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Das jüdische Literaturblatt · 1877-11-28 · N° 48. (28.11.1877) · p. Seite 192

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 48. (28.11.1877)
Date
1877-11-28
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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sächliche Dienste zu leisten. Immerhin begrüßen wir. dieses Buch der Geschichte — mag auch seine wissenschaftliche Ausbeute für ujns nicht groß sein — mit RücksÄt auf seinen Leserkreis in dem nach wissenschaftlicher Erkeuntniß der nach- «xilischen Geschichte unseres Volkes ringenden Rußland als ein sehr zeitgemäßes. Wir wünschen ihm da die größte Verbreitung und dem Verf. den Muth und die Energie, das degonnene Werk fortzusetzen. Eohrau O./S., im November 1877. Dr. I. Deutsch, Rabbiner. Skotize«. 1) Mit Recht vermuthet Hr. K. in Nr. 38. 39 des »Lite- .ANturblatteS", daß unter ^ג2ל eine Landschaft im südlichen fPalästina zu verstehen sei ES ist ferner richtig, daß die l Commentatoren z. St. «ns die Aufklärung -über da» Wort ^ג2ל schuldig bleiben. Daß man aber גבלן als nomen propriam, als Ortsbezeichnung, zu fassen habe, behauptet vor dem Pne Moscheh und Korban Edah schon — Raschi In dem mm PH. Fränkel zu Loslau, dem wett bekannten Verf. des זבחי רצון. בגדי שרד. ציזן לדרש vor 4' Jahren veröffenilichten trefflichen Werke לקוטי המשנה (Breslau 5633) findet fich fol. 57a zur Erklärung dieser Mischnastelle der Hinweis anf Raschi zu Synhü>rin koi 97a. wo es ausdrücklich heißt: ה״ג והגבלן ישום .מקום ששמו בך ישתוסם■ Wenn übrigens Hr. F. fich auf Targum l. c. beruft, woselbst הר שעיר durch טורא דגבלא wieder gegeben wird, so schießt er mit Rückficht auf die fragliche Mischnahstelle über daS Ziel hinaus, weil «» darauf ankommt, ^נ2ל als zum eigentlichen Palästina gehörig zu fixiren. l Meine Bemerkung in Nr. 4L des »Literaturblattes" rückfiÄlich des Fernrohres findet ihre Bestätigung in einer an sich etwas dnnkelen Relation des Jerafchalmi, Erilbin V 3, worauf Herr Michael Levy aus Jnowrazlaw mich aufmerksam »ächte. Dort heißt es gegen Ende: ר' חסדיי אמר מצופות ומשער בה בעיניו במישור 1יכ', wozu Pne Mosche erklärt: כל ומר נוטל שפופרת של מצופות וצופה בה ומשער בעי4יז כמה הוא במישור• Eohrau. I. Deutsch. 2) Im Literaturblatt Nr. 45 wird »ein Versuch zur Begründ mg einer Verordnung unserer Weisen" mitgttheilt, won-ch für das Borlesen des Abschnittes über verbotene Ehen a« Jom Kippur zu Mincha der Grund in der letzten Misch- »uh zu Thaantth zu finden wäre ' Dieser Grund ist jedoch nicht ganz neu, sondern wird bereits in dem in Königsberg gÜ>rucken Tur Orach Chajim c. 622 als Randglosse von יעקב בכרך mitgetheilt und ausführlich besprochen. Auch ein anderer Gelehrter wird in der erwähnten Randglosse citirt welcher von dieser Verordnung das geschichtliche Motiv angiebt: המנהג הזה נוסד בעת אשר יצאו בנות ירושלים ביוה" כ לחול בכרמים• ולבקש את זיווגן. — Posen. Dr. Philipp Werner. 3) Ohne an das »dreihundertjährige Jübiläum der Veriffentlichuag des EhazarrnbrieseS" zu denken oder auch wohl davon zu wissen, hat soeben auch Karl Blind in der »Gentteman's Magazine" einen Artikel über das Chazarenreich veröffentlicht. Derselbe ist überschrieben ״eine vergessene türkische Ration in Europa"; denn als «inen türkischen Stamm betrachtet Blind die Lhazaren, und er bezeichnet ihr Reich als ein »jüdisch-mohammedanisches". Neues scheint, nach den in Jew- Ehr. uns vorliegenden Auszügen, in dem Aufsatz nicht enthaften zu sein, daß es aber an den zeitgemäßen Reflexivnen darin nicht fehlt, versteht fich wohl von selbst. Blind hebt insbesondere die Toleranz hervor, welche in jenem jüdischen Königreiche herrschte, wo die Herrscher und eine Minorität der Bürger und des Heeres fich zur jüdischen Reli- Ler-ntwortticher Rwakteur: Dr. M. Ätahmer. Druck von L. gion bekannte, während Muhammedaner, Heiden und einjy Christen ganz gleiche Rechte mit jenen genossen. So hat, dort ein Sitz humaner Freisinnigkeit und fortschreitender Cnh tur bestanven, der auf die finnischen, slavischcn und uzrischen Stämme des Nordens sittigend hätte einwirken könne,; aber schon das heidnische Rußland stürmte gegen Konstantinopel und das christlich gewordene machte dem Chazarenreich ein Ende. Auch an passenden kritischen Bemerkungen gege, die arischen und luraniichen Rassentheorien ist bei Blind kei» Mangel. Ebenso bespricht er den Brief an Chasdai und die neueste Veröffentlichung von Harkavy. 