Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 22. (31.5.1877)
- Date
- 1877-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IM SS. מויי״ייומיי VI. Jahrgang.1 Zur Beieuchtimg aller Juden- Ihn« «. Juden betreffenden titecarischen Srffcheimmgen auf dem Lebtet» drüPhil»s«phie,Leschichte,«thnograPhie,Sheslogic, BrirntaUa, Sxrgese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahme». Magdeburg, 31. Mai 1877. Bücher »er einschiügige« Literatar, welche der «e». de» ״Iü». KiteraturbiaU" in Magdeburg («der »er,L»raei. W«chenschr.» in Stettin);»gesandt »erde», finden in diese« Watte eingehende Besprechung. Das ״IAH. £it*tatar6(4tt" erscheint wöche ntlich einmal: Preis pro Jahrgang.8 Mark, mit der ״Israelitischen Wochenschrift": 10Mark * Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direkte Bestellung bei der Expedition der ״JsraNitische« , ך Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserat« werden mit!20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet, 1 Inhalt.!kurze Abhandlungen: Die Juden in ״Daniel Derostda". Die halachische Lehrweise des Rabbi Elieser ben Hprkanos. Ueber den massoijethischen Scheidestrich (P’sib) und Scheidepunkt (Dageech). { Literaturbericht. 1 Recensionen. Flöckner, l)r. tdeol. Carl. Zur Authentie und Integrität des Mosesliedes. — Neumann, Or. B. Die heilige Stadt und deren Bewohner u. s. w. Die Jude« in ״Daniel Deron-a". (Fortsetzung.) Mit den in der Llubsitzung ausgesprochenen Ideen Mardochai's hat auch das Gedankliche des Buches segnen Höhe- Punkt erreicht. $>iej weitere Entwicklung der Handlung könne n wir nun in kurzen Zügen zusammenfassen. Nach jener Sitzung erzählt Mardochai dem Freunde seine Jugendgeschichte, aus welcher zu Deronda's freudigem Erstaunen hervorgeht, daß Mardochai, der auch Esra Mardochai Cohen hieß, kein anderer sei — als der gesuchte Bruder Mirah's. Die Wieder- Vereinigung der beiden Geschwister durch Deronda, vollzieht sich in einfacher und doch tief ergreifender Weise. Unangenehm berührt nur das rohe Wesen des Hausherrn Esra, der auf die Mittheilung Deronda's, daß die Schwester Mardochai's gefunden sei, mit denf Fragen herausplatzt, ob sie verheirathet sei und sicheres Einkommen besitze. Das ist sicherlich gegen alle jüdische Art und Empfindungsweise. Die Verfasserin ist hier in ihrer Schilderung des häßlichen Erwerbssinnes, der sich bej manchen Juden zuweilen in komischer Weise äußert, offenbar zu weit gegangen. — Auch Deronda's Abstammung wird bald enthüllt. Eines Tages übergiebt ihm Lord Mallinger einen Brief, in welchem ihn seine Mutter nach Genua beruft. Sie eröffnet ihm, daß sie die Tochter eines jüd. Arztes sei und - in erster Ehe mit ihrem Vetter verheirathet gewesen. Dieser Ehe war Daniel Deronda entsprossen. Als jedoch sein Vater starb, wechselte sie ihren Glauben und überließ das zweijährige Kind und dessen reiches Erbe ihrem Verehrer Lord Mallinger. Ihr stürmisch bewegtes Leben hatte ihr keine Zeit und keine Neigung zur. Erziehung ihres Kindes gelassen. Zum zweiten Male hatte sie sich darauf mit einem russischen Fürsten vermählt. Jetzt, da sie nun altert und mit sich und der Welt zerfallen ist, ssthlt sie sich durch Gewissenspein gedrängt, - ihrem Sohne das geistige Erbe seines Großvaters — eine Kiste mit Manuskripten — auszuliefern. Sie selbst kann ihm nichts bieten, ihr Herz hat für mütterliche Liebe keinen Raum. Diese von dämonischer Leidenschaftlichkeit erregte Frau soll in dem Romane offenbar den schroffsten Gegensatz zu dem Character Mirah's darstellen. Mirah ist von ihrem Bat« in religiöser Unwissenheit und unter Mißachtung ihres jüdischeu Ursprunges erzogen worden und dennoch hängt sie mit! allen Fasern ihres Herzens an ihrem Stamme und findet Alles ' schön und gut, was sie immer bei ihrem Volke sieht. Deronda's Mutter ist in strenger, religiöser Zucht ausgewachsen, aber sie haßt das Judenthum, denn sie hat ein liebeleeres Herz, voll Selbstsucht und Eitelkeit. ״Ich sollte Ehrfurcht empfinden" — eifert das leidenschaftliche Weib — ״vor dem Pergarnentstreisen in der Mesusa über der Thür; mich davor ängsten, daß ein Stück Butter ein Stück Fleisch berühre: es schön finden, daß Männer ' sich! die Tephillin um ben Arm r bänden, und Frauen nicht .!. . . Ich sollte stets daran denken, waS Israel gewesen sei! und ich dachte an die wette WÄt , und Alles, was ich in derselben vorstellen könnte." Sie kann es nicht fassen, daß ihr Sohn, ein englischer : Edelmann, sich freut ein Jude zu sein und die Pflichten übernehmen will, die seine Gehört ihm auferlegt und sie kann hierfür keinen anderen Beweggrund finden, alj die Liebe z« . einer Jüdin. Deronda erklärt, daß ein solches Motto auf seinen Entschluß keinen Einsiuß üben könnte, doch muß er, durch die stürmische Frage feiner Mutter gekrängt, ihr und sich selbst gestehen, daß er Mirah wirklich liebe. Jetzt erst,. da jede Schranke zwischen ihm und Mrah gefallen ist, wird er sich seiner Liebe zu ihr klar bewußt. Der geschürzte Kuote» löst sich nun rasch. Auf den Fittigen der Ungeduld eilt De- . ronda nach England, macht Mirah, deren Herz ihrem Lebensretter von Anfang an gehörte, zu seinem Weibe und gewährt Mardochai auf dem Sterbebette den Trost, daß er sein geistige- Vermächtniß antreten und Alles versuchen werde, um seine Hoffnungen zu erfüllen. Zu diesem Zwecke reist er mtt Mrah nach Palästina. Damit endet das Buch. Endet? werde» : Manche verwundert fragen. Stehen wir denn nicht erst am , Anfänge des Romanes? Was war das wettere Schicksal des Deronda seine Pläne verwirklicht? ״ Mrah die Krone von Palästina ähnliche Fragen müssen wir uns von junge», neugierigen Lesrrinneu allerdings gefaßt mache». Weniger Erwartet haben, nur, daß ein ernster Krttiker, wie : jungen Ehepaares? Hat Ist es chm gelungen, seiner aufzusetze»? Auf solche und -.rl־ ,4.. JLii