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Das jüdische Literaturblatt · 1872-07-31 · N° 14 (31.7.1872) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 14 (31.7.1872)
Date
1872-07-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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U ii 1S7S zur Israelitischen Wochenschrift Nr. Erscheint zweimal moiiailich als Gratisbeilage - zur israe fische» Wochenschrift. Redigirl von Rabbiner Dr. üi. ilaljwcr in Magdeburg. Zu beziehen für 1 Thlr. jä durch die Expedition. Einzelnummern ä 2 Sgr. -1. , Inhalt Missensrdaftlirlie Aufsätze: Der evangelische Oberkirchenrath, eine Revision srine^Prlcebäkten^^^^^^n^^^^^ ״Lied Josua's". — Ionrnal-Nevue: Die Jirae liichi von Salonichi. Fortsetzung. — Ein arabi scher Historiker über jüdisihen Natiovalstolf- — Litcraturbericsit:!>r. E. Pl ebner. Zwei Borträge. — L. Scligmann. Vier Predigten. — Raph. Bendit. Hebr. Bo» cabulariuni. — Äur,e E>w deinng von srch. Gr ätz. >— Anzeige neuer Bücher. — Briefkasten. Wissenschaftliche Aufsätze. Vrr evangelische Oberkirchenrath ^eine Revision seiner Proceßaklcn. Es gewahrt einen ei^LPthümlichen Reiz, sich ans den Standpunkt eines Gegners zu stellen, in seine B«trach>u»gs- und Denkiveije sich zu versetzen. Die nächste Farge eines solchen Verfahrens ist gewöhnlich das Verstäudniß sür das gegnerische Gebayren; seine bnibende Wirkung ist die mildere äsen,!Heilung und die ruhigere, lcidciischastslosere Behandlung unseres Wider׳ parls. Als nun der Schmähartiket des Oberkirchciiraths gegen die Juden durch alle Bläiler die Runde machte, veriiiochien wir trotz aller Anstrengung uns nicht den,Gedanliengang anzucigucn, als dessen Folge die Beschimpfung unserer und unserer Religion eine »oihwcndige Ingredienz fester für die Gemeinschaft t#l evungelischen Kirche erlassenen und wohl i.oly wendigen — jedensalls ist dieser Punkt sür uns sticht doscutirbar -- Verordnung bildet. Uno doch -- besieht ja der Obcrtirchciirath J1id;t aus glanbeiiswüihenden Inquisi orcn oder geisiesdumpsen Mönchen, sondern aus, der z Ereme der preußischen evangelischen Dhcologen, aus «Männer^, die ihren Geist genährt und gesüllt haben mil der sollen Bsilduiig, dem Wissen unserer Zeit.' co lag ein scheinbar unlösbsires Rä.hsel uns vor, da wir nicht die Ehre der persönlichen Betaliiirschaft eines sen.r Herren genießen, sie also nicht direct öesivegen zu inletpeUiren vermochtm. Da begegneten wir im Uullarium magnum liomanum*) einer Anzahl päpstlicher Bullen aus der Zeit von 1206 bis 1672, ivelche einen bei päpstlichen Befehlen für uns neuen Etztdruck aus uns ausüdlen, indem sie die Schuppen von unjet n Ahtgcn »ahmen, »ns ״hellsehend" iiiachlen. Dis Etklätung sür das Grbahren des Dberkirchenralhes war gegeben. Die erste dieser säst wörtlich gleichlauiendeii Bullen ist von Bilerbo den 20. Juli 1206 daiirl und an die Inquisiloren gerichtet. Der hierher bezügliche Lhcil beginnt mit den Worten; ״'lurbato cords audiviwus et narramus, quod ״quampluiimi reprobi Chmtiani veritatem catbolicae tiilei ,,abiiegautes se ad ritum Jndaeorum damnabiliter trans- ״tulerunt: Quod taato uiagis reprobuin fore digaoscitur, ״quanto ex hoc Christi noruen sanctissimum quadara tamiliari hostilitate, securius blaspheniatur.