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Das jüdische Literaturblatt · 1877-02-22 · N° 8. (22.2.1877) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 8. (22.2.1877)
Date
1877-02-22
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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^׳ד־^זיייי^ימז 1 י *7> — 512 Wt zur ErmÜtelung vou Thatsuchen ausgewiesen haben, so ist dies auf dem Gebiete des die Römerherrschaft in Indäa umspannenden Zeitraumder Fall. Die großartigsten Lraftanstrenguitzzen, die heidenmülhigsten Kämpfe des jüdischen Volkes find nur von Feinden und verdächtigen Zeugen uns überliefert worden, nur Trümmer, Bruchstücke oder Sagen enthalten die heimischen Quellen über jene Zeit. Zunzens treffend bitteres Wort von der Nation in parti bus, die keine Geschichte schreibt, kommt einem in den Siun, wenn man die Dürftigkeit unserer Nachrichten von den weltgeschichtlich denkwürdigsten Erhebungen des jüdischen Stammes wahrnimmt. Und doch hat die Forschung aus dieser Ärmukh Reichthümer gesammelt und das Wunder geleistet, aus Stiften und verblaßten Bruchstücken ein farbenprächtiges Bild jener Tage herzustellen. Bekannt find die Verdienste, die Krochmal, Rap-' poport, Zunz, Frankel, Grätz u. A. sich um. die Förderung und Bearbeitung dieses geschichtlichen Stoffes erworben haben. Ledrecht hat diesen Männern sich beigesellt und ein schöneres Denkmal im Tode sich durch seine letzte Leistung errichtet, als Erz und Stein dies zu thun vermöchten. Ihn, den! neben der Talmudkritik auch die Geschichte manche unverlierbare Bereicherung verdankt, muß die Geschichtschreibung der hadmanischen Verfolgung for an als einen ihrer schätzbarsten Förderen bezeichnen. l Betyer, Tur Malka unh Sepphoris sind eine und dieselbe Stadt, dchs ist in Kürze däs Ergebmß seiner Arbeit. Ob Sepphoris selbst ein ursprünglicher Name, ist zweifelhaft, da er erst von Herodes Antipas vielleicht zu Ehren der Kaiserin und Hühnerfreundin Livia der Stadt beigelegt worden zu sein scheint (S. 31). Als Bar-Kochba die römerfreundliche Stadt erstürmte, dürste ihr römisch gefärbter Name in Tur Malka, Zwingburg des Königs, des Sternensohnes aus Koseba und, da dieser, auch Sinwn hieß, .in Tur Simon verwandelt warden sei» Bether aber war ursprünglich nur der Name eines EtadttheilS, einer Lagercolonie, welche die Römer zuni Schutze der ihnen wohlgesinnten Stadt angelegt hatten, Zwing-Sepp horis oder Castro Vetera, welchen 'Namen daun die ganze Stadt annahm. Wie Xanten bei Tacilus zuweilen bloß Vetera genannt wird, so wurde die Bezeichnung Vetus-Veter für Sepphoris.üblich. Und merkwürdig genug hat sich der vollständige Name der Stadt noch in der Mischna erhalten. . Arachin f. 32a bedeutet קצרה הישנה של ציפורי tychts Anderes als castra vetera Sepphoris. Nicht an dieser Stelle, wie Lebrecht annehmen möchte״ aber Kidduschin f. 76a hat wirklich bereits Nascht הישנה mit feinem Takte als Ortsnamen einer Stadt in der Nähe von Sepphoris erkannt. Mit fünfzehn Geschützen in der Gestalt gewichtiger Bedenken zieht L. gegen das alte Bether zu Felde. Wie, um nur Weniges anzuführen, erklärt es sich, daß die alten Geographen alle diese wichtigste Stadt des Bar - Lochbakrieges unerwähnt lasten? Wie soll man es begreifen, wenn von der Stadt, die das Herzblut ihrer besten Söhne in Strömen in das Mittelmeer hat fließen sehen, jer. Taanit IV, 5 berichtet wird, sie hätte vor Freude über Jerusalems Fall festlich illuminirt* Alles klärt sich, wenn man annimnit, daß Beter und Sepphoris eine Stadt sind. Unter diesem Namen war sie der heidnischen Welt bekannt, darum erscheint sie nur so bei den Geographen; daraus begreift man aber auch die Freude über die Zerstörung der Hauptstadt, denn es war eben der Sitz der Römerfreunde, der illuminirte. I» den jüdischen Quellen erscheint aber das Bewußtsein von der Identität dieser Städte so weit verdunkelt, daß die Sage an Tur Malka besonders und besonders an Bether anknüpfte, woraus sich die doppelten, aber so durchaus ähnlichen Berichte über deren Fall Giltin f. 57a erklären. Unter den Kirchenvätern war nur Eusebius und, wie Grätz I V. 2 p. 451 vermuthet, auch Hieronymus der Name Bether bekannt, dagegen kennt das Verzeichniß römischer Lagerplätze aus den! fünften Jahrhundert, wie L. glänzend vermuthet, Sepphoris und castra vetera als dieselbe Stadt, was allen Erklärer» bisher entgangen war. Man müßte das ganze Schriftchen ausschreiben, wollte man all die Einzelheiten anführen, die durch diese lichtvolle Entdeckung in einen ungeahnten Zusammenhang gerückt werden. Mit wachsendem Genüsse liest man die sestelnde Darstellung zu Ende, als wäre es ein spannendes Gedicht und nicht eine grundgelehrte Untersuchung, was uns geboten wird. Ueberhaupt ist es eine noch viel zu wenig betonte Eigenart der älteren Meister in der jüdischen Wistenschaft, daß ihre Leistungen einen schriftstellerisch abgerundeten Charakter tragen, daß es nicht ein ungeordneter Wust zusammengeraffter Notizen, sondern ein wohlgegiiedertes, formdurchleuchtetes Ganzes ist, was sie uns übergeben. Nicht auf das fleißige Sammeln allein bezieht sich der bekannte Vergleich des Forschers mit dem von Blume zu Blume schwärmenden Bienleiu, denn nicht blos der köstliche Honig, den es unermüdlich einträgt, sondern auch der wunderbare Aufbau seiner Waben ist es, was an seiner Arbeit uns entzückt. Das schmeidige Wachs der Darstellung, das die kö!liche Lese in wohlgestaltete Kammern bringt, erhöht durch Anmuth die Süße des Gebotenen. Frisch und lebendig, an den schneidigcn Hochmeister gelehrter Prosa, an Lessing den Einzigen erinnernd, ist Lebrechts Styl, der ein glückliches Bild nicht scheut, einem kräftigen Ausdruck nicht aus dem Wege geht, weil er etwa nicht gelehrt genug erscheineu könnte. Man liebt chas, was ein bedeutender Mensch vor seinem. Ende gesprochen, mit besonderer Ehrfurcht zu betrachten und eine Bedeutung hineinzulegen, die oft von Hause aus nicht darin war; Lebrechts letzte Leistung ist an sich bedeutend und rechtfertigt die Liebe, die sie hervorruft, durch ihren eingeborenen Werth. vr. D. K. Literarische Anzeigen. Aus Lahmrr's Predigt-Magazin Jahrgang II. werden die Hefte S. 4, 3 (u. .A. Predigten zum Geburtstage des Kaisers enthaltend) gegen Einsendung pon 1 M. 50 Pf. franco versandt von der Exped. der ״Israelitischen Wochenschrtft" in Magoeburoj - jeder Art kann aus vol- 01411114(11 Irr Ueberzeugung die An- Wendung des tausendfach bewährten, in De. 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