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Das jüdische Literaturblatt · 1877-01-25 · N° 4. (25.1.1877) · p. Seite 15

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 4. (25.1.1877)
Date
1877-01-25
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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stätigt sich in erfreulicher Weise, wenn ma» die Darstellung der weiteren Tanaim-Perioden liest und mit der vom seligen Director Frankel vergleicht. Größere Ausführlichkeit mit ei-, nem unerschöpflichen Reichthum von Beweisstellen aus de» großen Gebieten der talmudischen Literatur und ihrer Com׳ mentatoren, sowie ein großer Schatz neuer, die Wisienschaft bereichernder und zum großen Theil als gesichert zu betrachtender Aufschlüsse verleihen dem Werke B.s nicht nur ein großes Interesse, sondern eine berechtigte Ehreustellung neben dem Frankel'schcn Werke. Die folgende Darstellung witd dies näher erweisen. Bei Besprechung der zweiten Tanaimperiode bringt Br. einige Artikel mehr als F. nämlich über Simeon Ha-Pakuli, Samuel hakalan, Levi hassadar. In der detaillirten Erörterung über R. Gainliel führt B. תקנות von demselben au, weist nach, daß er in seiner Lehrweise auf die Gründe der Thora und der Chachamim einging, daß sich aber mit Gewißheit von demselben nicht Nachweisen lasie, daß er irgend eine Enscheidung auf einen דרש oder auf Regeln der Exegese stütze, noch irgend ein דבר קברה miltheile. Br. weist ferner noch, daß die rm Namen R. G's Pirke Abolh angeführten Sittensprüche ihm nicht angehöreu können, sondern N. G. II., dem Sohne des R. Jehuda hanaßi und verbreitet sich ausführlich über seine Controversen mit Christen, sowie über seine verschiedenen Wohnorte. Br. stellt auch die Behauptung auf, daß es zwei Tanaim mit dem Namen ר' אליעזר בך יעקב gegeben habe, der eine sei Zeitgenosse R. Gamlicl's, der andere Zeitgenosse R. Akiba's gewesen. Bei der Besprechung der beiden von einander so verschiedenen Männer, R. Elieser b. Hyrkanos und R. Josua, geht Br. auch aus die Uebereinstimmung zwischen Beiden näher ein, weist nach, daß Beide den Grundsatz hatten, daß jede Tradition in der Schrift ihren Stützpunkt haben müsie, und wie R. Josua den Schluß daraus zog, daß die Tradition, bei welcher solche Stütze nicht gefunden werden könne, zu entkräften sei. Bei R. Elieier bar Zadok macht Br. darauf aufmerksam, daß das Wort בר häufig als Abbreviatur zu nehmen und ein Strich über deniselben zu ergänzen sei. Aus der Darstellung der zweiten Periode ist auch das noch als interessant hervorzuheben, daß Br. die Idenlilät von Ekilas und Onkelos (gegen Frankel) bestreitet. . Auch in der Besprechung der drillen Tanaim- Periode findet.sich eine große Zahl von Behauptungen, die mit den Frankel'schcn dioergiren. Besonders interessant ist der Artikel über R. Jsmael, besten Abstammung Br. präciser angibt und die bekannte Schwierigkeit in der Hagada über die 10 Märtyrer dadurch löst, daß dieser R. Jsmael ein Enkel desjenigen sei, weicher als hoher Priester fungirle und den Märlyrertov fand. Nach einer ausführlichen Besprechung seiner verschiedenen Wohnorte geht er auf besten Lehrweise näger ein und und zeigt (gegen Fr.), daß sogar R. Jsmael das Wort את, den Buchstaben 1. das Wort לאמר. erklärt habe, wie sehr er sich in seiner Auffassung über die Stellung zu den fremden Völkern von seinem Zeitgenoffen und Gegner R. Akiba unterschieden habe, wie er das umsichgreifende Christenlhum wissenschaftlich bekämpfte, wie er überhaupt den schammaitischen Anschauungen entgegentrat, während R. Akiba, obwohl kein Schüler des ב״ש zu nennen, doch in seiner Denkweise dieser Richtung sehr ähnlich war. Den Tod R. Akiba's setzt Br. kurz vor die Zeit, in welcher Bar Kochba in Cäsarea einzog. Eine ganz neue Erklärung gibt Br. in der Besprechung der vierten Tanaim Periode für den von Fr. schon erörterten auffallenden Umstand, daß in der׳ Mischna, Tosefta Sifra weder des ר יאשיתו noch des ר׳ יונתן noch des Tana be R. Jismael Erwähnung geschieht; er führt dies nicht