Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 35 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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3 „Irdisch, StOluitoaq ‘ M^rinl »tch-nütch oa Jrtm >frrtlag nt hna karch die ML *w «ch varch die OeschtstrreT« ich M 4A) de,»« Wer»«, dei Ndtz«l»»g ta Mk. 4.SS. Einzel»» ItnuMT 40 W. «eschafrssielle nr. 35 Schristleitug ul Verl««: Herftsprecher Ri»« SVlS. Keschstftllstrle: fferniprecher Ain« 872. trt »Kt««r«e 10-4. 4« «»maia Mwwa Kttan* sob tmntvtoaa \ \ —1 LH«, ft» 11 i g t m Werde, »sch MÜÜMeter» derech»ei. S«l fttltaKter der »«ijihiflfui AeL taftrt 10 M.. Aaarvieaa^ei-ev 4S V- — Bei MederM«W Gr»«ßtg»,a. Schriftleilun« und Verlag in Breslau. Kaiser Dilhelmstratze L'7 — Zuschriften sind dorihin zu richten. Cilt,«felb. * m. b t>., »rdlau I, 6SBeibni»etflraie 37 — Mt Mt Bit Rtaei Aaffsttzr, »eich« Mt «ttitattlt MM»»», M Brrsaffer« j»n liilllt Mi»,». Ucriirat Mt Schriftleibag nt feit preßgrsetzliche Betnnwftu,. Brttlau, teil 9. September (92) xxtii Vom 12. Zlouisteukovgreß. i. «t«MrMt. Aaellbab. Szenenwechsel. Ein ganz andere« Bild bittet Karlebad wie vor 8 Lagen. Bon den Kvitzästkv ist »in großer Teil abaereift. Ändert Typen promenieren des Morgen» ous der Kurpromenade. Menschm. die nicht so krank au«sehen Durchgeistigte Gesichter ju einen großen Teil. Ein grdßerer Prozenffotz jugendlicher, Gestalten, sehniger, geschmeidiger, trainierter, al» man fit wenige Tagt zuvor noch sah. Besonder« die weiblichen Die da jetzt promenieren, brauchen nicht die Wüster von Karl«bad. mn sich zu verjüngen. Man fieht ihnen an. daß fie hygienisch zu leben gewohnt find. Sie lallen nicht aus durch den Prunk der Kleidung aber durch ihre Frische. Natürlichkeit. Gestlligkeit und Rüstigkeit. Je mehr man sich dem Kongreßlvlal. dem Schührnhau« nühert. desto bntbewegter da» Treiben, desto lebhafter da» Stimmgewirr Bom srühen Morgen bi« zum spülen Abend: Sprachen aller Art tönen an» Ohr. Nicht zum wenigsten da» klangvolle sephardische Hebräisch Sn den Fenstern der Nachbarhäuser stehen Phatogypphen und Kinooperateure. ll. Delegierte »»d Küste. Etwa 4L0 Delegierte sind da. Sie repräsentieren etwa ei»» Million Schekeszahler. Die Zahl der Küste geht in die Lausende Täaüch lourmen neue Küste Mal aste» Leit» der Well. Allein au» Palästina find fie in großer Zahl auch ohne Mandat erschienen. Mit Lebnügesahr sind manche an» Polen, Litauen und Rußland gebnaen. Sibirien. Persien, Rordasrlka. Südaftika. Kord und Südamerika find vertreten, Dauer Postkarten, die den Räum» entsprechend nur in beschrünlter Zahl autgegeben werden konnten, werden zu 2 - 3000 Kronen tschechisch zn Künsten de« Fond» der Organisation gehandelt. unter d» Küsten sieht man manche bekannte Persönlichkeit, Maler. Dichter. Schriftsteller. Polifiker. Einige, die in Bierlau nicht unbekannt find: Max B rod. Richard Beer-Hosmann, Abg. Orkar Eohn, Gewerkschoslssührer kali»Ii. Ministerialrat Badt. Prvsefior Sodernheim. Joses Budko lil. Die Eröffaaag E» ist ein tiesernster. seierlicher Augenblick, da die Zionistische Ezekutiv« die Tribüne betritt. Man denkt an die acht Jahre, die seit dem letzten Kongreß