Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 27. (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
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mal« so gehoben werbe» könn-n, daß der eine von ihnen als Sieger auf der Wahlstatt bleiben wird. Line neue BestÄiguug für die Zusammengehörigkeit!der Zeit JokephS mit der der Hyksos glaubt Br. in einer bis setzt »och nicht bekannt gewordenen altägyptischen Inschrift in eine« der Gräber von El-Kab zu finden. Ja derselben rühmt sich der Srabeiguer Baba unter anderem auch: »Ich stm- »«lte Getreide, ein Freund der ErntegotttS. Ich war wachsa« zur Zeit der NnSsaat. Und als nun eine HungerSnoth entstanden war viele Jahre hindurch, da fyenbete! i$ Getreide an die Stadt bei jeder HungerSnoth." (oder aüch: »an jeben Hungrigen".) Eine HungerSnoth von vielen Jahren ist in Aegypten, deffen Fruchtbarkeit auf den jahrlich wiederkehrenden Rilüberschwemmungen dafirl, von allergrößter Seüenheit, und die Geschichte kennt nur ein einziges Beispiel dafür, di« ficken Hungerjahre zur Zeit Josephs. B»ba (oder die Babn'S, meist deS dreizehnten und siebzehnten KönigshanseS Zeitgqnoffen), wirrte, wie anderweitig bekannt, unter dem Josephs« H^soS-Phurao gleiö^eitigen einheimischen König Ra-Sekenen Taa ÜI in der aUm Stadt von El-Kab. Folglich entsprechen seine vielen Hungerjahre den ficken Hungerjahren unter JosqrS Pharao, einem der Hirtenkönige. — Lasten wir also Joseph mit Br. ungefähr um die Leit des Hyksoskönigs Nub seine Dienste dem Laude geleistet haben. Die bibl. Schilderungen von Jof.'s Erhebung umer einem solchen HyksoS-König, von seinem Leben an dem Hofe de-selden. von der Aufnahme seines Vaters und seiner Brüher in Aegypten stehen nach Br. mit allen chren Einzelheiten in Nollstem Einklang mit den Voraussetzungen, welche fich an die Personen und außerdem an Ort und au Zeit knüpfen., Josephs HyksoS-Pharao thronte in Auaris oder in Zyan, der späteren RamseS-Äadl mit einer Hofhaltung, die durchnn» ägyptisch war, doch ohne die semitische Sprache auSzuschließen. Sei« Warao läßt vor ihm »abrek" beuget die Knie! ausrufen in semitischer Zunge, aber in einem Worte, dar fich noch im hieroglyphischen Wörterbuch erhalten hat und bei den Aegyptern »dick Gefühl der Ehrfurcht vor einer be- -deutenden Person oder Sache" bezeichnet. Die Würde Zaphnat Paneach׳ (wörtlich. dck Bezirks von der Stätte *י« deS Landpflegers des sethrottischen Gaues. — Auch seine Würde als Adon oder Ab ״deS ganzen Landes" — eine Würde ägyptischen Ursprungs — hat eine Analogie in König Horem-Hiob des 18. Königshauses, der eine Joseph ähnliche Stellung vor seiner Thronbesteigung unter demselben Titel innehatt«. Der Name seines Weibes Asnat ist ächt ägyptisch und fast nur in dem alten und Mittlern .Reiche anzutreffen. Ihm liegt der häufige FrauenName Gant oder Snat zu Grunde. Der Vater derselben, der Priester von O»-Heliopolis. ist gleichfalls ächter Aegypter: Puti-pera d. i. Geschenk der Sonne. Sein Name ist nicht identisch mit dem dys ersten Herrn Josephs, Puti-par (phar) d. i. Geschenk des Erschienenen, eine Frage, die bekanntlich von den disherigeu Erklärer» verschieoen beantwörtet worden. (Vgl. die Begrüiümng. wenn ich nicht irre, Raschi's, dafür, daß Pqttphar den Name« Potiphera erhalten.) Auch Josephs Abenteuer mit Krau Potiphar erhält einige Beleuchtung durch eine ähnliche Geschichte aus dem Papyrus Orbiney. Diese wird von der Gatttu Anepu's erzählt, welche den jünger« Bruder ihres Mannes, de» »»beweibten Bata oder Bita zu verführen sucht. Bata war von Anepu vom Felvwnach Hause geschickt worden, um Aussaat M holen. »Und sein Brüderlein traf das Weib beschäfügt, ihr Haar flechten. Und er redete zu ihr: Steh« ans! gieb mir Aussaat, daß ich zurücktehre aufs Fetd.!denn also hat es mein älterer Bruder geschafft, daß ich zurückkehre, ohne » zögern. Das Weib redete zu ihm: Geh hinein, öffne be» Kasten, auf daß du nehmest, was dein Herz wünscht, sonst möchte« meine