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Das jüdische Literaturblatt · 1877-06-28 · N° 26. (28.6.1877) · p. Seite 104

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 26. (28.6.1877)
Date
1877-06-28
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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— 104 — System* R. El.'S kann wohl nicht gut mchr die Rede sein. Ja, aA treffendsten hat R. Josua, sei» Freund und treuer College, 9t. E.'s Größe bezeichnet. Als er eines Tages ׳ »ach dem Tode 9t. E/s dessen Lehrhaus betrat, küßte/r den Stein, auf welchem R. El. während seines Vortragens gesessen und rief a»S (Midrasch Rabba Svdir baselürün Vers 2): ״Meser Stein ist dem Berge Sinai zu vergleicheii, und der^ welcher einst darauf saß, der heiligen Bundeslade.* Hiermit war eigentlich dasselbe ausgesprochen, was andere Weisen über -ihn sagten'): ״ משמת ר אליעזר נגנז ספר תורהMit dem Tode R. Elieser's ist ein Buch der Lehre vergraben worden" Literaturbericht. Aegyptens unter! den Pharaonen, bearbeitet. Erste t rutsche Ausgabe. »ach den Denkmälern Letpzig 1877. Wen« Jemand, so ist der Verfasser, t er jahrelang im Dienste des BicekönigS vop Aegypten steht und mehr als irgeud «in Ander« Gelegenheit gehabt hat, sowohl die Denkrnäler jenes grauen Slterthums als auch die Natur des Laiches zu studiren, dessen Geschichte er beschreibt, zur Abfaffung dieses Werkes berechtigt gewesen ,,Weder durch Beruf, noch durch Talent Geschichtsschreiber", sagt er in der Vorrede, ״habe ich mich mit dem bescheiden n untergeordneten Verdienste begnüge» müssen. ein gewissen! öfter Dolmetscher der Worte der Vorzeit zu sein, unter Erschö sfung aller Mittel Sr richtige» Feststellung der angezogenen Urkunden, die an rt Und Stelle zu durchmuftern mir häufige Reisen nach Oberägypten die erwünschte Gelegenheit darbrten." Das Werk ist, trotz der in diesen Worten sich kundgebeuden Anspruchslofigkeit des Autors, ein Geschichtswerk im! eminenten Ginne des Wortes und erfreut sich einer ebenso lichtvollen: überall klar und elegant geschriebenen Darstellung, wie einer Fülle bon neuem scharfsinnig aufgespürten Material. Mese Blätter sind nicht LaS Forum für die Kritik eines solchen Buches; chuen genügt eine bloße Anzeige desselben, sowie vielleicht ein Hinweis auf die einen oder die andern uns besonders interesstreniden Gegenstände. Zu diesen gehört in erster Reihe die Untersuchung über die Zeü der Herrschaft Josefs in Aegypten, die Zeit der Htflsos. Die bisher aufgefundenen Denkmäler übergehen den Namen Hyksos mit vollständigem Stillschweigen, und «ir verdanken den Namen nur dem Manetho. Hyksos dedeutet nach dem edengenannten Autor Hirten-Könige,. denn ״Hyk" bedeutet in der heiligen Sprache ״Äönig״ und ״sos" im Wund« des Volkes ״Hirt". Einige meinen, es wären Araber. Und diese haben nach Br. Recht: nur ist zu be- ^werten, daß der Name Hak-Schaus, d. i. König der Araber, oder König der Hirten (Schasu, arabische Beduinen im Osten Aegyptens) nicht officiell von denjenigen getragen sei, die er bezeichnet, sondern wahrscheinlich von den Aegyptern nach endlicher Vertreibung ihrer Zwingherren semitischen Bluts diesen beigüegt worden ist Es waren dies syrische Semiten, welche sich, unterstützt von den Schasu, des östlichen TheileS des Delta bemächtigt, Sitten, Gewohnheiten, die amtliche Sprache und die heil. Schrift derselben angenommen, aber auch den Aegyptern manche nützlichen Kenntnisse und selbst neue Kunstgeftaltungen mitgetheilk, ja selbst die Sprache der Aegypter nicht!unbeeinflußt gelassen hatten Ihre Namen sind bis zur Uukeyntlichkit von den nachfolgenden Königen einheimischen מ »es sorgfältig verwischt und aus den Denkmälern aust worden Rur dem Zufall verdankt die Wissenschaft