Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1921-11-04 · 41 (4.11.1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
41 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6682508-6377574-6450539--1630-4851263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1 y ff- WMVMsMmg j Dv jüdische B»N»zwUmq' S^chnni »»chemii-L an tedem Freitag und ka«n j,Mv»hl durch djr Post. m,e auch durch dir 9rto4ft»ftfQr znm ftrifr »»tt I »terlklttbrl'ch 9t. 4L0 bfjo^rn vrrbni. bo flbt>»lou) m Nr dM4iHsl|r|' I Wk. 4.21. Ulnjklnr Änsunft 40 P< Lchriflttil»», »ob »ttlei: FerufPrecher bti»| 8016. »efchtftbstele: Fer»f»rtcher Ntig 872. «mH *ei »rfi»ttt*»,l, 10-4, M Metfnui R«i PIIMi« nnb D«mer»»chz 11 — 1 Uh». Im e i g t u Bntom «ch »tL»chm> hrrr4nrt Xtl fWIi*r*T bn a+jgcfluitrarE Zeile Mtt 60 Pf.. Aa»Ui«muzngni 6ß ff. — Pfi Si^ech»l»»q gfltifla»}. »it SdmftUitunq und Verlag in BreSlau. Kaiser Dilhelmstraße 5,'7 — Zuschriften find dorthin )U richten. GtichLfi-sttllti g. Silitnfelb. « m. b. 6-, »miau I. Schwtidnißtrftraßt 37 — Mt Me »it Sasel meichiete» »isfttzk. »eicht Me »»MMeliche b« Btrsasttr- ,»» «aibrack beiagtn. tMtilwt Me Schriftltit»», ««t Mt »rtßgtfttzliche Bcttuf«ttiu«. flr 41 Breslau, den 4 Tloaember 192]. 3abrt*M XXVIII An unsere Abonnenten? Wir sehen unk infolge der dauernd steigenden Tnickkoftin genbfigt, den Abonnrmtn'.sprkiS für die .Jüd. VolkSzeilung* für das Vierteljahr von Mark 4.50 auf 6, Mark schon für dar laufende Dierteisahr zu erhöhen. Nerlag der „Jüdischen BolkSzeitung". Saiionjndentum. Bon .^abui« schach An den kleinen Erscheinungen kann man häufig die Natur und Unnatur des Lebens am diften erkennen. Eie geben das GesühlSbaromeler ab. daS und auf sicherem Wege in das Wesen der Tmge einführt. Die Saisonjuden bilden eine solche Ekscheinnn-i. t-e an sich komisch anmutet, in ihren inneren Zusammenhängen aber uns die ganze Tragik einer verkehrten Kulturenlwickiung widerspiegeln. Als das Judentum fein natürliches Leben lebt» und sich nach inneren Gesetzen entwickelte, da kannte man kein Saisonjudenlum. Wohl gab es Höhen und Abstufungen und jede Zeit batte ihre Stimmung und ihre Bestimmung, aber auSgeicholtet war das Judentum nie aut dem Leben. Wie alles wurde auch da« Judentum beim Erwachen der Natur m u belebt und es empfing neue Jhyp.us. ttftyr und Weltanschauung verschmolzen miteinander. Mau nahm olleuiit jüdischem Her^n aus. verarbeitete «4 mit seinem Wesen und machte etwas Neues. Eigenartiges daraus. — toter Inventar war dar Jüdische nie- Eritdem bas Judentum rn Westeuropa das Leben einer Treibhauspflanze führt. :st es immer mehr zum Saison«, artikel geworden. Tie Hochsaison bilden die hohen Feiertage. an denen viele überhaupt erst so etwawie religiöse Stimmung empfinden. Tann ist der darauffolgende Winter zwar nicht für die Synagoge, wohl aber für die jüdischen Vereine noch immer Sauon. Man ist in den langen Winterabenden eher geneigt, da« Opfer zu bringen, einen viflenfchastlichen. literarischen oder politischen Vortrag zu bötrn $)etfawm1unQtn zu besuchen. Mit dem Frühling aber hört allkS auf und die Vereine brkomwen für b bi« 6 Monate d-e Schlafkrankheit. Ja. wer kann denn ver-! langen, daß man einen reizvollen Ausflug in heiterer ' Gesellschaft oder