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Das jüdische Literaturblatt · 1877-10-31 · N° 44. (31.10.1877) · p. Seite 176

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 44. (31.10.1877)
Date
1877-10-31
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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— 176 — pilpuliftische Schule selber zu, und bei der Decision wird die Autorität eines ,Alten" viel höher angeschlagen, als die eines ״Späteren". Es liegt in dieser Ausschließung eine sicherlich« berechtigte Demonstration — sei es drum! Es wird auch für die Achäronim noch ein Bibliograph erstehen. Ein Vergleich mit den Angaben der Cataloge, sowie die begleitenden An- Wertungen zeigen, daß Hr. I. die ausgezählren Bücher wirkltch gesehen, aber auch mit jenem scharfen Blicke sich angesehen, dem sofort das Bevierkenswerthe in die Augen springt. Daß ein noch so reicher Bücherschatz und alle Akribie vor Berschest und Unrichtigkeiten nicht schützen, beweisen Halberstam's Notizen zu diesem I. Kontras, die derselbe in einem Briefe an I. zusammengestellt, die von Letzterem sogleich abgedruckt und anhangsweise dem Hefte beigesügt wurden. Man mag daraus ersehen, daß die Bibliographie kein bloßes S!udistm! von — ״Titelblättern" ist, wie so Manche, sonst sehr gelehrte Männer gerne glauben machen wollen. — Dem ersten der zwanglosen Hefte ist eine zwanglose ״Draufgabe" angeschlossen. AusMe aus atten Decisoren über die Frage: ״Welche religiösen Verpflichtungen find einem Convertiten aufzuerlrgen, der, ursprünglich Jude, nach seinem Uebertritt zu einer anderen Religion zum Judenthum wieder zurückkehrte." Sämmtliche (11) angeführten Entscheidungen lauten denn in demselben Sinne, daß ein Solcher wie jeder andere rechtgläubig« Jude ohne Tauchbad oder Bußhandlunge«aufzunehmen und anzusehen sei — ein sprechender Beweis von dem toleranten Geiste und der milden Praxis unserer Altvorderen. > יי (Schluß folgt.) Mstkf, H. Zur Geschichte der Juden ln Frankfurt am Raitz (Separat-Abdruck aus Di־. N. Bruell's Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Literatur III. Jahrgang.) ״Gott sei Dank! Wir können es heute in Freuden exzählen", — dieser Ausruf entringt sich uns mit Recht bei der fiektüre dieser hochinteressanten, historischen Piece. Aus dem!Wzener k. k. Haushof- und Staatsarchive, wo sich die Acte» des ehemaligen Reichshofrathes befinden, hat der rühmlichst bekcumte Geschichtsforscher seine orientirenden Mittheilungen geschöpft. Es handelt fich um nichts Geringeres, als um die Frage, wem die Juden der Stadt Frankfurt resp. die -J^»eusteuern als Eigenthum zuzusprechen seien. Ursprung- Üch allerdings dem deutschen Kaiser, dessen Kammerknechte H? waren. Allein schon Kaiser Otto erkannte in einer Urkundie vom 10. Juni 1212 an, daß er den Erzbischof von Mainz mit dem Judenschatz in seinen Landen belehnt habe. Am 13. März 1349 verpfändete gar Carl IV, förmlich die Fraukfurter Juden dem Erzbischof von Mainz. Diese merkwürdige Urkunde theilt Herr W. mit nach einer Copie vom 16. Juli. 1723. Es wird darin gesagt (pg. 2) ״daß der Erwirdige Gerlach Ertzbischoff zu Meintz unsser lieber fürst und 9ta* und ein iglicher Ertzbischoff zu Memtze von seines und finS fiifftS wegen hat und haben soll ewiglich und alle jar, -jerlich uff uussern juden gemeinlich in - . . unsser statt fraußfurch alfs auch sine Vorfare gehabt haut, acht hundert a Heller und vierzig pfund, die da fallende find." Im 58 verkaufte der Erzbischof Gerlach von Mainz die an, die Stadt Frankfurt. Auch diese Urkunde theilt. H. W. »ach einer Copie vom 16. Juli 172a mit. Am 22. Jcupurr 1363 ermächtigte Kaiser Karl den Rath der Stadt Ftwpkfurt auch fremde Juden in die Stadt zu ziehen. Am »ach dem Frohnleichnamstag des Jahres 1372 verte Carl IV. de« Rest der Judeki wegen ״merklich nutz und des Reichs den Bürgermeistern. Schöffen, Rath Bürger« der Stadt Frankfurt." (pg. 6) Nichts desto westiger erhob ein Jahrhundert später (1495) Kaiser Maxi- Mzan den 3. Pfenning, als drittel Antheil auf die Inden ip Frankfurt. Der Magistrat zu Frankfurt protestirte energisch gegen diesen Akt schmachvoller Erpressung. Am 22. ' ober 1511 erließ endlich derselbe Kaiser einen Urtheils- ־ «ach welchem die Juden zu Frankfurt der Anlagen an «mniiBOUteSct Dr.!»