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Das jüdische Literaturblatt · 1872-07-17 · N° 13. (17.7.1872) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 13. (17.7.1872)
Date
1872-07-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Israelitischen Wochenschrift Rr SS. Urfcheiiir zweimal moiiailich Redigirl von , Lu beziehen für I THIr. jäfirl. als «ratwbciianc Rabbiner D1-. M. Ua!,mcr in Diagdeburg. > durch di. Expedition. zur ljraclitischeii Wochenschrifl. Inhalt Wissenschaftliche Aufsätze: Lic Freiheit und das Zudenrhui». (Schluß) -!- Ein!. ungedruckte Zlbhäudlung Eliah del Medigo's. Eine abweichende Lesart in R.riäji. — Journal-Revue: Di. Israeliten »!011 Lalon ichi. — Literaturberichtr Zur neueren Schristsorschung vom Rabb. Oppen hei in. bibliographische Notiz. — Berichtigung. , Wissenschaftliche Aufsätze. Die Freiheit und das Ludenthum^ (Schluß. > Der Verfasser Wendel sich nunmehr an die Ijlrtrabiritmeii des jüdischen Volkes; er Hai sic nicht ihrem historischen Wcrthe nach, sondern als Phänoinena an sich, als Produk:!des jüdischen (Geistes zn nnlersuchen, der der jüdischen Tradition gegenüber der aller anderen Völker einen so eigenthümlichen Ehanzklcr verleiht, tdr hebt zuerst hervor, das; die ältesten jüdischen (beschichten die Geschichten Einzelner und ihrer Familien sind durch eint lange Reihe der JahiiMidcrte hindurch. Finden wir Derartiges in der antiken Wells Dort hat i» der Tradition vor der Rachwelt der Einzelne nur insoserne Gewicl!: und Werth, als er eine politische oder historische Rolle zu erringen, oder wenigstens in ein bestimmtes Verhältnis; zur Gesammtheit zst treten vcrmtg. Zn der antiken Welt ivar nur die Gcsaltimlheir von Gewicht, im Judenthunie kam dies auch dem Zndipiduelleu;11. Während der Römer über all' das, was nicht ditekt mir der Gesammtheit in Beziehung tritt, verächtlich hiawegschrikeet, verliest sich der׳ Jude liebevoll in das Jndividnstle, in das Famielienleben; pilätvoll hütet er den Schatz still binfließender, aber mit dem vollen Zauber tiefen Zndividuellen Gebens eingehauchter Ereignisse und hält sie für wschlig genug, um den Zeitraum langer Jahrhunderte ausschließlich mit diesen aiisznfüllen. Die Aggression, die Eroberung, drängt eben die Gesammtheil in den Vordergrund, die Unterdrückung aber weckt das ittdividllelle Gefühl mit den Gefühle des Verlassenseitis; während aber die griechisch-römische Welt aus der Lraatenbildnng und Entivicklung fußt, wtchzelt das Judenlhum einerseits im patriarchalischen Hirlenlcben und gelangt anderjcsts zu seiner vollen Entwicklung nichl durch den Draal, sonder» in! Gegen-!heile, durch den Fall des ersten Reiches. s Das ist es, was, der Ve»sasjer im folgenden Kapitel ausführt. Mit Recht nennt er den Fall des ersten Reiches eine der Grundlagen des Judenthums; finden wir es doch vor diesem Falle aus dem besten Wege zum Verkommen und Untcrgehen im Götzendienste. Hoch war das staatliche Leben der Inden schon entivickclt, als es wieder bis aufs individuelle Leben zerstückelt mard^ u11£ das war die Rettung des Judenlhnins, zum Beweise, daß Wesen uich Kraft demselben eben im individuellen Leben lag, daß es,' gleich tute Vniaens ans der Erde, ans diesem seine. Lebenskraft sog, und daß dieses im Gegensätze zur antiken Welt, ein solcher Faktor seiner (Lrisicnz char, der das Draalswesen zum Nebensächlichen stempelte. Gerade das!!'Lesen des Jndenrhums war es, das im erstell. Reiche stets auf deni Dpiele stand; im Gefühle der Verwandtschar! rheilie es sich ilidie Freuden und Sitten der 'Rachbaren und nahm selbst seren Götter an. ,Rur Schrecken und Ver- Wüstungen konnte licrvorbringen, was den Propheten Gottes nicht gelang. Erst aut fremder Erde, unket fremdem Volke,, fremder Sitte, erkannte sich der Jude. Er kehrt in sich und unter dein Drucke »er Völker, mit denen er gerade vielleicht des Drnaes wegen nicht verschmelzen koitnte, gewann er wieder jeint Einheit, seinen Schwerpunkt. Der Geist seiner Gesetze, mit dem er bisher so häutig collidirre, durchdrang ihn,inehr denn je. Und als miter besseren Geschicken — in Folge ihrer Zähigkeit unzweisclhafl — die Herrscher sie wieder als ein besonderes Volk behandelten, da gingen sie rach wieder ihrer׳ Donderentivickinng entgeben, und fühlten ihren Sonderberus! den zürnenden Herrn zu versöhnen, sein Reich zn verwirklichen; und mir neuenlslämmtein Eiter folgten sie ihm, als die Erlaub- »iß zur Rückkehr die Hoffnung her Verwirklichung hob. Und ivahrlick) bewundernd blicken wir. aus ein in der Wcltgeschickste beispielloses Ereigniß. Völker stürzen ins Joch und brecht», Ketten; das ist der Geschichte Laut; hier aber sehen ivir ein Auddrcs! Niedergckreten ein Volk, zerstück! und zermalmt; sein Vaterland eine Wüste und der Raub der Fremden ,iiie Wenigen, die an der bloßen Scholle noch hängen, Bettler, gepeitscht zur gemeinsten Arbeit; keine Hoffnung mehr zur Macht, der Fremde bitteres Brod ißt das ganze Volk, — nichl gefürchtet, nichl geachtet; ׳>» gering scheint es zu neue!׳ Erhebung; vernrthcilt, nach'jeder menschlichen Berechnung,- zum Verderben und Vergehen trotz all' seines fruchtlosen ׳ Anklainnierns an alte, ihm geheiligte Vätersilte; und dies Sklaven- und Bettler-Volk, es erwacht, es bricht aus seinem. <׳׳rabc heraus, Leben fordert es, und es lebt, neuem Blühen und solch neuer Macht gehr es entgegen, daß Israel wieder im alten Glanze (einer größten Tage strahlt, und das Wort von der Größe seines Gottes, ׳ von der ewigen Kraft seiner Herrlichkeit an der Spitze des Schwertes in die Herzen von vor Schrecken erstarrter Nachbarvölker trägt! Und!was Israel i!1 den Tagen der Noih zusammenhielt, das war die Sitte des, Hauses, der Familie, dieser eigcnsten Ställe individuellen Lebens; und noch Eines: sollte die mit >en! Siaatswcse»-pH!)fisch verlorene ('׳eincinsainkeir nicht völlig veiiichwiildc», mußte sie geistig gefunden werden, und sie ward zctunden in der allgemeinen Verbreitung der Schrift; Esra gelang cS hierdurch, das Jiidenchum zu vergeistigen, und auf eine :inerschntterliche Basis, aus da»-tcste Bewußt-

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