einen fd)&nfn Adendspaziergang opfert. I um einen Vortrag zu hören oler zum Gottesdienst zu! gehen? In München erlebte ich e«. dafi m den Sommeri monaHn am Freitag der Abendgottesdienst bei hellem Tageslicht abgehalten wurde, damit die Leute den Vierkeller nicht versäumen. Das Judentum wurde eben nicht reformiert, d. h e« nahm mit dem alten Geist eine neue, mit dem Leben harmonierende Grstalt an. sondern-es unteroednete sich völlig den äußeren Lebenserscheinungen, es wurde eine Religion der Mode, der Bequemlichkeit. Tadel blieb diese Reformschablone den wirklichen geistigen Strömungen gegenüber steril und starr. Der Katholizismus g. B. der doch von der Relormwut des kalten Fanatismus des Rationalismus fast unberührt blieb, verstand es viel besser, sich mit den Bedürfnissen deS Lebens auseinander zu setzen und dos Leben zu katholifieren, bevor der Katholizismus verweltlicht wurde. Die jüdische Reform entnahm ihre Schablonen immer dem weniger klugen und weniger lebenskräftigen Protestantismus. Sie war daher psychologisch immer schwach und ,hr Wesen erschöpfte sich im Negieren. Svisonjudeutum! Das kl,ngl lote etn Hohn, und es gehört doch mit zur Trogikomik der westeuropäischen Judenheit. Ein Judentum, das abhängig ist von Zeit und Mode, das nur im Winter seiii Dasein zeigen kann. j im Sommer aber vor der Natur sich verkriechen mutz. Und auch heute, wo die Dolksftimalungen uns immer mehr dazu zwingen, uns zurückzuziehen und unsere« geselligen Berkehr auf den engeren jüdischen Kreis zu beschränken. ist es nicht viel bester geworden. Braucht man nicht mehr das Judentum vor der großen christliche« zu verstecken, dann versteckt man es vor de» Dienstmädchen. Und man versteckt es so gründlich, vian es selbst nicht mehr findet. Nur bei zwei Nichtungen merkt man den Un! der Saison nicht fo stark, bei den Orthodoxen u«h Zitasta die ihre Tätigkeit auch im Sommer entfalten. Aber anch hier ist es ein Betrieb mit halber Kraft und auch dschd Organisationen müffr» den Sommersreuden Konzefstonm machen Bei der großen Maff« der westeuropäischen )«dm aber tritt dieser Unterschied so stark in die TischiisWD. daß man im langen Sommer überhaupt nicht «che N> einem jüdischen Leben außerhalb des Kaffeehanses kann. In Amerika gibt es sogar Gemeinde«, Re Tempel im Sommer ganz schließen, und die Tatst» ginnt erst wieder, wann der Rabbi von seiner S«> reise zurücklehrt. Unsere Zeit gebietet direkt die Flicht < ins Innere, die Pflege des eigenen Wesens, de» der eigenen kleinen Welt als letzte Zuflucht. Wenn aber die Fühlung mit der Geschichte verloren hat, fcftMu hört man auch nicht die Stimme der Zeit. " Die Rückkehr zu» eigenen Wesen ist nur ans j»rf j Degen möglich, entweder durch das starke EmpsindsNEj« das einen mit Gewalt aus dem Lebe« des Schees heraMol^ reißt, oder durch dir heranreisend« Erkenntnis MtaJ Zweck und Berus des Lebeüs des Individuums und h» A Gemeinschaft. Das Empfinden aber setzt starte, gefnntzELZ Jnstintte voraus, die da. wo die Entwurzelnns fortgeschritten ist. nicht «ehr «uiftranMB k-nnnen. Üchh die Erkenntnis ist dt« Frucht eines ernstin tief« D«RM Wo ober das seichte, verflachende Modeleden kbtt Denken verdrängt und dos Dasein zu« Aufallspiel mM da wird man vergebens aus das