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Das jüdische Literaturblatt · 1877-09-19 · N° 38.39. (19.9.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 38.39. (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JM 38. 39. Das VI. Jahrgang. Jüdische Lilmtiirblatt. Zur Beleuchtung aller Jude»- lhum u. Juden betreffenden terarischen Erscheinungen auf dem Gebiete derphilösophie.Geschichte, Ethnograpdie.rheolpgil Brientali», Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. g». I tik, I Herausgegeben! von Rabbiner Dr. Moritz Nähmet. ■°><״י ^Magdeburg, 19. September 1877. f l -Lcher der einschlägigen Literatur, welche der Ned. de» ״Jüd. Kiteralurdlatt" in Magdeburg (oder der ״Israel, wochenschr." in StetUn);ugesaadt werden, finden in diesem Platte ringehend« Bespreuung. Das ״Jüd. Literaturblatt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 6 Mark, mit srankirter Zusendung: 8 Mark. I Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Fries«), oder direct bei der. Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift" in Magdebürg. — Inserat« werden mit 20 Pf. für die dreiqespallenc Betitzeile berechnet. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die viertel» ährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2 Mark 80 Ps. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt" gratis. Inhalt. Literarische Abhandlungen: Der hellenistische Ursprung und Eh-rakter des Buches Esther. (Schluß.) Von 0r. I. S. Bloch. — Salomon Maimon. Von vr. A. Lewin. — Ebher und Misr. Von vr. B. Placze . Literaturbericht: Rccensionen: vr. Reumann, Die heilige Stadt u. s. w. — Gutachten über den Talmud. — Baldeweg, Hermann, Das Zeitalter der Richter. Eine schwierige Stelle in der Mischna. — Notiz. — Inserate. Der hellenistische Ursprung und Charakter des Buches Esther. Von vr. I. S. Bloch, Rabbiner. (Schluß.) Wahr ist's, daß der Vers, ganz hervorragende, dichterische Begabung besaß, sowie große Bekanntschaft in pers. Hofsitten und Einrichtungen, von denen er genaue und lebendige Schilderungen entwirft. Mit Recht sagt aber schon Bertheau, ״dadurch wird allerdings bewiesen, daß der Erzähler den Boden, auf welchem die Erzählung sich bewegt, pers. Namen und Zustände kannte, nicht aber, daß ihm ein geschichtliches Wissen von einem wirklichen Verlaufe solcher Ereignisse zu Gebote standen". Ebenso würde die Berufung des Verf.s auf medischpersische Quellen, die übrigens auf Copirung der ähnlichen Hin- Weisungen in den Büchern der Könige und Chronik zu berufen scheinen, nur dann von Bedeutung sein, wenn jene Quellen uns vorlägen und darin das verlangte Zeugniß, resp. die Bestätigung des Erzählten sich vorsände. Ob wir dein Vers, aber auf's Wort glauben sollen, hängt erst davon ab, ob wir seinem Berichte überhaupt hist. Treue zusprechen dürfen. Bedenkt man, daß des Ereignisses von keinem der theokratischen Schriftsteller — die doch gewiß nicht ermangelt haben würde, wenn sie Kenntniß davon hätten, es als einen Sieg Israels über amalekische Bosheit und Tücke mit aller Ausführlichkeit zu schildern — Erwähnung geschieht; zieht man in Erwägung, daß auch der einzige Berichterstatter, der uns von jeder Wunderbegebenheit in Kenntniß setzt, kein unparteiischer, Vertrauenserweckender Chonograph, vielmehr als hellenistischen Tendenzen dienend all überall sich entschleiert — als absichtsvoller Apolöget einer Partei, deren literarische Vertreter in Erdichtung und Entstellung histor. Dinge überhaupt trefflich geübt waren; so wird man wohl schon aus dem Grunde der Wahrheitsliebe des Referenten nicht besondere Zuversicht entgegenbringen. Wer wollte leugnen, daß in ^diesen Aufstellungen und Bedenken viel Berechtigtes liegt? Ist aber der historische Charakter der Schrift dadurch gänzlich beseitigt? Was man leider nur allzuhäufig übersehen hat, ist, daß es eine noch höher« historische Wahrheit giebt, als die der bloßen Fakten: diese allein ist es, die der Dichter zu wahren verpflichtet ist. Es kann eine Erzählung eminent historisch sein und muß wohl auch als solche bezeichnet werden, gleichviel, ob die Namen der Personen getroffen, ob auch gleich die Handlung in manchen Punkten wesentlich von den Thatfachen abweicht, die wir in jenen zufälligen Epochen für mög- - lich oder wahrscheinlich erachten. Die Tendenzen der Zeiten, die uns spätern Nachkommen zur Beachtuug vorliegen, den Entwicklungsgang, den die Geschichte in allerdings etwas unlogischer Folge eingeschlagen, bis auf die innere Motive, welche das Rad der Zeiten in Bewegung gebracht haben, sehen wir mit plastischer Schärfe gezeichnet: darin besteht jene höhere historische Wahrheit, welche weit über jener der kahlen Thatsachen steht. . * Zumal den prophetischen "Charakter des Buches sehen wir erst jetzt in vollster Klarheit zu Tage treten. Weist die Kriük nach, daß der Verfasser nicht Ereignisse einer hinter ihm liegenden Vergangenheit gezeichnet, so be- )'tätigt die Geschichte, daß er mit prophetischem Sinne die Zukunft vorausgeschaut, und sie seinen Lesern vorgeführt. Hat er nicht Nachrichten vermerkt von Begebenheiten in Jahrhunderten vor ihm, läßt sich die Absicht, ein erlebtes Ereigniß in aller Treue der Nachwelt zu überliefern, bei ihm vielleicht bestreite 1: um so wunderbarer ist seine prophetische Ausschau in die spätern Zeiten, das unleugbare Geschick, womit er den kommenden Geschlechtern ihre eigenen Erlebnisse, die ihnen bevorstehenden Kämpfe und Leiden so lebendig wie naturgetreu angekündet. Fast könnte man jagen, daß ungeachtet seines hellenistischen Ursprungs die Tradition dennoch nicht so Unrecht hat, wenn sie') von dem. Buche sagt: אסתר ברוח הקודש נאמרה. Was dem ahnungsreichen Geiste des Dichters als Möglichkeit hat vorgeschwebt, dapor er eindringlich hatte warnen wollen, das hat die Geschichte gar oft als Wirklichkeit gesehen. Wer wüßte es nicht,'daß Männer von der ergenthümlichen Beschaffenheit eines Haman — Sprößlinge eines verkommenen Geschlechtes alter Raubritter und Wegelagerer, ») Megilla 7a, vergl. Bloch, Studien p. 30—31.

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