Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 36. (5.9.1877)
- Date
- 1877-09-05
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
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— 142 — 9ta«u dieses Herrscher«, nie.et w de« Keüinschristen') un« begegnet: Lksd^üivokL entspricht genau de« herbräischen. die LorseGmg de« x erforderte die HSrätfinmg, gleicht 0תע1רר«י» pers. Aknkütrnpü^av. Der persische» Aussprache nach viel «-her ist da« KtL 1 ,10 אחשרש. Ja eine Reihe bedentender Moment« spricht in der Thal dafür, daß eS der Eharakter und die Regierung LerxeS' war, di« dem Vers, bei sei- «e« Zeichnung» in Gedenken vorgeschwebt haben. Das große Festmahl im dritten Jahre der Regierung, darüber Eingangs de« Buche« berichtet wird, wäre die Siegesfeier nach der llnterwerfung Aegyptens. Da fand die Verurlheilung Waschti's statt und nach de» griech. Feldzuge die Erhebung Esthers. Dieser Feldzüge erwähnt zwar der Berf. nicht, e« gehörte nicht zu seiner llkifgaL«. Herodot berichtet nun aber 7. 61. 114 u. S, 108 112, daß LerxeS ein« -mestriS, die Tochter des Feld Herrn OtaneS, der am griechischen Fckdzug hervorragenden Antheil genommen, zur L-fligiu erhoben habe. Daß unter der AmestriS nicht Esther verstanden wird, ist bei einem einigermaßen klaren Durchlesea dex-Hersdoteischen Bericht« unzweifelhaft.') Und doch soll «qch II. 17 @föet nicht blo« Nebeaweib, sondern Königin gewesv» sei«! Größere Schwierigkeiten noch bietet die Chronologie. Mordechai, der Mt. Jpchoaja von Jerus. deportirt worden, hält« zur 3c»t Lerxes' gegen 120 Jahre alt sein müssen, und Esther nicht wie das Buch sie schildert נערה בתולה, sondern eine grchuüthige Großmuttergestalt, deren hohe Tugenden wir wohl verehren, deren Reize aber keinen pers. Despoten mehr bestricken könnten.') Da nun die Esther-Begebenheit bis auf Lerxes nicht herab- -»setzen ist, so steht sie überhaupt außer allem Zusammenhang «std ohne jeden Anhlüpfungspunkt mit der verbürgten Geschichte. Und wie eS mit der persischen, so geht es Mt der hebr-ischen. In welche Periode, immer man das Ereigniß einreihen, will, es entstehen überall unüberwindliche Schwierigketten, und mag man auf die Lösung einzelner Widersprüche «yd Anstöße »och so viel Scharfsinn anwenden, nimmermehr will eS gelingen, zMschen diesem und den durch die hebr. Chro-' uographen verbürgten Ereignissen der exilischen und nach-exi- Ufchen. Geschichte eine« mehr als höchst lockeren Zusammen- Hang herzustellen, mühsam und künstlich einen VerbindungSfaden zu spinnen, der jeden Augenblick reißt und in den Auge» des Forschers daS Ganze compromtttirt. In sämmtlichen hist. Schriften der nachexilisch en Zeit geschieht derVegebenhett keiner Erwähnung. Dgß. mau sich bei keiner SÄegevheit, ihrer erinnert hat, daß auch von ESra und Rehemia, die dem pers. Hofe so nahe, standen, nie dqrpuf hingewies» wird, daß früher einmal — und gar zu lange vorher kann er doch nicht gewesen sein — eine Tochter ihres Stammes auf dem persischen Throne gesessen, macht die Esther- -Schichte sehr verdächtig. Auch die im Buche Eaustretenden Persönlichkeiten.werden unsonst nirgends vorgefüh rt: die. exilischen und. späteren Propheten wissen-von ihnen so w«mg»wie die Geschichtschreiber. Es ist,, als ob sie sich abficht- *) 8*pfjy,,bio persische, -ktilinschtttttn 1849 p. 63 fs., Spie», Hsl, Mt altptrfischt» Perl Inschriften 1862 p. 144. *) «Dl. tzewße» a. «. Cu־ Svnrs 19 $. 6. ■ ' •) 3* bt» Lhnt llcht eine jüdische Lnwitzoa Esther zur Zeit de, MG zur «»>chi» 74 Ach, alt sein, entsprechend de» Zatzttmvtrth de« »arte« ^05 הרa.4u.60«.6. lich verborgen hätten, daß keiner der historischen Schriftsteller ih-. rer ansichtig würde und dessen erwähnte! Und doch hat nach 9. 