Erwache» der ErseaamWü warten. Do kein Ringen da ist. kann stch keine und feste Weltanschanung durchringen. Daher find hiß Aussichten auf ein starkes Aufleben des Judentnms stt! Westeuropa sehr schwach. Es ist meistens nur so, dsG '.I ein« künstliche Erscheinung die ander« .ablöst. M Rast« ' Feuilleton. Zeitgeist. vrlrachttma zum Wochrnabschnill n> Eine der gebräuchlichsten Redewendungen, um die Abkehr von der Sitte der Väter und dem übertieserten ReligionSgesetz zu begrünten, ifi die Betonung der Notwendigkeit. mit de: Zeit mitqehen. sich den Anfofderungen des Zeitgeistes anpaffen zu müffen. Es wäre eine würdige Aufgabe für den GeschichtS' forscher, einmal eine Geschichte dieses sogenannten Zeit« geiste» zu schreiben, einmal olle die Torheiten. Widerfinnigkeiten. Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten festzustellen, welche die Menschen «n innem Nomen begehen zu müffen glaubten. Jedenfalls würde sich ergeben, baß bei dieiem Zeitgeist von Geist keine Spur vorhanden iE daß er nur den Menschen einen Borwand bietet, sich ihre Beguemlichkert zu erhalten und ihre eigenen materiellin Jnkrrfsen zu sbrdern. fick ober den Forderungen de» Rechts, der Sittlichkeit und der Religion zu entzreher. Wenn der Zeitgeist stets das Maßgebende wäre, dam müßte die Menschheit ja stille stehen, dann dürfte es niemals einen Fortschritt. eine Aenderung, eine Vefferung geben. Alles Große und wahrhaft Gute ist vielmehr im Gegensätze zum Zeit» geiste und im Kampfe mit ihm durchqesetzt worden. Der in sich geschloffene Charakter, der wi^llich denkende Mensch wird nicht mit der Zeit mitgehen, sondern wird versuchen, die Zeit mit sich fortzureißen. 2>er Zeitgeist ist etwas Nichtiges und Eitles, etwas Vergängliches, oft Verderbliches. Der wahre und echte Geist steht Über der Zelt und außer der Zeit. Er ist der Träger der eafigen und unvergänglichen Ideen, deren ^Verwirklichung allein das Heil und das Glück der Menschheit begründet. Der dieswöchenttiche Schristabfchnitt gibt uns in kurzen und kernigen Worten die Schildenma eines solchen Zeitgeistes. Die Erde war verderbt vor Gott und die Erde war voller Gewalttat. Es war modem und zeitgeuiüß. sittenlos und gewalttätig in sein, höchst unmodern aber, gerecht nnb untadelig zu sem. Das Laster hatte die ganze bestehende Welt ergriffen. Die Söhne der Gichtigen gingen mit de« bösen Beispiel I voran und da« gemeine Volk folgte mit Freuden ihrem Beispiel. Nur einer wagte e« anders zu fein. An der Wiege schon hatte man e« ihm gesungen, daß er der Trost der Welt sein werde, und er wurde nicht nur der Trost, nern -er Retter und Erhalter des Menschlichen, indem er der Urimerschlichkeit der Welt und des Ze-.tgeistes entgegentrat und als er iah. daß diese Welt sich nicht retten losten wollte, sondern blind der Macht de« Zeitgeistes verfallen war, sich und die Seinen, dem Rufe des Göttlichen folgend, auf die einsame Arche flüchtete, die ihn in eine neue bessere Zeit führen sollte. Gleiches hat stch immer von neuem ereignet im Kreislauf der Geschlechter. Der Gerechte und Untadelige, der getteu mit seinem Gotte wandelte, mußte stch stets der Lockungen eines verführerischen Zeitgeistes erwehren- Noch immer oder hat sich eme Arcke gefunden, dir den Träger