nur (wie Fr.) auf den Aufenthalt der Schule N, Jsmaels im Süden, also auf die räumliche Entfernung der Redactoren obengenannter Schriften von der Schule R. Jsmaels zurück, sondern auf einen inneren Grund. Zwischen Akiba und Jsmael bestand, wie bekannt, eine große Verschiedenheit nicht nur in der Exegese, sondern in politischer und religiöser Beziehung. Dieser Gegensatz übertrug sich auch auf die Schüler der Männer und verschärfte sich durch b:e räumliche Entfernung. Daher stammt das Verschweigen in jenen Schriften. Es ließe sich noch ein^ große Reihe solcher Momente aus dem Brüll'schen Werke anführen, welche beweisen, daß seine Schrift eine dankens- und anerkennenswerth« Bereicherung der talmud. Einltitungswissenschaft, und sowohl als Aussührung und Ergänzung, wie zum Theil auch als eine Berichtigung mancher von Fr. ausgestellten Ansichten anzusehen ist. Ein Uederblick über das ganze Werk zeigt, daß der Berfaffer ein Freund freier Forschung ist, der Erleichterung in religiösen und Erschwerung in moralischen Dingen zuneigt; dieser Umstand scheint den bekannten Verlagsvorgang etwas bester zu erklären, als die Fama es gethan hat. NichtsdHoweniger darf man doch behaupten, daß der Verf. mit dieser Schrift seinen wissenschaftlichen Ruf nur erhöht hat, und daß der zweite Theil seiner Einleitung recht bald erscheinen möge, -ist ein aufrichtiger Wunsch, den alle Leser deersten Theres, welche nicht allzuängstlichst den Flügelschlag freier Forschung betrachten, gewiß theilen werden. —r. 380ff, Dr. H. Geschichte der Juden in Wien. (1156—1876). Wien 1376' (Alfred Hoelder). Text 230 S. Beilagen und Register 52 S. Was nian an der Abfaffung dieses seines neuesten Werkes vielleicht aussetzen könnte, hat der rühmlichst bekannte Verfaffer mit kritischem Auge selbst erkannt. Er giebt eine Monographie, die durch den mächtigen Stoff und bie reiche Fülle des Herrn Wolf zu Gebote stehenden Materials überfüllt wird, deren künstlerische Ordnung und Gruppirung nicht versucht und daher nicht bewirkt worden ist. Dankbar für das viele Neue, welches der Herr Verfaffer uns bietet' und für die Sicherheit, mit der er den Leser durch die Jahr- Hunderte führt, wollen wir mit ihm über diesen einzigen, i» Grunde doch nur formalen Grundfehler nicht rechten. Eigenthümlich ist in der Geschichte der Juden Wiendas Fehlen bedeutender jüdischer Gelehrten. Nach dem Or Sarua (etwa 1240) Jahrhunderte hindurch kein klingender Namen- Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts sehen wir eben ei« Martyrologium sich abrollen, um so düsterer, je mehr die׳ Kirche Alles beherrschte. Am interestaNtestcn ist die eingehende Darstellung der letztverfloffenen 100 Jahre. Ta tritt der gesellschaftlich hochstehende Jude, der mit Fürsten und hohen Beamten als Gleichstehender verkehrte, in der Reversseite hervor, wie er als ,-Tolerirter" Bollentaxe zu entrichten hatte. Social hochgestellt, im Innern nach Besserem^ strebend/hielt, die mittelalterliche Gesetzgebung die österreichischen Juden länger in Banden, als in ׳den ändern deutschen Ländern. Nur in einem Punkte war man schon vor 1848 dort freisinniger, als bei uns: der Jude wurde zu^höheren Offiziersstellen befördert. Mil vieler Liebe ist des seligen Mannheimer- Wirken nach Innen und Außen geschildert. Alles in Allem genommen, wird ein künftiger Geschichtsschreiber der Juden Oesterreichs in diesem, wie in den andern Schriften des verehrten Vers., eine unschätzbare Quelle besitzen. Druck und' Ausstattung sind vorzüglich. Koschmin. Dr. Lew in. Bibliographie. a) Neueste Erscheinungen. Berndt, Geschichte der Juden in Gross-Glogau. Glogau. Zimmermann. (111 8. gr. 8.) 1 M. 50 Pt Brugsch-Bey, Der Bau des Tempels Salomo’a nach der koptischen Bibelversion. Leipzig 1877. Hinrichs. (35 S. gr[ 8.) 4 M. P f a f f,. F, Die Schöpfungsgeschichte mit des. Berücksicht, des bibl. Schöpfungsberichts. 2. Aufl. Frankfurt a. M. 1877. Heyder u. Zimmer. (753 S. gr. 8. mit Holzschnitten ) 12 M.

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