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Das jüdische Literaturblatt · 1872-04-17 · N° 8. (17.4.1872) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
1 (1872)
Issue
N° 8. (17.4.1872)
Date
1872-04-17
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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y״ *■ » ß - 32 M.T ׳? u (I Könige X, 10). Der angebliche Grund jenes Damenbcsuchs be dem 1 weisen König von Israel war ״ihn zu versuchen mit Nlltzsekn^ (!.-Könige X, 1); es ist aber nicht unmöglich, daß »i > die Chinesen der Neuzeit bei dem ersten Seebesuch der Rüsten, so die Herrin von Sheba und ihr Volk der Eröffnung des neuen H lndelswegs entgegen waren im Jntereffe des Ueberlandwegs, H« ׳ leichter controlirt werden konnte, und daß sic deshalb so vi U Producte des Handels mit sich gebracht hat, um die Uebcrff, sstgkeit ׳ des neuen Unternehmens darzuthun. Wie dem auch sc, die Seeroute nach Ophir und Sheba war nicht von langer T«er. Um ״die darauf bezüglichen Anspielungen (im I. Könige X XU, 48 und II. König XIX, 22) zu übergehen, welche zeigen, d<ß der Handel oft unterbrochm worden sein muß, lesen wir (I I. Könige XVI, k): daß unter der Herrschaft von Ahaz, König vi« Judq (740 vor Ehr.) ״Rezin, König von Syrien, Elath n! it Syrien vereinigte und die Juden aus Elath trieb, und daß de Syrer nach Elath kamen und dort blieben bis an den Heu, ti zen Tag," so daß unter solchen Umständen der Seehandel auf ' d m Rochen Meer in seiner ganzen Dauer zwei und ein halb £ ,hrhundert nicht überschritt. Während dieses kurzen Zeitraumes is (6 mcht wahrscheinlich daß der chrischisraelitische Handel sich b s zur ostafrikanischen Küste ausdehntc, selbst wenn die Araber il« ihr Monopol hier abgetreten hätten, und noch weniger wahrs, jcmlich ist es, daß er so weit ins Inland drang wie nach ZiMb lbye. Die dortigen Rinnen sind also sicher nicht chrisch-israeliti schen Ursprungs-" Hr. Beke ist der Ansicht daß diese Trümyier, d!»n Zeichnungen ihm Vorlagen, südarabischen Ursprungs sein. i, rar behaupten seit uralten Zeiten, noch heute, dir Araber das rädominäum. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß die Trümm«r übermäßig alt zu sein brauchen. James Fergusson hat v istrr anderm nachgewiesen, daß die Riesentrümmer von Basan, r «lche man dem König Og zuzuschreib'en pflegte, in der Zeit z vischen Christi Geburt und dem Aufkommen des Islams erricht t worden sind. Wir kommen in nächster Zeit auf den Gegen-, f and zurüik, da Hr. Petermann abermals eine die Ophirfrage l etreffende! Correspondenz versendet har, in der er auf seiner s tühcren Mcimmg beharrt. s , Lilteraturberichl. I>er l Ata«. Eine Skizze aus dem galizischen Volksleben, khorn 1871.. (82 S.) Der Titel des Büchleins wird wohl dem größten Theil unserer üeser räthselhast sein; עלד, so soll daß Wort heißen, bedeutet im wlnisch - hebräischen einen vorzüglich, begabten Talmudjünger, der lamcntlich schon als Knabe durch Scharfsinn und Gedächtnißstärke berühmt geworden ist, ein Wunderkind also. Tie Schicksale eines solchen werhen uns hier erzählt. Doch ist das Novellistische Nebm-, fache, es ist dem Verf. haupffächlich um Sitten- und Charakterschilderung zu thun. Wie die deutsche Ghettonovelle jüdisches Volksleben verschieden» Gegenden zeichnet, so hat auch das russisch-polnischgalizische schon lüerarische Bearbeiter gefunden, doch sind die betref- ׳ senden Novellen hebräisch (;. B. trefflich von dem sei. N. Keller) oder im Jargon geschriebrn, von deutsch geschriebenen sind uns wenige bekannt. Auf eine Kritik des Büchleins als Novelle brauchen wir umsowemaer einzugehen, als es auf den Rang eittes Kunstwerks oder den Vpvwh eines guten Leihbibliothekfutters wohl keinen Anspruch machst; es fehlt sowohl die kunstwie die handwerks-gcrechte ״Mache". Als Sittenschildrrung in immerhin ganz unterhaltender Form könqen wir ihm jedoch unfern Beifall umsomehr zollen, als die Tendertteine sehr anerkennenswerthe ist. Ter Verf. hat nämlich die rechte Mitte 7 gehalten, er hat die mannigfachen Gebrechen des galizisch-jüaischen Volkslebens nicht ganz