Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 15. (14.8.1872)
- Date
- 1872-08-14
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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boJ tr auf fanj^ dir voe>ügl Rah ltcht ו:ר׳ 60 «n>ieft», daß Fliegen das Seuchengift des Milzbrandes andere Thier« und aus Mensche« zu Übertrag«! vermögen. Soweit das ״Ausland". Auch -die Wiener ״Deutsche Zeiberichtete unlängst, der Professor Kleczinski in Wien habe Entdeckung gemacht, daß bei Epidemien der Krankhcitsstoff ^lich durch tfte Fliegen aus Menschen übertragen werde. Die ״neueste Entdeckung" kennt aber schon der — Talmud. Tract. Ketuboth S. 77b. kannte schon R. Jochanan diese liche Eigenschaft der Fliegen und er ließ eine diesbezüg- ״Bekanntmachung rrsp. Warnung" ergehen: ■מכריו ר׳יוחנן ןהזהרו מזבובי Literaturbericht. Schmarz, Dr. Ad. Der jüdische Kalender historisch und ast wrwmisch untersucht. Eine vom jüdisch-theologischen Seminar zu BreZlau gekrönte Preisschrift. Schletter'sche Buchhandlung, Bteslau. Das Seminar zu Breslau hat sich, sogleich als es in's Leben trat, die Aufgabe gestellt, nicht nur Rabbinen auszubilden, die den pv cktischen Bedürfnissen der Gemeinde zu genügen im Stande sind, so! der» zuvörderst sollte es eine Stätte jüdischer Wissenschaft sein; dir Zöglinge dieser Anstalt sollten unabhängig von. dem, was btr Tag verlangt, ihr Auge vor Alletu auf wissenschaftliche Erkvutniß richten, sie sollten in der Theorie heimisch werden und■ « ht die Theologie zu einem Brotstudium entweihen, dadurch daß sie sogleich beim Beginn ihrer Studien immer nur nach dem Pi aktischen hinschielten und die Schätze der jüdischen Gelehrsamkeil in zwei Theile schieden, von denen der eins als im gewöhnl« jen Lebennicht zu brauchen bei Seite geschoben werden müßte. D«ße Engherzigkeit erhielt keine Geltung in einer Anstalt, die T »eo logen und nicht blos Rabbiner und Prediger ausbilden wollte. Daß dieser freie Geist der Wissenschaft noch jetzt unter den Hk«» deS Seminars recht rege und lebendig.ist, dafür zeugt w «derum eine ganze Reihe von,Arbeiten, welche mehrere ׳ dieser Hörer, so zu sagen noch von der Schulbank aus, während der le ste» Wochen in die Welt geschickt haben. So hat einer dersebe» Dr. Wilhelm Bacher, dem auch diese Blätter und die Ersttz'sche ״Monatsschrift" manchen schätzenswerthen Beitrag verd nken, eine von de» Orientalisten mit vieler Anerkennung ausg nommene Arbest über den persischen Dichter Nizami oeröffentliht; ein anderer hat. der Wiener Akademie eine Abhandlung ü ier eine karäische^Handfthrift eingesandt, welche diese in ihren $ «richten veröffentlichen wird, und ein dritter, der Herr, dessen Euch in diesen Zeilen zur Anzeige kommen soll, hat in einer si sötten Schrift den ״jüdischen Kalender" behandelt. . Das Studium des jüdischen Kalenders ist im Allgemeinen ßhr vernachläßigt, und wenn man der Arbeit des Dr. Schwarz d lese Vernachläßigung nicht anmerkt, so hat dies zum guten Theil i t dem tüchtigen Talent und Fleiß des Autors seinen Grund; s »daa» aber fehlt es gerade am Seminar nicht an lebhafter Ant sggng für dieses Fach, da einer der tüchtigsten Kenner des jüdishrn Kalenders unter den Jetztlebenden-/Herr Dr. Zuckermann, im die Wissenschaft schon mehrere gründliche und sogar in ftemde l sprachen übersetzte kalendarische Arbeiten verdankt, an dieser An- ‘ jolt wirkt. Herr Dr. Schwarz aber hat sich diese - Anleitung t ceWch zu nutze gemacht und zum erstenmal Geschichte, System nab Berechnung des Kalenders in einer ausnehmend klaren und I ichtvolle» Darstellung zusammenhängend behandelt. Der Kalender ist bekanntlich von außerordentlicher Wichtigkeit für das religiöse ■!de», denn die ganze Lehre von den Festen setzt doch voraus, i aß wir genau wissen, an welchen Tagen sie gefeiert werden. ' DoS Alles steht nun freilich in jedem Luach und man bekömmt liefe Kenntniß für einen Silbergroschen in jeder Buchhandlung; iber diese dünnen Büchlein, in denen sich alle Weit rasch zu meatiren vermag, sind der Ertract der Arbeit und der Beobach- «tg von Jahrtausenden; wir zehren vom Erbe unserer Väter «ab nur der Philister glaubt, es müßte so sein, es sei von Alters so gewesen; jeder Cultursortschritt, ist, ihm ein Wunder, aber nur so lange er neu ist, und scheint ifjmj selbstverständlich