die Erhaltung und Entzifferung zweier Namen derselben. Sie waren wahrscheinlich nicht die Mordbrenner und Tempelschänder, als die sie uns der Bericht Manetho's schildert, sondern Sota 49, b und Jeruschalmi ). Sb, woselbst ti החכמה erhielten vielmehr, statt zu zerstören, uich suchte» sich sel! und ihr Andenken in den vorhandenen Denkmälern der frü Heren Herrscher zu verewigen Auch die angebliche Feindseligfeit der ägyptischen Gesinnung gegen sie widerspricht den Resultaten eingehenderer Forschung, und es war risst die staats, kluge Maßregel der späteren thebanischen Pharaonen, ihr An denken zu verkleinern und an den tobten Steinen der Hyksos eine Vergeltung auszuüben, welche ihre Vorfahren vergeblich den lebenden Urhebern zugedacht hatten Die Denkmäler der gegnerischen Könige wurden eifrig zerstört, die Namen uni, Würdm derselben bis zur Unkenntlichkeit vernichtet und die geschichtliche Wahrheit durch Einsetzung der eigenen Name» verfälscht, und das Alles mit solchem Erfolge, daß ihnen beinahe die gänzliche Vertilgung gleichzeitiger Erinnerung an die Hyksos gelungen wäre. — Mil dem HyksosköNig Nub beginnt nach einer Steininschrist v. Tanis eine neue Zeitrechnung, die auch von de» Aegyptern anerkannt worden ist Es werden von ihm bis auf Ramses II, den Pharao der Bedrückung der Israeliten, 4M Jahre gezählt, die runde Zahl für die Zeit des Aufent- Halts der Israeliten in Aegypten. Nach der biblischen Rechnung würde die Amtszeit Josephs unter die Regierung dieses Hyksoskönigs Nub fallen. (Fortsetzung folgt.) 1 Notizen. 1) Die beiden Versuche in Nr. 21 und Nr. 24 dieses Literaturblattes zur Lösung der Abbreviatur im,אלי* רכך 556, 2 müssen sicherlich von jedem Kundigen als mißlungen angesehen werden. Es schwindet aber alle Schwierigkeit, wenn man, wir der Zusammenhang mit dem vorhergehenden Satze בבואו לביתו יברך על האור und mit dem nachfolgenden ורואה צפרניו נגד האור sicher beweist, die Abbreviatur ובמ״ג auflöst in die Worte ובמקום גר• Das Ganze heißt also: Wenn man nach Hause kommt, spricht inan die -<ברבה על האו und zwar an einer Stelle, wo ein Licht steht, und man seine Nägel beiist Lichtscheine sieht. Schneidemühl. Brann. 2) Mein hochgeschätzter Freund, Herr Rabb. vr. Lewin in Koschmin hatte die Güte, in dem ״Jüdischen Literaturblatt" vom 7. d. M. meine Schrift ״die Judenoersolgungen rc." anerkennend zu beurtheilen; doch glaubte er manche Ausstellungen machen zu müssen, was selbstverständlich im Dienste der Wahrheit nur löblich ist. Er wird mir es aber gewiß nicht übel nehmen, wenn ich dieselben hier mit einigen Worten zu beseitigen suche. — Raschi's Aufenthalt in Worms gehört nicht in das Gebiet der Sage. Herr vr. Levysohn hat i» den Epitaphien der Wormser Gemeinde S 101 durch Aufzählung von Gründen unumstößlich die mehrmalige Anwesenbeit Raschi's in Worms nachgewiesen, und auch Herr Prof. i)r. Grätz nimmt sie in seiner Geschichte der Juden als historische Thatsache an. — Die Seite 18 und 19 wiederholte Bezeichnung ״ein junger Mann" ist kein Versehen, denn sie bezieht sich nicht auf eine sondern auf zwei Personen. — (Daß שינגיר nicht ״Söller" sondern ״Zwinger" sei, haben wir bereits in vor. Nr. bemerkt. Hr. M. begründet die Schreibatt mit ש damit, daß das Wort ״zwingen" aus dem Altdeutschen dwingen, lhwingen hervorgegangen). Was endlich den Wunsch anbelangt, das Ms. in hebräischer Sprache drucken zu lasse», so hoffe ich, daß derselbe in nächster ׳Zeit realisirt werde. Mannheimer in Darmstadt. Soeben erschien bei Eugr« Grosser in Berlin: Die Juden von einem Christen. »r«t« 1 VUrt. Verantwortlich« Redakteur: Dr. 1K. Rahmer. Druck non L. Scharnke in Barby. Lrrlag von MoSevt Friese in Leipzig.

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