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Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-31 · N° 22. (31.5.1877) · p. Seite 88

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 22. (31.5.1877)
Date
1877-05-31
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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km unfrigen mach««. Wenn die Bestreiter der Aechthellmit «Lern Nachdrucke urgiren, da» sog. MoseSlied verrathe schon U« Genüge seine nachmosaische Autorschaft, well es dir Besttzergretfung de» Lande» als bereit» erfolgt voraussetze, «eil «»ferner bereits Israel'« Schuld und Israel'» Strafe im Lande der Verheißung vor Augen habe; so. weist der Verfassex mit Siecht daraufhin, ״daß allen drei Versgruppen die allgemeine, ideelle Haltung gemeinsam ist," daß es den radikalen Kritikern nicht gelingt, ihre Angaben pofitio unanfechtbar zu hsspostafiren (ihre Hypothesen bezüglich der Abfassung des Liede» bewegen sich inmrerhalb eines Zeitraumes von nicht weniger als 600 Jahren), daß alle im Liede berührten Thatsachen nachweislich an mosaische Ereignisse anknüpfen. Der Verf. erweist bie» bi» zur EvLenz, indem er bis in's Einzelnste Bleeks, Ewald'» und Kamphausen's Hypothesen prüft und die erheblichen Schwierigkellen, wenn nicht gar die gänzliche lln- -Msfigkeit ihrer historifirenden Deutung klar legt. Bei aller prinüptellen Ueberstimmung mit dem Verf. empfinden wir es als einen wissenschaftlichen Mangel in seiner Schrift, daß er der Mühe fich überhebt, mit den radikalen Kritikern über die Nnthentie des Deutoronomium's sich auseinander zu setzen. Denn nur unter der Voraussetzung, daß der Deutoronomiker identisch ist mit dem Autor dä Tetrateuch'S ist es möglich, fich im Sinne des Verf. auf Deuter, e. XXX l zu berufen. .I«zweiten Theile dieser Abhandlurg spricht der Autor fich an» über ״die Textintegrität des' Mosesliedes auf die alten Uebersetzungen geprüft". Hier gelangt er schon zur Uckerzeugung von der uutergeordneten Bedeutung der text-kritisch ver- «endeten, allere« Versionen. Trotz der Arbeiten von Pxrles »nd Prager häll er »och an dem christlichen Ursprünge dir Peschllo unerschütterlich fest. Was H. F. nothigt, in dem «IlerdingS sehr schwierigen B. 5 abweichend von der Masorah gL, ju lesen, ist uns unerfindlich, da ja bei der willkürlichen Wortfllge des Hebräischen die dixstinctiven Nccente die Auffassung des Vers, gar wohl begünstigen. מומם erklären schon R. Samuel b. Meir und Nmhmanide» durch 02 ML, ohne deshalb mit dem Verf. anzuaehmen, diese Form sei durch Affimillation und Synkope entstanden, vielmehr das Suffix im objektivem Sinne deutend unter Berufung auf die Parallelstelle Lev. 22,25. Wenn H. F. in V. .10 trotz Masorab und Berflonen mit der tradirten Lesart nichts anzufangen weiß und dafür die Lesart vorschlägt: כתזא די.ילל ״ ישימוןbei der Gazelle die in der Wüste stöhnt" (id PK. 39); so mag da» sehr witzig oder gar geistreich sein. Wir finden hierin nur eine artige Probe von etwa» kühner Buchstaben- Permutation, aber nicht ein Beispiel von gesunder und nüchterner Exegese. Wozu Schwierigkeiten suchen, wo keine find, »nd noch dazu »nter der bedenklichen Berufung auf ein nur einmal im Pentateuch vorkommendes Wort? Die Worte, «ie-fie die Masorah verbürgt, find wohl verständlich, ja fitNationSgemäß und enthallen sogar nach unserem Gefühle eine Klimax, eine mit plastischer Anschaulichkeit poetisch ge- »alle und glücklich angedeutete Steigerung. Der Sänger spricht in V. 10 von der Wüste und ihren Schrecken. Beschleicht den Wanderer schon beim Betreten einer öden, dürrrn Steppe das Gefühl verzagler Bangigkeit, so steigert sich «llurgemäß diese Empfindung bei dem ״Tohu des Geheuls in der Wüste" bei der chaotischen Verwirrung und dem'Gefühle der Uaficherhell. hervorgerufen durch das Gestöhn unheimlicher Wüstenchiere. Im glühenden Steppensande vereinsamt und verlassen, schutzlos drohenden Gefahren ausgesetzt, deren Tragweite rächt zu bemessen, von der Anwesenheit der durch da» schaurige Geheul sich ankündenden Thiereit überzeugt, ohne zu wissen, ob die die Wüste belebenden Unge- Heuer dem Wanderer entgegeneilen oder im Rücken Unheil schwanger ihm anflauer»— da» ist wohl geeiguet, die! Schrecken d« Wüste deutlicher zu veranschaulichen. Wir legest die trotz dieser einzelnen Ausstellungen vortreffliche Arbeit