verschwiegen oder gar romäntisch verklärt; (cs wäre ja auch das möglich.') aber von Pietät erfttllt, verletzt uns auch nirgends leichtfertiger und absichtlicher Spott, wie dies in] den Erzeugnissen mancher andern jüdischen Novellisten der Fall ist.s ׳ Die Vorzüge des Judenthums finden die wärmste Anerkrnnung, die Schattenseiten der galizischen Juden milde Beurtheil»ng und n»r diejenigen Answüchse, die wir nicht entschieden genug 0!8 solche und als ganz unjüdisch bezeichnen können, sind bloßgelegt_ Drpck und^Bcrlag der Hof-Buchdruckerei von Carl Friese in Magdeburg und auch diese sind nicht verhöhnt. Der Verfasser hat sich nicht genannt, wir haben irgendwo als solchen Herrn I. Misses (also den Verf. des צפנת פענח — Beleuchtung der Kabbala) bezeichnet gefundene — Da das Leben und Treiben unserer galizischen Glaubensgenossen in Deutschland sehr unbekannt ist und nicht etwa nach dem Bild, der voiz da kommenden Bettler beurtheilt werden darf, so empfehlen wir das Buch denjenigen, welche jenes kennen zu lernen wünschen. T. Jüdische Lchnlprogramme. 1. Jahresbericht über die Religions-Unterrichts-Anstalt der Snnagogen-Gemeinde zu Breslau. Voran geht eine eregetische Ab- Handlung über Genesis o. 49, v. 22—24. Vom Dirigenten der Anstalt, Dr. Samuelsohn. 2. Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung der Religionsschule der Gemeinde Adaß Jisroel in Berlin. Vom Rabbiner Dr. Hildesheimer. Voran geht eine Abhandlung: Die Erziehung in Schule und HauS, von M. Altmann. 3. Programm zur ,öffentlichen Prüfling der Friedrichsstädtischen israelitischen Religionsschule in Berlin, nebst einer Abhandlung: Die Tochter Israels, die künftige Trägerin des Judenthums, vom Dirigenten der Anstalt Dr. Landsberger. 4. Programm zur öffentlichen Prüfung der jüdischen Elementar- . schule zu Breslau mit einem Vorwort vom Dirigenten Dr. P. Joseph. 5. Jahresbericht über die Religionsschule der Synag.-Gemeinde zu Stargard in Pom. Vorangeht: ״Der Geschichtsuntcrricht in der Religionsschule", von Rab. Dr. P. Buch Holz. Die dem sub 1 angeführten ״Berichte" vorangehende eregetische Arbeit des Hrn. Dr. S. verdient eine kurze Besprechung. Nach dem Veri. sollen die drei Verse Genesis c. 49, v. 22—23 wie folgt übersetzt werden: (V. 22.) ״Ein kraftstrotzender Schötzling ist Joseph, xin kraftstrotzender Schößling an einer. Quelle; die Zweige (dieses Schößlings) wachsen üppig an der Mauer. 23. Und herausforderten (!) ihn und beschossen ihn (mit Pfeilen, Versuchungen) und verfolgten ihn die Schutzen. 24. Aber sein Bogen war so fest in seiner Hand, daß die Sehnen seiner Hand zitterten,, mehr noch als die der Hände des tapfern Ja^ob (d. h. du hast größere Anstrengungen ertragen, größere Untersuchungen widerstanden, als ich selbst und dennoch bist du rein geblieben). Daher bist du würdig, Führer und Hort Israels zu sein. » Hiesc Auffassung scheint uns im Gan;en"das Richtige getroffen zu haben, auch manchem Einzelnen ist das Zutreffende nicht abzusprechen, nur daß ״ איתןHand", bedeuten und hier gar ״seine Hand" heißen soll, ist weder lericalisch noch grammatisch begründet: es zwingt auch nichts, hier von der ursprünglichen Bedeutung ״fest, dauernd, stark" abzugehen. Grammatisch ist 'באיתן, wieLesajas 40, 10 בחזק, adoerbialiter zu fassen. Daß im V. 24. Jacob' die Festigkeit seines Sohnes höher als die eigene stellt, hat nicht nur^ nichts Beftemdliches, sondern wird im v. 26. noch bestätigt durch die Worte: ״Die Segnungen deines Vaters übersteigen weit die Segnungen meiner Eltern.' In den ,,Schulnachrichten" finden wir die Klage, daß viele Eltern ihre Kinder erst sehr spät (nicht selten nach zurückgelegtem 10. Lebensjahre) in die Religionsschule schicken, nur zu gerechtfertigt. Solche erwachsene Kinder in die unterste 1 Klasse zu 6—7 jährigen zu setzen, verletzt deren Schamgefühl und verleidet ihnen die ResigKnsschuIe.׳ Soll die Religiousschule ihre große, und durch so viele Mißstänbe ihr erschwerte Aufgabe lösen können, dann darf dieser Mißstand nicht noch hinzutreten. (Forts, folgt.)

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