20., 28., SS Mord, das Ereigniß an sämmtliche Juden brieflich sogar zweimal mitgetheilt und außerdem wäre enoch ans Befehl Esther in ei» heil. Buch בספר* *) eingstragen worden, S, 22. Woher kommt es nun, daß hebräische Historiker und Schriftsteller dieser und der später« Zeit hievon nicht wissen? (Fortsetzung folgt.) Salomo» Matmon. Von Rabbiner vr. SL Lewin. Nicht die Fragen nach dem Werthe der philosophischen Schriften dieses Mannes, nach der Bedeutung, die er in de« Geschichte der neuern Philosophie erlangt hat, sind es, die unser Augenmerk auf ihn richten. In einer Selbstbiographie hat er die Geschichte seines Lebens gegeben, und zumeist aus ihr schöpfend haben Geschichtschreiber und Philosophen die entgegenstehend,>en Verdicte über sein Wesen und seinen Charakter gefällt. Als Extreme erscheinen besonders vr. I. H. Witte, Docent der Philosophie an der Universität Bonn, in seiner Schrift*), welche uns den nächsten Anlaß zu dieser Skizze gegeben hat, und Professor Graetz in dem Bilde**), welches er von Maimon entwirft. Beide stimmen darin überein, daß sowohl Licht als Schatten in Maim. stark hervortreten. Nur sieht Graetz das Licht allein in der großartig» Befähigung und Schärfe des Denkens, die Schatten in der niedrigen, charakterlosen Gesinnung und. Handlungsweise des Mannes, während Witte auch den Charakter hie und da edel findet und nicht übel Lust zu haben scheint, das Tadelnswerthe darin dem Judenthume, oder doch mindestens dem polnischen Judenthume. zur Last zu legen. Das Ethische, welches Herr W. in Maimons Wesen bewundert, ״aber besieht darin, daß dies Leben uns ein gewaltiges Emporringen eines starken Geistes zeigt aus den zerrüttetsten und trostlosesten Verhältnissen zu einem Standpunkte, von dem aus derselbe in voller Klarheit über seine traurige Vergangenheit auf sie zurückschaul." Es zeigt dies den Hauptmangel der sonst so trefflichen Schrift des Herrn W. Ihm erschien Maimon ein Riese an Kraft, da er eS vermocht, in solcher Weise sich seinen Weg zu bahnen, und deshalb verzeiht er seinem Helden die moralischen Flecken, welche dieses Wrgbahnen ihm zugebracht hat. Grätz aber als Jude weiß, daß Maimon nicht der Einzige war in seiner Zeit, der aus solchen Verhältnissen zu Bildung und Wissen sich aufgeschwungen hat — daß auch heute noch jenseits der Weichsel ähntich Strebende nicht selten sind, und deshalb kann er eS nicht zugeben, daß Unsauberkeit des Wesens eine nothwendig mtt in den Kauf zu nehmende Zugabe eines derartigen geisttgen Aufschwunges sei. Bedeutsamer erschiene deshalb eine Schilderung des Lebensganges der Männer, die unter ähnlichen Verhältnissen nicht allein aus dem ABC der Druckbogen die lateinischen und deutschen Schriftzeichen, sondern die selbst aus der Vulgata ohne jedes weitere Hilfsmittel die lateinische Sprache erlernt haben, und die trotzdem zugleich Muster und Vorbilder tugendhaften Lebens geworden und geblieben sind. Allein Maimon'S philosophische Schriften haben-seinen Name» weiteren Kreisen bekannt und ihn selbst zum Prototypen der mit Riesenkraft aufstrebenden Autodidakten werden lassen. An chm habe« nichtjüdische Schriftsteller zum ersten Male die merkwürdigen Wesen studirt, welche beim Buchstabiren schon philösophire», deren treffende Schilderung K. Fischer***) gegeben hat: ״Lesen und Verstehen ist bei Maimon eins, er ver- >) Sgl. Stütz. Soh. ob. b. Salom, Prediger p. 197. Bloch. Urspnmg u. EntstehungSzeit b. 8. Roh. p. 136—146. ף Sellomon'Skaiinon. Dt« merkwürdigen Schicksale »mb dir wisse»» schnMche «ebeMung eine«. Wüschen Denket» «,« btt Lantifcheo Schule» Berlin. H. »- Uecklrnkutg 1876, 89 Sgr. S. —) seschlcht« btt Juden «mV XI S. 142—151. "*8 דrt!a8tt»».e^30,1t..3U