Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 23. (7.6.1877)
- Date
- 1877-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 23. r VT• JalnKm-ö für Beleucht»»! «Her -»denlh»« ». -»de» betressendea lilerarische» Srschrümngra »ns dem Gebiete der phtlesophie.Geschichte,«thm^rqchtrjrheetogit, lSrtentaU», Exegese, Homiletik, Liturgik, pidatzogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahmer. Magde^urg^?. Juni 1877. Bücher »er emschligige» Literaftir, «eiche »er Red. de» ״ -üb. TMmtarckUttt" i» Megdekurg (»der »er ^terarl. Wechenschr.- in Stettin) xtgefendt »erde», finde» i» diese« Klette ei»- zrhende Besprrchnng. Da- ״Mi». Literat» rblatt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 3 Mark, mit der ״ Israelitischen Wochenschrift": 10 Mari, ^lieh« durch alle Buchhandlungen (in Leipzig durch Robert Fries«), oder durch direet« Bestellung bei der Tipedition der ״Israelitische» schrift" in Magdeburg. — Inserat« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petttzeil« berechnet. Ru bezieh«? Wocheaschrif Inhalt. Kurze Abhandlungen: Di« Juden in ״Daniel Deronda". Die halachisch« Lehrcheise de- Rabbi Elieser den Hprkanas. lieber den massorethischen Scheidestrich (k'eilc) und Scheidepun kt (Dagooed) Zur biblisch-talmud. Lo-mogonie. Entgegnung. Literaturbericht: Recenfionen: Reumann, Dr. B. Die heilige Stadt und deren Bewohner u. s. w. — Mannheimer, Mose«. Di« Judenverfolgungen in Speyer rc. Inserat. Die Jude» in ״Daniel Deronda". (Schluß.) Warum Scherer diese klar zu Tage liegende Tendenz des Buches übersehen hat, übersehen wollte, geht aus dem Tenor seiner Besprechung leider nur allzu deutlich hervor. Er kann es nicht begreifen, daß eine allerchristlichste, gefeierte Schriftstellerin, wie George Eliot, für die Hebung der jüd. Nativnalität eint ritt. ES thut ihm offenbar weh, daß die Juden in dem Buche ״als Vertreter der Hingebung und Selbstlostgkeit" genommen sind, und darum bestreitet er, daß diese Tugenden ״bezeichnende Züge des jüd. NationalcharacterS" sind. Um aber den Eindruck des ganzen Buches vollends abzuschwächen, greift Sch. zu einem Mittel, das zwar drastisch, aber nicht neu, sondern so alt ist, wie das Christenthum selber. Wenn man die klaren Worte der heil. Schriften, wenn man die jüd. nationalen Reden eines Jesaia hin und hex gezerrt und gezogen hat. um sie dem Leibe Christi anzupaffen, warum sollte nicht ein Gleiches mit den dichterischen Erscheinungen einer modernen Schriftstellerin geschehen können? Sch." hat es wirklich fertig gebracht, in der Gestalt Deronda's keinen anderen zu finden, als die Person Christi, und setzt bestimmt voraus, daß die Vergleichungspunkte zwischen Deronda und Christus ״sich jedem Leser von selbst aufdrängen werden." Wir haben bei vielen intelligenten Lesern des Buches Umfrage gehalten, aber keinem hat sich diese Parallele ״von selbst" aufgedrängt. Vergebens würde man auch in dem ganzen Romane nach jenem christl. germanischen Geiste spähen, in welchem Sch. denselben aufgefaßt zu haben scheint. Wir wundern uns nur, daß Sch. nicht auch für die übrigen jüdischen Gestalten des Buch« nach weitern ״Urbildern" in der Heiligengeschichte forscht. Mft gleichem Scharfsinn hätte er beispielsweise zwischeif Johannes dem Täufer und Mardochai der VergleichungSpfinfte genug entdecken können, und daß Pjurä unter Mirah keine Andere gemeint sein kann, als die ״heilige Jungfrau", das besagt schon deutlich genug der Name. So wäre den» ״Daniel Deronda", in welchem manche naive Leser einen begeisterten Ausdruck des jüd. nationalen Gedankens finden wollen, nichts Anderes als eine versteckte Verherrlichung des Christenthums, und die Juden'wären wieder einmal or» deutlich gefoppt worden. W. Sch. gehört offenbar zu benetz, die — wie die gelehrte Verf. unter Nachbildung-eine» rabb. Ausspruches so treffend sagt — den Juden seü jeher zugerufen haben: I ״WaS Euer war, ist unser und nicht mchr Euer." Indes fehlt es auch an jüd. Wortführern nicht, bU. die klaren Gedanken der Verf. zu mißdeuten suchen.*) ' So mußten wir jüngst in einem jüd.-Blatte lesen, daß die Verf. die Idee der Wiederherstellung des jüd. Reiches nur darum von einem Visionär vertteten läßt, um anzudeuten, daß solche - Pläne ״«ur aus mystischen Hallücinationen" entspringe», axb wenn Deronda schließlich nach dem Orimrte geht, so versteht es sich, daß er bei näherer Prüfung ״von jedem derartige« ׳ Entwurf» zurückkommen wird". Das also sollen die ״ht»- längliche« Winke zum Verständniß" sein, welche angeblich die Verf. selber giebt. Darum also so viel Aufwand an Gedankenar reit und Begeisterung, um versteckt anzudeuten, daß alles Ge ägte eigentlich wideHmaig sei, darum werde« acht Haldbände geschrieben, um am Schluffe mft einem Federstriche' alle entwickelten Ideen zu widerrufen? Wollte etwa George Eliot Hi ine nachahmen, der den Eindruck seiner ergreifendst» lyrischen Gedichte durch eine am Schluffe angebrachte Trivia» י lität zu verwischen 'sucht? Wir wollen das Urtheft de« unbefangenen Leser des Buches überlassen. Es läßt sich ja über die augenblickliche Realisirbarkeft der von der Dichterin entwickelten Ideen streiten, aber es bleibt einmal da» Borrecht *) Um s» freudiger begrüßen wir die soeben erschienen« Broschüre: ״Georg« Eliot und da« Judenthum" von vr. David K aufm««», ׳ (AuS de« April-Mai» Junihest der Frankel-Grätz'schen' Monatsschrift Verlag bei Loui» Gerschel, Berlin, 1 Marl.) Diese Schrift beleucht« völlig erschöpfend den Werth und dir Bedeutung de« Romane« und bringt in begeisterter Weis« die Würdigung desselben zum Ausdruck. Ts - ist nur der gebührend« Zoll de« Danke«, den der Vers, gewrß ft» Sinne ■; aller national gesinnten Jude» an George Eliot entrichtet. Sie wird darau« erkennen, daß sie sich nicht an ״Umvürdige weggeworfen", und daß sie in den Kreisen, an die st« sich vorz»g«weise wendet, mrlle« Btt« ־v stündniß für ihr« Idem vorgefunden. Vereinzelte Stimmen, di« — unjüdisch genug — in den Lhor unserer Gegner einfalen, werde» hieran nicht« Ludern. *־ Z. —:üL MW