4) Von D. Kaufmann's Artikeln über ״Daniel DeronixL ist auf Empfehlung der Verfasserin und des Verlegers soeb«, eine englische Uebersetzung erschienen. Der schön ausgestattele stattliche Band betitelt fich: George Eliot and Judaism. An atlempt to appreciate ״Daniel Deronda״‘ by Protessor David Kaufmann of the Jewish Theological Se minary. Buda-Pesth, translated from the German bj J. W. Ferrier. William Blackwood and Sons. Edin• burgh and London 1877. 5) Aus Konstantinopel schreibt man über die I»- den in der Tartarei: ״Die drei mittelasiatischen Khanat« Khiwa, Bokhara und Khokand scheinen im 1!. Jahrhundert unserer Zeftrechnung das asiatische Eldorado der Jud« gewesen zu sein, denn mit Ausnahme der Provinz El-Jeme» im südlichen Arabien findet sich in ganz Asien keine Gegend, die eine solche zahlreiche und dabei zugleich wohlhabende jüdische Bevölkerung aufzuweisen hätte, wie die drei genannten Khanate. So besitzt das Khanat Khiwa mehrere jüdische Gemeinde», wovon die in der Hauptstadt des Landes die zahlreichste ist, die sogar mit Astrachan und Täbris in Persien in Handels-, Verbindung steht. Nicht minder zahlreich sind sie im Khanat« Bokhara, wo in der gleichnamigen Hauptstadt allein bei 9000 Juden wohnen, die vierzehn Synagogen besitzen und notorisch die besten und größten Seidenfabrikanten und Edelsteinhändlei Mittelasiens find. Die jüdische Gemeinde in der Hauptstadt Khokand selbst ist das ultima Thule der Kinder Israels i» Mittelasien, da östlich, nördllch und südlich über diese Stadt hinaus in ganz Asien mehr kein Jude anzutreffen ist. Ihre Muttersprache ist heute das Tadschik, doch sprechen sie fast alle nebst dem Hebräischen auch das Türkische, das in Mittelasien sehr verbreitet ist und noch in Kaschgar oerstanven wird. Ihr Ritus gleicht vollständig dem der Juden in Bokhara. Ueberhaupt scheint die jüdische Gemeinde in letzterer Stadt in Bezug auf religiöse Angelegenheiten die tonangebende, dem in den Gebetbüchern der letzteren findet sich sehr ost der Passus: ״So ist der Gebrauch in der heiligen Gemeinde Bokhara, die bis zur Ankunft des Messias fortdauern möge!' Der Haupterwerbzweig der Juden in der Stadt Khokand ist der Edelstein- und der Speditionshandel, und es soll daselbst jüdische Geschäftshäuser geben, die mit dem Innern China's in geschäftlichen Verbindungen stehen. Jakub Beg, der letzhi» verstorbene Beherrscher von Kaschgar, hätte es sehr gerne gesehen, wenn sich einige jüdische Familien aus Khokand in seiner Hauptstadt niedergelassen, doch der Rabbiner in letzterer Stadt beschwor seine Gemeindeangehörigen, nie in das Land der ״Schwarzen" (Chinesen) zu gehen und sich daselbst in verunreinigen. Bemerkenswerth ist noch, daß die Juden zu Khokand das Postwesen in diesem Lande eingesührt haben, und betrieben sie es auch bis zur Annexion des Khanats durch die Russen." Briefkasten der Sledartlo». Hr. Rabb. Dr. Z. in R. Ihre ,t hatsächliche Berichtigung kommt nach Schluß der 8 'schen Artikel. — Hr. Rabb. Dr. R. in In nächster Nr. — E. A. in R. Desgleichen. — hr. Rabb. Dr. •* in B. Wir werden uns mit dem betr Herrn in direkte Lerbinbung setzen, ■j Hr. Rabb. Dr. Mj. in HL. Lus die nachträglich gesunde« Anfrage^ Wir haben vor 3 Tagen — selbstverständlich zusagend — geantwortet. Die umfangreicheren Artikel können wir erst im neue» ^ahr^an^e^eginnen. Scharnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig. ( '

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