Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 3. (18.1.1877)
- Date
- 1877-01-18
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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12 Halacha, Mffenschast ' unb Predigt zur Darstellung zu bringe«. Man wird das Bild der Volta'schen Säule nicht los, wenn man mit steigendem Genüsse die inaffen- «eise aufgeworfe»en und gelösten Schwierigkeiten mustert. Da wird Element auf Element gethürmt, jedes mit einem mnern polaren Widerspruch von Hause aus behaftet, die vereint eine mächtige Kraft entbinden und unwiderstehlich auf Jeden wir׳ kn, her die Entladungsschläge des darin schaffenden Geistes aufzufangen versteht. Selten ist in einer gekehrten Untersuchung so viel Scharfsinn entfaltet, so viel reine geschichtliche Wahrheit entdeckt, io viel Dankenswerlhes und Bleibendes geleistet worden, als in dieser — Antrittspredigt. , Die Doppelnatur des talmuderfüllten Rabbiners und feinsinnigen Kritikers verleugnet sich in keineni Augenblick. Wie er beim ersten Mundaunfthun über die Geschichte der Prrdigteingänge Belehrung verbreitet, so bleibt er mitten in der, Hitze talmudischer Sachlichkeit der Wiffenschaft eingedenk, versäumt bei einer Tosafotgloffe, deren er zur Beantwortung eines ^Rambams* sich bedient, nicht heroorzuheben, daß sie Chananel oder Msfim entnommen sein müsse (7a), fahndet bei der. Benutzung von Maimuni's Mifchnakommentar auf . UebersetzungSfehler׳ (lObn) und steht den Texten, die er fachlich bespricht, stets mit der Wachsamkeit des Gelehrten gegenüber. Selbst der dem Pipul eingetäumte Theil zeigt die kritische Besonnenheit des Forschers, die aufgeworfenen Fragen fördern das sachliche Berständniß, die Tiefe der Auffassung. eS ist etwas von der einfachen Geradfinnigkeit der Clafsiker darin, wie man getreu die ״Rischonim" verdeutschen müßte. Diesdbe Nüchternheit und Freiheit von geistiger Spielsucht trägt set»e agadistische Auslegung an sich. Gesunde Weiterfahrung und K>le Gesinnung beleuchten die Räthsel des alten " Midrasch, dem er mit Wahrheitsliebe und nicht mit Btendwerl beizukommen sucht. Die Seitenblicke auf die Zeit verratheN die Mäßigung des denkenden Mannes (10b 19b), der sich ajnd) über die Frage, ob die Zeilen die Geister oder die Geister die Zeiten! machen, seine klare und be.iimmte Ansicht (17atzu bilden versteht. Wenn ich die wiffenschastliche Ausbeute dieser Predigt ziffernmäßig zu belegen hätte, ich könnte auf Dutzende von Talmudstellen von babylonischer oder jerusalemischer Dunkelheit Hinweisen, die hier in Helles Licht gesetzt werden. Zusammenfaffend sei hier nur bemerkt, daß besonders die auf die äußere Kalendergeschichte bezüglichen talmudischen Berichte, z. B. das alte Räthsel (Synhedr. I2a) oder R. Gamliels unbegreifliche Bescheidenheit (ib. 11b) oder die dunkle Angabe über die Enthebung Lydda's vom Sitze des Kalenderraths eschichle, z. B. R. Gamtiets II. Patriarchat, die Stellung R. kiba's im Streite mit den Schammaiten — vgl. (16a) die tanzende Erklärung von Jedam. 