de« Göttlichen barg und aus der Sintflut und dem allgemeinen Zusammenbruch in eme schöne Welt rettete, wo er neue Altäre seinem Gotte errichten konnte. lvcfi Tikwoh. Gotteshaus« in die Seelen der Besucher gesenkt. Buch Ruth war Inhalt der Predigt. Da zog der Selbstsüchtige, der sein Doll in Rot und Menü losten, um sein und seiner Familie Leben z» sicher», er stirbt i» fremden Lande, an de« Lnge dör Fntzä»»» vorüber, ba stieg empor die einzig schöne, liebüche GW mit ihrer selbstlosen Liebe, die mchts wiA und degech als Schassen und Wirten für andere. Ander« LeG « Sorge zu bannen und der der Lohn beschieäu» »trtz, da.. sie des lüdischen Königshauses Stammutter geworden. tt2-J weiter kündete das Wort von der selbstlosen, danewckW Liebe, die auch wir heffche« müffen. in dies« Zeit «eh»' denn je. denn auch bei uns Jude« find da tau« *m l Leidbela denen gar viele Der Menschheit ganz« JanMWGmuß un» «rsaffev. wenn hungernde« Antlitz »in f«chck«O^ Los uns kundlut. .Und so »ndea denn E»» Matal die Gott Euch erhalten möge, noch de» fteicky z» Ca# 3 fcnapa, fetaa 4 j lommoi uttb bitten fttt bic Pitbrr b«t i Wie wir für die „Jüdische Kinderhilfe" geworben haben Von Prediger Nülf.Detmold. . . . ba iafem fit vor mir. bit JHtintn unb Größt», Gymriaftasttn. hvhtrt Tbtbltr unb Bolksschilltr, unftrt Wtrbtr unb Wtrbrnnntn Dit Ettlt trat in ihrt Äugt», ängstlich btllommt». Milltib tmpfinbtnb. ball innigsttr Anitilnahmt unb inntrtm Erltben all bt4 Cchrttklich«., bti Jgmmtr» nnb btt gltnbt, btr Not unb Pein, bol ich ba aufztichnt» mußlt non btm jUbifcht» Pinbtcdtnb. Aufrichtig, au« litffltn ^tijmlgiunbt kam bann bei Dunfch unb Willi, milzichttftn stir bit Sammlung .Jllbstcht Pinbtrhuft'. Aber noch war bie Zeit nicht ba. baß sie ibien jugenblichgUbenben Eifer beweist» lannttfl, btnn bit .Alten', bie Ettern, bie Erwachs tuen, mnßlt», erst für bie gbee atwmmeu «erben. Das hielt nicht Ichwer. Der richtige Tchlsffel schließt bas fübifche Herz stet« auf. Echowuau« Morgen «it fauueadurchtrtnkter Pracht war gelammt». Aubacht Haiti stch i« blumengifchmsAd» schaut auf Eurt Pinher unb (cbenM jener PUbet. iebet fafen fit in ihre» 84nltn. Mt PbbM mBcj I Großtrl. bie ML bei unb Zunge»«. San tiUer Sistt nibabl bie Namtn aller NemeinbtMitglieder oerltlen. 0»b wer stch § eintn von biefen erwählte alt gutes .Objekt', der hAU g feinen Finger hoch. Alle wollten ft» helfe» a» ha» (OM Wert der jüdischen Nächstenliebe. Die Pleine» ntb Pw^; ften voran, doch auch die Großen bliebe» Jeder nahm ein Dutzend' und noch »ehr auf stch, mit einem Flugblatt de, Zeutralwohlfahitsstistt das fchen Achen. >hteil»»g .Jüdische Piaberhilfe', » Hand ging« an die klicheit. Sieb nah fei», trea ab haben bie kleine» Frermbe unb fftennbine» es an Wie glühten bie naubeu, wie schlug ba« Hettzchn Freunde, ba fit die aesamattlttn Gelber abücherbn gingen barm nach Berti» «it eine» vriefchr», haben für unsere Schwestern «ch Brüter gerne uxb atfammtU.* Siebe Pitbetbilftl Schreite be» bit Samnrleiu auch etar deinct Brieflei». Me wirb stch Herz ba»» freue», ei*» richtigen Brief unb .Herr»' |» erhalte». Ferien find'«. Cb Me Pr»berhilfe it frinf Uchl Bald »erbe frohe, glückliche Phcher «V» m ' f J* "t-‘-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.