“ ״Betrübte» Herzens haben wir gehört und erzählen wir, ״daß mehrere schlechte Christen die Wahrheit dcs^katholischen •) T. L S. 151. Elemms IV., Gregor IX., Nicolaus IV., Gregor XI. j ״Glaubens leugnend, sich ״in verdammlicher Weise" zu dem ״Ritus d^r Juden begeben habe»? Das wird um so mehr ״als eine! Schandthat erkannt, als dadurch Christi Namen mit ״einer gewissen ״erblichen Feindschaft" um jo sicherer- ״gelästert" wird! Um ״hüic pesti .lamnabili“ ״dieser sierdammlichen Pest" zu begegnen, werden die Inquisitoren ange׳ wiesen, kraft ihres Amtes gegen diese Abtrünnigen, sowie gegen die Indesi, ihre Gönstdr und Verführer (״ad eornm rivam erecrabil^m — induxere“, zu ihrem verfluch enswerthen Gottesdienste hingMhrt haben), als gegen Ketzer einzuschreiten. ' Wahrlich, wollte^s man versuchen, den Erlag des evans gelischen Kirchenraths für Kis Jahr 1671 ins Lateinische zu > übersetzen, sö vermöchte man wohl keineeleganteren und tref? j fendern Worte zu wählen, als diese Papstbnllen des 13. und 14. Jahrhunderts sie bieten. Da ist die ״Gcmeinschaft, die! picht allen, zur Zeit der Erscheinung des Sbbne» Gottes im k Fleische ihn oerioorfen hat, sonder^ such heute noch.!» gleichem , Hag und der nämlichen Feindschaft gegen ihn verharrt", viel! schöner und kürzer durch quadam tamiliari nostilitate — ׳ blasphematur gegeben. Der ״verabscheunngsive.the Schritt" I ist nur eine Ueberjetzung jenes von Augustinus gebildeten Wor- > tes damnabililer. Da findet sich die Trauer (tnrbato carde) j wieder und auch das ״knechtische Joch" ist mit chuic pesti : damnaistli viel nialcrischer gezeichnet. Da nun die vierte dieser! Bullen sich mit ganz"denselben Worten gegen den Abfall zum ן Möhamtdanismus richtet, sp scheint es uns k.ar, dag diese j Ausdrücke geworden sind ״ מטבע שטבעו.חכמיםfeste Normen und Formeln". Damit ist einerseits eine «Entschuldigung des Oberkirchenraths gegeben. Um christlich salbungsvoll zu sprechen: ״Herr, sie wissen nicht, was sie thun!" Instinktiv griffen, die Herren nach den Ausdrücke», die bei dergleichen Gelegenheiten üblich sind — von alten Zeiten - her. Aber zugleich roliib, wenn auch nicht für uns, so doch sür die evangelische Kirche, ein solches Verfahren ihrer obersten Behörde ein gefahrdrohendes Signum temparis. ״ מנהג אבותיהם ב״״יחטdas Beispiel ihrer Ahnen ist in ihrer Hand". — Ihre Vorbilder,' ihre Leiter sind die Inqüisitioiispäpste. Unwillkürlich, da sie trotz aller humanen Bildung, trotz aller Wissensschätze auf demselben Boden stehen, wie die Leiter der katholischen Kirche zur Zeit der soclssia dominanz ״der herrschenden, allgewaltig gebietenden Kirche," greisen sie ihre Gegner mit denselben gistgeschwängerten Worten an. Darnach nun erscheint das ״wir können über einen solchen Abfall — nur trauern.. . Das Etrecht darüber stellen wir dem anheim, der da recht richtet'' erst in seinem rechten Lichte. Es ist die ingrimmige Wehmuth darüber, daß die Zeit trotz alledem und alledem es nun doch n.

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