Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 26. (28.6.1877)
- Date
- 1877-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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26. VI. Jahrgang. Zur Beteuchtupg aller lubfn- U/um a. Juden jbttrtfftnbtn litera rische» Erich timmgrn auf km «rtictt der»HUosophie,Geschtchtr,«tznasrü,>,ie,rhe»i-sie. (•ritttuUa, «kftgese, Hmiietik, lUurgik, Dibagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Moritz Rahme». Magdeburg, 28. Juni 1877־. Bücher der rrnschiägige» Literatur, weiche der «rk. kt« ״-Sk. KiteraturdiaN" in Magdeburg (»der der »Leraei. Wochenschr.** in Stettin);ugesankt werde», finden in diese» Blatte .eingehende Besprechung. DaS Li! durch alle Buchhandel! in Magdeburg. titatltMutt'1 erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 6 Mark, mit frankirter Zusendung: 8 Mark. Zu beziehen '1 ingen (in Leipzig durch Robert Fries«), oder durch kittet« Bestellung bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift"! tznserale werden mit 2ü Pf. für die dreigespaltenc Petitzeile berechnet.! ׳ llurze Lbhandluirqen Ein Sturm in Die halachische Inhalt. Antwort aus Sacher» Rasoch's Brief. Rabb. H. Waffe trilling.!inem Glase Waffe«. Von G. Wolf.!«hrweise des Rabbi Elieser den Hyrkanos. Bon Rccensionen: Brugsch-Bey, Gesch. Aegyptens unter Literaturbericht den Pharaonen. Notizen. Inserat. Antwort ruf Sacher-Mafoch's Brief. Ein tapferer Heldenmuth ist beffer nicht zu kennen, LlS wenn er sich nicht scheut, schwarz schwarz, weiß weiß zu nennen. Der keinen Umschweis braucht, der leinen Mandel nimmt. Der Allem gegen geht, was wider Wahrheit lümmt.! (Friedrich von Logau ) Obige schöne! Sentenz eines alten Dichters diene mir, geehrtester Herr, als Molto für meine Replik auf Ihr werthvolles Schreiben vom 14. dieses, womit Sie, um mit Ihren Worten zu reden) mich nicht verletzt, ober angenehm überrascht haben! — Zuvörderst wurde ich angeregt, die bis jetzt erschienenen 4 Bände Ihres Novellen-Cyclus ״das Vermachtniß Kain's", dann Ihren ״Jlau" im ״Salon" zu lesen, und für diesen Genua einer wahrhaft originell-schönen Seetüre empfangen Sie meine aufrichtigste Anerkennung und Danksagung. Sie gehören, geqhrlester Herr Doctor, zur winzigen Zahl der auserwählten Rchnanciers und Novellisten der Neuzeit, die im Fache der Völker- und Sittengeschichte de» Heldenmuth befitzen, für die ״tapfere Wahrheit" ״ohne Umschweif und Man-! tel" furchtlos und Überzeugungstreu zu kämpfen. Es ist da-! her durchaus in der Ordnung, daß Dunkelmänner und Reac- > tionäre aller Farben solche bahnbrechende Apostel der Wahrheit mit allem Schmutz begeifern! Gestützt auf die obigen einleitenden Warte und in der! Ueberzeugung, daß Sie in aller Wahrheitsliebe jede gegründete Ausstellung oder ehrliche Rüge mit Ernst und all' der Wichtigkeit der in Frage kommenden Interessen entsprechenden Aufmerksamkeit ausnehmen und würdigen werden, erlaube ich, mir. meinen thi iliveise von dem Ihrigen abweichenden Stand-! Punkt hier umiißlich auseinanderzusetzen. (Wir gebe t aus der nun folgenden langen philos. Darlegung der )tat tr- und Weltanschauung des gesch. Verf-'s nur den auf das jüdl Volk und den demselben von S. Nt. gemachten > Vorwurf bezüglichen Theil. Red.)