de» H. F. aus dex Hand «ät dem Wunsche, den gediegenen, kritisth-exegetischeu Leistungen de» gelehrten ׳Verf. noch oft zu begegnen. vr. Immanuel Deutsch, Rabbiner. Am«««», vr. B. Die heilige Stadt und deren Be> wohner u. s. w. (Forts, v. Nr. 20.) ES gibt eine sehr umfangreiche Literatur über das heilige Land, aber von Juden haben wir nur zwei Werke, die hier in Betracht komme», da» eine von Munk, das andere von Schwarz. Aber M hat Palästina nie gesehen, und Sch. fehlte die Kenntniß der nicht-jüdischen einschlägigen Lüeratur. Lind dennoch zeigt sein soviel Neues und Wichtiges bietendes Buch, wieviel ein mit dem jüdischen Schristthum vertrauter und lange Zeit in Palästina wohnhaft gewesener Man n zu leisten vermag. Durch vr. Neumann erfahren.wir Verläßl ich es über den Zustand der Dinge, über die Tugenden und die Fehler unserer Glaubensgenossen in Palästina. Was wir bisher darüber hörten, trug offenbar den Stempel entweder der vorgefaßten oder voch der durch flüchtiges Anschauen erzeugten Meinung. L. A. Frankl — Montesiore — Montague und wer sonst uns seit dreißig Jahren Anklage oder Rechtfertigung, Verurtheilung oder Apotheose der Jerusalemer vorgetragen hat, sie haben Alle nach einem Aufenthalt von wenigen Tagen oder Wochen, nach dem, was man ihnen erzählt, und was man sie hat sehen lassen, vielfach auch nach dem, was sie sehen wollte n und mochtest, berichtet. Was aber in Reisebeschreibungen und anderen einschlägigen Büchern, die von Christen verfaßt sind, über die Juden in Palästina gesagt ist, anbelangt, das schilde rt vr. N. mit folgenden Zügen: Während der eine Reisende berichtet: ״die Juden sind reich und tragen sich am Sonnabend tesonders zierlich", sagt der andere : ״die Juden leben in Armuth und Schmutz". In dem einen Berichte findet man, daß die Juden sich durch Müßiggang auszeichnen; in einem andern liest man: ״der Jude ist geschäftig, er kramt auf einem wackelnden Steine Phantasiekram von so geringem Werthe aus, daß man darüber staunt; endlich verkauft er nur, um sich ein Stück Brod zu verschaffen, was er für ehrenwerther hält, als die Hand auszustrecken:" ein Dritter sagt': ״Hab- und Gewinnsucht befleckt die Juden in Jerusalem wie beinahe aller Orten"; oder: ״die Juden zeigen sich rührig, wo es darauf ankommt, etwas zu verdsenen": oder auch: ״ganz gewiß bleibt der Jude von Jerusalem immer Jude, und auch hier ist die Habsucht sein Abgott", während dann wieder die Meinung sehr verbreitet ist, daß die Juden in Jerusalem Müßiggänger seien und nur von Almosen leben. Mit diesen allgemeinen Bemerkungen über den Werch und den augenscheinlich wahrheitsgetreuen und verläßlichen Charakter des in dem Buche Gegebenen wollen wir jedoch nicht zugleich Erwartungen anregen, denen dasselbe nicht entsprechen würde, und die es nach der Absicht des Verf. auch nicht er- Wen soll. vr. Neumann bietet nämlich keinerlei neue Untersuchungen, Ermittelungen oder Feststellungen über bisher zweiselhaft gebliebene Punkte, über welche die Gelehrten, Archäologen, Exegeten u s. w. streite», über Fragen, deren es bekanntlich z. B. auf dem Gebiete der Topographie des alten und neuen Jerusalem :1. s. w. recht viele giebt. Im Gegenthell; wie das Buch schon äußerlich den gelehrten Anstrich dadurch meidet, daß es nicht eine einzige Anmerkung unter dem Texte bringt, so enthält es auch nichts von gelehrtem Apparat, von kritischen oder polemischen Erörterungen. Dafür ist es um so lesbarer, es ist ein bedeutender Vorzug, daß Jeder es mit Interesse und ohne Ermüdung durchlesen mag, (abgesehen von dem medicinischen Schlußabschnitt); auch die an sich trockensten Gegenstände,'wie etwa das Capitel über die Lage der Mauern und Thore des alten Jerusalem, siud so behandelt, daß sie sich gut lesen lassen. Und dabei fiud keinerlei Kunstgriffe angewendet, um etwa durch pikante Bemerkungen, Amüsantes, Anekdotisches u. d. m. das Nüchlerne zu würzen, sondern es ist eineStheils der Eindruck des Selbstgesehenen und Erlebten, anderenteils das überall durch- ' schimmernde eigne warme Interesse des Verf. an dem Beschriebenen, was auch die fraglichen Partien des Buches mehr als bloS genießbar macht. (Schluß folgt.) i xßv. ^■manttcv *jcmiqy, awoqingr._uun? yunpw» 1 fe. vchärukr m «ardy. ««tag von Stöbert Aries« in Leipzig. Sa«

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