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Das jüdische Literaturblatt · 1877-09-05 · N° 36. (5.9.1877) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 36. (5.9.1877)
Date
1877-09-05
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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— 144 — -חי mit her Gemara in Harmonie zu bringen, aber ei giebt auch «tele Stellen^ in denen er Verschiedenheit constatirt. Ei« Hauptoorzug dieses Kommentators aber ist e-, daß er kch bemüht, Zusammenhang zwischen den auseinander folgenden Sätzen herzustellen, ein Bestreken, welches bei den Rachfolgern nicht hervortritt. Diesem Bemühen verdaust er eine geistreich« Erklärung einer Stelle in Megilla, die das Staunen de« Leser- Hervorrufen muß. Ohne die Bewährung der Er- Üärung durch die Erfurter Hfch. würde Mancher wohl dedeuklich de» Kopf schütteln und behaupten^ daß der einfache Sinn der Stelle ohne Grund gedreht und gewendet wird. Die LA. der Erf. Hsch. erhebt sie aber zur Evidenz. Megilla 3, 8 (Hsch. 4, 15) lesen wir in der Ausgabe eine Stelle fast ganz gleichlautend mit der in Rosch-Haschana 1, 15 (Hsch. 2, 2). אימתי מסיעין על החודש לאור עיבוייו כיצד חל לרדות ערב שבת ושבת מסיעין עליו למוצאי שבת,)■ Dieser Satz macht keine Schwierigkeiten und geht auf d»s bekannte Fackrlanzünden zur Anzeige des Neunwndes zurück. Der Wechsel von ם und ש wiederholt sich oft, und lesen wir in der Erf. Hsch. in Rosch-Haschana מסיעין. R. Sa- «nel Abigdor erklärt auch an beiden Stellen gleich. Wer nun daher in der Erfurter Handschrift in Megilla a. a. O. statt!מסיעי liest!מסיבי und מסובין wird dies unzweifelhaft als Schreibfehler ansehen mit Hinweis auf die Handschrift selbst (Rosch-Haschana ib.) ׳ - R. David Pardo aber, vielleicht durch die Variante auf- «erkiam gemacht,, konnte fich nicht dabei beruhigen, hier ein Duplicat der Stelle von Rosch-Haschana zu scheu. Er stößt fich au den Zusammenhang. Wie kommt das hierher, frägt er? — Er, der genau« Toseftakenner hat wohl in ihr kein Eonglomerat erkannt, sondern einen geordneten Codex, wenn er auch oft auf den Anschluß an Mischna hinweist. — Durch feine ausgezeichnete Belesenheit und Kühnheit der Worterklärung — die zwar falsch ist — stellt er die kunstvolle Einheit — wie er sagt קשה של אומן — her, und wir müssen hinzufügen die zweifellos richtige. Es haMrelt sich nämlich vorher um die Zahl der Personen, welche bei verschiedenen Anlässen religioas-gesetzlich nothwendig find. Nun meint er, finden wir in Synhedrin 70, daß bei Gelegenheit von עיבר חודש ein Festmahl gegeben wurde, an welchem fich 10 Personen bethüligeu mußten, wahrscheinüch, wie Raschi erklärt, um der Suche OesfeMlichkeit;«,verschaffen. Bon einem solchen Festmahle, wobei gleichfalls 10 Personen sein müssen, muß hier die Rede sei». Das מסיעץ muß die Bedeutung haben «zur Tafel laden, bewegen*. Damit nämlich der Zweck dieses Mahles nicht verfehlt werde, darf es nicht am Sabbath sein, au welchem Tage ohnehin Festmahle gehalten werden. Es ist «l« allerdings gezwungen, dem Worte מסיעין diese probte־ umüsche Beratung zu geben, aber die Erklärung ist nach der Nl. der Erfurter Handschrift מסיבין unzweifelhafte andererleitS di« LA. der Hsch. evident richtig. Z. Literaturbericht. Rnnlstoue». Dr. AemNLNU, Die hellige Stadt u. f. w. Weniger zu entschuldigen ist eS, daß vr. R- S. 6 die Fabel von den Aschenhügeln wieder austischt, während es gerade-die Pflicht sehneS Gleichen wäre, den Ueberschwänglichkeilen geistreicher Touristen, die hier die noch nicht zu Humus gewordene Asche der alten jüd. Brandopfer zu finden glaubten, eutgegenzutreteu. Für das Recht, vaselbst auf dem Grunde und Boden des Dorfes Lista ihre Asche und sonstigen Ab- ') Di« Varianten in der »uS-at« an den beiden citirten Stellen find nnbedemend. In Rosch-Haschana steht מאימתי משיאין• Di« Hsch. hat dort «i« oben. Ich »ill beilllustg bemerken, daß «1 «in« LioenthLmüchteit in Lofesta P. in verschiedenen Traktaten -leichlautend« SteO«^oor1ttch jß «iederbolen, wo« auf cm frühe« Alter bmweist- BerantwoeUicher «eoaktenr: vr. M. Stahmer. Druck mm L. fälle zu deponiren, zahlten die Seifensiedereien bis vor wenig 1 Jahrzehnten den Fellahs besagten Dorfes eine kleine Abgabe, und wenn seit ungefähr 20 Jahren überhaupt keine Seifensiedereien-Asche mehr vor das Thor getragen worden ist, s,! hängt das eben mit dem Rückgänge dieser Jndi strie in Jerusalem zusammen. Hr. R. muß wisien, daß die Araber für diese bläulichen Hügel keine andere Benennung haben als Tulül el Mesabin (Seifensiedereien-Hügel), und daß Nüblus (Slchem) und Hebron, zwei Städte, welche nie B.andopferstatten waren, welche aber bedeutendere Seifensiedereien als Jerusalem besitzen, den letzteren entsprechend ihre tulül noch größer als die alte Tempelstadt aufzuweisen. Ueberhaupt scheint mir Dr. R. mit der sog. Tradition, der jüdischen wie der christlichen, etwas zu zart umzugehen; er unterscheidet zu wenig zwischen eigentlicher Ueberlieferung und künstlich verbreiteter, gelehrter oder pseudogelehrter Combination. Derartige Combination hat in Palästina schon im stützen Mittelaller eine große Rolle gespielt, und ihr verdankt die christliche Kirche die ungeheure Mehrzahl ihrer Sanctuarien. Sicher wird die Erfindung nicht dadurch besser begründel, daß vielleicht 1500 Jahre darüber hingegangen sind, doch aber legt ein so hohes Alter sogar beim Jrrlhum gewisse Rücksichten auf. ״Traditionen, die kaum ein Menschenalter zählen, wie die von Davids Burg in Hebron und Abners Grabe, verdienen in einem ernsthaften Werke keiner Er» wähnung. Dr. N. tritt sogar für die Aechtheit des David- Grabes auf dem Zion ein. Bekannllich befindet fich dasselbe in den Räumen, welche nach den Niederlagen der Kreuzfahrer den Katholiken als einziger Besitz gelassen worden waren', und in welckem die Mönche Jahrhunderte lang nur den Saal der Abendmahlseinsetzung als Heiligthum zeigten. Später nahm man au, daß derselbe Saal die Jünger zur Ausgießung des hl. Geistes in sich vereinigt habe, und da in der von Petrus de! dieser Gelegenheit gehaltenen Rede die Worte Vorkommen, David sei gestorben und ״sein Grab ist unter uns* — so fanden ans einmal die klugen Psäfflein dies Grab in ihrem Kloster. Sie erhöhten dadurch' allerdings das religiöse Ansehen ihres Klosters, irrten sich aber in dem Erfolge, denn da David auch den muhamed. Arabern als Heiliger gilt, so hatten sie ihr neues Heiligthum mit allem Zubehör an den Islam abzutreten. Was Alles Dr. N. zur Unterstützung der Authenticität dieser Stätte auführt. würde höchstens beweisen, daß das Grab Davids daselbst habe sein können, aber — ab posse ad esse non valet demonstratio. Je eingehender man sich mit dem, was in Palästina Tradition genannt wird, beschäftigt, unr so mehr wird man finden, daß es erst aus dem wunderbaren Buche, der Bibel, herausgebildet worden ist. ES gi/bt wenig Reste aus dem Alterthum, die dem Beschauer soviel Interesse einflößen, wie die Ruinen von Rama el Chalil; weil aber die heil. Schrift Nichts bietet, was sich mit diesen Quaderblöcken identificiren liege, so hat sich darüber überhaupt keine Tradition gebildet. In allerneuster Zeit haben die Juden Hebrons dafür den Namen ״Haus Abrahams* erfunden, Dr. N.. dem diese Be- Zeichnung mit Recht unpassend schien, macht daraus ״Haus zu Mamre", obwohl das biblische Mamre der zwiefachen Höhle, dem Patriarchengrabe, gegenüberlag. ES ist unstreitig das Beste, in solchen Fällen die dem menschlichen Wissen gezogene Grenze einzugestehen; will man aber eine Hypothese versuchen, da soll man dieselbe als solche hinstellen und sich nicht mit dem Wortlaut der Bibel durch sie in Widerspruch setzen. __(Schluß folgt.) Im Verlags-Magazin in Zürich ist soeben erschienen und durch all« Buchhandlungen zu bejiehen: (1069 Zier ulte nud der ne»e Hlauve i« Indent-um. Kritische Streiflichter oder die Neiigioa -»raei» nach robbioischer Auffassn n,. «ebst einem Anhang über den Talmud. Bon Dr. William «üben«. — 1 M. 20 Pl. __ Briefkasten » Ske» J. S. H. in B., vr. H. in B. In nächster «f

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