Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 2. (17.1.1872)
- Date
- 1872-01-17
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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jacrftrAterang, z« —־ Natwualliberalm herabgAvürdigt. Und!Mc Consrqurnz wärr? — erst das Ehrifknthum hat die große!Idee der Einheit aller Völker gelehrt. Und das ist denn freilich auch schon tausendmal gesagt und gedruckt worden. j Befremdender als die vorher besprochenen Zrrthümer ist Mer Folgender: Zn der Würtembergischrn Kammer wurde am 19. v. MtS. über einen Paragraphen des Polizeigesetzes verhandelt, welcher bestimmt: ״ ׳Mt Geldstrafe bis zu 3 Thlrn. -wird bestraft, wer gegen ortspolizeiliches Verbot oder gegen den kundgegebenen Willen des Mgenthümers in fremden Leckern, Weinbergen, Baumgütern oder Wiesen eine Nachlese hält." PrälaL'v. Hauber trat dabei für den Regierungsentwurf ein, ״welcher den Gemeinden einen Schutz gewähre gegen die Uebrrfluth durch ortsfremde steute, welche in der Ernte zwar nicht arbeiten, aber doch Nachlese halten wollen, es ja doch alte christliche Humanität sei, den Armen des Orts die Nachlese zu gestatten". Hätte daS nicht ein Prälat gesagt, so könnte man meinen, der Mann .kenne die Bibel, das A. T. nicht, und schriebe es zu dem Uebrigen. Könnte man annehazeo, der. Prälat׳ habe sagen Wollen: christliche Humanität ist leider so engherzig, daß sie nur prtSarmen Nachlese gönnt, Während das jüdische, das Bibelgcsetz ausdrücklich vorschreibt, sie den Armen und Fremdlingen zu lasten, (3 Mos. 19, ,10, 23, 22; 5 Mos. 24, 19.) so hätte dir Rede auch ,einen Sinn. Hätte der Prälat gegen jenen Paragraphen gestimmt und sich auf die Heilige Schrift berufen, so wäre das sehr in der Ordnung und eines Geistlichen überaus würdig gewesen. , Aber alles dieses ist nicht der Fall gewesen; also wieder einmal das Hervorheben deS Christlichen und zwar an einem recht verkehrten Orte. Noch eins! Wenn dxr Prälat das 3. und 5. Buch Moses vergessen hatte, wie ist es denn möglich, daß?r auch an Ruth nicht gedacht hat? die Geschichte kennt er doch, und Ruth ist jedenfalls ״ortsftemd" gewesen, wenigstens nach der christl. Humanität der meisten heutigen Gesetzbücher. ' ־־ Die zu Berlin erscheinende ״neue evangelische Kirchenzeitung" kann den Jahrgang 1871 nicht schließen ohne auch in einigen Nummern dasmoderne Zudenthum" die Revue passiren zu lastey, und komryt zu dem Resultat, daß der ver- Werbliche Einfluß desselben sich in die zwei Worte zusammenfassen laste: Entnationglisirung und Entchristlichung. ״Welches aber ist die Aufgabe, welche in der hier besprochenen Beziehung der Gegenwart gestellt ist? Die Emancipasion rückgängig zu machen und zu der politischen und socialen. Beschränkung früherer Zeiten zurückzukehren, ist eine Unmöglichkeit, und wenn es das nicht wäre, so wäre es ein Unrecht. Die politische und sociale Gleichstellung der^Juden enstpricht der Gleichheit der Anforderungen, welche Staat und Gemeinde an sie stellen. Die Judenmission aber ist eine Nothwendigkeit, eine gottgewollte Erweisung der christlichen Liebe." Indem wir mit Freuden von dem, was die ״neue ev. fkirch-'Ztg." in Bezug auf die Emancipätion sagt, in diesen Blättern Notiz nehmen, überlasten wir ihr gern das nicht gerade billige Vergnügen der ״Judemnission", von deren ״gottgewollten" Wirkungslosigkeit die betreffenden Entrepreneurs fich ja bereits zu überzeugen anfangeo!. . öl. R. -lKortsetzimg und Schluß der »ec. über ״®räfe’S Schir-haschirim" mußt« ««gen Raummangels für die nächst« Nummer zurückgeleg t werden.) Litteraturbericht. Schriften der Vereins Mekye Virdamiw. 4. Jahrgang. 