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Das jüdische Literaturblatt · 1877-03-29 · N° 13. u. 14. (29.3.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 13. u. 14. (29.3.1877)
Date
1877-03-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 13. u. 14. Das Zur Leleuchtang aller Judenthum u. Juden betreffenden literarlscheu Erscheinungen auf dem Gebiete derPhitosophie.Geschichte, Ethnographie,Lheologie, prientalio, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di׳. Moritz Rabiner. ׳«> <4- Magdeburg, 29. März 1877. Löcher der einschlägigen Literatur, welche der Krl de» ״Ink. fiter«turblatt" in Magdeburg (»der »er 49»rarl. Wocheischr." in Stettin) zngesandt »erden, finden in diese» Platte eingehende Lesgrechung. Das ״Jüd. Literaturblatt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 5 Mark, mit Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direete Best. Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene *tütjetle bepechnet ber ״Israelitischen Wochenschrift": KO Mark, ellung bei der Expedition der ״Israelitischen Inhalt. Kurze Abhandlungen: Tic Juden in ״Daniel Deronda". Ein Sturm i1׳ einem Glase Wasser. Bon G. Wolf. Zwei schwierige Bibelstellen. Erklärt von Dr. L. Treitel. Bemerkungen zur hasmonäischen Münzsragc. Don Dr. Merzbacher. Noch eine Erklärung zu Exod II, 7. Lit er a turberich t : Schriften des Israelitischen Literaturvereins.— Recension über eine Predigt. Literarische Anzeigen. Die Juden in ״Daniel Deronda .*) 1. , Seitdeni Leising seinen Nalhan den Weisen geschrieben, ist dem Judenchume von christlicher Seile noch nie eine so warme und uneingejchränkie Würdigung zu Theil geworden, wie es in dem oorliegcnven Buche geschieht. ״Daniel Derouba" ist eine schriflstellerische Thal, um so bedeutungsvoller in einer Zeit, in welcher die Hepp-Hepp-Ruse immer lauter und lauter ertönen. Doch was wollen die Rohling'schen und ähnlichen Schmähschriften der jüngsten Zeit, in denen Unwissenheit und Fanatismus um die Palme ringen, einen! Buche gegenüber bedeuten, das auf vielseitige Studien der jüdischen Literatur und auf eingehende, liefe Beobachtung des jüo. Familieiilebens gegründet ist? Ja, es ist wahrhaft erstaunlich, welch' umfassende Kennlniß des gesammten jüd. Schriftthuins die gefeierte Schriftstellerin Englands in ihrem neuesten Werke bekundet. Daß sie eine reiche Bibelkenntniß besitzt, wollen wir nicht erst hervorheben: das ist bei einer Engländerin selbstverständlich. Aber sie weiß biblische Erzählungen in einer Weise auszulegen, die einem jüd. Prediger alle Ehre niachen würde. Folgendes Beispiel möge dies zur Genüge darlbun: ״Sein Gebühren war nur die Form eines Ringens vor Tagesanbruch, das inanche Jünglinge seit dem Erzvater Jakob mit mehr oder weniger schmerzhafter Quelschuug 'oder gar Lähmung durchmachen mußten" Nicht selten begegnen wir hier Citaten aus dem hohen Liede oder aus den Psalmen, und stellenweise klingt die ganze Diction an die prophetische Redeweise an. Ebenso kennt die Verfasserin nicht blos die Schriften über Talmud, Midrasch und Kabbala, sie überrascht uns auch hier durch tiefsinnige Auslegungen, wie an folgen- *) Daniel Deronda by George Eliot. IV Vol. Edingburgh and London, William Blackwood and 80ns. MDCCCLXXVL Daniel Deronda. Bon George Eliot. Deutsch von Adolf Ltrodtmann 8 Halbbände. Berlin, Gebrüder Partei. 1376. 1 der Stelle: ״Der Allgegenwärtige", sagte ein Rabi, ״beschäftigt sich damit Ehen zuj schließen." Die Leichtfertigkeit diese- Ausspruches liegt im Ohre dessen, der ihn hört, denn unirp den Ehen verstand der, welcher ihn vorbrachte, all die wuuderbaren Verbindungen des Universums, deren Resultate tmsek Gutes und Böses bewirken." Die Verfasserin kennt die Glanz- Periode der spanisch-jüdischen Dichter- und Philosophenschule,- Jbn Gabirol und Jehsida Halevi sind ihr vertraute Freunde« .und wie tief sie in das philosophische System des Letzter« eln> gedrungen ist, zeigt die nachfolgende Stelle, in welcher sie in kurzen Zügen grundlegende Gedanken aus dem Kusari darzustellen versteht: ״Es ist wahr, was Jehuda Halevi zuerst gesagt hat. daß Israel das Herz der Menschheit ist. wenn wir unter Herz das Band j tiefster Zuneigung, welche >• eine Ra« und ihre Familien niitj einander verknüpft, lind das Zartgefühl verstehen, welches barmherzig gegen den Armen und Schwachen und gegen die stumme Creatur ist, die das JoH sür uns trägt"! [ J Braucht es noch gesagt zu werden, daß die Verfasserin die neueste jüdische Literatur vollkommen beherrscht? W» hätte ihr denn sonst die Ergebnisse unserer alten Literaturvermittelt, wenn nicht die Werke von Zunz. Grätz. Sachs und .Deutsch? Zunzens monumentale Eingangsworte zu dem Lapitel ״Leiden" (Synügogale Poesie) zieren als Molto eineü ־ der Hauptabschnitte des Buches. Auf wissenschaftliche Studien gründen sich überall ihre richtigen, sachgemäßen Urtheile. Höiren wir, was sie über Spinoza sagt: ״Baruch Spinoza hatte kein treues jüdisches Herz, obschon er das Leben seines Geistes an den Prusten jüdischer lleberlieferung. eingesogen hatte.*) Er legte die Nacktheit seines Vaters bloß und sagte: ״Di«, welche seiner spotten, haben die höhere Weisheit." Was uns aber zu besonderer Bewunderung herausforderu muß, das ist die innige Vertrautheit der Verfasserin mit der Men Liturgie^ aus der ihr die Benedictionen des Achtzehngebetes ebenso g«- läufig sind, wie die (Pijutim am Versöhnungstage. Es ist b«- zeichnend, daß zu eineir' Zeit, in welcher ein Theil der Juden i *) Und doch muß man in den anläßlich seines zweihundertjährig(« Todestages erscheinenden Biographien Spinoza's lesen: Baruch Spinoza habe dem Judenthuine Nichts zu verdanken; ״nur durch sich selbst wurye er das, wofür ihm unvergänglicher Ruhm gebührt" (״Gegenwart" (1877 Nr. 8), als hätte Joel seine Untersuchungen über Spinoza in den! geschrieben.

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