Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 20. (17.5.1877)
- Date
- 1877-05-17
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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80 1 schlagen, der eben so rasch dar Semüth der Lesers gewinnen »ird, wie er die LufmerksamkeU de- Zuhörergefesselt hat. Mit der schwungvolle» Kraft der Sprache verbindet der Lerf. die Tiefe der Anffaffung. die ihn überall in seinen literar. Arbeiten anSzeichnet. Natürlich muß Jehuda Halewi nach zwei Richtungen hi» betrachtet werde«: nach seinem Dichten »ud Docken. Auden Gedichten Jehuda Halewi'S giebt uns der Lerf. mehrere Proben nach llebersetzungen rumeist von Sach-, Seiger und Kämpf. Leider bieten dieselben nur einen schwachen Nachhall von der wunderbaren Kraft und Schöne de- Originals. S« glücklichsten war noch Sachs . in dem Streben, die Dichterklänge Jehuda Halewi'S in fremder Sprache au-tönen zu lassen. Die Gedichte Jehuda H-lewi's haben aber außer dem poetischen auch noch einen historischen Werth, indem sie uns sowohl in da- Lebe» de- Dichterals auch in seine Zeitverhältniffe Einblick gewähren. Mt scharfem Blicke hat hier der Lerf. in manchen bisher unbeachtet gebliebenen Aeußerungen Jehuda Halewi'S werthvolle Aufschlüffe entdeckt, die manches bisher Unaufgeklärte erhellen. So scheint es uns durchaus wahrschei»lich. daß di« Sekbftanklagen Jehuda Halewi'S, die sich öfters in sein« Gedichten wiederholen, darauf hindeuten, daß sich der Dichter in einem Zustande des zweifelnde» UnglaubenS befunden habe, aus dem er sich erst spät emporgerungen. Die» erst würde seinen Entschluß, in Jerusalem sein Lebm als Büßer zu beenden, vollkommen motioiren. (Anh. V.) An einer Stelle jedoch scheint uns der Berf. zu viel beweisen zu wollen. Aus den S. 31, Anm. 4 angeführten Stellen gckst blos hervor, ״daß Juden den Sonntag der Christen und den Freitag der Moslems» statt ihre- SadbathS geeiert haben*. Dies aber rechtfertigt noch durchaus nicht die vom Berf. im Texte aufgestellte Annahme, daß ״nicht All« die Kraft besaßen*, die an sie herantretenden ״Bekehrungrversuche zurückzwveisen" — so wenig, wie die ähnlichen «erhältniffe unserer Zeit auf erfolgreiche Bekehrungsoersuche zurückgeführt werden können. Die Uebersetzung des BerseS, dem der Berf. Note 2 wid- »let, ist ihm wohl nur in der ersten Hälfte gelungen. We- Niger glüöllich scheint uns die Erüärung der zweiten Vers- Hälfte zu sein. Rach dem Berf. soll חידה das Räthsel bedeuten. ״daS die Erinnerung an den gesiebten Enkel dem sehnsüchtigen Dichter zu rachen aufgiebt* — eine Auffaffung, die nicht minder dunkel ist, als der BerS selber, der unseres Erachtens nach wie vor ein ״Räthsel* bleiben wird.*) In lichtvoller Darstellung behandelt der Berf. die zweite Seite an Jehuda Halewi^ seine Philosophie. Es ist besonders verdienstlich, die Weltanschauung Jehuda Halewi'S populär zn machen, und den nationalen Geist, der in chm weht, in das Herz des Volkes zu tragen- Die nationale Seite ist auch — wie der Berf. mit Recht hervorhebt — das Eharakteristische an Jehuda Halewi. Während die übrigen jüd. Denker des Mittelalters sich von der griechischen Schulphilosophie nicht losmachen können, bewegt sich Jehuda Halewi'S Weltcmschauung durchaus unter jüdischem Horizonte. Treffend bemerkt der Berf.: ״ES war nicht eine gewaltsame Ausgleichung zwischen Religion und Philosophie, es war die Philosophie seiner angestammten Religion,-was Jehuda Halewi lehrte". Obwohl der Verf. sich in dem engen Nahmen eines Vortrages darauf beschränken mußte, nur die Hauptmomente der Philo- ר Dir 6t«1e lautet: ואח לי בלעדי 1121 לחידה• *f־״ üterfetzt: ״Und M Sedenlen «ich allein beschäftigt."' Envägt man, »ah ז3וד, hier wir •tob, 3,16, soviel wie ״Kamt" sbrdeuten kann, so scheint »er Dichter «it ״* חילהf seine Gleichnamigkeit mit dem Endel Hinweisen zu «eLen; wirwürden übersetzen: ״Und dessen Rame mir Dmn Wortspiel nur -«Hieben*. Di« חידה selbst bringt ja der Dicht»r in der zweiten Hülste >de» folgenden «erse«: ואיד יש2ח יהודה יי»® ■את יהודה Hrn. Pros. L»«pf thut der «erf übrigen« (in derselben Note) Unrecht. Dir. anges. Hebers. ״Der meine« Haupte« StrohtadcM* —" ist ja nicht dt« de« betr. hebr. Berse«, der seine Uebersetzung erst in der jchgeaden Strebe findet; freiüch bleibt da» ■ף sophie Jehuda Halewi'S zu berühren, so wird doch der Kenner auch manche neue, auf eingehende, selbstständige Forschung sich gründende Resusiate darin finden. Besonders intereffant ist der Hinweis auf die Abhängigkeit Jehuda Halewi'S von Gazali. was der Berf. in seinem unter dem Drucke befindlichen Werke: ״Geschichte der Attributenlehre" u. s. w., auf das er sich öfters beruft, näher darlegen wird. Zu S. 24, Anm 4 müssen wir ergänzend hinzufügen, daß die daselbst von Maimonides (Jad Hachasaka H. Melachim 11. 4) angeführte Ansicht über Christenthum und Judenthum in den meisten Ausgaben des Fad H. gänzlich fehsi. Nur die Amsterdamer Ausgabe (1702) enthält sie in vielfach verstümmelter Gestalt. Dagegen ist sie in der ed. pr., die sich in der Bibliothek des jüd. theosi Seminars in Breslau befindet, am ausführlichsten erhalten, und stimmt bis auf einzelne Worte mit dem Citate Nachmani's (Differtation ed. Jellinek p. 5.) überein. Cassel, Cusari S. 337, Anm. 3 bringt eine Uebersetzung der höchst intereffanten Stelle. Bgl. auch Jellinek a a. O-, Anm. 1. Der Berf. hat wohl daran gethan, seine gelehrten Untersuchungen von der Charakteristik streng zu sondern, wodurch die Schrift auch weitern Kreisen zugänglich wird. Möge dieselbe die allgemeinste Verbreitung finden, die sie verdient, und so zur Kenntniß unserer Geistesschätze, so wie zur Hebung des nationalen Gedankens das ihrige beitragen! vr. B. Z. Aenwan», Dr. B. Die heilige Stadt und deren Bewohner in ihren naturhistorischen, culturgeschichtlichen, socialen und medicinischen Verhältnissen. Hamburg 1877. Wir haben das Neumann'sche Buch für ein so wichtiges und zeitgemäßes gehalten, und es hat auf uns alsbald beim ersten flüchtigen Einblick einen so günstigen Eindruck gemacht, daß wir, gleich nachdem es die Presse verlassen hatte, .die Leser der ״Jsr. Wochenschr." (Nr. 11) darauf aufmerksam gemacht und es zur Anschaffung empfohlen haben Wir wiederholen zunächst diese Mahnung um so dringlicher, als der Berf., als Chefarzt des Hospita ls Mayer Rothschild zu Jerusalem, fünfzehn seiner besten Lebensjahre, seine Gesundheit und fast sein ganzes Augenlicht dem Dienste der Armen und Kranken in Jerusalem geopfert hat. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen.*) Wenn wir das Werk als ein zeitgemäßes bezeichnet haben, so gingen wir von folgender Erwägung aus. Zu dem nunmehr entbrannten russisch türkischen Krieg hat zwar nicht, wie das früher geschehen ist, die Frage der ״heiligen Stätten" den Anlaß oder auch nur den Vorwand geliefert, aber es ist doch fast mit Sicherheit anzunehmen, daß jene Frage bei dem künftigen Friedensschlüsse wieder auf die Tagesordnung kommen wird, und das um so sicherer, als am Schlüsse des bevorstehenden Blutvergießens gewiß nicht einfach der Status qao ante im türkischen Reiche wird hergestellt werden. Und dabei werden die Verhältnisse der Israeliten in Palästina ebensowenig unberührt bleiben, wie die Thätigkeit der Glaubensgenossen in allen Ländern für jene. Ist doch, wie den Lesern bekannt, die Frage wegen der Unterstützung und Hebung der Juden in Palästina ohnehin wieder in Angriff genommen worden. Ob der Krieg zunächst fördernd oder hemmend darauf wirken werde, steht dahin, aber am Ende wird Neues sich zeigen und erwachsen müssen. Somit ist ein Buch, welches uns Belehrung über Land und Leute in Palästina und speciell in Jerusalem bietet, und vo'n einem Manne geschrieben ist, dessen Urtheil sich aus äußeren und inneren Gründen als eine verläßliches documentirt. höchst erwünscht. (Fortsetzung folgt.) *) Zu haben beim Berfaffer, Hamburg. Holstenstraß« 3. Pr. 10 RI. a Dr. K. 9ta|mcr. Druck von d Scharnk« in varby. Bertavon xuben tftiefe ,n Leipzig.