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Das jüdische Literaturblatt · 1877-11-07 · N° 45. (7.11.1877) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 45. (7.11.1877)
Date
1877-11-07
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — nten die Arzneikunde . . . wurde die keine Wissenschaft nicht Vehr gepflegt. ... Viele weltlich Gesinnte, die ihrem Ehrgeiz durch ihre Religion eine Schranke gesetzt fanden, gingen zu dem herrschenden Glauben über." Was nun den eigentlichen historischen Inhalt des Buches betrifft, so hat der Verfasser die von ihm benutzten Schriften (von Grätz, Kayserling*), Luido, Llorento, Amador de los Xig* u. aa.) in der Vorrede namhaft gemacht. Neues und Unbekanntes ist demnach auch nicht gegeben, vielmehr ist besonders Grätz getreulich benutzt. Wir haben daher zu kritischen Bemerkungen keinen Anlatz. lieber die spanisch-jüdischen Gelehrten. Dichter u. s. m. sind nur einige ganz kurze Nottzen gegeben, was dem Zwecke des Buches wohl angemessen iß; ein Mehr darüber würde entweder über den Rahmen des Werkes hinaustreten oder unnütz sein; demjenigen, der die betreffende Literatur nicht schon kennt, wäre mit der Nennung non eia paar Dutzend Namen und mit ein paar Zeilen, welche etwa Ich. Haleoi's Dichtungen oder Maimuni's Moreh zu cha- «kterifirea Miene machten, gewitz nicht gedient. Wir können es daher nur anerkennen, daß der Verfasser sich weislich beschräickt hat. T. .1 קונטרס המפרש כולל שמות ספרי נדולי הראשניט לפרש את התלמוד - - - ערכתי אהרן יעללינעק Wien 1877, Brüder Winter, Filiale. קונטרס המוכיר כופר ומונה מוכרות ומערכות מפריט n בענין שמות כסדר הנט אספתי אהוץ יעללינעפ Wien 1877 Brüder Winter, Filiale. (Schluß.) Unter beit angeführten Stellen sind besonders wegen ihres historischem und fittengeschichtlichen Werthes bemerkenswerth LaS Eitat aus dem (leider so verderbten) Texte des 0' הישר von R. Tam, ferner die Anführung (Nr. 9) aus dem Zürcher Semak, die das so charakteristische Argument für die Dispensatio« des Zurückkehrenden von allen Bußhandlungen enthält: ״Gibt es doch keine ärgeren Pönitenzen, als die, die er nunmchr tagtäglich zu erdulden hat, indem er einerseits auf all die Genüsse, die dem Nichtjuden zu Gebote stehen, und deren er sich 'auch schon erfreuen durfte, von nun an verzichten und dafür alle die Schrecken, Leiden und Drangsale hinnehmen «sich, mit denen die Nationen Israel bedrängen, während er früher in Sorglosigkeit leben konstte", schließlich die historische ReminiScenz bei Elija Misrachi (Nr. 11) an die Maffentaufen in Spanien um 1492 und die Flucht von Marannen nach seiner Heimat (der Türkei). Kontres Ha-Maskir behandelt ein mehr in die rabb. Praxis einschlägiges Thema. Die Schreibung der Eigennamen i» Echeidebriefen ist ein ebenso weitschichtiges, als leider unerquickliches Gebiet der cooificirenden und casuistischen Halacha. Wie vielleicht auf. keinem anderen begab man sich bald dabei aller Freiheit mü> Selbstständigkeit und huldigte einer peinllchen Träditionslreue, die eine so ganz dem Leben entspringende Angelegenheit geradezu versteinerte. Es gibt Städte, in denen Jahrhunderte lang kein Scheidebrief übergeben werden konnte, weil man die ״richtige" (?) Schreibung des Stadtnamens nicht kannte, oder nicht wußte, welches das ״Wasser" «ad wie es anzuführen sei.. Im Monat Jjar wird kein Get gegeben", weil man die Schreibweise dieses Wortes nicht sicher feststellen kann. Zum Unglück hat erst jüngst Lenormaut nachgewiesen, daß es der Name einer babylonischen Gottheit sei. (״Die Monatsnamen kamen mit den Exulanten von Babel her."). Es würde zu weit führen, auf das Willkührliche und Widerspruchsvolle bezüglicher Entscheidungen in der Responsen-Literatur hinzuweisen. Doch was ist zu thun — ״wir ltbeN von deren Munde" und müssen uns demzufolge stets an verb» magistri Hallen. Hr. I. führt, uns 75 selbstständige '{ *) Das erste Wert X.’i ״Sephardim" ist aber wohl Hrn. Moc. unbekannt zebkeben. (Lesenswerthist auch: Bloch's, di- Juden in .Spanien, eme histor..Skizze, 135 Seiten. Lripcig 1875. (Red.) Abhandlungen mit den näheren Daten über die Schreibung der Nomina propria in Scheidebriefen auf. Die Namen der Juden bilden arbrigens auch vom cullurhistorischen Standpunkte ein recht interessantes Thema. Sie zeigen uns, daß das Lob, das ihnen einst ein Prediger gespendet, sie hätten in Aegypten ihre guten hebr. Namen nicht nalionalisirt, wie sie selbe zu seiner Zeit gräcisirten (Rüben Rusus 2c.), weiterhin nicht mehr verdienten, indem sie sich zu allen Zeiten mit Vorliebe fremdländische und fremdsprachliche Namen beilegten. Noch nicht erforscht sind die arabischen, türkischen und tatarischen und slavischen Beinamen der Juden, deren Literatur in J.'s Verzeichniß gleichfalls enthalten ist. Die ansangsweisen Anführungen von Namens-Erklärungen bei alten Autoren, deren Ursprung oder Bedeutung schwer zu entziffern ist, geben wiederholte Beweise von der Anlehnung an die Sitten der umgebenden Nationen. Beispiele von Gelegenheits- Benennung sind: Mercado (der Erkaufte, ein Kind, das von andern Eltern zur Aenderung der Constellation angekaust wurde) , Moreno und Morena (posthume, nach Vater oder Mutter benannte Kinder, die man so nennt, um nicht den Namen des Verstorbenen aniühren zu müssen), Eonfrado (— קנוי?). Auch dieses Heft enthält eine werthvolle Zugabe in einem Aussatze über die talmudischen Glossen-Sammlungen (שטות מקובצות) des Bezalel Aschkenasi, die einer größeren Beach« tung von Seiten der kritischen Schule werth wären. Dieselben sind noch nicht ganz gedruckt und wieder gehen solche unter Bezalel's Namen, die ihm nicht angehören. Die שטות waren Marginalien, die der Verf. in seine Talmud-Exemplare hineingeschrieben hatte und erst von einem oder mehreren seiner Schüler zusammengestellt und zu fortlaufenden Erklärungen gesammelt wurden. Daher ist es auch erklärlich, daß oft Verschiebungen stattfanden und die Glossen zum Texte nicht passen. In den שטות ist ein äußerst werthvolles, kritisches Material enthalten. R- Bezalel verstand es offenbar, wie man am besten zum Verständniß des Talmud gelange. Er legte vor Allem Werth auf die Herstellung eines richtigen Textes und benutzte hierzu ein massenhaftes Material, das Brauchbare mit Verständniß und Scharfsinn herausziehend. Unschätzbar sind auch die Anführungen aus bisher unveröffentlichten Tossafot und anderen klassischen Erklärungen — mit einem Worte, dir שטות gehören zu dem Besten, was die Literatur der Talmud Erklärung aufbewahrt. Hr. I. hat einen in Wien Vorhände nen Codex der ש"מ auf סדר. קדשים נדרים ונזיר zur Ver fügung, die er in dieser Abhandlung ausführlich beschreibt, unter Anführung der Anfangs- und Schlußstellen zu den einzelnen Traktaten. Man ersieht hieraus, daß das Werk in verschiedenen Epitomen vorhanden ist. Es sind 8 Jahrhunderte darüber hingegangen, seit die jüd. Literatur die Blüthe des in Kontresim (= Commentarios) «iedergelegten Talmudstudiums erlebt hat. Mögen die neuen moderneren ״Hefte" den Beginn eines fruchtbaren Nachsommers bedeuten! —m. —m. Notiz. Zur Notiz des Hrn. vr. Saalfeld in derselben Nr. wäre im Maharil anstatt מרניטין besser מוניטין zu lesen, vom lat. Llonsta: Münze, ein Ausdruck, der im Talmud häusig gebraucht wird und figurirl hier als Apposition zu ׳נדולים b'e erklären soll, daß un!er ״Gedosim" nichts Anderes als Geld zu verstehen sei. L ö w y.*) *) Der geehrte Herr Einsender verweist bezüglich der Nr. 57 der ״liier. Notizen" (in Nr. 43 d. Bl.) auf Talmud Sabb. 63b u. Aruch- Hr. Lewysohik meint das. aber irgend ein griech. Lexicon, welches jene Angabe bestätigt (Red.) Druckfehler. In Ar. 43 S. 169b Z. 10 v. o st. Völkerstamm lies Bölkersturm u. Z. 19 st. oberen l. ebenen Briefkasten der Redaction. bl. in 11. und w. in w. I« rächst» Nr. — 8. in D. und W, in B. Dankend erhalten. h «erantwortticher Redakteur: Dr. M. Ra hm er. Druck oon L. S harnte in Bardy. «erlag von Robert st riese in Leipzig.

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