! ... Was besonders das jüdische Volk betrifft, so muß ich es entschieden bestreiten, daß es in seiner Mehrheit ״mchr schlecht, egoistisch und gemein als gut und edel sei". Für den gründ-! lichen Kenner dieses ״semitischen" Stammes und seiner histo-, risch merkwürdigen Entwicklung vor und während seiner Diaspora bleibt es eine traurige Wahrnehmung, wie dürftig und «kt grundfalsch!die Kenntniß deffelben in jeder Beziehung (bis iur Zeit der Mendelsohn-Lessing'schen Epoche)'ausfiel und in seinem primitiven Wesen, wie es sich in feinen Urkundn», Bibel und Talmud, abspiegelt, nicht nur von der christlichen, sondern Puch in seiner eigenen jüdischen Mitte mißverstanden und irrig aufgefaßt wurde! Das ursprüngliche Iudenthum war wedjer ״Religion", noch Theokratie, noch eine dogmatische ״Philosophie", sondern ausschließlich, wie ich es zuerst'in mriner Abhandlung ״die Vergangenheit und Gegenwart im Jude»׳ thum, eine Parallele", (Literaturblatt des Orients Nr.'22—27, Jahrgang 1847) nannte, eine Nomokratie. Die Tendenz des Mosaismus war nur zum kleinen Theile eine Opposttion gegen des» Paganismus. Das eigentlich Positive des MosaiSmus bestand aber in einer höchst erhabenen und gleichzeitig einfach vernünftigen Staatsidee, die auf der Anschauung einer sittlich-vernünftigen Welt- und Socialordnung bafirte und die Menschennatur als geistig-ssttliches Wesen und der Culturentwicklung und des ewigen Fortschreitens 'zum Licht der Erkenntniß fähig, erkannte. Die milde und weise Gesetzgebung fußte auf einer ganz optimistischen Weltanschauung und tendirte durch humanitäre und freiheitstttliche social-politische Institutionen die wahre irdische Eudämonie. Rach der Vernichtung des jüdischen Staatslebens aber haben die Repräsentanten desselben eigentlich das Schicksal eines irrenden Ritters, und das Volk Israel blieb blos eine geschichüiche Reminiscenz, einer Art ״platonischer Republik", die ohne prak» tische Anwendung blos als Idee in der Lust schwebte. Der Weltgeist, oder vielmehr, um Darwinisch zu sprechen, die natürliche Entwicklung, Vererbung und Accomodation der iveltgeschichtlichen Ereignisse bewirkten doch bei diesem herrenlosen' Volke ohne Lcknd und Boden, ohne König und Priester, eine Aus- und Umbildung seiner semitischen Anlagen, Instinkte und Sitten und Gebräuche rcj. in einer wunderbaren, aber doch durch die Kette der geschichtlichen Zufälle und Influenzen als natürlich erklärbaren Weise. Durch Verfolgungen aller Art känrpste der Jude um sein Dasein, und durch Anpassung an Zeit- und Ortsverhältniffe bildete er praktisch seinen idealpolitischen Staat tu nuce und in eigenthümlicher Gestalt weiter aus, und als dieses ideale Staatslebeu galt ihm seine ״Familie", seine ״Gemeinde" und seine ReligionSgenoffenschast. in denen er die ererbten Institutionen durch praktische Famitten- und Nächstenliebe, durch Wohlthun, Stiftung von Schnlen und Lehrhäusern rc. unausgesetzt dethätigte und am frappantesten durch sein beharrliches Festhalte,^ an den idealen Schätzen seiner Väter die grausamen Bestien, von Mensch«!» feinden beschämte. — Aus langem gründlichen Studium über diesen jüdischen Stamm und seine geschichtliche Entwicklung kann ich unmöglich die oberflächliche Behauptung acceptiren, daß es iit seiner großen Mehrheit nicht ein auserwählter desserer und edlerer, als mindestens derjenige der quasi civilisirten ־ Stämme des verfolgungssüchtigen, egoistischen, ״christlichen Welt» theils" sei! Ein Volk, das 2000 Jahre die bitterste Schule eines so traurigen LebensgangtzL durchgemachl und noch in geistig