verftoffen find. — eine lange Zeit, eine ach! wie schwere Zeit. Wo» hat fie dem jüdischen Volle gebracht! Wie viel Schmerz, wie viel Berlust. Jammer. Elend und grausamen Tod. Aber, auch Größe. Hoffnung und Ersolg . . . Mit Jubel werden die Männer begrüßt, die in dieser Zeit die politischen Führer de« jüdischen Bolle« geworden und gewesen find, vor allem Weizmann und Sokolow. Ihre Reden eröffnen die Tagung. Beide werden hebräisch gehalten. In tiefer Stille lauscht man ihnen, auch wenn man fie nicht versteht. E« folgen die Begrüßungünden in englisch, tschechisch und wiederum Hebräisch. Deuffch sprechen nur die Bertretir der jüdischen Gemeinde und die Kurverwaltung von Karlebad Letzterer erweckt helleren Beisall. Denn-er macht Propaganda fttr Karledad. — Die Rachmillage-Sitzung wird deuffch eröffnet und von nun an Überwiegt da» Deutsche all 8erhandlung»Iprache. Die deutsche Sprache ist nun einmal dä» .Esperanto' der Juden aller Well. I» einer Konferenz der Pressevertreter, die der tüelgewandte Schöpfer der jüdischen Legion, Jabotin»kh, in Reben (!) Sprachen leitete, mehde dieser, sehr anglisierte ruffische Jude: Die deuffche Sprache »ürde Wohl vorherrschen, au« aller Traditio» .... Bei der Jahre», takte»!' t» öonbmi In Jahre 17*0 sprach man meist .jiddisch", i» war aber vom Deutsche» nicht viel unterschieben. Jemand meinte sehr schön: .Da» Deutsche ist doch nur eine sephardische stlu«sprache de» Jiddischen' IV. Die Berhondlnge». Die Berichte, die den Delegierten in drei Sprachen lhebräisch. deutsch und englisch! überreicht werden, find dicke Bände. Daß man sie nicht schon vor dem Kongreß erhielt, erfüllt alle mit Bedauern. Iber Zeit und Umstünde. Schwierigkeiten der Sprache und de» Drucke», waren einer früheren Au»gabe entgegen. Schließlich: fie bringen doch nur Einzelheiten. Ergänzungen zu allem, «a» man scho» weiß. Sie werden kaum viel an der Stellungnah»» der Einzelnen ändern. Ander« die lutführungen der Reüewe am Kongreß und viel mehr noch Me in de» Kommt ffio neu. Land«mannschaftm und Fraktionen. Hier wird dei» letzte gesagt ... Gleich der erste Tag zeigt-die ernste Kritik, die dem Kongreß ihre Signatur aufdrücken wird. Schi» am ersten Nachmittag erreicht so der Kongreß eine» gemffso» Höhepunkt in der groß angelegte» Reb Juli», Simon'». Die schöne, elegant schlanke Erscheinung de» Redner», sei» shmpalhische« Wesen, seine sachliche Rede »rache» enu» vorzüglichen Eindruck und bestechen die Hörer. 1 Eine große Reihe glänzender Reden bringe» der zweite und dritte Tag. teil» heträisch, teil« deutsch. Bo» aroßer Wirkung ist besonder« der erste Zeit der Heb Martin Buber». der einen Propheten au» alter Zell gleich «> scheint, all er mit tiefem feierlichen Ernst bobul: .Die schwere Stunde der Selbsterkenutni» hat z» schlage» b> gönnen." Der alte Hellin au» JerusMem. da» hestige tatho» de» Mi»rachi-gührei« Meyer Berlin'«, die mcM« rscheinung de» Wiener Oberrabbiner« Dr. Ehajeü, die Leidenschaftlichkeit de» prltstinenfischen Arbeiterführer» Beil Katzeneljohn. der typische Imerikaner Lipüky — so wechsebt die Erscheinungen der Redner — die ent» MeteflriM, die andere» klage» an. .Eim Opyosttia»', so