Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 7. (15.2.1877)
- Date
- 1877-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 7. Das V*. Jahrgang.! Zur Beleuchtung aller Judenthu» u. Juden betreffenden literarischen Erscheinungen auf den» Gebiete der Philosophie,Geschichte, Ethnographie, Lheologie, Brientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di׳. Moritz ׳)lahmer. Magdeburg, IS. Februar 1877. ♦ ץ- ״ - Bicher der einschlägige» Literatur, welche der Ne». be«-,Iä». Kiteraturdtatt" in Magdeburg (oder der ^Jorart. Wochenschr.- in Stettin) sugesandt werden, finden in diese« Platte eingehen», Besprechung. VJ_ J Das ״Jüd. Liteeaturdlatt" erscheint wöchentlich einmal^ Preis pro Jahrelang k> Mark, mij der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Mark beziehen durch alle Buchhandlungen (in Leipzig durch Robert Friese), oder durch direkte Bestellung bei der Expedition der ״Israelitisch« öochenschrist" in Magdeburg. — Inserat« werden mit 26 Pf. für die dreigespa>tene Pctitzeile berechnet. Inhalt. Abhandlungen: Zur Geschichte der Juden in Oesterreich. 1) Histo» rische Notiz. Ordnung der Tractate u. s. w. in der Wiener Tosefta-Handschrift. Von Rabb. vr. Zuckermandel. (Schluß.) Literaturbericht: Recensionen: 0r. A. Berliner, Die Rassorah zum Targum Onkelo«. — Grätz, Geschichte der Juden. Literarische Anzeigen. Aur Geschichte der Luden in Oesterreich. 1) Historische Stotiz. Die hiesigen Archive sind eine unerschöpfliche Quelle- Seit fast 21 Jahren studire ich in den Archiven. Als ich im vorigen Jahre die Geschichte der Juden in Wien verüfsentlichte, nieinte ich alles vorhandene Material verarbeitet zu haben. Nichtsdestoweniger finde ich jetzt noch da und dort etwas, das zwar nicht von. eminent historischer Wichtigkeit ist, aber doch nicht ganz des Jnteresies entbehrt. Ich studir« jetzt nänilich die Acten aus der Josefinischen Zeit, um, falls mir dies noch gegönnt sein sollte, eine actenmäßige Geschichte der Regierung dieses Monarchen, die bisher nicht vorhanden ist, zu geben. Jüngst halte ich die Klosteracten vor mir. Bekanntlich hatte bereits die gut katholische Kaiserin Maria Theresia mehrere Klöster, die sich dem beschaulichen Leben (vite contemplativa) widmeten, das heißt, die ausschließlich dem Müßiggänge fröhnten, aufgehoben. Zn Anfang der Regierung Josef ll,i. I. 1781, kamen massenhafte llnzukömmlichkeiten in derartigen Klöstern vor. Der Kaiser beschloß daher, dieselben aufzuheben. Wie hervorgehoben werden muß, waltete dabei die größte Milde. Jenen Mönchen und Nonnen, welche in Klöster übertreten wollten, die sich dem Schulunterricht und der Krankenpflege widmeten, wurde dieses gestattet; die andern erhielten je nachdem eine Pension oder eine Abfertigung. Viele derselben, denen es nach kirchlichen Satzungen gestattet war, die noch nicht die höheren Weihen, orllines rnajorss, erhalten hatten, ergriffen mit Freuden die Gelegenheit, wieder in die Welt zu treten; da ihnen eben das Klosterleben zuwider war. Diese Klöster hatten jedoch beweglichen und unbeweglichen Besitz; denn trotz der damaligen Staalsgesetze, welche das Ueberhandnehmen des maffenhaften Besitzes Hintertreiben wollten, mehrte sich gar oft der besitz derselben. Sie hatten Liegenschasten. Prätiosen, allerlei Arten Weine (wer wüßte nicht vom Klosterwein) rc. Der Kaiser befahl, daß diese Werthobjecte in Geld umgesetzt und sollte der Erlös ausschließlich zu Gunsten von Schul- und kirchlichen Zwecken verwendet werde«. Daraus entstand der Religio ns fand, der bis quf den Heutigen Tag besteht. Um den Geist der Resolutionen Josefs zu kennzeichnen, citire ich hier einige Sätze über einen Vortrag vom 21. Oct. 1782 bezüglich des Verkaufes der Weine . . . ״verwunderlich ist, daß ich im Bette (der Kaiser war häufig krank, und die letzten Jahre seiner Regierung regierte ec fast ansschließlich vom Bette aus) das finden muß, was die zusammensitzende Commission, die mit einander discuriren oder deliberiren, nicht errathen habe» . . . weinn es nicht casus. pro-amiee ist, so ist nicht abzusehen, warum nicht Wein in kleinen Gebinde«, 10. 6 oder noch weniger Eimer, verkauft werden sollten. Es scheint, daß der Hofrathj Nefzer (Referent) in seiner! Häuslichen Wirthschast. hier die geistlichen Güter zu leiten nicht gelernt hat."! Die Prätiosen rc. sollten licitando verkauft werden. Da zu jener Zeit Juden ofjt Gold- und Silberarbeiter und Juwelenhändler waren, so! betheiligten sie sich bei diesen Licitationen. In Wien erhob sich dagegen keine Einsprache. Al» jedoch Wiener Juden: Aaron u. Josef Leidesdorser, Josef Wettheimer, Mich'. Sinron, Bernh. EskeleS, Cerf Wertheimer, Jos. rebitsch u. Josef Lehmann zu Anfang des Jahres 1785 nach rünn kamen, wo eine Versteigerung von Klosterprätiose» stattfand, wurden sie nicht zugelaffen. Sie wendeten sich hier« asif, am 11. Sept. 1785, mit einer Jinmediateingabe an den Kaiser (und wollen wir bemerken, daß die Unterschriften dieser Männer von einer wahren Kalligrafischen Fertigkeit zeigen). In dieser Eingabe hoben sie hervor, daß sie stets zu derartigen Versteigerungen zugelaffen wurden, immer die brträchtlichsten Einkäufe gemacht undvsich ״geziemend" betrage« haben. Dengrößten Theil der angjichuften Gegenstände schaffet, sie in's Ausland, wodurch baareS ^eld nach Oesterreich kommt, Schliehlich erklären sitz sich bereit, die angekauften Stücke joj fort jtr zerbrechen und unkenntlich zu machen, um jede etwaige Besorgniß zu zerstreuen., Der Kaiser signirte das Gesuch.! In Uebereinstimmung mit dem mährischen GuberniuM referirte die geistliche Hofcommission, 17. Oct. 1785,' daß «ach