16a —. sind die fruchtbaren Winke wie spielend hingeworfen. Die Hypothese von iner die Revaction der Miichna im Patriarchenhause überwachenden Censur, aus der das auffällige Uebergehen wichtiger Institutionen sich leicht erklären würde — die Richter- Mhnung von Melicha bleibt z.M freilich auch dann noch un- Erklärt — ist jedenfalls der Beachtung und Prüfung werth. Selbst die Bibelforschung geht nicht leer aus und erhält in per Charakteristik von Maleachi's Zeitalter eine dankenswerthe Gabe. Es ist ein Gang durch ein neuaufgeriffenes Saatfeld, hen man in diesem Schriftchen zurücklegt, überall dampft der r >ch der Frische uns entgegen, die Pflugschar hat in die iefe geschnitten; es ist kein Schollenbröckeln an der Oberäche. Und trotz aller Neuheit und Jugendfrische der eben arin erschaffenen Wiffenschaft ist eine Reife und Klarheit arin anzutreffen, welche die Arbeit der nachfolgenden Jahrehnle vergeffen laßt. An den frühesten Schriften eines Zunz nd Nappoport merkt man das Jugendalter nicht, wo ste hinringen, ist Licht und geebnete Bahn, als wäre längst Alles rforscht ihnen übermittelt worden Um so lebhafter erwacht «i solchem Anblick der Wunsch, daß kein Splitter dieses Goldes uns vorenthalten werde, denn schon der Gedanke, daß etwas verloren gehen könnte, drängt den Klageruf auf die Lippe: Wehe über solche Schöne, wenn sie nn Staube modern sollte. Dr. D K. Literarische Anzeigen. השירים אשל לשלפה anßaui aaslautaa, gpboref um 1560. In moderne Notation übertragen u. in Pi irtitqr gesetzt von 8. Naubovg, Ober ■Cantor am jüdischen Consistorial-Tempel in Paris. Kntei lkefli Historische Einleitung, ater Rosei und sein Zeitalter. 30 G esänge, Psalmen und Hymnen *um Gebrauche des jüd. Gottesdiens^es, fttr 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 Stimmen.!weiter IM > 22 Madrigale für 5 Stimmen mit Chittaron-Begleitung (Guitarre) und Basso continuo (ununterbrochenem Bass ) Die Werke Rowi’» daüren von 1593 bis , 1633 and waren ihrer j und als classiBch an! י unter seinen öesänger Palästrina, Orlando Ehre gemacht haben Die Compotitionen aus durch originelle H monien, kunstgerechte meisterhafte Combinatilo und Gruppirang der ten gross in Octavo. aasgebers 8. Ntumbi Bäranger. Preis nette Zeit sehr geschätzt erkannt. Han findet solche, die einem Lasso und Harcello Würden. Rossi’s zeichnen sich < lodien, elegante Har- Nachahmungen־ und Vom S:i1 men in de! mmen —- S Sei- Im Verlagjj^־de8 Herurg, Paris, 8 Rue -10 Pres. ״Mschm fderaturblirtt“ Jahrgd^a 1876 sind noch einige complete Exemplare vorräthig. .Gegen Einsendung von 3 Mark erfolgt die Zusendung franco durch die Exped. der!״ISr. Wochenschr." Verlag von 03kar Leiner in Leipzig. In diesen Tagen erschien: Gmkicktt der Jaden den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den üufUm nra brarbritrt von r*rof. I >r. H. Gt-raetz. IX. Band. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 8 Marli. Der III. Band erscheint in brittrr gänflich umgtarbftUttr Auflag r in zelin Lieferungen; zu je 80 Pf., von denen die erste jetzt ausgegeben wurde. Briefkasten der «xpeditton. Die in vor. Nr. angekündigicn 3 Predigerwerke sind bereits vergriffen.! Zur Nachricht! Wir beabsichtigen, in unserem Literaturblatt al nicht nur dpr neuesten jQd. Bücher, sondern auch de! dem Tagesblättern enthaltenen wissenschaftlichen AufsA der jüdisc|hen Literatur zu bringen, und ersuchen auf einschlägige Aufsätze, sei es durch!Zusendung der jl — die wir fern wieder zurücksenden — sei es durch g! um dieser bibliographischen Zusammenstellung die g ■ Die ^""^MMb^etlicher Nevakeur: Dr. 9t. stahmer. Druck von E.!monatlich eine bibliographische Zusammenstellung! unsere geelirten, hierfür sich interessirenden Leser, uns treffenden Journale, wissenschaftl. Zeitungsbeilageu etc., inaue Mittheilung (per Postkarte) aufmerksam zu machen,!mögliche Vollständigkeit zu geben. daction des ״Jüd. Literaturblattes“. charnke in Barb,.«erlag von Nobert Friese in Leidig.