Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 5. (1.2.1877)
- Date
- 1877-02-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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; •r dies« Reden wohl geeignet sind, i>aZ Interesse jedes modernen, . gebildete« Inden wachzurufen, dem es .noch HerzerMache ist, den Anforderungen des Judenthums wie der, .modernen 7f. Eivilisation gewissenhaft fich auseinanderzusetzen, wird nach ־-]- lern bisher Gemeldeten nicht überraschen. Die nicht zu verkennende Redegewandtheit, die, Vertiefung in den. hagadischen »nd homiletischen Stoff, sowie eine im Ganzen glückliche Com- ׳ biwrtümsgade des' Verf.'s verleihen diesen Vortragen in den - Augen des kundigen Lesers einen nicht zu unterschätzenden; Werth. Dich aus den Worten des Redners der Brustton seiner jetzigen Ueberzeugung spricht, verleiht ihnen ei« Feuer, das fie in rhetorischer Hinstcht zu ihrem Vortheile auszeichnet, das i!nen aber auch in logischer Btziehung nicht selten das Brandmal subjectiver Einseitigkeit aufdrückt. In diesem fittllche« Eifer vergißt der Redner bisneilen üher der Tendenz seiner Predigt die streng logische Gliederung seines Lortrages, »nd so erklären.wir es.uns'auch, daß das Themas; oft nicht genügend auf den gewählten Text recurrirt. Ueber die' 1 vielseitigen und weitgehenden Reformvorschläge auf dem Gebiete des Ritus und Eultus in dem vom Berf. construirten Juden- י thume, wolle» wir mit ibm nicht rechten. Wir stehen auf einem ' ganz andern principiellen Standpunkte. Wir ehren indeß ׳ jede aufrichtige Gesinnung, auch wenn sie unserer Ueberzeugung ׳widerspricht. Dies verbietet uns auch, ihm auf diesem Gej. bücke zu folgen. Dagegen können wir es uns nicht versagen, ד vom ästhetisch-ethischen Standpunkte aus. Manches zu urgiren. s Berf. macht sich anheischig. Reden gehalten zu haben für die Gebildeten aller Confessionen. Allein warum beweist . der Verf. den Gebildeten aller Confessionen so umstandlich, daß Mt Juden das Wahngebilde eines Nationalgottes, eines Gottes der Rache nicht kennen? Sollte ein Lesung seinen »Narha»" nicht schon vor 10 J Jahrn für die Geb i ldeten aller Confessionen geschrieben haben? ״Zu viel" schadet hier aus Gründen des Tacles zuweilen mehr, als es nützt. — Wir glauben darum, daß H. N. mit Unrecht seine gewiß schr beachtenswerthen Vorträge ״Reden für die Gebildeten aller Confessionen" nennt. Sie reflectiren so sehr den einseitigen Parteistandpunkt, daß sie nicht einmal in allen deutschen Reformgemeinden gehalten werden könnten Wenn z. B. der Verf. (S. 14) verlangt, daß wir nicht nur na turgemäß, sondern auch zeitgemäß und der Ration angemeffen unser Leben einrichten müffen, so mag dieses Postulat in Berlin, ja im ganzen gebildeten Deutschland passiren. Was soll aber ein moderner Prediger seinem Auditorium in Bukareit empfehlen? Ist es denn möglich, zu gleicher Zeit etwa zeitgemäß - human und national - rumänisch.- moldauisch - walachisch zusein? Solche einseitige Anforderungen, die im Jntereffe des Parteistandpunkles ver Schochare - Hattob - Gemeinde gestellt werden, sind gar häufig in diesen Reden anzutreffen. Diese haben nicht immer aus die Sympathie der Gebildeten aller Confessionen zu rechnen. Wir halten es ferner für durchaus nicht gerechtfertigt, daß der Verf. so en passant am Fuße des Textes seine oft ,sehr r a d i c a l e n Reform- Projekte oorbringt. Der Ernst der Sache erheischt doch wahrsich an einem ganz anderen Platze und in nicht so apodiktischer Weise eine etwas gründlichere Erörterung über hochwichtige Fragen, über welche von sachwiffenschnftlicher Seite, der einzigen competenlen Instanz, die A^len durchaus noch nicht geschloffen, welche zum Theile noch gar nicht spruchreif sind. Das Votum des Laie» — und sei er noch so gebildet und gelehrt — fällt hier durchaus nicht in's Gewicht und kann auch Nichts entscheiden, und daß diese Fragen die Gebildeten anderer Confessionen wenig oder gar nicht interesfiren, liegt auf der Hand Vermögen auch die in Rede stehenden Vorträge das Interesse der Gebildeten anderer Confessionen nicht gerade auf fich zu ziehen, so darf man sie unstreitig sämmtlichen Gebildeten der jüdischen Confessio« — gleichviel ob sie die Ansichten des Verf.'s theilen oder nicht — als äußerst fruchrreiche, belehrende und anregende Lectüre auf das Angelegentlichste empfehlen. Sohrau >0/8., im December 1876. vr. Immanuel Deutsch, Rabbiner. Literarische Anzeigen. Zum Kauf angeboten wird "eine alte, lehr renommirt«, in vollem Gange sich befindende * 1 ‘ Hedr. n. lateinische Buchdruckerei mit Schnell- und Handpreffe, Manuscripten, Copierechten 2c. 2c. Besonders die Hebräische Branche bietet ganz besondere , großartige Bertheile, die nun ivegen vor-; läufiger Anonymität hier nicht näher bezeichnet werden können. Reflectanten -wollen fich gefäll. snd Chiffre Q. H. an f. die Central -Annoncen -Expedition von #. L. Daube 8k Ckv. in Am st erdam wenden. , Verlag roa Oskar Leiser in Leipzig. In diesen Tagen erschien: ßeschiclite der Juden — von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aas km »arilm nni bearbeitet von . Prof. Dr. H. Graetx. 1 IX. Band. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 8 Mark. Der Utk• Kt *Md erscheint in hrit- 4tr gidqtlch Wagearbetteter Auflage in zehn Taekernngen, an je 80 PI, ▼on denen die erste jetzt apsgegeben wurde. rtttcher Israelitisches predigt-Magazin. Homiletische Jettschrift , " in Verbindung mit namhaften Predigern herausgegeben ■ ' - r von 0 r» M. R a h m e r. Dritter Jahrgang. Verlag von Robert Friese in Leipzig. Preis bei allen Bitchhandlungen und Postämtern 7 Mark pro Jahrgang. 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W. in B. Ihre Abhandlung — in etwas qe lürzter Form — sobald Raum. Hr. Rabb. Dr. R. Sie wünschen 16 einzelne Nrn. des Literaturblaties äls Ergänzung zum vor. Jahrg.; da müssen Sie sich schonen die Expedition wenden, die den ganzen Jahrg. zu ermäßigtem Preise abgiebt. Perlag von Robert Friese in Leipzig.