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Das jüdische Literaturblatt · 1877-08-15 · N° 33. (15.8.1877) · p. Seite 132

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 33. (15.8.1877)
Date
1877-08-15
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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Stuft sittlich-religiösen Anschauung Herabdrücke«, und flicht ln seine Darstellung hie und da ungerechtfertigte Schmähungen gegen die Juden ei«, die weder von unparteiischem Wahrheitsfum, «och von allgemeiner Menschenliebe zeugen. — In dem Vorworte S. V. sagt er: »Herr Rabbiner H e r z f e l d wünscht, der Welt hätte, das Chrisienthum erspart bleiben möge»". Ich weiß nun nicht, in welchem Zusammenhänge dieser Wunsch steht und wie er gemeint ist. — Im zwölften Jahrhundert lehrte MaimonideS, die anerkannt größt« Autorität im Judenthum, KhristaHum und Muhameda«ism»S seien nothwendig gewesen, um die Mensche» zu« Monotheismus hinzuleiten, eine Ansicht, die von allen Juden anerkannt wird. Die Ansicht des Hrn. Herzfeld als eines Einzelnen durste demnach lein Grund für Hrn. S. sein, so in Harnisch gegen das Judenthum zu gerachen. — ibid. ״So wird von einem andern Mischen Schriftsteller das Wort der Bergpredigt lächerlich gemacht: so dir Jemand ein«« Streich gibt auf den rechten Backen, dann reiche den andern auch dar; denn darauf lasse sich kein Staat gründen " Warum nennt Herr S. den Schriftsteller nicht mit Namen? Dieselbe Behauptung habe ich auch schon gelesen: doch nicht bei Mischen, sondern bei christlichen Schriftstellern. Und heißt das lächerlich machen, wenn man behauptet, daß sich darauf kein Staat gründen lasse? — ibid. ״Wer verlangt denn das? Der Staat, der die Christen verfolgte, war längst vorhanden." — Wer ist dieser Staat? etwa der Mische? Als das Christenthum aufkam, bestand der Mische Staat kaum mehr dem Namen nach. Denn schon längst war Judäa eine römische Provinz geworden, «urde von römischen Landpflegern verwaltet und so hart gedrückt, daß wiederholt Aufstände ausbrachen, die blutig gedämpft wurden, und daß die Juden stets bereit sein mußten, mit den Römern einen Kampf auf Leben und Tod aufzunehmen. In dieser schrecklichen Lage nahmen die Juden kaum Notiz von den Christen, die zudem noch gering an Zahl und «och nicht wohl von den Juden zu unterscheiden waren. — Berfolgt wurden die Christen lange Zeit von dem römischen Staat resp. von den römischen Kaisern, aber Herr S. stellt ei so unbestimmt hin, daß der uickundige Leser leicht den jübischen darunter verstehen könnte. S. VI. ״Der Prophet Jeremias spricht ähnlich, aber «i kam hier den Feinden darauf an, das Evangelium zu schmähen." — Wer fwb-bie Feinde? Herr Herzfeld und der auonMe Schriftsteller oder die Juden überhaupt? Herr S. scheint die Juden im Spiegel seines eigenen Herzens^« beschauen. ibid. ״Dabei wird über die Natur des Hebraismus alles Mögliche zusammengeschsindelt und gezeigt, wie alle Errnngenschaften des modernen Staates in der Thora bereits verwirklicht seien, z. B. die Freiheit der Religion, wobei natürlich alle Stellen über Steinigung der Wahrsager und Zeichendeuter oder dessen, der am Sonnabend Holz sammelt, sorgfältig todtgeschwiegen werden." Allein Herr S. mußte doch wisse», daß, wenn behauptet werde, die Freiheit der Re- Ugion sei in der Thora verwirklicht, dies nur gemeint sei in Bezug auf. die Religion anderer Volks- und Glaubensgenossen. Die angeführten Stellen von der Steinigung "der Todtenbeschwöre! (nicht Wahrsager) und Zeichendenter, sowie von dem, der Holz am Sabbath aufgeleseu, handeln blos von Jsrae- Ute« urü> nicht von den Bekennern anderer Religionen. Und wie kann Herr S. davon Notiz nehmen, um die Mische Unduldsamkeit zu beweisen, da nach seiner Ansicht der ganze Penlateuch daS Werk eine» oder mehrerer nachexilischer Priester ist, das nur MoseS in den Mund gelegt wurde, um Ansehen für dasselbe zu gewinnen, und das einen paränetischen Zweck verfolgt, d. h. in den hier angeführten Fällen das Volk vor dergleichen Vergehungen' wie Todtenbeschwörung rc. warnen