spat eben ihrer hervorragendste, Führer, Jen Fischte nt Bebte», .eine OppMttllm MM e» gt« nicht: nur OpyosttineeKe". ALL IUxÜÄ V. Der Sa»»««». Ruhig lügt da» Kongreßgeöünde. Alle vür»g, nch die tschachlsche Post find geschliMe». Am vormlltn ist b der Kemeinb-Synaaoge ein Fe^Gotteüdienst Eine bingstigenb Fülle Die Führer der Beweg»», werde» za Thora aufaeruftn. Der Kemrinb-Rabdiner Dr. Zieglee hüll eine Festpredigt, in der er sich zum Binjan-Hnrez bekennt. Rach der Predigt fingt die ganz« versammelte Gemeinde unter Orgelbmleibn, die .Hattkmah", Me jüMsche Nationalhymne. Einen zweite* Kotteüdienst Hab, Feuilleton. Verantwortung. velrachumg zuni Lochenrblchwn O^töLW Der polllische Mord, der in den letzten Wochen zn den erregtesten Erörterungen und Meinungltämpsen Anlaß gab. legt un» die Frage nahe, inwieweit eine Gemeinschaft für da» Berbrechen eine« ihrer Mitglieder die Berantwortnng trügt. Die heilige Schrift führt un» in unserem Wochenabschnllie einen solchen Fall vor Augen. Ein Ermordeter findet sich aus freiem Felde. Man weiß nicht, wer ihn erschlagen hat Da wüsten sich die Aeitesten der nüchfiliegenden Siädie versammeia. E« wird durch Meffen sestgestellt. welche Siadi dem Orte der Tat am »üchstr» liegt. Deren Aelteste hoben dann ein Kalb, welche» »och leinerlei Arbeit verrichtet hat. in ein unfruchtbare« Lai zu briagin. In seierlicher Bolklvei - sammlang in Äegrnwari der Priester wird dar Tier durch Seuickschlag getötet, wodurch wicht symbolisch die Hinrichtung de» unbelarmten Mörder» augebulet werden sollte. Die Aeüesten der Stadt heb» dann an und sprechen: Unsere Hüub haben diese» Blut nicht vergoffen und nnsere Augen e» uicht mit angesehen. Rach der Erkläruni der Alten sollen fie damit bekunden: Wir haben niemanbn in unterer Sböt ohne Rahrung und ohne Geleit gelaffen. daß er brhald Hölle zam Mörder werden müssen Unter dem Schell dürfe» wir vielleicht da» geistige Geleit de« rchigiösen Wiffen» »erstehen, wchche» den Menschen vom Bdsen zurückhäll nach dem Worte der Welten Wer eine Reise »«cht und lei» '■ '• Sit, beschöstbe sich mit der Thoraz denn diese dewa^ ,. or den Gesohren de« Wege». Die Gesamt, ' /, deren Vertreter tragen also eine btzwelle veranb'chuo' Sie müffen dasür sorge», daß etdem Bol! nicht an v.u notwendigsten Bedürsniffkn de» yy«* »nb bt Seele fehle. Deren Mangel wird zum Meten Beweggrund bi der Berüduua eine« Verbrechen«, wemi natürlich auch die lltzte Eutscheibmig im freien mRllen de« Mensche» liegt. Jede Schreckenötat soll de» Führern de« Volke» eine feierliche Gelegenheit sein, sich zu prüsin, oh fie auch ihre Schuldigkeit getan habn - Wenn Führer oft in der Fürsorge sür da» körperliche und geistige Wohl der Aemeinschast sehlln. so ist die Ursache zumeist der Mangel an Opserwilligkeit oder vielmehr die Furcht, daß die Opserwilligkeit der Gemeinschpft versagen und zu große Forderung den kldsall »ock der Fahne he^eisühren werb. Vielleicht ist H gestattet, in dem Kalb, da» zerschlagen wurde, auch eiu Änndild de» golbnen Kalb« zu sehen. Die Aeltesten müffen bkunden linnen In unserer Stadt wird dal goldene Kalb nicht anaebetet. Wir schlagen e« in Slacke, wenn ei