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Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-03 · N° 18. (3.5.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 18. (3.5.1877)
Date
1877-05-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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-»r B«t«»cht»ug alltr Daieathu« a. )«int ietreffeaiea Uterarischea Lrscheinaagea aas ie» Gritete ierPHU-s-phte.Teschichtr,Liha-graptzie^heota-it, Drieatatia, <^:^ese, Hoatitetik, Lttargik, Ptia<agii. I _y Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer Magdeburg, S Mat 1871 Bicher ier eiaschtäßigea Litrratar, »eiche irr «ei kn IiU . iHnratarüatt“ ia Magietzarg (-»er »er ״Jaraet. »acheaschr." ia Strttta) sagesaait tatrtaa, finita ia iicfna Matte eias'heaie Brsprechaaz. ^___y DaS ״Jüd. 8itrtrtt«rM4tt״ erscheint wöche ntlich einmal: Preis pro Jahrgang N Mart, mit der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen (in Leipzig durch Robert Friese), oder durch fcittrte Bestellung;bei der OxpHttton.der ״Israelitischen Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserate werden mit! 20 Ps. für di« dreigespalten« Patitzeile berechnet! Inhalt. Nurze Abhandlungen: Die Juden in ״Daniel Deronda". Der Stifter de- Lhristenthums in seiner neuesten Biographie.!Bon vr. I. S. Bloch. Ein Sturm in einem Glase Wasser. Bon G. Wolf.! Literaturbericht. DaS Hohelied. — Nachtrag zu Nr. 15. Literarische Anzeigen. Die Juden in ״Daniel Deronda". m. Auf Deronda mußten diese Aeußerungen Mirah's, deren Zeuge er war, wie eine neue Entdeckung wirken. Er hatte sich bisher wenig um die Juden bekümmert, und was er von ihnen gesehen und gehört, hatte ihn zumeist abgestoßen. AngefichtS der Hoheit der Gesinnung und Gesittung jedoch, die das unbefangene Gemüth Mirah's kraft ihrer jüdischen.Empfindung beseelte, konnte er sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß seine bisherige Ansicht über daS Judenthjum auf U nw i s s e n h e i t beruhte. Hiermit hat die Dichterin die wahre Quelle aller Voreingenommenheit gegen das Judenthum aufgedeckt. Denn starrt uns etwa aus dem grimmigen Judenhasse des Mittelalters etwas Anderes entgegen, als die hohläugige Unwissenheit? Und spricht denn aus jeder Zeile der modernen judenfeindiichen Flugschriften etwas Anderes, als die krasseste Unwisienheit über jüdische Dinge? Ja, es ist nur eine gerechte Sühne, die vor dem Richterstuhle der Wahrheit sich vollzieht, und von der die Juden mit Genugthuung Act nehmen, wenn mitten aus der Christenheit erleuchtete Geister, wie S ch l e i d e n und George E l i o t, mit dem offenen Bekenntniffe hervortretcn: Die bisherige Ansicht der Christen über das Judenthum beruht auf Unwissenheit. Das deutsche Volk bekommt allerdings von der Verfafferin ganz unverblümt^ noch herbere Wahrheiten zu hören. So wenn sie sagt: Karl der Große hat italienische Inden (die Familie Kalonymos) nach Deutschland kommen lassen, ״um den ungehobelten deutschen Brüdern einen Anstrich von Bildung beizubringen ... die ganze deutsche Bildung nährt und mästet sich von jüd. Gehirnen — die freilich nicht immer ihr jüdisches Herz bewahren." Die Dichterin begnügt sich aber nicht blos damit, daS Unrecht nachzuweisen, sie zeigt auch, wie es noch gut zu machen sei, indem man den Geist des Judenthums in der Synagoge, in der Familie und in seinem Schriftthume aufsuchm müffe, um sich ein gegründetes Urtheil über die Juden und chre Religion zu bilden. So that nun auch Deronda, nachdem Mirah's Auftreten sein bisheriges Vorurtheil gegen! das Judenthum tief erschüttert hatte. Bei seiner Anwesenheit in Frankfurt besucht er daselbst an einem Sabbathabende di« Synagoge, wo er von dem einfachen und doch so erhebenden Gottesdienste einen Eindrnck empfängt, den die Dichterin mit Worten schildert, die jedejüdische Gemüth auf's Tiefste Mitempfinden wird: ״Der Gesang der mächtigen, weithin j schallenden Stimme des ChazanS oder Borbeters mit seinem Anschwellen von Monotonie - zu plötzlichem Geschrei, der Schäll lieblicher Knabenstimmen von der kleinen Horgallerie, das andächtige Vor- und Zurück»«» gen der Leibch der Betenden, die schmucklose Gewöhnlichkeit des Gebäudes und die Armseligkeit der Scene? wo ein Rationalglaube, welcher das Denken der halben Welt durchdrungen und die herrlichen Formen der Religion dieser Welt geprägt hatte, einen ferneren dunklen Widerhall fand — alles dievermischte sich ihm als ein einziger Ausguck einer tragischen und doch glorreichen Geschichte. Er wundert sich über die Stärke seines eigenen Gefühls; dasselbe erschien ihm mächtiger als die Gelegenheit, welche & hervorrief — gleich einem göttlichen Einstrsmen in der Dunkelheit, ehe noch eine Äifion zu deuten war. ' Die ganze Scene war ein zusammenhängende- Lied, der Refrain desselben ein leidenschaftlicher Schmerz, den er, wenn er die Liturgie für de» BersöhnungStag gekannt hätte, in den antilhetischen Refrain desselben hätte kleide» können: ״Glücklich das Auge, das alle diese Dinge sah; aber wahrlich nur von ihnen zu hören, betrübt unsere Seele. Glück» lich daS Auge, das unsern Tempel und die Freude unserer Gemeinde sah; aber wahrlich nur von ihnen zu hören, betrübt unsere Seele. Glücklich das Auge, das die Finger sah, welche jegliche Art von Liedern anstimmten; aber wahr» lich nur von ihnen zu hören, betrübt unsere Seele". Das war der Eindruck, den Deronda in der Synagoge erhalten. Und die Familie? Nun, eS ist nichts weniger als eine jüd. Mustersamilie, in die die Dichterin den auf das Studium des jüd. Wesens ausgehenden Deronda einführt. Der Pfandleiher Esra Cohen — in welchem Deronda den gleichnamigen Bruder Mirah's vermuthet, was sich aber als irrig herau-strllt — ist ein geschwätziger Prahlhans, der sein Geschäft,mit nicht enden wollender Berchtsamkeit anpreist — eine ächte Schacher», seele. Als aber Deronda an einem Sabbathabende die Fa» mtlie Esra'S besuchte, da ward er von dem anmuthigea Fa-

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