Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 8. (17.4.1872)
- Date
- 1872-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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zur Israelitischen Wochenschrift Nr. 16. Erscheint zweimal monatlich als Gratisbeilage zur israelitischen WochenschriilV , Redigirt von Rabbiner vr. M. Rahmer in Magdeburg. t .Zu beziehen für 1 Thlr. j> , durch die S^peditio».! Einzelnummern » 2 Sgr.s Inhalt. Wissenschaftliche Aufsätze: 3t. Asarja Figo und seine Predigtsammlung. ״Lina le-Itttm" — Dar Iosua's von Michael Levy. — Journal-Revuer 1-e Earnaeal Israölite. Zur Ophirsrage. — Litrraturberiähtt Der Js.1 von I. M- Jüdische Tchulprogramme. ied qu. i ש¬ K. Asarja Figo und seine predigtllammlung! ״Lina Id-Ittim." (Fortsetzung.) i Auch die Leiden der außeritalienischen Juden, besonders der Scheinchristen in Spanien und Portugal! tönen uns aus manchen Predigten entgegen. An einer Stelle vcrthcidigt Figo die letzteren mit folgenden Worten: ״Zur Pcrtheidigung der Gesammtuation, wenn sie es vielleicht fehlen lassen am Guten und nicht ganz ihre Pflicht thun,!sage ich, daß es osienbar und bekannt ist vor dem Throne der Herrlichkeit Gottes, daß es nicht eine Folge ihrer Böswilligkeit und ihres schlechten Charakters, sostderu der vielen Lsiden ist, welche ihnen nicht gestatten, sich zu sammeln in Gsmüth und Geist, um ihre Pflicht vor ihm zu erfüllen- Im Verborgenen weint ihre Seele, daß sie geheim und versteckt thün müssen, was sie können. So erfüllt sich an ihnen der Schluß der Flüche: Am Morgen wirst du sprechen, o daß es Abend wäre, und am Abend, o daß es Morgen wäre, vor der Furcht deines Herzens, und vor dem Anblick, den deine Augen-sehen werden. Denn zwiefacher Natur sind die Leiden,.die uns beständig bekriegen mit Nolh und Drangsal an dtn Orten des Zwanges, wie bekannt bei den SöhffenJsmaels.') Erstens, die Gewissensbisse, daßs jie öffentlich sündigen, um den Völkern und Fürsten zu zeigen, daß sie yor ihren Göttern sich beugen, ihren Götzen dienen, welche sind Sonne und Moud^), da sie dazu gezwungen sind/und den Ewigen, den Gott ihrer Väter, die Quelle lebendigen Wassers verlassen. Darum sprechen sie sehnsuchtsvoll am Morgen, o daß es doch Abend wäre, denn im Dunkel der Nacht kann ich als Jude meinem Schöpfer im Verborgenen dienen, daß kein Mensch von draußen mich siehet. Aber andererseits, wenn er sieht, welche schwere ׳und bittere Leiden die zum Judenthum'sich Bekennenden treffen, die nicht thun wie Jenes auf wie viele verschiedene Weise dieselben getödtet und pcrbranrt werden, dann wünscht er wieder, o, daß es Morgen wäre, daß ich öffentlich vor ihren Augen thun könnte, wie!sie, daß ich einst Eür einen Juden gehalten werde, u. s. w.ft! Dagegen spricht er sich an einer andern Stelle, init unverkenübarer Anspielung aus die Marannen שיראו עצמם כמשתחרם;* *אלילים, tadelnd über diejenigen aus, welche glauben, cs sei!genug, tstvtt im Herzen zu tragen und käme dann weiter auf die Handlung weise nicht an'. * ' - R. Asarja war auch mit den profanen Wisssitschäften vertraut. Medicin und Astronomie liefern ihm sehr oft Beispiele und Gleichnisse für seine Predigten, besonders cheint er in der ersteren ein mehr als läienhastes Wiffen!besessen zu Habens. Aber auch in der letzteren scheint er mcht unbewandert gewesen zu sein. Er kennt die הנדסה (Etoicheia?) des Euclid und den Almagest des PtolemLus'). Und wenn auch seine Predigten nur selten' mit eigentlich philosophisches Fragen sich beschäftigen, so ist' doch aus der zuweilen vdrkommenden Polemik gegen die Philosophaster (המתפלסים )■*), worin er besonders den damals auch aus Frankreich n^ch Italien importtrten Scepticismus und Naturalismus bekämpft, ersichtlich, daß er in der Geschichte der Philosophie nicht jriati fremd war. Auch erwähnt er der platonischen Ideenleere, ohne deren Urheber zu nennen, ausdrücklich"), und-!der!/ vielen über die Trias: Ethik,! Politik und Oekonomie, Po« Nichtjuden verfaßten Schriften Um Allgemeinen"). Doch hat er die Keuntniß derselben wohl nur aus hebräischen Uehersetzungen, denn sein Versuchs das Wort פרקליט aus dem lateinischen procurator zu erklären'), berechtigt uns nicht, ihm eine genauere'Kenntniß dieser Sprache oder des Griechisches zuzuschreiben^ . . Aber auch von den Ausgeburten der Wissenschaften zeigt Figo sich inficirt. /Wie er, obgleich, kein Eingeweihter der' Kabbala, nicht umhin kann, an ihren Leckereien zu naschen^ so ist er auch ein Gläubiger, der Sphärenemanationstheorie und versucht sogar, mittelst derselben' einen Schviftvers R6g. IT, 7, 15.;11 erklären, freilich nijht, ohne hinzuzufügen, daß <ip zwar sonst nicht seine Weise sei, nach kabbalistischen und astro-- logischen Vorurthcilen die Schrift zu erklären"). Nichts desto weniger glaubt er fest an die astrologischen Träumereien, die damals durch den 1601 gestorbenen Tycho de Bpahe wieder in Schwung gekommen waren, an Nativität und an den Ein- ') Jsmael ist hier wohl nur der Eensur wegest genannl, während Spanien gemeint ist. { . 1 ') ,Auch, in diesen Worten haben wir eine Eenjurrücksichl zu erkennen. Figo Hai wohl gewußt, daß es in Europa keine Söhnen- und Mondänbcier giebt. נ) Nr. 8. Thl. t. S. 26, b. ■j , ') Nr. 5. Thl. 1. S. 17, -. 2) Beispiele aus der Medicin: Thl. 1, S. 19, ab. 24, a. 27, a. 30, b. 31, a. 34, a. Thl. 2. S. 7, a. S. 54, a, wo das große Theriak als Universalmittel erwähnt ist, und sonst. $ -) Nr. 46. Thl. 2. 6. 35. *) Nr. 30. S. 82, a. Nr. 34. Thl. 2. S. 8, 0. Nr. 38. S. 17, q. * -) Nr. 70. Thl. 2. S. 109, a. , 0) Nr. 75. Thl. 2. S. 122, a. -! ^זזו מלה פרקליט לא נמצאת בלשוננו הקדושה ולא.(׳ בתרגום אבל היא מהלאטין שנקרא פרקוראטור המשתדל ומבקש טובה; «) No. 3, Thl. 1. S- 9.