Locken nickerfallen auf dem Wege. Und der Jüngling trat hineiu in de» Siall u. s. w. Und er lud ' Beeä»1»orUicher Xaiattrur: vr. M- Nahmer. Druck »on L auf fich Getreide und Durra-Körner und ging hinaus damit. Da redete sie.zu ihm: Wie groß ist die Last auf deinem Arme? Er sprach zu ihr: 2 Maaß Durra und 3 Maaß Getreide, macht zusammen.5 Maaß, welche auf meinen Armen ruhen. Also sprach er zu ihr. Sie aber redete zu dem Jüngling, indem sie also sprach: Es ist deine Stärke groß; wohl habe ich deine Kraft geschaut zu je'ocr Zeit. Und ihr Herz erkannte ihn. . . . Und sie stand auf und faßte ihn, indem sie also zu ihm ׳sprach: Komm, laß unS feiern eine Stunde der Ruhe. Das Schönste soll dir zu Theil werden, denn ich werde dir Festkleider zubereiten. Da wurde der Jüngling dem Panther des Mittaglandes gleich vor Ingrimm ob bes üblen Wortes, das sie zu ihm gesprochen hatte; sie aber fürchtete sich über alle Maaßen. Und er redete zu ihr, indem er sprach: Du, o Weib,,warst mir wie eine Mutter, und dein Mann war mir wie ein Vater, denn er ist älter als ich, also, daß er mein Erzeuger sein könnte. Warum diese so große Sünde, so zu mir gesprochen worden ist? Nicht sage sie mir ein andres mal. dann werde ich dies eine mal sticht reden, und kein Wort soll hervorgehen aus meinem Munde zu irgend einem Menschen. Und er lud auf fich seine Last und ging hinaus auf's Feld. Und er trat zu seinem Bruder, und sie erfüllten die Arbeit ihres Tagwerks. Nachdem es nun Abend geworden, da kehrte der ältere Bruder heim nach seiner Wohnung. Und sein Brüderlein folgte hinter seinen Rindern, welche er beladen hatte mit allen guten Dingen des Feldes, auf daß er sie vor sich Hertriebe, um ihnen das Lager zu bereiten in ihrem Stalle im Dorfe. Und siehe, daS Weibseines altern Bruders fürchtete sich ob des Wortes, so sie geredet hatte, und sie nahm einen Krug Ftztt, und sie war wie Jemand, dem Gewalt angethan hat ein Frevler, indem sie wünschte, damit ihrem Manne zu sagen: Dein Brüderlein hat mir Gewalt angethan. Und ihr Mann kehrte heim am Abend nach seiner alltäglichen Weise, und trat ein in sein Haus, und fand sein Weib ausgestreckt da liegestd und vom Uebel leidend. Sie gab kein Wasser auf seine Hand nach seiner Weise. Und die Leuchte ward nicht angezündet, also daß das Haus in Dunkelheit war. Sie aber lag da und spie aus. Und ihr Mann sprach zu ihr also: Wer hat zu schaffen gehabt mit dir, erhebe dich! Sie redete zu chm: Niemand hat zu schaffen gehabt mit mir, ohne dein Brüderlein, denn als er kam, um Aussaat zu nehmen für dich, da fand er mich sitzen allein und sprach zu mir: Komm, laß uns feiern eine Stunde und ruhen. Löse auf dein Haar! Also redete er zu mir, ich aber hörte nicht auf ihn (sondern sprach): Sieh', bin ich nicht deine Mutter, und ist dein älterer Bruder!nicht wie dein Vater gegen dich? Also redete ich zu ihm; er aber hörte nicht auf die Rede und that mir Gewalt an. auf daß ich dir keine Anzeige machte. Nun aber, wenn du ihn leben läffest, so werde ich mich selbst umbringen. Hat Frau Potiphar von Frau Anepu. oder umgekehrt, diese von jener gelernt? Wer von ihnen war originell? Leider erzählt uns Br. nicht, welchen Ausgang die Anschuldigung für den keuschen Bita gehabt hat. Zur Ergänzung. Die Antwort des Hrn^F. Mieses auf Sacher-Masoch'S Brief, die gewiß allen Leser« d. Bl. aus der Seele geschrieben ist, enthält ein Citat aus Schleiden's Broschüre: Bedeutung der Juden rc., dem ich noch eines beifügen möchte aus P u ch t a's »Geschichte des Rechts" Band 1 S- 17. ,,Es giebt ein Volk, weiches über alle Länder zerstreut, doch ein Volt geblieben ist; eben darum ist dies eine übernatürliche Erscheinung, ein W u nder vor unseren Augen. Sie zeigt, dab das jüdische Volk, das Volk, welches ״der Herr sich zugerichlet" nicht ein Volk ist, wie andere Völker." So urtheilt der berühmte Rechtslehrer Puchta. * Pr. Oldendorf. Spanier Scharnkc in Barby. Ltrlag von! Stöbert Frjese in Leipzig.