Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- No. 9 (15.5.1872)
- Date
- 1872-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Israelitischen Wochenschrift Nr. 2V (tricheiiu zweimal ׳Monatlich Medizi« von Zu beziehen für 1 Thlr. jährl. als Gratisbeilage Rabbiner l)r. M. Uahmer in Magdeburg. durch di-Expedition. - . zur ijraeliiilchcn Wochem'chrift. (kinzelnummeni ä 2 «zr. Inhalt. Wissensrtiaftlicihe Aufsätzer R. äjjarj« Figo und seine Predigisammlung. ״Lin» Is Ittim." (Schluß.) Blbelkrit(- schcs in Talmud. — Journal-Revue: Die Spuren der Steinzeit bei den Juden. lieber die Stellung der ägyptischen Frauen zur Pharonenzeit. — Litrraturbericht: Jüdische Schulprogramme. — Notiz. — Anzeige neuer Bücher. , Wissenschaftliche Aussätze. 1!. Äsarja ^igv und seine predigtsammlung. ״llina le-Ittim " \s (Schluß.) , In der zweiten, am Sabbath Behar 1630 gehaltenen Gedächlnißrede (No. 73.) erfahren wir Näheres über R. Jacob Halevi, den Verfasser einer von den Bibliographen erivähnlen Responscnsammlung. Figo sagt von ihm: ״Obgleich er aus- und einging an den Höfen der Fürsten und Grafen des Landes, sein Geschäft ein sehr ausgedehntes war, und diese Beschäftigitugcn ohne Zweifel ihn zwangen, eigen großen Theil jeiner.Zeit ihnen zu widmen, und doch bekanntlich ״Jeder, der viel mit Waaren sich abgiebt, nicht weise wird", so hat er es dennoch verstanden, diese Hindernisse zu beseitigen, fein weltliches Geschäft zur Nebensache, das Studium der ThorT aber zur Hauptsache zu mache». Obgleich er ferner ein corpulenter und fester Mann war, und solche ja zumeist träge, langsam und schwerfällig sind, so ist doch mäifniglich von ihm bekannt, daß er nie ״das Brod der Trägheit" aß, sondern im Gegentheil mit äußerster Pünktlichkeit alles vollbrachte, was ihm oblag. Obgleich er endlich ein Fürst und Vornehmer in Israel war und sein Ruf durch alle Länder ging, weil er Gelehrsamkeit mit hoher Stellung verband und sein Werk (die Nechtsgutachtensammlung) seinen Namen! weithin verkündete, so wurde doch dadurch sein ausgezeichneter Fleiß im Talmudstudium nicht vermindert". Die dritte Gedächtnißrede (No. 74.) ist gleichfalls zu Ehren eines bekannten Mannes, des 1639 zu Constantinopel verstorbenen R. Joseph ben Mose di Trani gehalten und enthält in der Einleitung eine Rechtfertigung des Brauches, am Sabbath Gedächtnißreden zu Hallen. Die vierte und letzte Gedächtnißrede (No. 75.) spricht von einem Manne,. der sonst nicht weiter bekannt ist: R. Ahraham Aboab. Die Bibliographen wissen nichts von ihm zu erzählen, desto mehr aber unser Prediger. Obgleich! er nicht Alles niedergeschrieben zu haben versichert, was er i» der Rede über die hohen Vorzüge dieses Mannes gesprocheif, weil es eben allgemein bekannt sei, so genügt doch das, wtzs er uns überliefert, in diesem R Abraham einen Mann zu erkennen, der cs,verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Darum möge zum Schluß folgender Passus aus dieser Rkde, der zugleich für den Ton und die Haltung der Gedächtnißreden Figo's charakteristisch ist, hier einen Platz finden. — ״Ich glaube dem verklärten Geiste auf kefne angemessenere Weise die letzte Ehre erweisen zu können, als indem ich mich soviel als'möglich bemühe, bei Gelegenheit seines Todes das ' edle und erhabene Ziel zu fördern, dem sein ganzes Leben aur allen seinen Wegen gewidmet war: das Wohlthun gegen Andere, durch Führung und Leitzing der Zeitgenofien zur ewigen Glückseligkeit. So möge es jetzt geschehen, da er sein strahlendes Antlitz uns entzogen, denn dies ist in Wahrheit die höchste Vollkommenheit, indem er hierin dem Allheiligen gleichet .... Und indem ich in meiner Unzulänglichkeit den Weg suche, der uns am besten zu diesem Ziele führe, finde ich . für die Spanne einer kurzen Stunde keinen andern, als in allgemeinen Umrissen von seinen zahlreichen, hohen Eigenschaften! ein Spiegelbild zu entwerfen, damit es sich tief einpräge in ■ das Herz der Hörer, Euch beständig vorschwebe und zu jebctj I Zeit unserem Gedächtnisse gegenwärtig sei, damit wir ihn uns ■ zum Muster nehmen, zu beobachten und zu thun, in seiner | Wegen zu wandeln und ihm ähnlich zu^weGtn . . . . Und , nun, was rede ich hier vor dieser heiligen Versammlung über , diesen Boten Gottes, der eine Zierde aller Frommen war, übe! ן die hohe Bedeutung dieses verklärten Greises anderes, als wa« bekannt ist nicht bloS in unserem Lande, sondern fast in aller Zonen, den nahen und den fernen, bis an die Enden der, Erde, unter allen Völkern und Zungen, so daß aller Orter sein Name gerühmt und verherrlicht wird wegen seiner außerordentlichen Vollkommenheit in diesen drei Dingen (persönlich« Sittlichkeit, Leitung der Familie und öffentliches, gemeinnützige« Wirke»), die in höchst seltenen Fällen in solcher Vollendung bei einem Menschen vereint gesunden werden? — Ja, bei diesem Edelsten der Edeln waren sie alle vereint, und zwar jedes Einzelne der dreien in so höchst vollkommener Weise, wic Mcnschenzungen cs nur auszusprechen vermögen.' denn was sein persönliches Leben betrifft, so habe ich bereits begonnen, einen Theil seiner Vorzüge aufzuzählen, von der Höhe seiner Sittlichkeit, seiner Gottesfurcht,, seiner vollendeten Frömmigkeit. — Wic er sich benahm in seinem Leben mit der Art seiner Geißelungen, stinem seltenen Hinausgehcn auf die Straße, seinem^ häufige» Frübbesuch des Lehrhauses, seinem fleißigen Gesetzesstudium, seiner sorgsamen Zeitanweudung, seiner heißen Liebe zur!) Gotteslehre und zu den sich tlcit derselben Beschäftigenden, wie sehr er diese ehrte und unterstützte; von der unbeschränkten Freigebigkeit seines Herzens; von seinem Vermögen uneingeschränkt zu spenden für Zwecke der Wohlthätigkeit, selbst wenn er diese ganz aus eigenen Mitteln zu bestreiten hatte. .Ich habe noch mehrere solche Einzelnheiten, die sein persönliches! Verhalten kennzeichnen, in ausführlicher Rede hei vorgehoben, mit deren Ausschreibung ich nicht ermüden will. - Was nun aber die Leitung imd Führung seines Hauses betrifft, so stehen