M«Mte? — In ähnlich« Weise verfährt S. an vielen Stellen seines Buches. Sr stellt z. B. die Geschichtlichkeit des Buches^ Josua und somit der Einnahme von Jericho in Abrede. Dennoch äußerte er sich in Bezug auf de« Chprem (Bann), der dabei stattgefundeit haben soll (?), folgendermaßen (S. 209): ״Im Cherem zeigt sich der alte Blutdurst und die Rachsucht der semitischen Race, wie solche Greuel im Mittelalter durch die muhamedanischen Semiten wieder auflebten." — Er nennt da- Genus ״Semiten", hat aber in diesem Zusammenhangs Hauptsächlich die Species ״Juden" im Auge. Von Rachsucht nicht zu reden, da sich diese Leidenschaft in geringerem oder größerem Grade bei unzähligen Menschen aller Völker vorfindet; und wenn man Völker bezeichnen will, wo sie mit besonderer Heftigkeit und Grausamkeit auftritt, wo sie in vielen Familien zur Sitte geworden, die sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbt, und wo sie nicht bloß gegen Fremde, sondern auch gegen die eigenen Familienglieder in Uebung ist, so darf man nur an Spanier und Italiener erinnern, die nicht semitischer, sondern arischer Abkunft sind. Dem Volke Israel noch Blutdurst beizumessen, einem Volke, das durchgehends Grauen und Entsetzen vor Menschenblut empfindet, das sogar das thierische Blut, weil seit uralter Zeit zum Genüsse verboten, verabscheut, und von welchem die Annalen der Criminalstatistik aussagen, daß Mordthaten, von den Angehörigen desselben begangen, zu den größten Seltenheiten gehören, das heißt der Wahrheit ins Gesicht geschlagen. Bei dieser Gelegenheit, nämlich bei der Darstellung der Eroberung Jericho's, hat Herr S. noch einen andern Schnitzer gemacht, der nicht unerwähnt bleibe, S. 207 sagt er: ״Das ist der Bann, der sogenannte Cherem, von dem das Gesetz in seinen grausamen Bestandtheilen redet. Im Deuteronomium (Deut. 13, 16) heißt es: Du sollst alle Leute der Stadt mitten auf dem Markte sammeln und die Stadt und ihre ganze Beute mit Feuer verbrennen rc.... Im Buche Josua soll nun der Nachweis geführt werden, daß die Bestimmuugen des Deuteronomiums genau vollzogen sind rc." — Allein die angeführte Stelle des Deuteron, redet nicht von Kananitern, sondern von I s r a e l i t e N, von einer Stadt, in welcher die isr. Bewohner sich dem Götzendienste ergaben. Demnach konnte das Buch Josua in der Bannung Jericho's und anderer kanaanitischer Städte unmöglich den Nachweis liefern wollen, daß jene nur für Israel geltenden Bestimmungen vollzogen worden sind. Man sieht, Herr S. hat bei aller seiner Gelehrsamkeit durch seine Voreingenommenheit gegen Israel öfters das auf der Hand liegende Nichtige nicht erkannt. — Eine Geschichte des Volkes Israel kann aber meines Erachtens nur dann auf Anerkennung einer unparteiischen und objectiv gehaltene» Darstellung Anspruch machen, wenn sie von einem Manne verfaßt wird, der nicht von Vorurtheilen gegen dieses Volk präoccupirt ist. — Darmstadt, im Juli 1877. öl. Ll. Briefkasten der lNedaelton. Hrn. Rabb. vr. K. in St. Die Recension in nächster Rr. — Sbdruck des sprachwissenschaftl. Art. nur eine Frage des Raumes. — Hrn. Rabb. L. in K. u. K. in B. Desgleichen; wir können die begonnenm größeren Abhandlungen nicht unterbrechen. Mit Material reichlich versehen. — K. in P. Erhalten. 2 Predigten zum Ledanfeste ^enthält das Julchest 1876 von Rachmer's isr. Predigtmagazin. Gegen Einsendung von 60 Pf. (Postmarken) wird dasselbe umgehend franco oersandt von der Exped. d. Isr. Wochenschrift in Magdeburg. Dieselbe versendet auch eine Collection (aus den 3 Jhrgg. d. Pred.-Mag) von 6 Rosch haschana-, 8 Jomkippur-, 7 Suckoth- und 7 Gelegenheitsreden gegen Einsendung von 3 M. 50 Pf. Complete Jahrgänge 46 Mark. Auk Franco •Verlangen tJr erhält Jever, welcher flch von Um «erttze de» Austritte« Vuches: vr. Liry's Rnturheilviethode (»0. ■trt'l Rnturheilvieth» Lnst.) wert*«ge« »UI, einen Xcipt z uuefanM »hm*ft Mn Mmte «ärjhum, stch ben Kv*tu« Immen p, tasten. ׳. W. R«h«er. Druavon^ Lchärnke in Barbg, Berlag oon Roders Aries« in Ltipjig.

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