und nothwendig, wenn der Reiz der Neuheit sich verloren hat. Herr Dr. Schwarz führt uns zuvörderst die Geschichte des Kalenders, die!ganze Reihe der Männer vor, denen wir cs zu danken haben,! bag uns dies Alles so handlich und bequem, so wol präparirt dargereicht wird. Die ältesten Monate waren nach der Ansicht des Vers. Mondmonate; doch widerlegt er unseres Erachtens nicht ausreichend diejenigen, die den dreißigtägigen Monat in der!Schrift finden. Diese erzählt nämlich, die Sint- .fiuth habe vom 17. Tage des 2. Monats begonnen, hundert und fünfzig Tage gedauert, und am 17. Tage.des siebenten Monats habe die Arche auf dem Ararat geruht. Nun steht ferner, daß die Fluth fünfzehn Ellen über die Spitze» der höchsten Berge gestiegen war, und unter dem höchsten voll der Höhe der Fluthen übertroffenen Berge ist wol der Ararat zu verstehen. Diese Daten sind nicht anders zu combiniren, als wenn wir fünf Monate zu je dreißig Tagen für die steigende Fluthi annehmen, das macht hundert und fünfzig, die Wasser fielen dann sofort um fünfzehn Ellen, und so ruhte noch an dem siebzehnten Tag des siebenten Monats die Arche aus dem Ararat. Herr Dr. Schwarz meint, man müsse bei einer solcher Erklärung ״der Eregese Zwang anthun." Aber wie will er denn fertig werden, ohne dem Terte diesen Zwang anzuthun? Und im schlimmsten Falle möchte er den Monat von dreißig Tagen nur für das ״aniediluvianische Jahr" gelten lassen; aber das ist wol nur ein Scherz deS geistreichen Autors; kein Jota in der Schrift berechtigt uns zu der Meinung, daß die Sintfluth auch den alten Kalender weggeschwemmt hat; ja klänge diese Hypothese vom antediluoianischen Kalender nicht etwas zu antediluvianisch, so entstände in Konsequenz derselben die neue Frage, wohin die fünf Monate der Fluth selbst gehören und es wäre jedenfalls angenstssencr, daß hierbei der nach der Fluth lebende Historiker seinein »den postdiluvianischen, Kalender und nicht den früheren zu Grunde legt. Wenn der Vers, den Beginn des Tages mit Sostnenuntergang als einen ausreichenden Beweis für die Behauptung betrachtet, daß unsere Monate seit ältester Zeit Mondmonate gewesen,' so übersieht er, daß die Schrift den Sabbat als ein Institut hinstellt, das gleich von Anbeginn der Welt da war; jeder .Erinnerungstag aber an die Sabbatruhe GotteS, jede derartige Daqkesfeier für die Schöpfung mußte am Abend beginnen und nach ihm richteten sich dann die folgenden Tage; einen andern Anfang für den religiösen, einen andern für den bürgerlichen Tag annehiften, hieße diesen frühen Zeiten eine doppelte Buchführung, zumuthen, zu der gar kein Anlaß vorlag. Unseres Dafürhaltens ist der Beginn des Tages mit Sonnenuntergang kein Beweis für die Eristenz von Mondmonaten in uralten Zeiten und die Daten der Sintfluth ergeben mit großer Wahrscheinlichkeit dreißigtägige Monate. Trefflich dagegen ist die Auseinandersetzung, daß der Kalender zur Zeit des Moseh überhaupt noch gar kein constanter ivar und sich regulirte nach den momentanen Beobachtungen. Gelungen ist gegen Slonimski und Pinelcs der Nachweis, daß der Kalender unter Hillel dem Zweiten zum Abschluß kam; außerordentlich interessant ist die Ansicht des Autors über die Dechijoth; in den beiden letzten Fällen ergiebt sich, wie ein genaues Eingehen auf die Tinge die ältere Traditionen befestigt. Ucber den letzten astronomischen Theil dieser Arbeit, die Berechnung der Moledoth und Tekuphot, steht uns kein Urtheil zu, allein'aus dem treffliche» Diatriben des Verf. in den Thcilen, die unserem Verständniß zugänglich sind, mag uns wol der Schluß erlaubt sein, daß auch diese astronomische Partie gründlich durchgearbeitet sein wird. Herr Dr. Schioarz hat sich mit dieser Arbeit höchst würdig in die gelehrte Welt einge'ührt und' tut Interesse der Leser dieser Zeitschrift sprechen wir noch die Bitte aus, der Autor möchte selbst die wesentlichen Resultate seiner Forschungen dem Publikum in diesen Blättern darstellen.*) Nur in dieser Hoffnung haben wir geglaubt, uns bei den einzelnen Punkten kürzer fassen zu dürfen. Z. *) Eine populäre Darstellung deS Wesentlichsten aus dem jüd. Kalender durch den gesh7 Autor würde die Red. und die-Leser dieses BlMtes gleichsehr zu Dank verpflichten.R- Druck und Verlag der Hofbuchdruckerei von Earl Friese in Magdeburg.