Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 12. (22.3.1877)
- Date
- 1877-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Me 12. Zur Beleuchtung aller Jude»- thum u. Juden betreffenden literarlschrn Lrscheinungen aut dem Lediete der Philosophie,Leschichte,Ethm>grapl>i»,Lhealogie, -rientaU«, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. :Kj. - \rS .fr -7 H VI. Jahrgmig. Herausgegebcn von Rabbiner Di*. Moritz Na bin er. Magdeburg, 22. Mär; 187?. Dächer der einschlägigen Meratnr,weiche »er Km. de» ״Di». KiteraturdlaN" in Magleknrg (oder »er ^Jornel. Mochekschr." in Stettin) silgrsandt werden, finden in diese» Matte eingehende Besprechung. Das ״Jiid. SiUtatutblatt“ erscheint wöche ntlich einmal; Preis pro Jahrgang ß Mark, mit der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Mack. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direkte Bestellung bei der Expedition der ״Jsraetitische» Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserat« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Betitzeile berechnet. ן Inhalt. Kurze Abhandlungen: lieber die Entwickelung der jüdischen Religionsphilosophie. Von Landrabbiner Dr. Guttmann. IV. Zur hosmonäischen Münzfrage. Bon Dr. F. Rosenthal, Rabbiner zu Beuthen O/S. Literaturbericht: Recensionen: kloeckoer, Carolas, De carminun, in libro. — Herzberg, W-, Eine Osternachc. Replik. Literarische Anzeigen. Ueber die Entwicklung der jüdischen Neligionsphilosophie. Bon Landrabbiner Dr. Guttmann. IV. Die jüdisch-alexandrinische Philosophie ist eine isolirte Erscheinung auf dem Gebiele des Judenthunls geblieben. In flüchtigem Liebesrausche hatte sich das Judenthum dem Griecheuthume hingegeben, ohne jedoch von diesem in seiner Gleichberechtigung anerkannt zu werden. Als ein Kind der Liebe ist die jüdisch-alexandrinische Philosophie hervorgegangen aus einer Vereinigung, die, ohne innere Uebereinsiinimung ge- ,schlossen, nachdem der Rausch verflogen, kaum die Flitterwachen überdauerte. Die Bedeutung eines wesentlich mitbestimmenden Faktors in der Fortbildung des jüdischen GeisteslebeNs, eines auf die weitere Entwicklung des Judenthunis nachhaltig einwirkenden Momentes hat die Misch-alexandri-^ Nische Philosophie nicht erlangt. Tie weilschichtige lalmudische Literatur mag immerhin, wie Freudenthal jüngst nachzuweisen unternommen hat, auch einige versprengte Elemente des Alexandrinismus in sich ausgenommen haben, auf die Gesammtrichtung der jüdischen Geistesentwicklllng aber sind dieselben sicherlich ohne Einfluß geblieben. Tie jüdisch-alexandrinische Philosophie ist fast spurlos am Judenthum vorübergegangen, nicht einmal die Wirkung hat sie gehabt, dem philosophischen Forschungstrieb innerhalb des Judenthums eine dauernde Anregung zu gewähren. Will man die Spuren des jüdischen Alexandrinismus verfolgen, so muß man seine I Ausmerksanlkeit den letzten Ausläufern der griechischen Philosophie zuwenden, die Literatur des Urchristenthums läßt sie deutlich hervortreten, im Judenlhum aber verlaufen sie sich, ohne jenials wieder zuin Vorschein zu kommen. Tie jüdisch alexandrinische Philosophie konnte auch ihrem ganzen Wesen nach nur eine ephcnrere Erscheinung im Judenthum bilde». In ihrer consequenten.Fortentwicklung nämlich hätte die hier eingejchlagene Geislesrichtung nothwendig zu einer Verflüchtigung der jüdischen Religioi iswahrheiten, zu einer Loslösung von dem Badendes p o s i t i v e n; ZudeijthumS führeu müssen. Eine organischeVerschmeljung zweier von so heterogenen Grundbegriffen ausgehenden A eltanschauunge«, wie die des Judenthums und des Hellenismus, konnte ja überhauMniemals gelingen, immer würde die ehne dcjs Urbergewicht über die andere erlangt und dieselbe jdanp entweder gänzlich verdrängt oder wenigstens, so weit als möglich, sich selber zu assiiniliren gesucht haben. Die griechische Philosophie in ihrer klassischen Vollendung und der allseitigesi Durchbildung ihrer Begriffe aber war gegenüber dem im philosophischen Denken noch völlig ungeschulte» Juventhu» so sehr in ihrenl Vortheil, daß der Ausgang eines solchen EntwicklungSprocesses kaum zweifelhaft sein konnte. Der Lehrinhalt, des Judenthums hatte noch lange nicht die straffe, gedankliche Fassung, die begriffliche Bestimmtheit erlangt, um sich init irgendwelcher Aussicht auf Erfolg einem Gegner gegenüberstcllen zu können, dem eine spielende Gewandheit im Gebrauch qiner glänzenden Dialektik gerade im Kampfe Um allgemeine Begriffe eine ungewöhnliche Ueberlegenheit oerli^. Die systematische Erforschung der jüdischen Religionsquellen, die genaue Fixirung der in der biblischen Literatur enthaltenen Religionsbegriffe stand damals noch in ihren ersten Lnsängen und hatte noch einen weiten Weg zurückzulegen, i>is sich aus ihr eine specifisch jüdische Weltanschauung mit solcher Bestimmtheit herausgebildet hatte, daß sie eine nnoerrückdqre Grundlage für philosophische Spekulationen abgeben dem Eindringen einer fremden Weltanschauung siegreich Widerstand leisten konnte. Hatte dieser Mangel einer festen llingrenzung der jüdische« Religionsbegriffe sich doch bereits bei Philo in verhängnißvoller Weise geltend gemacht und dortzü' einer Unideutung biblischer Anschauungen iu abstrakte Begriffe der griechischen Philosophie, zu einer Vermischung des Inden ׳ lhnms mit griechische« Lehrmeinungen geführt, die in fortschreitender Entwicklung die Besonderheit des jüdischen Geistes ausz^iheben und die Grundlagen des Judenthums in unhtil-- volles Schwanken zu bringen drohte. War mithin die jüdisch-alexandrinische Philosophie schon an und für sich einer Fortbildung auf den! Boden des Iu- ׳ denthums kaum fähig, so trat die Ungunst der allgemeinen politischen Verhältnisse noch hinzu, uni jede etwa noch Nor-