29), über die NUmzruinschristen au» H.'s Zeit. (Note 68), die ethymologische Erklärung des Wortes Effäer (Note 185). Jedenfalls hat er sich dadurch von dem leider allzubäufigen Fehler moderner Schriften frei gemacht, die Resultate großer Forscher gedankenlos nachzuschreiben. Die Regierungslhätigkeit H.'s wird in chronologischer Ordnung entwickdt, die Hauptereignisse werden ausführlich erörtert und am Schluffe ^- Werkes kurz zusammengeführt, so daß kein aufmerksamer Leser das Buch ohne gründliche Belehrung aus der Hand legen wird. So wohlthuend auch der Totaleindruck ist, den das Buch auf den Leser hervorbriugt, können wir denn doch nicht umhin, Einzelnes als besonders gelungen hervorzuhebeu. das dem Werke einest bleibenden Platz in der klassischen Literatur der Geschichlsschreibung sichern wird. Es sind dies die chronologischeu Partien, die von einem tief eindringenden Studium und einem oft bewunderungswerthen Scharfsinn zeugen (p. 17 und Note 82). Nicht minder gelungen ist die detaillirte Quellenkritik (p. 12 ff.), worin der Verf. eine außergewöhnliche Bekanntschaft mit den Literaturdenkmalen jener Zeit und eine seltene Bewandertheit in allen einschlägigen Werken neuerer Forschung an den Tag legt. Besonders reich an Neuem ist der Theil des Werkes, der den Einfluß H.'s auf die Sekten und seine Stellung zu den Pharisäern behandelt, (p? 54 ff.), wobei die Exegese des Talmud ebenfalls viel gewonnen hat. Nicht minder hervorragend ist der Nachweis, daß der arabische Historiker Makrisie das arabische Makkadäerbuch gekannt und benutzt hat. Schließlich sei noch die Wärme heroorgehoben, mit der der Verf. seinen Gegenstand behandelt, wenn dadurch auch ein wenig die Objektivität besonders in der Beurtheilung von Agadastellen, leidet. Auch der Verlagsbuchhandlung sei für die schöne Ausstattung des Buches unsere Anerkennung ausgesprochen, wenn wir auch die Anzahl der Druckfehler gerne vermindert gesehen hätten. El. Aschkenasi. (Die Recension über die 2. Schrift in nächster Nr.) Notiz. y Die von dem Verfasser des Artikels bezüglich der Verlcsung des Capitels über Eheverbote am Jomkippur zu Mincha (in ׳Nr. 45) aufgestellte Ansicht ist vor einigen Jahren in der ״ungar. jüd. Wochenschrift" vom Jahre 1872 Nr. 11 von mir mitgetheilt worden. Ich berief mich s. Z. auf Gitin 57 »und Jc na 19b, wo von verbrecherischen Schandthaten an diesem h. Tage, vielleicht aus jenen idyllischen Unterhaltungen in den Weiubergen entsprungen, erzählt wird. ׳־ Heute bin ich auf die Vaterschaft dieser Idee nicht mehr stolz, sie erscheint mir, wie alle übrigen angeführten Gründe,! — ichwürmerisch. Besehen wir die Mischna Ende Tanilh nüchterne» Blickes, so finden wir keine Anstandsverletzung, wenn die sastenven Mädchen, die zu den Synagogen keinen Zutritt hat.cn, im Kreise ihres Geschlechtes die Zei .. Absingen unschuldiger Madrigalen aussüllten. Erst du Boraiiha fügt hinzu, daß auch junge Männer diesem Spiele beiwohnten. Ueberdies frage ich: Warum haben wir keine Spur, daß auch am 15. Ab, an welchem sich ja dasselbe Schauspiel jedes Jahr wiederholte, nach diesem Schutzmittel gegriffen wurde? Der wahrscheinlichste Grund der Verlesung dieses Abschnities am Iomkippur-Mincha ist viel einfacher, und erinnert an das Ei des Columbus. Die Morgenlektion ist in Parscha אחרי; in eben derselben Parscha sind auch die TYP)!? Nun wollte man in Synagogen, die nur ein Thora-Exemplar besaßen, mit dem Aufrollen nicht vergebens Zeit vergeuden: ist ja Alles dieselbe göttliche Lehre! Man setzte ohne Absicht die Morgenlektion fort. Nun liegt aber zwischen beiden Lektionen in derselben Parscha ein Capitel, dessen Ueberspringen seine Begründung hat. Es kommt darin die Warnung ולא יזבחו עוד לשעירים vor, und dies hätte von unberufener SM zu einer Question Anlaß geben können, die mit dem עזאזל Vormittag in Disharmonie zu bringen geeignet wäre. Gr. Kanischa,_Löwy- DC Dieser Nr. liegt der Literatur-Katalog von Richter's *<*׳ lagsbuchhandlung in Leipzig bei; da» darin ausgesührte treffliche Werk: »Dt« Schule« der weibliche« Handarbeit" hat sich jüngst hoher Anerkennung seitens der deutschen Kaiserin zu erfreuen gehabt. «eranvuorUicher Redakteur: vr. M- Nahm er. Druck von L. Scharnk« m B-rdy. Vertag von Rodert Friese in Leipzig.

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