{. Rahmer. ifctud pon L das kaiserliche. Kammergericht absolvirt werden. Auch diese Urkunde giebt H. W. in extenso wieder. Der Werih dieser Blätter besteht in der getreuen, actenmäßigen Wiedergabe aller hier in's Gewicht fallenden Urkunden, welche zugleich einen Einblick bieten in die Rechtsanschauung und Rechts- Praxis des 14—16. Jahrhunderts. Jedem, der sich für erschöpfende, quellenmäßige Belehrung dieser Episode aus der Geschichte der Juden zu Frankfurt interessirt, seien diese wenigen, aber wichtigen Blätter angelegentlich empfohlen. Sohr au. vr. I. Deutsch, Rabbiner. Zur Receasioll vou Seiuecke, Geschichte des Volkes Jsrael re. in Nr. 31 u. 33. In Nr. 40 d. Bl. wikd uns ein von Hrn. LR. vr. Herzseid an Hrn. Mayer in Trier gerichtetes Schreiben mitgetheilt, worin jener den ihm von S. gemachten Borwurf gebührend zurückweist. — Herr vr. Herzfeld hat aber darin manche Ansicht geäußert, womit ich meinestheils nicht einverstanden; und da ich der Urheber der rubr. Recension bin, so erachte ich es für gestattet, auch meine Ansicht zu äußern. — Dem Hrn. Herzfeld ״scheint Herr S. eher ein Mystiker als ein wirklicher Gelehrter zu sein". Diesem muß ich widersprechen. Mystik und maßlos zersetzende Bibelkritik können nie in einer Person vereinigt sein. Gehört es doch zur Eigenthümlichkeit der Mystik, namentlich der christlichen, jedes Wort der Bibel heilig zu halten, indem sie den ihr eigenen mystischen Sinn, in dasselbe hineinträgt! — Ebensowenig vermag ich mich mit dem über Esra geäußerten Gedanken des Hrn. vr. H. zu befreunven, daß es besser gewesen wäre, wenn dieser ״statt eine unübersehliche Schule der «schriftgelehrten zu begründen, im Sinne der Propheten als Reformator aufgetreten wäre". Nach meinem Dafürhalten hat Esra gerade mit dieser Gründüng dem Judenthume die größte Wohlthat erzeugt. Denn ohne dieselbe wäre das Judenthum sicher in die Hände priesterlicher Hierarchie gerathen, worin es hätte verknöchern könneu. In den Schulen wurde der Midrasch, die Auslegung, gepflegt, der freie Gedanke und die Fortbildung des Judenthums gewahrt. — An Anwandlungen zur Hierarchie mochte es den Priestern des zweiten Tempels umsoweniger gefehlt haben, als schon der Prophet Zacharia die Absicht zeigt, auf des Hohenpriesters Josua Haupt die priestecliche und königliche Gewalt zu vereinigen, und als sie später, wo sie mit den Römern in enge Berührung kamen, an dem Pontifex maximus ein Beispiel außerordentlicher Priestergewalt vor Augen hatten. So sehr nun auch Esra den treugebliebenen Priestern hold war, so hat er doch durch Stiftuitg der Schulen der Schriftgelehrten ihren etwaigen hierarchischen Bestrebungen einen Damm vorgelegt. — Und wenn in diesen Schulen im Laufe der Zeit unter Anderem auch das Ceremonialgesetz eine weitläufige Ausbildüng und tiefe Festigung erlangte, so war dies unter den obwaltenden Umständen unumgänglich nothwendig. Denn ohne diese das Judenthum gegen andere Völker abschließenden Satzungen hätte dasselbe dem Eindringen des nunmehr in verfeinerter Gestalt austretenden Heidenthums der Griechen und Römer nicht widerstehen können, so daß auch die in ihm enthaltenen ewigen Wahrheiten nicht in ihrer Reinheit und Lauterkeit wären erhalten worden. Der von den Männern der großen Versammlung ausgegangene Wahlspruch: ״Machet einen Zaun um die Thora" hatte sicherlich auch in der Abwehr gegen heidnische, mitunter philosophische, Ideen seine Begründung. Moses Mannheimer. vertchtt-nn-en. In vor. Nr. S. 171 muß es heißen: 3״ Tournois —*/, Gutven " — In der Recens. des Bäck'schm Seschichtswerkes bitten wir folgmde 2 dm Sinn vollständig umkehrenden Druckfehler z» verbessern. S. 172 d, Z. 32 v. o. st. unentbehrtich l. entbehrlich- Z. 12 v. n. st. einen l. keinen. (Vom Druckort fern, kann nur das bis Freitag hier eingehmd« Manuskript zur Torrectur zurückgelangen i später« sschleunige) Sendungen müssen, um Verzögerungen zu vermeide», in der Ösficin corrigirt werden. In derselbm Recens. ist zu corrigirw ^^v^ü^rechtEjjbi^^md^m^Briefkasten^^^sl^ischei^Red^ Scharnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzigs

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