9029—31. Wir haben diese Schriften in Nr. 4b v. I. aufgezählt, daß der im Jahre 6623 gegründete Verein jetzt'erst den vierten Jahrgang liefert, ist ein Uebelstand, an dem nicht seine Leiter Schuld tragen, sondern die Gleichgültigkeit des jüdischen Publikum-, diese macht «4 ihm.unmöglich alljährlich, wie es in seincin Programme liegt, Schriften herauszugeben. Eist zwar über den Werth der bisherige» Publikationen auch von einem geschätzten Mitarbeiter dieses Blattes etwas abfällig geurtheilt worden, (Nr. 4, 11—12 o. 30 aber alle Einsichtigen, alle Freunde der jüdischen Literatur sind einstimmig in der Anerkennung der dem Verein zu Grund« liegenden Idee und Tendenz, die bisher etwa begangenen Fehler sind leicht zu verbessern, wenn sich mehrere Fachmänner vorher über die Auswahl der zu druckenden Schriften auSsprechcn, wozu jedes jüdische Blatt gern seine Spalten öffnet; unter allen Umständen ist für je zwei Thaler bisher stet» Entsprechendes in die Hand der Abonnenten gelangt, und selbstredend würde weit mehr geliefert werden können, wenn statt ca. 600 die statutenmäßigen 2000 sich zusammenfändcn. Herrn Silbermann gebührt unbedingt Anerkennung, daß er den Muth nicht verloren hat. Es liegen soviel «erthvslle Manuskripte in den Bibliotheken; die ״Schlafenden wecken" ist, von der Pietät abgesehen, der jüdischen Literatur in höchstem Grade uuhbringend, und wenn die.Zahl derjenigen, welche dem Verein beitreten mögen, überall nur klein ist, so ist dafür der Kreis ein um so größerer er erstreckt sich über die ganze Erde, כל תפנצות ישראל• Wir bitten die Leser dieses Artikels dringend, Mitglieder zu werben. Ueber die Schriften des 4. Jahrgangs selbst haben wir wenig zu sagen. Ueber alte Wrrke, welche neu oder auch zum erstenmale abgedruckt .werden, (und weiter liegt diesmal nichts vor, keine neue Ausgabe, wie etwa die so tresiliche Bobersche der פםיר!תא) pfcs* man keine Recension berichtet, Jos» Baruch a Den Schluß macht das dena, geschrieben 1481, Dar Buch enthält 46 B Stück der Borrede fehl zu schreiben und Besprechung solcher wird in Literaturgeschichten, nicht aber in TageSdlättern gesucht. Auch haben wir größtentheili nur Fortsetzungen von bereits Begonnenen. Ueber פחד יצחק *fl a. 0. O. in diesen Blättern geredet warben. Es ist natürlich, daß in einen, Werke, welche« eine Riesenarbeit des Sammelfleißes ist, sich Versehen finden, aber daß es darum doch das vollständigste aller Sammelwerke seiner Art sei, zehn und mehr andere entbehrlich mache, ist u,,streitbar. Es ist nur noch gar kein End« abzusehen! Wir möchten den wohl sehr annehmbaren Vorschlag machen, daß hinfort die sehr weitschichtigen und viel Rau», einnehmenden ]שדן־ weggelassen würden, man gebe in 4 — 5 Zeilen den Inhalt derselben an und mag sie dann, wenn das Werk beendet, als Anhang vollständig nachtragen. Das Hauptwerk würde so um mindestens ein Jahr ftüher beendet. Die Biographie des Verfassers. I. Lampronti, ist beigegeben, sie ist schön geschrieben und verständig abgefaßt, sie war freilich bereits italienisch gedruckt, aber nur so wenigen zugänglich, daß der Besitzer des Werkes diese */4 Bogen gewiß gern entgegennimmt. Weniger können wir von unserem Standpunkte die Herausgabe des GenesiS-Eommentars (אמרי שפרי) vom H. Wessely rechtfertigen. Man kennt den ermüdenden Wortreichthuni des 'Verfassers, der gleich Abravauel gut und fließend hebräisch schrieb. W.'s. ^chrislforschung ist sehr sorgfältig, und so fehlt es nicht an neuen, wenn auch nicht eben wichtigen Bemerkungen, aber wer mag sie heraussuchen! Herr Silbermann rechtfertigt sich damit, daß er sehr verschieden gesinnten Abonnenten etwas bieten müsse, daß in Rußland viel« gerade ans diesen Commentar gespannt seien. Das ist wohl glaublich, und die Rechtfertigung dann ganz ausreichend. Ueber den ויכוח פל אה^ןן ist׳ aber gar nichts zu sagen. Es ist ein seltsamer Mißgnss. DaS Buch gehört, ob im italienischen Original, ob in hebräischer Uebersetzung, gar nicht in die jüdische Literatur! Der Verfasser gehört der jüdischen Geschichte an, und sein Werk^harakterisut seine Zeit, aber jüdisch ist nichts davon. Der Uebersetzer ist übrigen» nicht, wie Grätz vermuthete, de Modena, sondern wie S. Sachs im Hamaggid 42 >as Urdino; es ist im Mscr. deutlich so verzeichnet, kleine ם' למומו־ von Jbn Ephraim aus Moau» einer Handschrift der Hamburger Stadt- Bibliothek sehr sorgfältig durch I. S. Wittkower copirt. (Die Uneigennützigkeit, mit der dies,! Gelehrte dieses Werk und schon mehrere andere copirt und zum Druck t »entgeltlich überlassen hat, verdient Anerkennung.)!trachtungen und Sentenzen — Nr. 1 nebst einem im, Manuskript, — deren Werth mehr in der Form als im Inhalt bisteht! Die Einkleidung ist kunstvoll, die Sprache voll von Blumen, Anspb lungen, Wortspielen u. dgl., doch ist der Stil rein. Druck und Betlag der Hof-Buchdrucker«! von Earl Friese in Magdeburg. *Itm 4״