gilt, hohe Zwecke bt Gemrinschast zu fördern. Da» ist eine Frage, welche auch uasere jüdische» Gemeinden ernstlich bschüsügen muß. Ein ganzer Stand ist e». der bald erschlagen und oemichtel aus her Strecke liege» wird: der Stand br Lehrer und geistige» Führer der Gemerrden. Die Borbreitanz-ianstallen. Me Lehrersemina e schließen eine nach der andnnr. Dir RadMiUlsrminare «erb» folgen, i« gibt keinen Rachwuch» mehr. Die im Amte bestnMichen darben und zermürben ihre Kraft im Kampfe mit der Rot de» täglichen Leben« Biele, die noch die Kraft in sich fühlen, verlassen den undankbaren Beruf, der nicht einmal die bescheidensten Lebniansprüche bfriedigt. Verwaist »erden dann die Gemeinbn dostebn Niemand will dann der Schuldige sei» niemand weiß dann, wer diesen Mord de« »eiste« begangen Hai. E« iß ja eine giwffse Traditio» in J«r»el, baß die gmstigen Flihrer hungern müffen. Die Thora ist von b» Kindern der Arme» au»gega»gen. Man hat an Fasttagen darum gebetet, daß die Lehrer und Schreiber arm blieb», da sie. «euu fie zu Bernrige» kämen, Wahl ihnen mühseligen Beruf ausgebe» kdnnte». So ist ja der Weg br Thar»: Brot mll Solz efft», Waffer nch Maß trllcke». aus der Erb schlafen und ein schmerzpalle» Leb» führen und dabi ebst» Thora lerne». E» ist meetwürtzig. wie Me Aelteste» Jülaell, hie hach soveele heilige Traditionen über Bord geworfen habe», sich mll einer einer besser» Sache würdigen Zthigkell an Mefe Tlnbllro» klammer». Gewiß gibt e» große Führer. Re, von Ihre» Ideale» Ä, auch unter harten Enttehrngen ihre» Weg Hab». Mose snstet aus dem Sinai Et» Tag» und Rächte, und" sür Elija genstzlle ein Mahlzeit für einen Weg von gleicher Dauer. Aber wir hasten hebe nicht mehr da« Recht, un« aas Wunder z» vrrlaffr». Für mH gM da» Wort, daß eine Seweinb bemal» am» ist und daß e» ihre Pflicht ist, ihre» Boamtn hl« aletch« Lebnihaiinng zu erm»glichen, dem, sich der Durchstchnill ihrer Mitglieder erfreut. Mdgrn die Aelteste« Jür«ll in diese« eochm Fest, «a» immer auch komme, mll ruhige» Kewiffen »«eusn können: Unsere Hänb haste» diese« Blut nicht Iiraeffm und unsere Auge» e» nicht mll ngesehe» Wir Hab» mll grdßte» Opfern für da« Wohl der un« «uvertraute» Semeinb gesorgt- - l«cft Dfinvod. Der jt»ische «t>k»r>t. wo» Keener Ketst. De« heutigen Sbbule» Ausgab ist z«. sich da« »eisttge Rüstzeug sür den Kamps um» D-seb zu »erschaffe». Sri» Zick ist Me hstchstmdgiichste Entwickln, und Entsaünag der 1» ihm ruhende» Kräfte. Vmtbliignng für Me Ereeichnng diese» Ately« ist Me Fveihell der geistige» EbfEan. Daß dieselb sür b, lunge» Jute» leine Seiststpeistibdlichstill bebntet, liegt aus der Hand. Weiß doch breit« de» jüdische Krtnaner ein Liest davon »n fingen, wa» e» heißt. bü Symaastam, da« »oa bm nttsenellisch-realllntve» Ddeiln gckeiwt wie», »o» Aiesan bi« <»b zu durchbste». Die Scheffnlfrendigklli b« Schiller« »urb nr all«, «ft b» ' Gischnch der niisemlliiche» Aer» ersllcki; Kräfte I werftBer Natur Miete» n« Mängel n Lieb latent. llb wie steht e« ns br Hochschniek Wir w»m »-r Sentü-, wie br Aoiisemlliam»« n b» bbsKM Unberfittle» gmsfiert. Anüsemll sei» mb» ta-nchM ibatistzirrt mll br Evnßßril ebb »lle» Vabbte».