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Das jüdische Literaturblatt · 1877-06-14 · N° 24. (14.6.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 24. (14.6.1877)
Date
1877-06-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang. -»r Keienchtunj gier -»denihn« u. -»de» detreffeadea liternrische» «rsches»n»,r» »us de« Kediete derPtzÜ»s,Ptzie,«eschichte,Lch»»»raP«t,thr»l»ßi«, KrtrntnU». «regele,-»»Urttk, LitnrgiL, pldagögik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz dkahmer. Magdeburg, 14. Juni 1877. Kicher der einschlägige» Liter,t»r. wisch« »er Le» de, ״|*». L!ter»t»rdt»lt" in Mngdednr, («der »er ^dwneei. »,chenschnin -Mit») )»gesandt «erden, finden in diese« Matt« ein- »^r»»« Kesprechnng. Das ״IAH. Ltteridturchlatt" erscheint wöchentlich einmal: Preis pro Jahrgang & Marl, mit der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Mark Ru beziehen durch alle!Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch OttfU Bestellung bei der Expedition der ״Israelitischen! Wochenschrift" in Magdeburg. — Jusrral« werden mit 20 Pf. sllr die dreigespaUen« Petitzeil« berechnet. .ן Such»«. Äut!« Abhandlungen: lleber die Entwicklung der jüdischen Reli- E' chilosophie. Bon vr. Guttmann. die Jude« je Propaganda gemacht? Bon Joseph Löwy. itreit zwischen Juda «enz und »lia Delmedigo. Bon Bernhard Ritter. . Zar bidlisch-talmud. Eotmogonie. (Schluß.) Notizen zu den ,Literarischen Nation." (Fortsetzung.) Reptil. Literaturbericht:! Recenfionen: Perle«, vr. I.. Sine neuerschloffen» Quell« über Uries Acosta. Inserat. Uaber di« Gatwickl««g der jüdischen SkeligionSphttofoPhie. Bon 1 Landrabbiner Dr. Euttm ann. VI. Zu der wissenschaftlichen Anregung, welche der Kampf «ü dem KaräiSmps dem Judenthum geboten hatte, und dem Einfluß der mutaizilitischen Philosophie kam aber noch ein dritte- Moment hinzu, durch welches der Sinn sür philosophische Bestrebung^ auch in jüdischen Kreisen aus'- Neue geweckt und der Eintritt des Judenthums in die Entwicklungs- Mschichte der Philosophie mit herbeigesührt wurde. Wie im fünfzehnten Jahrhundert nach der gewöhnlichen Zeürechnung durch die Wiederbelebung des klassischen Alterthums im Abendlande eine neue Entwicklungsperiode der Philosophie anbrach, so hatte auch im neunten Jahrhundert nach d. g. Z. durch die in erweitertem Umfange erfolgte Uebersetznng der Echriste» des Platon und Aristoteles und ihrer Commentato- «n die Philosophie der Araber eine Anregung erhalten, die tinen völligen Umschwung in der bisherigen Denk- und ForschungSweise zur!Folge hatte. Die Literaturgeschichte freilich pflegt der Nachwelt gewöhnlich nur die reifsten Produkte aus jü>er Entwicklungsperiode, diejenigen Schriftwerk« zu überliesern, in welche» die neueingejchlagene Entwicklung bereits eine jeste Gestalt gewonnen hat und die leitenden Ideen zu einer «igenthümlichen Ausprägung chreS Inhaltes gelangt sind. Die UebergangSperioden hingegen von einer früheren, abgeschlostenen Entwicklung zu einer neuen, erst im Werden begriffenen, die Geburt-wehen Und Kämpfe, durch welche die neue Entwicklung sich in'S Dasein ringt und sich zu allmjliger Anerkennung erst hindurcharbeitet) find säst immer in tiefes Dunkel gehüllt. Und doch bieten diese UebergangSperioden gerade dem Forscher das höchste Interesse, indem sie ihm einen Einblick in die Ent- Wicklungsgeschichte des menschlichen Geistes gewähren. ihm das später zu festen Formen Erstarrende in flüssige» GestaltungSprocesse zeigen, indem sie uns die Strömungen und Gegenströmungen erkennen lasten, in denen Altes und Reneaufeinanderstößen, bis der sich stetig erweiternde Strom der neuen Entwicklung endlich das Alte überwunden und es soweit es noch lebensfähig ist, in sich ausgenommen und in seinen Lauf gezwungen hat. Per Vermittlung der jüdische» Philosophie ist eS zu danken, wenn derjenige Abschnitt der arabischen Philosophie, in welcher der Uebergang von der Philosophie der Mutazila zu der neueren Entwicklung der arabisch-aristotelischen Philosophie sich vollzieht, für di« Geschichte der Philosophie nicht verloren gegangen ist. Das die EM Wicklung der jüdischen Religiousphilosophie des Mittelalter-, einleitende Werk, Saadia's Emunoth we-Deoth, ist daher, da es uns ein treues Spiegelbild der philosophischen Bewegung jener Zett liefert, auch für die Kenntniß der Geschichte der arabischen Philosophie von der höchsten Wichtigkeit. ES war eine der größten und folgenreichsten Thaten in der Geistesgeschichte des Judenthums, als der Gaon Eaadia den Joseph al Fayyoumt (geb. 892, gest. 942) sich der von den verschiedensten Seiten her an das Judenthu« herantretenden Aufgabe unterzog und «in philosophische- Lehrgebäude aufzustellen versuchte, das einerseits den Gedankeninhalt d«S JudenthumS in philosophischer Fassung darlegen upd mit de» als gesichert betrachteten Ergebniflen der Zeitphilosophie in Einklang bringen, anderersefts aber auch den Standpunkt de- JudenthumS in selbstbewußter Weise gegenüber den in ver» wirrender Mannigfaltigkeit austretenden TageSmeinungen geltend machen und in seiner Reinheit wahren sollte. Eaadia, eine durchaus polemisch angelegte Natur, darf als der berufenste Vertreter des jüdischen Gedankens angesehen werde» i» einer Zeit, in welcher das Judrnthüm sich nach den verschiedensten Richtungen hin zum Kampf herauSgesordert sah »»d s sich der Angriffe auf seine Selbstständigkeü nach allen Seite» - hin zu erwehren hatte. Die philosophische Begründung der jüdischen Religionsanschauungen führte nicht nur zu einer Auseinandersetzung mit dem Karäismus und den Problemen der mutazilitischen Philosophie, nicht nur die orientalische» Systeme, wie der Dualismus der Parser, die Lehren der Brahmauen^ mußten in den Kreis der Erörterung gezogen werden, sonder» auch die griechische Philosophie in ihrem ganzen Umfange, selbst bi« in die Systeme der alten Jonischen Raturphilosopheu hi»«

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